Rhein-Weser-Turm

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Rhein-Weser-Turm
Rhein-Weser-Turm

Rhein-Weser-Turm

Daten
Ort Westerberg, Rothaargebirge, Nordrhein-Westfalen
Baujahr 1932
Höhe 24 m
Grundfläche 84,64 m²
Koordinaten 51° 4′ 16″ N, 8° 11′ 52″ O51.0711388888898.1976388888889Koordinaten: 51° 4′ 16″ N, 8° 11′ 52″ O
Rhein-Weser-Turm (Nordrhein-Westfalen)
Rhein-Weser-Turm

Der Rhein-Weser-Turm nahe Oberhundem im nordrhein-westfälischen Kreis Olpe ist ein etwa 24 m hoher Aussichtsturm auf einer Nebenkuppe des Westerbergs im Rothaargebirge.

Rhein-Weser-Turm ist auch der Name des hiesigen Weilers der Gemeinde Kirchhundem, der zum 31. Dezember 2011 vier[1] Einwohner hatte.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Der Rhein-Weser-Turm steht im Rothaargebirge im Gemeindegebiet Kirchhundems etwa 7,7 km (Luftlinie) ostsüdöstlich von deren Kernort zwischen den Ortsteilen Oberhundem im Nordwesten und Rüspe im Südosten. Im Naturpark Rothaargebirge befindet er sich 145 m nordnordöstlich einer bewaldeten Kuppe (684,6 m ü. NHN51.078.197), die wiederum rund 850 m ostnordöstlich des Westerbergs (662,1 m) liegt, auf etwa 680 m[2] Höhe.

Rhein-Weser-Wasserscheide[Bearbeiten]

Vorbei am Rhein-Weser-Turm und damit über den Westerberg verläuft die Rhein-Weser-Wasserscheide: Das Wasser aller Fließgewässer, wie die Lütke Rinsecke und Rinsecke, die vom Westerberg etwa nordwestwärts fließen, erreicht durch die Hundem, Lenne und Ruhr den Rhein. Dementgegen fließt jenes der Bäche, die etwa in südöstliche Richtungen verlaufen, wie die etwa 700 m südwestlich des Turms entspringende Röspe (größtenteils auch Schwarzbach genannt), durch die Eder und Fulda in die Weser.

Geschichte[Bearbeiten]

Bauzeit und Turmdaten[Bearbeiten]

Ursprünglich als Schutzhütte für Waldarbeiter, Kirchgänger, Wanderer und Skifahrer unweit einer kurz vorher errichteten Skisprungschanze (damals „Skibahn“ genannt) gedacht, entwickelte sich rasch die Idee zur Errichtung eines Aussichtsturms.

Der Rhein-Weser-Turm wurde 1932 während einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in 77 Tagen errichtet. Seine Eröffnung wurde am 21. August 1932 mit viel Prominenz und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung gefeiert.

Der verfensterte Holzturm hat einen quadratischen Grundriss mit massiven Sockel aus ortsüblichem Porphyrgestein. Seine innere Konstruktion aus 4 Fichtenstämmen mit verbretterter Außenhaut verjüngt sich nach oben von 9,20 x 9,20 m (84,64 m²) auf 4 x 4 m (16 m²). Der achtstöckige Turm hat 113 Stufen aus Buchenholz, von den 60 Stück 2005 erneuert wurden.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Ab 1943 wurde der Turm als Beobachtungsstation genutzt und war für den allgemeinen Besucherverkehr gesperrt.

Nachdem am 6. April 1945 amerikanische Verbände den Rhein-Weser-Turm ohne nennenswerten Widerstand einnehmen konnten, wurde dort eine Artilleriebeobachtungsstelle eingerichtet. Das weitere Vorrücken auf den nahegelegenen Ort Oberhundem am Morgen des 7. April geriet zur Katastrophe. Von einer gegenüberliegendem Anhöhe wurden die über die „Skibahn“ auf Oberhundem vorrückenden amerikanischen Truppen von leichten deutschen Flak-Geschützen unter Feuer genommen. 400 (nach anderen Angaben sogar 650) amerikanische Soldaten sollen zu Tode gekommen sein. Schwerer Artilleriebeschuss und Luftangriffe auf Oberhundem, bei denen weitere 25 deutsche Soldaten und 24 Zivilisten den Tod fanden und große Teile des Ortes zerstört wurden, waren die Folge dieser Aktion.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

In der direkten Nachkriegszeit hatten die Leute andere Sorgen als den Rhein-Weser-Turm. Kriegsschäden blieben zunächst unrepariert und eindringendes Wasser richtete zusätzlich Schäden an. Erst 1949 wurde der Turm mit Hilfe von Spenden und Landeszuschüssen saniert.

