Sackpfeife (Berg)

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Sackpfeife
Die Sackpfeife und die zum gleichnamigen Naturraum gehörigen Großer Hardenberg (570 m), Hainpracht (631 m) und Hassenroth (621,6 m) vom Christenberg im Burgwald aus; im Vordergrund die Wetschaft-Senke

Die Sackpfeife und die zum gleichnamigen Naturraum gehörigen Großer Hardenberg (570 m), Hainpracht (631 m) und Hassenroth (621,6 m) vom Christenberg im Burgwald aus; im Vordergrund die Wetschaft-Senke

Höhe 673,3 m ü. NHN
Lage zwischen Hatzfeld und Biedenkopf; Landkreise Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf; Hessen (Deutschland)
Gebirge Rothaargebirge
Dominanz 8 kmfd1
Koordinaten 50° 57′ 19″ N, 8° 32′ 19″ O50.9553611111118.5385555555556673.3Koordinaten: 50° 57′ 19″ N, 8° 32′ 19″ O
Sackpfeife (Berg) (Hessen)
Sackpfeife (Berg)
Besonderheiten Kaiser-Wilhelm-II.-Turm (AT)

Die Sackpfeife ist ein 673,3 m ü. NHN[1][2] hoher Berg im Rothaargebirge auf der Grenze der Landkreise Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf in Hessen.

Auf dem bewaldeten Berg, der ein weithin bekanntes und beliebtes Erholungsgebiet darstellt, befinden sich zum Beispiel der Kaiser-Wilhelm-II.-Turm, der Aussicht unter anderem ins Rothaargebirge gewährt, der Sender Biedenkopf und ein Skilift.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Im Südteil des Rothaargebirges erhebt sich die Sackpfeife im Westteil von Hessen an der Nahtlinie der Landkreise Waldeck-Frankenberg (Norden) und Marburg-Biedenkopf (Süden). Östlich des Wittgensteiner Lands liegt sie im bewaldeten und weiträumigen Forst Hatzfeld zwischen Hatzfeld im Norden und Biedenkopf im Süden.

Obwohl die Sackpfeife nicht zu den höchsten Bergen des bis zu 843,2 m hohen Rothaargebirges gehört, überragt sie ihre unmittelbare Umgebung doch deutlich bei einer Dominanz von immerhin etwa 8 km. Da der Gipfelbereich in Gebirgsrichtung (Nordnordosten) extrem breit ist, kommt es, dass zwar der höchste Punkt deutlich in der Hatzfelder Gemarkung und damit im Landkreis Waldeck-Frankenberg liegt, jedoch zum Beispiel der Standpunkt des Sender Biedenkopf im Biedenkopfer Stadtgebiet mit um 665 m Höhe nur knapp unter dem Maximum liegt. Darum ist die Sackpfeife auch der höchste Berg im Landkreis Marburg-Biedenkopf und wird über die Biedenkopfer Stadtentwicklungsgesellschaft entsprechend mit diesem Merkmal vermarktet, während Waldeck-Frankenberg im Upland deutlich höhere Berge beherbergt.

Mit dem Auto ist die Sackpfeife über eine zwischen Hatzfeld-Eifa und Biedenkopf von der Bundesstraße 253 abzweigende Sackgasse anfahrbar.

Blick vom Christenberg im Burgwald zur Sackpfeife mit Vorhöhen mit Kohlenberg (583 m, halbrechts, zweigipfelig), Sackpfeife (673,3 m, rechts der Mitte, mit Sendemast), Hainpracht (631 m, links davon im Hintergrund), Hassenroth (621,6 m, Mitte, kuppig) und Arennest (591,5 m, zweiter halblinks)

Naturraum Sackpfeife[Bearbeiten]

Blick auf Biedenkopf und die 631 m hohe Hainpracht (rechts des Schlosses) und die Sackpfeife (rechts im Hintergrund, Antenne) sowie auf Ostausläufer des 561,2 m hohen Schwarzenberges (links)

Der Naturraum Sackpfeife (Nummer 333.3) ist im System der naturräumlichen Gliederung nach Meynen Teil der Haupteinheit 333 – Rothaargebirge. Nach Westen trennt ihn der Puderbach vom Wittgensteiner Bergland, das zur gleichen Haupteinheit gehört, nach Süden grenzt das Obere Lahntal als Teil des Gladenbacher Berglandes (Haupteinheit 320) an, das naturräumlich bereits zum Westerwald (Haupteinheitengruppe 32) gezählt wird.

