Burtscheid

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Dieser Artikel behandelt den Aachener Stadtteil Burtscheid. Die Gemeinde Burtscheid im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz siehe unter: Burtscheid (Hunsrück). Nicht zu verwechseln mit Burscheid.

50.7630555555566.0922222222222180Koordinaten: 50° 45′ 47″ N, 6° 5′ 32″ O

Burtscheid
Stadt Aachen
Ehemaliges Stadtwappen von Burtscheid
Höhe: ca. 180 m ü. NN
Eingemeindung: 1. April 1897
Postleitzahl: 52066
Vorwahl: 0241
Karte

Lageplan Burtscheid und seine Thermalquellen

Burtscheid (lat. Porcetum, frz. Borcette, Öcher Platt Botsched) wurde im Jahr 1018 erstmals urkundlich erwähnt, war aber zuvor schon eine von Kelten und Römern genutzte Ansiedlung. Im Jahr 1338 erhielt Burtscheid die Stadtrechte und war bis 1897 eine eigenständige Stadt sowie ab 1816 auch Verwaltungssitz des Landkreis Aachen. Im Jahre 1897 wurde Burtscheid schließlich zu einem Stadtteil von Aachen eingemeindet,[1] der seit 1972 zum Stadtbezirk Aachen-Mitte gehört. Burtscheid verdankt seine Entstehung und spätere wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung hauptsächlich seinen über 20 Thermalquellenvorbrüchen, welche zum Aachen-Burtscheider Thermalquellensystem gehören, sowie dem Bach Wurm mit seinen Zuläufen. Zum ehemaligen Stadtbezirk gehörten neben dem Zentrum die Ortsteile Beverau, Grüne Eiche, Steinebrück und das Frankenberger Viertel.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der Name Burtscheid ist ein Kompositum, das verschiedene Deutungen zulässt. Zunächst bezeichnet das Grundwort ...scheid eine territoriale Grenze, eine Weg- oder Wasserscheide. Eine andere Deutung steht im Zusammenhang mit der Besiedlung. In der Zeit der großen Rodungen im 12./13. Jh. entstanden linksrheinisch zahlreiche Ansiedlungen mit der Silbe ...scheid im Namen. Das Wort wird verschieden ausgelegt: Es kann sinngemäß das für die Siedlung ausgeschiedene Land bedeuten oder aber der Name steht im Zusammenhang mit dem älteren keltischen/gallischen Wort keiton/cetum in der Bedeutung von Wald/Heide.

In früherer Schreibweise heißt Burtscheid borcetum – welches in seiner Bedeutung wahlweise als Wald am Bieberbach, Wald am braunen Bach, Wald zur Schweinemast ausgelegt werden kann.[2][3]

Wappen[Bearbeiten]

Das alte Stadtwappen von Burtscheid wurde aus dem Familienwappen der Äbtissin von Woestenrath entwickelt und die zwei doppelschwänzigen Löwen entstammen dem Jülicher Wappen. Im Einzelnen war es wie folgt aufgebaut:

Blasonierung: In Schwarz, goldgerandet, ein goldenes 12endiges Hirschgeweih, darin ein silberner Schwan. Der Schild, mit einer dreitürmigen silbernen Stadtmauer bekrönt (Hinweis auf ein Stadtwappen) und von zwei aufrechten, doppelschwänzigen goldenen Löwen gehalten, steht auf einem silbernen Band, das die Aufschrift Stadt Burtscheid trägt.

Als Burtscheid im Jahr 1816 den Verwaltungssitz des Kreises Aachen übernommen hatte, wurde das bisherige Schild mit den Geweihen und dem Schwan aber ohne die Türme, die Löwen und das silberne Band, nun ergänzt mit einem darüber liegenden goldenen (gelben) Schildhaupt über dem alten Wappen, in welchem der schwarze Jülicher (stehend für Herzogtum Jülich) Löwe nach links schreitet und diente seit dieser Zeit als Wappen für den gesamten früheren Kreis Aachen und die heutige Städteregion Aachen.

Geschichte, allgemein[Bearbeiten]

Bereits die Kelten siedelten sich in dieser Gegend entlang einer der damaligen Quellen der Wurm an und gaben dem Bach wahrscheinlich, als Ableitung des Wortes „warm“, seinen heutigen Namen, da er durch den Einfluss der Thermalquellen relativ warmes Wasser führte, wobei diese Theorie der Namensgebung historisch nicht belegt ist. Diese Quelle weihten sie ihrem Gott Grannus. Als Nutzwasser verwendeten die Kelten eine etwas höher im nahen Stadtwald gelegene Quelle mit kühlem und klarem Wasser, die heute als die eigentliche Wurmquelle angesehen wird.

Statue für Gregor von Kalabrien neben der Kirche St. Michael
"Das Burtscheider Tal bei Aachen", identifiziert von Hans Königs (1964),[4] vormals bekannt als „Landschaft an der mittleren Maas“, 1570

Später ließen sich hier die Römer nieder und nannten das Gebiet auf Grund des Wildschweinevorkommens „Porcetum“. Im Bereich des heutigen Burtscheider Marktes wurden römische Thermalanlagen und medizinisches Besteck aus der Römerzeit gefunden, was auf die Besiedlung als Kur- und Heilbad hinweist. Damit das wertvolle Trinkwasser aus dem Aachener Wald, das im Burtscheider Tal Richtung Aachen abfließt, nicht durch die salzigen Thermalwässer verunreinigt und somit für die Wasserversorgung unbrauchbar wird, haben die Römer im Bereich des Quellgebietes der Thermalquellen die Wurm großräumig verlegt. Der künstliche Wasserlauf des "Kalten Baches" verläuft am Hang des Heißberges und Adlerberges bis ins Frankenberger Viertel. Anschließend besiedelten germanisch-fränkische Stämme das Gebiet,[5] bevor später im 7. Jahrhundert zunächst die Arnulfinger unter Chlodulf hier eine Kapelle erbauen ließen und in der folgenden karolingischen Zeit Burtscheid vermutlich zu einem Nebenhof der Aachener Kaiserpfalz mit Viehwirtschaft umfunktioniert wurde.

Abtei Burtscheid um 1790

Seine eigentliche Entstehung als Stadt verdankt Burtscheid schließlich dem Benediktinerkloster Burtscheid, welches gemäß einem Diplom Kaiser Ottos des III. vom 6. Februar des Jahres 1000 als kaiserliche Stiftung unter dem Basilianerabt Gregor von Burtscheid aus Kalabrien zu Ehren des heiligen Nikolaus von Myra und des Apollinaris von Ravenna gegründet wurde. Indizien und die meisten Quellen sprechen dabei eher dafür, dass das Jahr 997 das eigentliche Gründungsjahr war. Im Jahr 1220 wurde das Benediktinerkloster in ein reichsunmittelbares Zisterzienser-Frauenstift umgewandelt. Den Äbtissinnen des Klosters mit Sitz und Stimme in der Reichsversammlung oblag nun im Verlauf von rund 570 Jahren als Fürst-Äbtissinnen die Landeshoheit über Burtscheid. Zur Durchsetzung der Hoheitsrechte wurde ihnen jeweils ein Vogt zur Seite gestellt. Die Funktion des Vogtes übernahmen bis etwa zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Herren von Merode-Frankenberg, einer Nebenlinie des Haus Merode mit Sitz auf der Burg Frankenberg.[6] Anschließend fiel die Vogtei an das Herzogtum Limburg bis zu ihrer Auflösung während der französischen Besatzungszeit. Die Stadtverwaltung selbst wurde von einem Bürgermeister und seinen Schöffen wahrgenommen.

Die Burtscheider Bäder nach Blondel, 1688

Etwa ab dem Zeitraum des Erhalts der Stadtrechte markierte die Wurm nun auch die Grenze zwischen Burtscheid und der benachbarten, sich eigenständig und konkurrierend entwickelnden Freien Reichsstadt Aachen sowie zwischen dem Bistum Lüttich und dem Erzbistum Köln. In der Zeit der Aachener Religionsunruhen flohen viele zum Protestantismus konvertierte Familien wie beispielsweise Pastor, Peltzer und Amya aus dem letztendlich katholisch dominierten Aachen und ließen sich unter anderem in Burtscheid nieder. Hier konnten sie ihre Religion relativ frei ausüben und auch in Ruhe ihrem Handwerk nachgehen. Besonders diese Familien, welche in Burtscheid Zuflucht gefunden hatten gründeten zahlreiche Mühlen, Hammerwerke, Färbereien, Schleifereien, Tuchmanufakturen und sonstige Fabriken und nutzten dabei das Wasser der Wurm und ihrer Zuläufe als Antriebskraft für ihre Mahlwerke und später für ihre Maschinen.

Aachen-Burtscheider Pferdebahn

Während der Preußenzeit lebten in Burtscheid bereits etwa 11.000 Einwohner, von denen circa 11 % evangelisch waren. Die Stadt wurde nun ab 1816 Verwaltungssitz des neuen Kreises Aachen. Die Kanalisation sowie die Gas- und Wasserleitungen waren im Verbund mit der Stadt Aachen angelegt worden. Zwischen den Städten verkehrte eine erste Pferdebahn und an den Stadtgrenzen zwischen Burtscheid und Aachen entstand 1841 der gemeinsam genutzte Aachener Hauptbahnhof. In Burtscheid selbst florierte besonders der handwerkliche Mittelstand bestehend unter anderem aus Tuch-, Hirschleder- und Kaschmirfabriken, dann Streich- und Kammgarnspinnereien, mechanischen Webereien, Färbereien, einer Filztuchfabrik, Fabriken für Nadeln, Kratzen, Maschinen, Geldschränken und Chemikalien, einer Eisengießerei, Farbholzmühlen sowie einer Bierbrauerei und Branntweinbrennerei. Sie schlossen sich 1833 mit Aachen zur gemeinsamen „Handelskammer für die Städte Aachen und Burtscheid“, der späteren Industrie- und Handelskammer Aachen, zusammen.

Das Michaelsbad, eines von 5 Kurbädern in der Dammstrasse

Im gleichen Zeitraum erlebten die Kur- und Badeanlagen regen Zulauf, neue Kureinrichtungen wurden ebenso wie neue Krankenhäuser erbaut und Burtscheid entwickelte sich dank seiner heißen Quellen zu dem bis heute anerkannten Kurort vor allem für Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises.

Schließlich wurde nach jahrelangen und zähen Verhandlungen am 28. Januar 1896, wenige Monate vor dem Amtsende des Aachener Oberbürgermeisters Ludwig Pelzer, der Vertrag über die Eingemeindung Burtscheids, welches mittlerweile sowohl wirtschaftlich als auch räumlich mit der Stadt Aachen zusammengewachsenen war, von der Stadtverwaltung und von der königlichen Staatsregierung beschlossen und genehmigt. Das daraus resultierende Gesetz wurde daraufhin am 24. Dezember 1896 von Pelzers Nachfolger, dem Oberbürgermeister Philipp Veltman, und dem seit 1873 amtierenden letzten Burtscheider Bürgermeister Karl Middeldorf unterzeichnet und vom König Wilhelm II. am 29. März 1897 gegengezeichnet. Seit der Gemeindereform 1972 wurde Burtscheid dem Stadtbezirk Aachen-Mitte zugeordnet und gliedert sich in drei Kommunalwahlbezirke: 016 - Burtscheider Abtei im Zentrum, 017 - Beverau/Burtscheider Kurgarten im Osten und 018 - Steinebrück im Süden.

Chronologie der Geschichte Burtscheids[Bearbeiten]

Rk. Kirche St. Johann-Baptist mit ehemaligem Abteigebäude

1016–1018, etwa 20 Jahre nach der Klostergründung, wurde die erste (romanische) Abteikirche fertiggestellt und als Benediktinerabtei unter das Patronat Johannes des Täufers gestellt. Nikolaus von Myra blieb zweiter Patron. Die heute an diesem Ort stehende Kirche trägt immer noch den Namen St. Johann-Baptist.

1018 schenkte Kaiser Heinrich II. dem Kloster das umliegende Gebiet als Zehntbezirk und löste sie damit vom Pfalzbezirk Aachen ab. Daraus entstand in der Folge die Herrlichkeit Burtscheid.

1040 übertrug Kaiser Heinrich III. den im Dorf Burtscheid lebenden Gläubigen, die bis dahin dem Pfarrsprengel des Aachener Marienstiftes angehörten, die Abtei Burtscheid.

Nach 1100 wurde die Abtei von Siegburg aus reformiert und erlebte bis zum Ende des 12. Jahrhunderts eine Blütezeit. Um 1190, unter Abt Arnold, wurden die Gebeine des Gründerabtes Gregor von Burtscheid feierlich zur Ehre der Altäre erhoben. Gregors Todestag, der 4. November 999, wurde bis zur Aufhebung der Abtei als Gedenktag begangen.

Rk. Kirche St. Michael

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde gleich neben der Abteikirche eine Pfarrkirche erbaut, welche auf den Namen St. Michael geweiht wurde.

Im Jahr 1220/21, unter Kaiser Friedrich II. und dem für Burtscheid zuständigen Erzbischof Engelbert I. von Köln, zugleich Kanzler des Heiligen Römischen Reiches, wurden die Benediktiner aus dem Kloster vertrieben. An ihrer Stelle zogen Zisterzienserinnen in die Gebäude ein, welche vorher, seit etwa 1200, auf dem Aachener Salvatorberg ansässig gewesen waren. An diese Nonnen wurden alle Besitztümer und Rechte des Klosters übertragen. Die Klosteraufsicht oblag zunächst der Abtei Heisterbach, ab dem 14. Jahrhundert der Abtei Himmerod und ab dem 16. Jahrhundert der Abtei Clairvaux (heute Luxemburg) bzw. der dieser untergeordneten Abtei Val Dieu (heute Belgien).

1248 wurden Aachen und Burtscheid durch den Grafen Wilhelm von Holland belagert. Hierbei trugen die Klostergebäude schwere Schäden davon. 1252 wurde zur Kompensation der Schäden die Pfarrkirche St. Michael der Abtei, die das Patronat über die „Leutkirche“ (seit dem 13. Jahrhundert aus lat. ecclesia plebis - Volkskirche, Leutkirche, Hauptkirche einer Pfarre, gleichbedeutend mit Pfarrkirche) bereits besessen hatte, die Inkorporation erteilt und damit die Erlaubnis den Großen Zehnt und den Fruchtzehnt einzuziehen. Der Status einer Rektoratskirche blieb St. Michael bis zur Säkularisation unter Napoleon I. erhalten.

Um 1300 schlossen sich erstmals die Burtscheider Tuchmacher in einer Zunft zusammen.

Burg Frankenberg

Im Jahr 1306 wurde die auf Burtscheider Territorium stehende Burg Frankenberg erstmals urkundlich erwähnt. Vermutlich wurde sie aber schon um 1270 von Ritter Arnold erbaut. Sie war bis etwa zu Beginn des 17. Jahrhunderts der Sitz der Burtscheider Vögte.

Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die romanische Abteikirche abgebrochen und an ihrer Stelle eine dreischiffige gotische Kirche errichtet.

Am 23. Oktober 1351 übertrug die Abtei die Gerichtsbarkeit über Burtscheid an die Stadt Aachen, die sodann von einem Aachener Meier ausgeübt wurde.

Um 1634 wurde der Grundstein zu einem ersten protestantischen Gotteshaus an der Hauptstraße gelegt, welches aber nach nur 80 Jahren im Jahre 1714 auf kaiserliche Anordnung hin wieder abgerissen wurde.

Zwischen 1735 und 1754 wurde die Abteikirche St. Johann Baptist unter den Äbtissinnen von Renesse und von Woestenrath durch den Architekten Johann Josef Couven neu erbaut. Zwischen 1748 und 1751 errichtete er auch die Pfarrkirche St. Michael neu, welche später 1891/92 durch den Architekten P. Peters erweitert wurde.

Zwischen 1753 und 1775 gab es Streitigkeiten zwischen der Reichsstadt Aachen und der Abtei Burtscheid um neue Straßenführungen von und nach Burtscheid.

Trotz des Einspruchs des Aachener Rates wurde 1779 von der Äbtissin auf Krugenofen das Glücksspiel eingeführt. Deshalb heißt die Verlängerung der Straße Krugenofen heute Kasinostraße.

Im Dezember 1792 fand die erstmalige Besetzung Burtscheids durch französische Truppen statt. Die endgültige Besetzung erfolgte im September 1794 und dauerte bis 1814 an. Burtscheid wurde zum Kanton im Département de la Roer. Die Besatzer stellten einen Freiheitsbaum auf und zweckentfremdeten die Abteikirche als Versuchsanstalt zur Herstellung von Heißluftballons. Am 30. Juni 1802 wurde Burtscheid Mairie und Hauptort des Kantons Burtscheid. Im August desselben Jahres lösten die Franzosen den Klosterkonvent auf, vertrieben die Nonnen und säkularisierten den Klosterbesitz. Das Abteigebäude diente nun für Wohnungen, Schule und Verwaltung.

Am 1. März 1804 wurde St. Michael zur Kantonalpfarre mit 17 Hilfspfarren, und der Burtscheider Pfarrer erhielt den Titel Oberpfarrer. In diesem Jahr wurde auch die neue, reformierte Kirche an der Hauptstraße geweiht. Erst Ende des 19. Jahrhunderts erhielten die Burtscheider mit der 1899 eröffneten und eingeweihten Dreifaltigkeitskirche wieder eine evangelische Pfarrkirche.

Am 23. März 1816 wurde Burtscheid Hauptort des preußischen Kreises Aachen-Land, der aus dem ehemaligen französischen Kanton Burtscheid und dem Kanton Eschweiler gebildet wurde, und somit zum Sitz der Kreisverwaltung und des Landrates. Noch heute befindet sich in dem renovierten und erweiterten Gebäudekomplex der Sitz der Städteregion Aachen als Nachfolgeorganisation des ehemaligen Kreis Aachen.

Ehemaliges Rathaus

Am 3. März 1823 wurde der Grundstein des Burtscheider Rathauses gelegt, welches bis vor kurzem das Haus des Gastes war und nun in das „Haus des Hörens“ umfunktioniert wurde (Architekt Ulich).

In den Jahren 1831/32, 1849 und 1866 kam es sowohl zu mehreren Choleraepidemien als auch im gleichen Zeitraum zu merkwürdigen Fällen von Wechselfieber, auch „Burtscheider Krankheit“ genannt. Aus diesem Grund wurde 1832 der Cholerafriedhof, der heutige Waldfriedhof, errichtet, welcher dann später zum Ehrenfriedhof für die Gefallenen der beiden Weltkriege ausgebaut wurde. Innerhalb dieses Areals ließen Aachener Bürger den 1907 eingeweihten Bismarckturm zu Gedenken an den „Eisernen Kanzler“ errichten.

Grundsteintafel Burtscheider Viadukt

1838-40 wurde der Burtscheider Viadukt erbaut und am 1. September die Eisenbahnstrecke Köln-Aachen-Belgien der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft, die über den Viadukt verläuft, eröffnet.

Das Gelände am Heißberg wurde am 23. Oktober 1851 von der Gemeinde zur Gründung eines neuen Stadtfriedhofs erworben. 1852 erfolgte der Beschluss eine Umfassungsmauer zu errichten, welche von den Bauunternehmern B. Klausener & Rhoen ausgeführt wurde.[7] 1862 wurde der Heißbergfriedhof für beide Konfessionen eröffnet und im Gegenzug die Kirchhöfe von St. Johann und St. Michael geschlossen. Auf dem Heißbergfriedhof errichtete man zusätzlich Kriegerdenkmäler für die Gefallenen des Deutschen Krieges 1866 und des Deutsch Französischen Krieges 1870/71.

Am 1. April 1853 führte eine Bürgerinitiative der beiden katholischen Pfarren zur Gründung des Marienhospitals Aachen.

1874 erhielt die Aktiengesellschaft Frankenberg die Konzession zur Erschließung des Frankenberger Viertels rund um die Burg Frankenberg, die bis in den Ersten Weltkrieg hinein andauerte. Daraus resultierten zahlreiche Wohnhäuser, deren Fassaden während der Gründerzeit in einem historistischen Stil ( Neoklassizismus, Neorenaissance, Neobarock, Neogotik oder Mischformen), danach in einem nichthistoristischen Phantasiestil oder den Formen des Jugendstils sowie schließlich in strengen Formen erstellt wurden. Allein im Bereich des Gebiets der Aktiengesellschaft Frankenberg sind derzeit mehr als 250 Baudenkmäler ausgewiesen.

1876 gründete sich der katholische Burtscheider Bürgerverein als Bürgerinitiative gegen die Kulturkampfgesetzte Bismarcks.

Im Jahr 1895 wurde der auf Betreiben der Königlichen Eisenbahndirektion Köln angelegte Moltkebahnhof in Betrieb genommen, der, auf halber Strecke zwischen dem Burtscheider Viadukt und der Burg Frankenberg gelegen, als ausschließlicher Güterbahnhof dem gestiegenen Gütertransport Rechnung tragen sollte.[8] Nach 1986 wurde er stillgelegt und dient heute als Lagerfläche für ein Bauunternehmen und als Wildnispark.[9]

Blick von der noch unbebauten Viktoriaallee auf Herz Jesu (1911)

Am 27. September 1903 fand die Einweihung der neuen Marienkapelle Burtscheid statt, die auf dem Gelände einer alten hölzernen Kapelle aus dem Jahr 1644 als neuromanischer achteckiger Zentralbau, mit doppelgeschossigem Umgang und Treppentürmchen zu beiden Seiten des Eingangs erbaut worden war. Die alte Holzkapelle wurde 1693 durch einen ersten Steinbau ersetzt und in den Jahren 1811/12 erweitert.

Am 5. Juni 1910 wurde am Ende der Victoriaallee die Herz-Jesu-Kirche (umgangssprachlich: Frankenberger Dom[10]) nach zweijähriger Bauzeit als eine der wenigen neoromanischen Werksteinbasiliken im Erzbistum Köln nach Entwürfen von Josef Kleesattel errichtet. Das Mosaik über dem Altar zählt nach dem im Aachener Dom zu den größten im Bistum Aachen.

Ab 1943 befand sich im Ort ein Arbeitserziehungslager (AEL), in dem unter KZ-Bedingungen Arbeitskräfte von ansässigen Firmen zur Zwangsarbeit ausgebeutet wurden.

Am 11. April 1944 fand der schwerste Luftangriff auf Aachen während des 2. Weltkrieges mit Schwerpunkt auf Burtscheid statt. Innerhalb von 21 Minuten warfen dabei ca. 350 Flugzeuge 19 Minen, 4.047 Spreng-, 34.200 Brand- und 8.685 Phosphorbomben im gesamten Aachener Stadtgebiet ab und töteten dabei 1.525 Menschen. Auch ein Großteil von Burtscheid wurde dabei zerstört und die Kirchen St. Johann, St. Michael und Herz Jesu wurden stark beschädigt[11].

Kurwesen[Bearbeiten]

Burtscheider Kurhaus, erbaut von Eduard Linse

Ein bedeutender Faktor Burtscheids sind seit den Zeiten der Kelten die Thermalquellen, von denen mehr als 25 mehr oder weniger ergiebige auf Burtscheider Territorium entspringen, darunter mit der Landesbadquelle die heißeste Therme Mitteleuropas mit annähernd 74 Grad. Die Austrittstemperatur des Wassers liegt bei den meisten Quellen zwischen 50 und 70 Grad. Es sind schwefelwasserstoffhaltige bzw. fluoridhaltige Natrium-Chlorid-Hydrogencarbonat-Thermen mit einem pH-Wert von 6,8 bis 7,2.

Kurgarten Burtscheid um 1822

Diese werden vorzugsweise bei Erkrankungen des Rheumatischen Formenkreises, Gicht, Neuralgien, Lähmungen, Hautkrankheiten, Syphilis sowie zur Rehabilitation nach Operationen und Unfällen innerlich und als Bäder angewendet.

Darüber hinaus sorgen gepflegte Parkanlagen wie der Kurpark Burtscheid, der Ferberpark Burtscheid und der nahe Aachener Wald für ein angenehmes und eine Heilung förderndes Luftklima.

Im Bereich der Quellen wurden mehrere teilweise sehr mondäne Badehäuser errichtet, darunter das Goldmühlen- und Prinzenbad, das Neubad sowie die noch heute bestehende Kurklinik zur Rosenquelle, das Schwertbad und die Rheumaklinik, das ehemalige Landesbad der Landesversicherungsanstalt Rheinprovinz. Für diejenigen Patienten, die auf karitative Unterstützung angewiesen waren, wurde 1835 der Verein zur Unterstützung unbemittelter auswärtiger Brunnen- oder Badebedürftiger an den Mineralquellen zu Aachen und Burtscheid gegründet, der die Betreuung dieser Patienten ermöglichte. Dieser Verein ließ für seine Kurgäste das Krebsbad und das Michaelsbad erbauen.