1956 ging der Aussichtsturm in Privatbesitz über und wurde bis zum Jahr 2000 von den Eigentümern und später ihren Kindern bewirtschaftet.

Heutzutage[Bearbeiten]

Ende 2000 stand ein weiterer Eigentümerwechsel an. Der Rhein-Weser-Turm ging in den Besitz der aus dem benachbarten Heinsberg stammenden Familie Schwermer über. In den folgenden Monaten renovierten und erweiterten sie und der neu gegründete Verein der Freunde und Förderer des Rhein-Weser-Turmes e. V. die Gasträume umfassend und der Turm erhielt eine kupferne Verkleidung. In dieser Zeit wurde der Turm unter Denkmalschutz des Landes NRW gestellt. Zusätzlich wurde ein Wanderhotel, zertifiziert als Qualitätsbetrieb Rothaarsteig, im ehemaligen Stallgebäude des Turmes eingerichtet.

Den Jahrhundertsturm „Kyrill“ am 18. Januar 2007 überstand der Rhein-Weser-Turm als Zeichen seiner Standfestigkeit unbeschadet. Im gleichen Jahr zu den 75. Jubiläumsfeierlichkeiten am 21. August 2007 wurde das „Kreuz der Wanderer“ geweiht und vom heimischen Künstler Pater Leo Jahn entworfen, gestaltet und geweiht.

Der Rhein-Weser-Turm wird zurzeit im Jahresdurchschnitt von etwa 10.000 Besuchern erklommen.

Aussichtsmöglichkeit[Bearbeiten]

Von der Aussichtsplattform des Rhein-Weser-Turms bietet sich auf knapp 704 m Höhe ein Panorama über Teile von Rothaargebirge und Sauerland sowie unter anderem auch zu diesen Sichtzielen (im Uhrzeigersinn) – mit Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN):

In Richtung Norden schaut man zum Kahleberg (710,8 m) und vorbei an diesem zu den nordöstlich von Lennestadt bei Saalhausen gelegenen Saalhauser Bergen (bis 688,5 m). Im Nordosten schließt sich vorbei an der Hohen Hessel (743,6 m) blickend der Härdler (756,3 m) an. Östlich liegt der Große Kopf (740,3 m), etwas südlich davon das Loh (674,5 m) und im Tal jenseits davon Bad Berleburg. Südöstlich reicht der Blick in das Hessische Bergland bis zur Sackpfeife (673,5 m) bei Biedenkopf.

Südlich schließt sich der Riemen (677,7 m) an. Nach Südwesten schaut man zum beim weit entfernten Kreuztal gelegenen Kindelsberg (618,1 m), auf dem der Aussichtsturm Kindelsbergturm steht. Viel näher in dieser Richtung liegen der Eggenkopf (647,3 m), wo sich der Panorama-Park Sauerland Wildpark befindet, und jenseits davon der Milsenberg (669,8 m). Westlich erhebt sich im Bilsteiner Land die jenseits von Kirchhundem gelegene Hohe Bracht (587,7 m) mit einem Aussichtsturm und etwas rechts davon ist im Nordwesten das Ebbegebirge auszumachen. Im Nordnordwesten sind jenseits von Hundem- und Lennetal sowie des Ilbergs (621 m) erneut die Saalhauser Berge zu erkennen; somit schließt sich der Sichtkreis.

Verkehr und Wandern[Bearbeiten]

155 m nordöstlich vorbei am Turm führt die Landesstraße 553, die dort maximal 673,4 m Höhe erreicht, von 1881 bis 1884 als „Hundem-Eder-Provinzialstraße“ erbaut wurde und kurvenreich Oberhundem über Rüspe (beide zu Kirchhundem) mit Röspe (zu Erndtebrück) verbindet. Am Turm kreuzen sich der Rothaarsteig, Wilhelm-Münker-Weg und Christine-Koch-Weg. Etwa 1,5 km (Luftlinie) westsüdwestlich des Turms liegt der Freizeitpark Panorama-Park Sauerland Wildpark.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemeinde Kirchhundem: Orte, abgerufen am 15. März 2012
  2. Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Nöcker: 50 Jahre Rhein-Weser-Turm – Nach mündlichen und schriftlichen Berichten zusammengestellt, herausgegeben von Karl Nöcker in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverein Oberhundem e. V.
  • 75 Jahre Rhein-Weser-Turm, Hrsg. Freunde und Förderer des Rhein-Weser-Turms, Kirchhundem 2007

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rhein-Weser-Turm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien