Rotherham

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Rotherham (Begriffsklärung) aufgeführt.
Rotherham
Rathaus von Rotherham
Rathaus von Rotherham
Koordinaten 53° 26′ N, 1° 21′ W53.4301-1.3572Koordinaten: 53° 26′ N, 1° 21′ W
Rotherham (England)
Rotherham
Rotherham
Bevölkerung 117.262 (Stand: 2001 Census)
Verwaltung
Post town ROTHERHAM
Postleitzahlen­abschnitt S60–S63, S65–S66
Vorwahl 01709
Landesteil England
Region Yorkshire and the Humber
Metropolitan county South Yorkshire
Metropolitan Borough Rotherham
Website: http://www.rotherham.gov.uk

Rotherham [ˈɹɒðəɹəm] ist eine Stadt in South Yorkshire, England am Fluss Don, nahe dem Zusammenfluss des Don mit dem Rother. Sie liegt im Don-Tal zwischen Sheffield und Doncaster. Rotherham ist ca. 10 km vom Stadtzentrum von Sheffield entfernt und ist der Verwaltungssitz des Metropolitan Borough of Rotherham. Die Stadt hat 117.262 Einwohner (Stand: 2001), 248,176 Einwohner hat der Rotherham District einschließlich der Metropolregion um Rotherham.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Zwar gab es bereits während der Eisenzeit und der Römer Siedlungen im Gebiet des heutigen Rotherham. Der Ort selbst wurde jedoch erst im frühen Mittelalter gegründet und entwickelte sich schnell zu einem wichtigen angelsächsischen Marktort, da er an einer Römerstraße lag.

In den 1480er Jahren veranlasste der in Rotherham geborene Erzbischof von York, Thomas Rotherham, den Bau eines Colleges (The College of Jesus), um ein Gegengewicht zu den Colleges von Cambridge und Oxford zu schaffen. Dieses College und eine moderne neue Pfarrkirche (All Saints) machten Rotherham zu einer lebhaften und modernen Stadt am Ende des 15. Jahrhunderts. Unter der Herrschaft von König Eduard VI. wurde das College jedoch geschlossen, seine Güter wurden der Krone zugeschlagen. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts war Rotherham von einer modernen Collegestadt heruntergekommen zu einem Ort andauernden Spiels und Lasters.

In der Gegend wurde schon seit den Römern Eisen abgebaut, doch war es die Kohle, welche die industrielle Revolution nach Rotherham brachte und die Stadt zu einem industriellen Zentrum machte.

Wenig später wurde auch mit der Eisengewinnung begonnen, insbesondere durch die Familie Walker, die in Rotherham eine Art Eisen-Imperium aufbaute. Während des 18. Jahrhunderts wurden in den Walker-Fabriken hochwertige Kanonen, aber auch Brückenteile gefertigt. Zwischenzeitlich errichtete Joseph Foljambe eine Fabrik zur Produktion seines Rotherham Plough, des ersten kommerziell erfolgreichen eisernen Pflugs.

Eisen aus Rotherham war für seine hohe Qualität bekannt. Eisen und später auch Stahl waren bis in das 20. Jahrhundert hinein die Hauptindustriezweige Rotherhams. Das Stahlwerk Templeborough der Firma Steel, Peech and Tozer war zu seinen besten Zeiten über 1,6 km lang, beschäftigte 10.000 Arbeiter und betrieb sechs Lichtbogenöfen, die 1,8 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr produzierten. Die Produktion wurde 1993 eingestellt.

Missbrauchsskandal 2014[Bearbeiten]

Im August 2014 enthüllte ein Untersuchungsbericht den Missbrauchsskandal von Rotherham. Die Professorin Alexis Jay belegte, dass in Rotherham von 1997 bis 2013 bis zu 1400 Kinder und Jugendliche Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Unter den Opfern befanden sich auch elfjährige Mädchen, welche von mehreren Tätern zum Teil mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht, geschlagen, eingeschüchtert und vergewaltigt wurden. Obwohl es bereits von 2002 bis 2006 mehrfach Berichte über die massenhafte sexuelle Gewalt gegeben hatte, handelten die Behörden nicht[2]. Der Bericht wirft den Behörden ein eklatantes und kollektives Versagen vor. Bei den Tätern handelte es sich meist um Männer pakistanischer Herkunft. Bereits im Jahre 2010 war eine fünfköpfige Bande von Sexualstraftätern pakistanischer Herkunft zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts führte zum Rücktritt des Vorsitzenden des Stadtrats von Rotherham, Roger Stone.[3]

Bauwerke[Bearbeiten]

Trotz seiner Geschichte ist Rotherham arm an historischen Bauwerken. Das einzige Fachwerkhaus aus der Zeit des 16. Jahrhunderts ist der mehrfach umgebaute Three Cranes Pub. Die meisten Gebäude im Zentrum wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts abgerissen und neu erbaut.

Zum Stadtzentrum gehört aber eine der nur vier Brückenkapellen Englands: Die im 15. Jahrhundert erbaute Chapel of Our Lady of Rotherham Bridge (oder Chapel on the Bridge) auf der Chantry-Brücke. Die Kapelle wurde 1923 restauriert, nachdem sie lange Zeit als Tabakladen gedient hatte.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind die im 15. Jahrhundert errichtete Pfarrkirche All Saints und das aus dem 18. Jahrhundert stammende Clifton House, in dem sich heute das Clifton Park Museum befindet.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Aus Rotherham stammen die Musiker Dougie Brown, Paul Shane und die Chuckle Brothers, der Politiker William Hague, der Fernsehmoderator und "Daily Telegraph"-Kolummnist James May sowie der frühere Torhüter der englischen Nationalmannschaft, David Seaman. Außerdem beheimatet sie den Snookerspieler Shaun Murphy sowie den englischen FIFA-Schiedsrichter Howard Webb.

  • Dean Downing (* 1975), britischer Bahn- und Straßenradrennfahrer

Sport[Bearbeiten]

Rotherham beheimat den in der Football League Championship im Stadion Millmoor spielenden Verein Rotherham United (The Millers) und das in der Rugby-Union zweitklassig spielende Team Rotherham R.U.F.C.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rotherham – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. GB Historical GIS / University of Portsmouth, Rotherham District through time | Population Statistics
  2. „Von Beginn an habe es Hinweise darauf gegeben, dass sexuelle Ausbeutung von Kindern in Rotherham sich zu einem zunehmenden Problem entwickelte. Mehr als ein Drittel der Opfer seien den Jugendschutzbehörden bekannt gewesen.“ Vanessa Steinmetz: „Missbrauch in England: Der unfassbare Skandal von Rotherham“, SPIEGEL Online, 31. August 2014
  3. Englische Stadt Rotherham: 1400 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht Der Spiegel vom 26. August 2014, abgerufen am 27. August 2014