Sabine Moritz

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Sabine Moritz (* 1969 in Quedlinburg) ist eine deutsche Malerin und Grafikerin.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Sabine Moritz wurde 1969 als Tochter eines Chemikers geboren. Sie wuchs von 1973 bis 1981 im Plattenbau-Viertel von Lobeda, in Neulobeda, auf. Anschließend zog ihre Familie nach Jena und verließ 1985 - noch vor dem Mauerfall - die DDR. Im Jahr 1989 begann sie ein Studium an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main.[1] wo sie in der Malereiklasse von Adam Jankowski war. Ab 1991 setzte sie ihre Ausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf fort, anfangs in der Klasse von Markus Lüpertz und ab 1992 in der Klasse von Gerhard Richter. Sabine Moritz war die letzte Studentin, die Richter in seine Klasse aufnahm, da er seine Lehrtätigkeit 1994 beenden wollte.[2]

Seit 1995 ist Moritz mit ihrem ehemaligen Lehrer Gerhard Richter verheiratet. Aus der Beziehung gingen drei Kinder hervor.

Zur Ausstellung in der Londoner Andrew Mummery Gallery vom 15. Februar bis 18. März 2006 erschien der Katalog „Limbo“. Der Fokus der Publikation lag auf den zwei scheinbar konträren Themen Krieg und Stillleben, letzteres in Form von Bildern mit Orchideen, Rosen und Lilien in Vasen. In dieser Serie beschäftigt sich die Künstlerin vor allem mit der schwierigen Bewältigung des Schrecklichen und der Schönheit.

Die Publikation „Roses“ besteht aus 37 Zeichnungen, die zwischen 2004 und 2009 entstanden. Dieser Band wird von zwei Gedichten eingeklammert; das erste von Adam Zagajewski und zum Abschluss „Die kranke Rose“ von William Blake. In den Abbildungen verwendet die Künstlerin eine Mischung aus Kohle, Pastellfarben und Ölkreiden.[3]

Zwischen 1991 und 1992 entstand die Zeichenserie „Lobeda“ mit mehr als 100 Bleistiftzeichnungen, die 2009 vom Kurator der Serpentine Gallery, Hans-Ulrich Obrist, im Atelier der Künstlerin gefunden wurden und 2010 von der Buchhandlung Walther König veröffentlicht wurden.[4] Die Serie besteht aus über 100 mehrheitlich gleichartigen Bildern, die fast tagebuchartig ihre Kindheitserinnerungen aus der Zeit bis 1985 dokumentieren. Die monochromen Zeichnungen sind in Kohle und Bleistift ausgeführt. Moritz hatte Lobeda erneut besucht und Familienalben und andere Fotos der Stadt recherchiert. Von August bis September 2011 wurden die Zeichnungen im Kunsthaus Sans Titre in Potsdam ausgestellt.

Zwei Jahre nachdem sie ihr Kunststudium anfing, begann sie ihre Erfahrungen in ihrer Kunst zu verarbeiten und zeichnete Häuser, öffentliche Plätze und die Innenräume ihr bekannter Gebäude. 2011 veröffentlichte Walther König den Band „Jena, Düsseldorf“. Die Publikation stellt die Fortsetzung der Zeichenserie „Lobeda“ dar. Im direkten Anschluss kreiert, hat diese zweite Serie einen persönlicheren Zugang. Sie zeigen erneut ihre Erinnerung an den Alltag in Ostdeutschland und zum anderen zeitgenössische Szenen aus ihrer damaligen Umgebung in Düsseldorf.

2011 erschien der Band „Lilies and Objects“, der ursprünglich als Sammlung der Blumenbilder in Kohle und Ölfarben konzipiert war. Obwohl auch andere Blumen dargestellt werden, liegt der Schwerpunkt auf Darstellungen der Lilie. Die Aufnahme von Zeichnungen verschiedener Objekte wurde von der Künstlerin selbst vorgeschlagen.

2013 wurde ein Auszug ihres Werks als Teil der Ausstellung Freie Sicht / Adam Jankowski und Künstler aus seiner Malereiklasse an der HfG Offenbach 1987–2013 gezeigt.

