Rom, offene Stadt

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Filmdaten
Deutscher Titel Rom, offene Stadt
Originaltitel Roma, città aperta
Produktionsland Italien
Originalsprache italienisch, deutsch
Erscheinungsjahr 1945
Länge 100 Minuten
gekürzt: 93 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Roberto Rossellini
Drehbuch Alberto Consiglio (Geschichte)
Sergio Amidei (Geschichte)
Federico Fellini
Produktion Giuseppe Amato
Ferruccio De Martino
Roberto Rossellini
Musik Renzo Rossellini
Kamera Ubaldo Arata
Schnitt Eraldo Da Roma
Besetzung
ROMA C~1.JPG

Rom, offene Stadt ist ein italienischer Spielfilm von Roberto Rossellini aus dem Jahr 1945. Er wurde noch während des Krieges vorbereitet und ist ein Vertreter des italienischen Neorealismus.

Handlung[Bearbeiten]

Italien, das 1943 im Zweiten Weltkrieg die Fronten gewechselt hat, ist von den Deutschen besetzt. Seit dem 14. August 1943 ist Rom zur offenen Stadt erklärt worden. Der Ingenieur Giorgio Manfredi und der Priester Don Pietro Pellegrini arbeiten im Widerstand gegen die Deutschen und die italienischen Faschisten. Kommunisten, Sozialisten und Monarchisten sind dabei verbündet. Der Freund des Ingenieurs, der Drucker Francesco, ist mit der Witwe Pina verlobt, die mit ihrer Familie ein karges Leben führt. Ihr Sohn aus erster Ehe, Marcello, hilft dem Widerstand, indem er Bomben schmuggelt. Marina, die ehemalige Geliebte Giorgios führt einen vergleichsweise aufwendigen Lebensstil, da sie sich reiche Liebhaber hält. Für Luxusgüter und Drogen verrät sie die Widerstandskämpfer, die auch für tödliche Anschläge auf Wehrmachtssoldaten verantwortlich sind. Der Kommandeur der Gestapo, Major Bergmann, verhaftet Giorgio, den Priester und einen weiteren Komplizen. Dieser erhängt sich im Gefängnis. Giorgio soll Namen der Komplizen preisgeben und weigert sich. Er wird zu Tode gefoltert. Währenddessen äußert ein Offizier Zweifel am Herrenmenschentum der Nazis und zieht ein ernüchterndes Fazit des Zweiten Weltkrieges: Dieser habe nur dazu geführt, dass das Deutsche Volk von ganz Europa gehasst werde. Bergmann, der die Italiener als Sklavenvolk betrachtet, verbietet seinem Offizier, diese Gedanken zu äußern. Als Marina die Leiche des gefolterten Giorgios erblickt, bricht sie zusammen. Der Film endet mit der Exekution des Priesters. Eigentlich soll er von einem Erschießungskommando italienischer Faschisten hingerichtet werden, doch alle schießen daneben. Schließlich tötet der deutsche Offizier den Priester mit einem Kopfschuss aus seiner Pistole.

Hintergrund[Bearbeiten]

Basierend auf miteinander verbundenen Episoden werden mehrere Figuren dargestellt, so die verschiedenen Mitglieder des Widerstands, von denen einer eine Beziehung zu einer verwitweten Mutter hat, die er zu heiraten plant. Der Priester sieht die Unterstützung als Erfüllung seiner Glaubenspflicht an. Es treten verschiedene Polizisten auf, die zum Teil mit den Deutschen zusammenarbeiten, zum Teil einfach nur ihre Arbeit machen wollen. Auch die Deutschen werden differenziert dargestellt. Der örtliche Leiter der Gestapo verachtet die Italiener, ein anderer Offizier erkennt, dass das Verhalten der Deutschen nur Hass und Widerstand schürt. Dass die Widerständler gefasst werden, liegt schließlich nur an der Kollaboration ihrer Landsfrau, die für Drogen und aus finanziellen Gründen mit den Besatzern zusammenarbeitet.

Das Drehbuch entstand unter Mitwirkung von Federico Fellini. Es basiert auf tatsächlichen Ereignissen, die Roberto Rossellini in einem sehr sachlichen, dokumentarischen Stil verfilmte. Der Film bildete den Auftakt zu Rossellinis Neorealistischer Trilogie (siehe auch Paisà, 1946 und Deutschland im Jahre Null, 1948)

Von den Schauspielern des Ensemble-Filmes ist aus heutiger Sicht lediglich Anna Magnani bekannt, für die der Film den Grundstein ihrer Weltkarriere darstellte.

Die FSK urteilte am 8. September 1950, der Film zeige "die historische Wahrheit, wenn auch überdreht"; "Heute jedoch, in einer neuen europäischen Situation, müssen von einer öffentlichen Vorführung völkerverhetzende Wirkungen befürchtet werden, die im Interesse einer allgemeinen, besonders einer europäischen Völkerverständigung unbedingt zu vermeiden sind."[1] Sie verbot deshalb die öffentliche Vorführung des Films in der Bundesrepublik Deutschland. Für geschlossene Klub-Vorführungen war die Originalfassung des Films freigegeben.[1] Ende 1960 prüfte die FSK eine leicht gekürzte und geänderte deutsche Fassung; Anfang 1961 gab sie sie frei. Die Änderungen schwächen einige Stellen ab; einige Dialog-Veränderungen bewirkten Sinnentstellungen. Die Arthaus-DVD (erschienen 1999) enthält die Original-Tonspur (neben der deutschen Synchro) und auch eine Dokumentation über die Audio-Zensur der deutschen Tonspur. Die ebenfalls von der deutschen Zensur getilgte Folterszene findet sich auf der Arthaus-DVD indes nicht.[2] An dem Haus in der Via degli Avignonesi, einem der wesentlichen Drehorte, erinnert seit 1995 eine Plakette an den Film.

Kritiken[Bearbeiten]

„Die Aktivitäten, die Verfolgung und das grausame Ende einer italienischen Widerstandsgruppe zur Zeit der deutschen Besatzung (1944). Ein Meilenstein der Filmgeschichte.“

Lexikon des Internationalen Films[3]

„Wenn es so etwas wie die Poesie der Menschlichkeit geben sollte, dann in Roberto Rossellinis nach wie vor begeisterndem Drama Roma, città aperta von 1945. Es ist dies nicht nur ein überaus realistisch wirkender Film über die Resistenza, den italienischen Widerstand gegen die deutschen Nazi-Besatzer in Rom, sondern ein Propagandafilm ganz eigener Art. […] Rom, offene Stadt [ist] ein Propagandafilm, der mit einem völlig nüchternen und deshalb umso stärker wirkenden Idealismus auf dem Guten im Menschen beharrt. Der behauptet, dass jenseits von Bildung und Herkommen jeder weiß, was richtig und falsch ist – und dass er deshalb, wenn es darauf ankommt, auch ein Held sein kann.“

Reinhard J. Brembeck, Süddeutsche Zeitung

„Schlüsselwerk des Neorealismus.“

Heyne Filmlexikon

„Die mit hartem Realismus und hohem künstlerischen Vermögen geschilderte Chronik von der Auseinandersetzung zwischen italienischen Widerstandskämpfern und der deutschen SS im Rom des Jahres 1944. Einige Einseitigkeiten in der Zeichnung der Charaktere sollten in der Auseinandersetzung mit diesem Film nicht überbetont werden.“

Evangelischer Filmbeobachter[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Rosellini, Offene Stadt, Film. In: Der Spiegel. Nr. 9, 1961, S. 72 (online).
  2. Rezension auf filmzentrale.com
  3. Rom, offene Stadt im Lexikon des Internationalen Films
  4. Ev. Presseverband München, Kritik Nr. 160/1961