Brunnen in Burtscheid[Bearbeiten]

Marktbrunnen mit 63° C heißem trinkbarem Thermalwasser

In der Tradition zum beliebten Wasser ließen die Burtscheider einige schmucke Brunnen errichten, von denen zwei aus Aachen nach Burtscheid verlagert und neu aufgebaut wurden. Einige der Burtscheider Brunnen führen Thermalwasser aus eigenen Quellen. Die bekanntesten Burtscheider Brunnen sind:

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Von 1824 bis 1840 wurden verschiedene kommunale, Pfarr-, Sonntags- und Abendschulen in Burtscheid erbaut. Im Jahr 1862 kamen die evangelische Schule in der Kapitelstraße und die Schule Michaelsbergstraße hinzu. Auch einige bisher in der Stadt Aachen bestehende Schulen und einzelne Hochschulabteilungen verlagerten ihren Standort nach Burtscheid. Derzeit bestehen in Burtscheid neben fünf Grundschulen, zwei Sonderschulen, je einer Haupt- und Realschule, drei berufsorientierten Schulen unter anderem folgende Bildungseinrichtungen:

Sport[Bearbeiten]

Die Halle am Ludwig-Kuhnen-Stadion im Burtscheider Gillesbachtal ist die Heimat des Handball-Oberligisten DJK-BTB Aachen, der in den Jahren 2005 bis 2009 in der Regionalliga spielte. Darüber hinaus beheimatet das Viertel die Fußballvereine BTV Aachen, Blau-Weiß Aachen, VfL 05 Aachen sowie den JSC und Burtscheider FC.

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die in Burtscheid wirkten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Franz Meyer: Miscellanea Borcetano-Aquisgranensia oder Sammlung verschiedener die kayserliche freye Reichs Stadt Aachen, sodann die Herrschafft Burtscheid betreffenden glaubhaften Urkunden, nebst Beyfügung einiger am letztern ort vorgewesenen ins gemeine Wesen einschlagenden merkwürdigen Rechts-Pflege; Aachen, 1772; [Zwei Bände einer Sammlung von Aachener und Burtscheider Urkunden als handschriftliche Selbstarbeit in Zusammenarbeit mit der Äbtissin der Zisterzienserabtei in Burtscheid, deren besonderer Wert für Historiker in der Einmaligkeit des unpublizierten Werkes liegt. Sie beinhalten unter anderem die Geschichte Burtscheids, die Meierei, die Unruhen der Tuchmacher, die religiösen Angelegenheiten und den Stadtbrand von Aachen des Jahres 1656.]
  • Johann Peter Joseph Monheim: Die Heilquellen von Aachen, Burtscheid, Spaa, Malmedy und Heilstein, in ihren historischen, geognostischen, physischen und medizinischen Beziehungen. Verlag Jacob Anton Mayer, Aachen/ Leipzig 1829.
  • Christian Quix: Die Frankenburg insgemein Frankenberg genannt und die Vogtei über Burtscheid. Matthias Urlich, Aachen 1829. (Neuauflage: Kessinger Pub & Co., 2010, ISBN 978-1-161-27767-8)
  • Christian Quix: Historisch-topographische Beschreibung der Stadt Burtscheid. Verlag Jacob Anton Mayer, Leipzig 1832. (Neuauflage: 1976, ISBN 3-87519-065-3)
  • Christian Quix: Geschichte der ehemaligen Reichsabtei Burtscheid, von ihrer Gründung im 7ten Jahrhunderte bis 1400. Verlag Jacob Anton Mayer, Aachen 1834. (Neuauflage: 1977, ISBN 3-87519-076-9)
  • Johann Heinrich Kaltenbach: Der Regierungsbezirk Aachen, Wegweiser für Lehrer, Reisende und Freunde der Heimathkunde, Kapitel 2: Burtscheid, Aachen 1850.
  • Bernhard Maximilian Lersch: Die Burtscheider Thermen bei Aachen. Aachen 1862.
  • Friedrich Haagen: Historisch-topographische Beschreibung von Aachen und Burtscheid. Verlag Benrath & Vogelsang, Aachen 1877.
  • Martin Scheins: Das Gerichtswesen zu Burtscheid im 16. Jahrhundert. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. (ZAachenerGV) 2, 1880, S. 75–116.
  • W. Weitz: Über den Namensursprung der Stadt Burtscheid. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. (ZAachenerGV) 3, 1881, S. 332–334.
  • Richard Pick, G. A. Siedamgrotzky: Die römische Wasserleitung von Burtscheid nach Aachen. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. (ZAachenerGV) 11, 1889, S. 272–277.
  • Wilhelm Hofmann: Die städtebauliche Entwicklung der Badebezirke in Aachen und Burtscheid 1656 – 1950. In: Albert Huyskens, Bernhard Poll (Hrsg.): Das Alte Aachen und sein Wiederaufbau. In: Aachener Beiträge für Baugeschichte und Heimatkunst. Bd. 3, Verlag Aachener Geschichtsverein, Aachen 1953.
  • Karl Boventer: Das Wechselfieber in Alt-Aachen und Burtscheid. Burtscheider Krankheit. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. (ZAachenerGV) 69, 1957, S. 111–122.
  • Luise Freiin von Coels von der Brügghen: Die Bäche und Mühlen im Aachener Reich und im Gebiet der Reichsabtei Burtscheid. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. (ZAachenerGV) 70, 1958, S. 5–122.
  • Thomas Wurzel: Die Reichsabtei Burtscheid von der Gründung bis zur frühen Neuzeit - Geschichte, Verfassung, Konvent, Besitz. Band 4, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Aachen, Verlag der Mayerschen Buchhandlung, Aachen 1984, ISBN 3-87519-102-1.
  • Friedrich Reiff: Die weitere Besiedlung Burtscheids zwischen 1920 und 1985. Gesellschaft Burtscheid für Geschichte und Gegenwart, Aachen 1986, DNB 871313448.
  • Paul Derks: Porcêtum "Schweinetrift". Der Name Burtscheids und die lateinisch-romanischen Relikte im Aachener Raum. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. (ZAachenerGV) 100, 1995/96, S. 153–245.
  • Martin Schmidt: Burtscheid - eine Tuchmanufakturstadt um 1812. In: Geschichtlicher Atlas der Rheinlande. Beiheft 7: Wirtschafts- und Verkehrsgeschichte. Köln 1997, DNB 954099257.
  • Claudia Erdmann: Burtscheid zur französischen Zeit - mit Einwohnerlisten von 1806 und 1812. Aachen-Burtscheid, 1997, DNB 95276380X.
  • Angelika Pauels: Unter Adler und Schwan. Die Chronik der Bürgermeisterei Burtscheid für die Jahre 1814 bis 1886. Aachen 1997, ISBN 3-930701-39-1. (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Aachen, Bd. 9 herausgegeben von Thomas R. Kraus)
  • Klaus Bischops: 1000 Jahre Burtscheid. Einhard-Verlag, Aachen, 1997, ISBN 3-930701-31-6.
  • Sebastian Beck: Geschichte der Stadt Burtscheid bei Aachen im 19. Jahrhundert. Hochschulschriften Düsseldorf, Univ., Diss., 2000.
  • Sebastian Beck, Die Tuchfabrikanten in Burtscheid bei Aachen während des 19. Jahrhunderts. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. (ZAachenerGV) 106, 2004, S. 157–182.
  • Klaus Bischops: 200 Jahre Pfarre St. Johann-Baptist in Aachen-Burtscheid 1806–2006. Eigenverlag Pfarre St. Johann-Baptist, Aachen 2007, ISBN 978-3-934794-11-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burtscheid – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gesetz betreffend die Vereinigung der Stadtgemeinde Burtscheid mit der Stadtgemeinde Aachen vom 29. März 1897 nebst Vertrag (pdf; 19 kB)
  2. [Cramer, F.: Rheinische Ortsnamen aus vorrömischer und römischer Zeit, Dr. Martin Sändig oHG, 1901, Nachdruck 1970]
  3. [Breuer, G.: AQUISGRANUM … von den warmen Wassern, Siedlungsnamen der Stadt Aachen, Shaker Verlag, Aachen 2003]
  4. Hans Königs: Burtscheid, die „Unbekannte Landschaft“ des Lukas van Valckenborch. In: Aachener Kunstblätter. Heft 29 1964: S. 178–192, Aachen
  5. Merowingerzeit Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMerowingerzeit. Stadt Aachen, abgerufen am 15. Januar 2012.
  6. Vogte von Burtscheid
  7. Der Oberstadtdirektor der Stadt Aachen. Baudezernat: Dokumentation über den Heißberg-Friedhof. Reprotechnik Gerd Gering, Aachen. S. 6.
  8. Moltkebahnhof Aachen-Burtscheid
  9. Wildnispark Moltkebahnhof
  10. Niewenhuis, Silke: Bürgerhäuser & Villen in Aachen: Frankenberger Viertel, Bremen 2009, S. 27–28
  11. 10 Zentner Bombe in der Bendstraße weckt böse Erinnerungen - online-Beitrag des Aachener Geschichtsvereins