Sabine Moritz als Motiv[Bearbeiten]

Richter hat seine Frau, sowie seine Frau mit ihrem ersten Sohn Moritz, mehrfach porträtiert. Bereits 1994 malte Gerhard Richter - wie immer nach einer fotografischen Vorlage - Bilder seiner späteren dritten Frau. Sie trugen mit Lesende (799-1 und 804) und Kleine Badende (815-1) noch anonymisierte Titel. Beide Motive hatten - worauf der Richter-Biograf Dietmar Elger hinwies - malerische Vorbilder: Die Briefleserin in Blau von Jan Vermeer und die gleichnamige Kleine Badende von Jean-Auguste-Dominique Ingres. 1995 malte Richter eine Serie mit acht Bildern unter dem Titel S. mit Kind (827-1 bis 827-8), die Sabine Moritz mit ihrem Säugling Moritz zeigte und bei der sich Richter des kunsthistorischen Topos Madonna mit Kind bediente.[5]Der Vater Gerhard Richter versucht, sich dieses späten familiären Glücks zu versichern und es festzuhalten, indem er sich die Motive in einem langsamen malerischen Prozess aneignet, so als würde für ihn die Situation dadurch glaubhaft [...]”[6] Die Arbeiten wurden von Uwe Schneede - noch im Atelier Richters - für die Hamburger Kunsthalle erworben, jedoch erstmals 1996 im Carré d’Art im südfranzösischen Nîmes auf der Einzelausstellung 100 Bilder gezeigt.[7]

Richters Porträt seiner Frau Kopf (Skizze) wurde 2010 vom Auktionshaus Christie’s für 2,33 Millionen US-Dollar versteigert.[8]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 2005: Zementa, Gruppenausstellung mit Jenny Rosemeyer und Jan Stieding, Felix Ringel Galerie, Düsseldorf, Deutschland
  • 2006: Sabine Moritz. Limbo. Paintings from 2005, Andrew Mummery Gallery, London, Großbritannien
  • 2009: Transvisions, Strombeek/Brüssel, Belgien
  • 2010: The Good, The Bad & the Ugly, Cultuurcentrum Mechelen, Mechelen, Belgien
  • 2010: Awakenings, Gruppenausstellung, Felix Ringel Galerie, Düsseldorf, Deutschland
  • 2011: Sabine Moritz. Lobeda, Kunsthaus sans titre, Potsdam, Deutschland
  • 2011: Sabine Moritz. Lilies and Objects, art@goldensquare, London, Großbritannien
  • 2012: Internationaler Faber-Castell Preis für Zeichnung, Neues Museum - Staatliches Museum für Kunst und Design, Nürnberg, Deutschland
  • 2012: Sabine Moritz. Bilder, Felix Ringel Galerie, Düsseldorf, Deutschland
  • 2012: Sabine Moritz. Jena - Düsseldorf, art@goldensquare, London, Großbritannien
  • 2013: Sabine Moritz. Limbo, Galerie Marian Goodman, Paris, Frankreich
  • 2013/2014: Sabine Moritz. Concrete and Dust, Foundation de 11 Lijnen, Oudenburg, Belgien
  • 2014: Sabine Moritz, von der Heydt Kunsthalle, Wuppertal-Barmen, Deutschland[9]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interview Sabine Moritz (PDF-Datei; 9 kB) bei sans-titre.de, abgerufen am 1. März 2012
  2. Dietmar Elger: Gerhard Richter, Maler. Dumont, Köln 2002, ISBN 3-8321-5848-0, S. 360
  3. Roses. 2010, Heni Publishing, London ISBN 978-0-95640412-1
  4. Rede bei der Eröffnung von JENA Düsseldorf in London von Hans-Ulrich Obrist. [1]
  5. Die Werknummern beziehen sich auf das Werkverzeichnis der Bilder auf der Internetseite Gerhard-Richter.com
  6. Dietmar Elger: Gerhard Richter, Maler. Dumont, Köln 2002, ISBN 3-8321-5848-0, S. 363 f.
  7. Jürgen Hohmeyer: Selbstentblößung in Schmelz und Wut. In: Der Spiegel vom 25. März 1996
  8. Masters of Contemporary Figuration bei christies.com, abgerufen am 1. März 2012
  9. Homepage von der Heydt Kunsthalle Wuppertal-Barmen Sabine Moritz, abgerufen am 12. März 2014