Der Übergang in die Sackpfeifen-Vorhöhen nach Südosten verläuft vergleichsweise fließend etwa entlang der Linie, ab der die Gipfel die 600-m-Grenze nicht mehr erreichen, während sich nach Norden mit dem Tal der Eder bzw. kurz vorher das Hatzfelder Bergland anschließt. Beide Naturräume zählen zum Ostsauerländer Gebirgsrand (Haupteinheit 332), wie die Ostabdachung des Rothaargebirges genannt wird. Sie gehört, wie das Gebirge selber auch, zur Haupteinheitengruppe 33 – Süderbergland.

Insgesamt stellt der Naturraum Sackpfeife den östlichsten Ausläufer der unmittelbaren Umgebung der Rhein-Weser-Wasserscheide innerhalb des Rothaargebirges dar. Fast alle Flüsse münden entweder direkt nach Norden in die Eder oder nach Süden in die Lahn, wobei beide Flüsse nur etwa um vier Kilometer von der Wasserscheide entfernt in östliche Richtungen fließen.

Berge[Bearbeiten]

Zu den Erhebungen des Naturraums Sackpfeife gehören – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN)[1]:

  • Sackpfeife (673,3 m)
  • Wieschen (652 m, leichte Erhebung im Südwesten des Hauptgipfelbereiches)
  • Buchholz (643,0 m, Westen)
  • Hainpracht (631,0 m, südöstlich des Hauptgipfels; nördlichster der Biedenkopfer Stadtberge)
  • Hassenroth (621,6 m, kuppiger Berg im Südosten bei Dexbach)
  • Rabenkopf (601,0 m, südsüdwestlich vom Buchholz)
  • Heiligenberg (588 m, südsüdwestlich des Hassenroth)
  • Steckelnberg (580,5 m, zwischen Hainpracht und Hassenroth)
  • Eckeseite (501 m, nördlicher Stadtberg Biedenkopfs)
  • Großer Eschenberg (464 m, östlicher Stadtberg Biedenkopfs)
  • Schlossberg (386,2 m, zentraler Stadtberg mit Schloss Biedenkopf)

Fließgewässer[Bearbeiten]

Von West nach Ost geordnet durchfließen folgende Bäche und Flüsse den Naturraum
(wobei Lahn und Eder bereits außerhalb liegen und alle anderen Fließgewässer innerhalb des Naturraumes entspringen):

  • Eder
  • Lahn
    • Puderbach (6,2 km, westlicher Grenzfluss)
    • Hainbach I (5,5 km, 7,4 km²)
    • Weifenbach (4,2 km, 7,7 km²)
    • Hainbach II (4,4 km, 5,5 km², Trasse der B 253)
    • Treisbach bzw., im Quellverlauf, Engelbach (16,8 km, 68,2 km²; entwässert nach Osten längs der Landesstraße 3091 über die Wetschaft in die Lahn)

Wasserscheide[Bearbeiten]

Über den Gipfel der Sackpfeife verläuft ein Abschnitt der hiesig in West-Ost-Richtung verlaufenden Rhein-Weser-Wasserscheide. Dies bedeutet, dass sich alle Fließgewässer, die am Nordhang des Bergs entspringen, über die Eder und Fulda in Richtung Norden fließend in die Weser entwässern, während jene, die an seiner Südflanke entstehen, nach Süden bzw. Westen strebend über die Lahn in den Rhein fließen.

Erholungsraum[Bearbeiten]

Kaiser-Wilhelm-II.-Turm (2003)
Kaiser-Wilhelm-II.-Turm (ca. 1932)

Kaiser-Wilhelm-II.-Turm[Bearbeiten]

Auf dem Gipfel der Sackpfeife steht der Kaiser-Wilhelm-II.-Turm, ein Aussichtsturm und beliebtes Ausflugs- sowie Wanderziel. Der Turm ist ein Natursteinmauerwerk, das aus Steinen der Umgebung erbaut wurde. Der Bau erfolgte 1913 zu Ehren von Wilhelm II.. Er erfolgte mit hohem manuellem Aufwand und mit geringen technischen Hilfsmitteln. Bauern aus den umliegenden Dörfern waren am Bau beteiligt; deren Kuh-Gespanne sind zum Transport der Steine genutzt worden. In den Jahren 2011–2013 erfolgte eine Sanierung.[3]

Der Turm ist 25 Meter hoch.

Die Aussichtsplattform des Turmes ist öffentlich zugänglich – gegen Entrichtung einer kleinen Spende zum Erhalt des Turmes. Der Weg zur Plattform führt zunächst über eine kurze Außentreppe und danach über eine innen liegende Wendeltreppe. Die Plattform ist in jüngster Zeit mit einer Überdachung und Verglasung wetterfest gemacht worden.

Der Turm ist vom Parkplatz auf dem Berg über einen etwa 500 m langen Weg oder von Hatzfeld über einen rund 5 km langen Wanderweg erreichbar. Von dort oben reicht der Blick über große Teile des hessischen Berglands vorbei am Fernsehturm auf der Angelburg bis hin zum Feldberg im Taunus, aber auch zu Kellerwald, Knüll und Vogelsberg. In nördlicher und westlicher Richtung blickt man weit ins Rothaargebirge hinein.

Freizeitzentrum Sackpfeife[Bearbeiten]

Neben dem Turm befindet sich die bewirtschaftete Lahn-Eder-Hütte. Darüber hinaus gibt es auf der Sackpfeife eine 480 m lange Sommerrodelbahn, einen Sessellift, einen Streichelzoo, ein Western- und Indianerdorf, einen Spielplatz, einen Autoskooter, einen Sinnespfad, ein Bungy-Trampolin, Grillplätze und Rundwanderwege. Im Winter ist die Sackpfeife Wintersportplatz mit einer Natureis-Schlittschuhbahn, gespurten Skilanglauf-Loipen (5,0 und 5,6 km), einer Skipiste mit Flutlicht, einem Sessellift, einer Ski-Schule und einer Rodelbahn für Schlitten mit Schlepplift. An der Skipiste befindet sich eine bewirtschaftete Berghütte. Die Nutzung von Skibobs ist ebenfalls gestattet; zu den Hochzeiten dieses Sports fand sogar ein Weltcup-Rennen für Skibobs auf der Sackpfeife statt.[4]

Sackpfeifenlifte[Bearbeiten]

Der Sackpfeifenlift ist ein 1978 errichteter 443 Meter langer Doppelsessellift, der entlang einer Skipiste auf einen südlichen Ausläufer des Bergs führt, das 652 m hohe Wieschen; ihr Gipfel befindet sich rund 1.150 m südsüdwestlich des Sackpfeifengipfels. Er verfügt über eine maximale Fahrgeschwindigkeit von 2,2 m/s und eine maximale Förderleistung von 800 Personen pro Stunde. Ein weiterer, älterer Lift ist als Schlepplift konzipiert und befördert inzwischen vorrangig die Rodler der parallel verlaufenden Rodelstrecke.

Kulturelle Nutzung[Bearbeiten]

Frühstücksplatz am Grenzgang 2012

Das weitläufige Gelände um den Sackpfeifen-Gipfel ist Austragungsort kultureller Nutzungen.

  • Aufgrund der exponierten Höhenlage findet jährlich am Vormittag von Christi Himmelfahrt, also typischerweise im Mai, auf einem Areal auf halbem Weg zwischen Parkplatz und Kaiser-Wilhelm-II.-Turm ein Freilicht-Gottesdienst statt. Im Anschluss daran wird der Tag dort in Geselligkeit mit Fassbier-Ausschank und Blasmusik der Weifenbacher Musikanten gefeiert.
  • Alle sieben Jahre im August nimmt ein Waldgelände am Beginn und zur linken Seite des weitläufigen Parkplatzes die Rolle des Frühstücksplatzes des ersten von drei Tagen des Grenzgangs in Biedenkopf ein.

Neben der kulturellen Nutzung gibt es auf dem Areal der Sackpfeife gelegentlich Veranstaltungen mit eher kommerziellem und Tourismus-fördernden Charakter, wie beispielsweise ein Kartoffelfest (nicht zu verwechseln mit dem traditionellen Kartoffelbraten in Biedenkopf). Der örtliche Skiclub veranstaltet auf dem Besucherparkplatz jährlich einen Skibasar; dort werden von Privat an Privat Skiausrüstungen, (Kinder-)Wintersportbekleidung und ähnliches angeboten.

Sendeanlage[Bearbeiten]

Der große Turm der Sendeanlage

Die Sackpfeife ist Standort des Senders Biedenkopf. Der große Turm (210 m hoch) der Sendeanlage ist ein landschaftlich markantes Merkmal des Berges und daher von vielen Anhöhen der Umgebung auch aus weiter Entfernung sichtbar.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Gewässerkartendienst des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hinweise)
  3. Turm auf der Sackpfeife wird 100 auf mittelhessen.de
  4. Chronik Skiclub Sackpfeife e.V.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikivoyage: Sackpfeife – Reiseführer