Schillerplatz (Stuttgart)

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Schillerplatz mit Schillerdenkmal und Fruchtkasten

Der Schillerplatz ist ein Platz im Zentrum Stuttgarts. Er wurde in seiner heutigen Form zu Ehren Friedrich Schillers angelegt. Umgeben ist er im Südwesten beginnend von der Stiftskirche, dem Fruchtkasten, dem Prinzenbau (heute Sitz des Justizministeriums) und der Alten Kanzlei sowie schließlich dem Alten Schloss.

Auf dem Schillerplatz findet zweimal wöchentlich ein Wochenmarkt statt. Viele Veranstaltungen, die primär auf dem Stuttgarter Marktplatz stattfinden, werden auf den Schillerplatz ausgedehnt, so beispielsweise der Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Unter dem Schillerplatz befindet sich zudem eine Tiefgarage.

Schillerdenkmal auf dem Schillerplatz[Bearbeiten]

Inmitten des gepflasterten Platzes steht das von dem Dänen Bertel Thorvaldsen 1839 errichtete Schillerdenkmal. Es war das erste Schillerdenkmal Deutschlands. Als Vorlage diente eine Zeichnung Schillers von Johann Christian Reinhart, die 1787 angefertigt wurde und heute verschollen ist.[1] Über seine Entstehung handelt das von Thorwaldsens Landsmann Hans Christian Andersen verfasste Märchen Die alte Kirchenglocke.

Geschichte[Bearbeiten]

Lithografie des Schillerplatzes aus dem Jahr 1839

Das erste feste Haus Stuttgarts, das Stuthaus, lag neben der Stiftskirche. Es liegt daher nahe zu vermuten, dass das Gelände des heutigen Schillerplatzes um das Jahr 1000 Teil des Gestütsgeländes Stutengarten war. Seit dem 12. Jahrhundert war das Gebiet wahrscheinlich Siedlungsfläche, ab dem 13. Jahrhundert wurden Steinhäuser wie der Fruchtkasten errichtet. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde der Dürnitzbau des alten Schlosses errichtet. 1542 konnte der Bau der Kanzlei abgeschlossen werden. Wenige Jahre später wurde der Arkadenflügel des alten Schlosses erbaut und der Bereich bis zur Kanzlei als Schlossgraben gestaltet. 1594 beauftragte Herzog Friedrich I. den Baumeister Heinrich Schickhardt im Bereich des heutigen Schillerplatzes einen repräsentativen Renaissanceplatz zu schaffen. Hierzu wurden bis kurz vor 1600 die bestehenden Häuser aufgekauft und abgerissen. Der entstandene Platz wurde gepflastert und als Schloss- und Kanzleiplatz bezeichnet. Seit dieser Zeit hat der Platz seine heutigen Abmessungen.

Ab 1607 begannen die Bauarbeiten am Gesandtenhaus, dem heutigen Prinzenbau. Dieses Gebäude wurde 1677 fertiggestellt. 1711 wurde der Prinzenbau hinter der alten Kanzlei bis zur Planie erweitert. Hierbei entstand der Kanzleibogen. An der Südseite des Platzes, zwischen Schloss und Stiftskirche, eröffnete 1712 das erste Stuttgarter Kaffeehaus, aus dem 1798 der Gasthof „König von England“ entstand. Wenige Jahre zuvor, zwischen 1775 und 1777, wurde der Schlossgraben zugeschüttet. Damit erhielt der Platz endgültig seine heutige Form.

1934 wurde der alte Schlossplatz offiziell in Schillerplatz umbenannt. 1944/45 brannten sämtliche Gebäude um den Schillerplatz ab. Bis auf den „König von England“ wurden sie wieder aufgebaut und in ihrer äußeren Form erhalten. 1972/1973 wurde unter dem Schillerplatz eine Tiefgarage errichtet.

Panorama des Schillerplatzes mit Altem Schloss, Stiftskirche, Fruchtkasten und dem Schillerdenkmal
Merkursäule, Alte Kanzlei, hinten ein Turm der Stiftskirche

Alte Kanzlei[Bearbeiten]

Am Gebäude der Alten Kanzlei befindet sich ein runder schlanker hoher Turm von 1598. Die bemerkenswerte Figur auf dieser Säule – ein „Jüngling aus Gold“ – stammt von Ludwig Hofer (1862), ausgeführt von Wilhelm Pelargus, und stellt einen Mercurius dar.

Literatur[Bearbeiten]

  • Auf dem Alten Schloßplatz. Das Schillerdenkmal. In: Eugen Dolmetsch: Aus Stuttgarts vergangenen Tagen (Zweiter Band von „Bilder aus Alt-Stuttgart“). Selbsterlebtes und Nacherzähltes. Stuttgart 1931, Seite 84-91.
  • André Lambert; Eduard Stahl: Alt-Stuttgarts Baukunst. Stuttgart [1906], Tafel 41 (Kanzleibogenbrunnen).
  • Harald Schukraft: Stuttgarter Straßen-Geschichte(n). Silberburg-Verlag, ISBN 3-925344-05-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schillerplatz (Stuttgart) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Markus Bertsch u.a., Herbert W. Rott, Andreas Stolzenburg (Hrsg.): Johann Christian Reinhart. Ein deutscher Landschaftsmaler in Rom. Katalogbuch zur Ausstellung in Hamburg, Hamburger Kunsthalle, 2012/2013 und in München, Neue Pinakothek, 2013. Hirmer, München 2012, ISBN 978-3-7774-8021-3, S. 39.

48.7771555555569.1784666666667Koordinaten: 48° 46′ 37,76″ N, 9° 10′ 42,48″ O