Schneepflug

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Dieser Artikel behandelt das Gerät zur Schneeräumung. Anlehnend daran wird das Wort Schneepflug auch beim Skifahren verwendet, siehe Schwung (Ski)
Zwei Schneepflüge mit gezogenem Pflug beim Räumen einer zweispurigen Interstate im US-Bundesstaat Missouri
Schneepflug beseitigt Schneeverwehungen auf dem Saltfjell, Norwegen

Ein Schneepflug ist ein Gerät zur Schneeräumung sowohl auf der Straße als auch im Schienenverkehr.

Geschichte[Bearbeiten]

Historischer Keilpflug für Pferdezug

Früher wurden Schneepflüge von Ochsen oder Pferden als Zugtiere gezogen. Das waren meist Keilpflüge aus Holz. Das hatte allerdings den Nachteil, dass die Tiere vor dem Pflug gehen mussten und damit den Schnee zusammenpressten. Man konnte den Pflug auch nicht heben oder senken, sondern nur mit Steinen belasten.

Bauformen[Bearbeiten]

Straße[Bearbeiten]

Schneepflug räumt die Kölner Domplatte
Fendt mit Schneepflug und Schneeketten

Es gibt Keilpflüge und Schneepflüge mit gerader Schar. Der Keilpflug hat zwei schräg gestellte Schneeschilde, die vorne keilförmig miteinander verbunden sind und auf beiden Seiten des Pflugs Schneewälle aufwerfen. Während die Keilpflüge meist nur zum Räumen einspuriger Straßen oder auch bei der Eisenbahn verwendet werden, werden auf mehrspurigen Straßen üblicherweise Schneepflüge mit gerader Pflugschar verwendet. Gerade Scharen können nach links oder rechts geschwenkt werden, je nachdem zu welcher Seite der Schnee geräumt werden soll. Die Schar ist meist von oben nach unten gewölbt, so dass ein besserer Schneewurf erfolgt.

Der Schneepflug für die Straße wird üblicherweise vorne an einen LKW, kommunalen Geräteträger oder an einen Traktor über eine spezielle Anbauplatte montiert. Der Pflug ist meist hydraulisch zu heben und zu senken, aber auch schwenkbar.

Scharen von Schneepflügen für den Straßenbereich besitzen an der Unterseite, die die Fahrbahn berührt, eine widerstandsfähige Kante, die Schürfleiste. Die Schürfleiste besteht aus Verbundwerkstoff, meist aus Stahl, Korund, Gummi und eventuell Hartmetall. Für Pflasterbeläge werden auch Schürfleisten, die nur aus Gummi und Korund bestehen, verwendet. Die Schürfleiste ist als schnell austauschbares Verschleißteil ausgeführt. Die Schar ist meist kippbar gelagert, so dass Unebenheiten nicht zu Beschädigungen führen können. Schneepflüge werden alleine durch ihr Gewicht (mehrere hundert kg bis zu mehreren Tonnen bei überbreiten Flughafenschneepflügen) auf den Boden gedrückt. Direkt hinter dem Schneeschild sind Stützen oder Stützräder vorhanden, damit der Pflug nicht in den Boden geht und zu graben beginnt.

Damit der Fahrer des Fahrzeuges sieht, wo er mit dem Pflug fahren kann, sind am Straßenrand oft (vor allem auf Freilandstraßen) farbige Schneestangen (auch Schneestock oder Schneezeichen) eingeschlagen. Soll dem Fahrer angezeigt werden, dass er den Pflug heben muss, wird in einigen Regionen an der Schneestange oben ein Kreuz (rotes X, aus etwa 20 cm langen Holzleisten) befestigt. Ebenfalls rote Querlatten, eventuell mit Stützstrebe weisen auf die Lage und den Beginn einer Gehsteigkante oder eines Rammbordes (auf Brücken) hin. Diese Zeichen stehen auf Alpenpässen mehr als das halbe Jahr.

Für breitere Fahrbahnen wie Autobahnen werden oft Winterdienstfahrzeuge eingesetzt, die neben dem Frontpflug auf der Seite in Richtung Fahrbahnrand auch einen ausschwenkbaren Seitenpflug besitzen. So fahren auf der Autobahn oft schräg gestaffelt mehrere Schneepflüge hintereinander, die die gesamte Fahrbahn in einem Durchgang vom Schnee reinigen. Ein Überholen dieses Konvois ist sehr gefährlich, weil man vom zuerst geräumten direkt in den ungeräumten Bereich der Straße kommt. In einigen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sind Fahrzeuge des Winterdienstes auch mit Blaulicht und Martinshorn ausgestattet, um z. B. bei Stau notfalls auch gegen die Fahrtrichtung auf die Autobahn auffahren oder durch den Rückstau fahren zu können.

Spezielle Pflüge können mit diesen Auslegern bis zu 15 m breit werden. Solche Fahrzeuge können aber nur z.B. auf Flughäfen verwendet werden. Auch da sind noch drei Pflüge versetzt notwendig, um die über 40 m breite Start- und Landebahn zu reinigen. Oft haben die Schneepflüge heckseitig auch Streuautomaten für Streusplitt oder Streusalz montiert. So hat der LKW auch mehr Gewicht durch das geladene Salz oder den Sand und dadurch mehr Traktion. Schneepflüge gibt es aber auch in Kleinausführungen, die z.B. auf Motormäher, Pickups oder kleine Traktoren montiert werden können, womit man Gehsteige oder Gartenwege in Parkanlagen reinigen kann. Ein handgeführter Schneepflug weist zwei Rollen auf, die die Querkraft aufnehmen.

Ist die Schneehöhe zu hoch, der Schnee sehr schwer oder man kann den Schnee nicht direkt am Rand lagern, so verwendet man Schneefräsen.

Typisch für viele Schneepflüge sind über die Schildoberkante hochgesetzte Scheinwerfer und Blinkleuchten, häufig auch Begrenzungsleuchten an den oberen Ecken des Schilds und Zusatzscheinwerfer am Kabinendach, also über der Augenhöhe des Lenkers die dank ihrer Lage den Bereich nahe vor dem Schild aus Sicht des Lenkers kontrastreich ausleuchten. Manche Schneewurfleitbretter oberhalb des Schilds sind aus transparentem Kunststoff ausgeführt, um die Sicht am Stand oder bei Langsamfahrt auf die nahe davor liegende Straße zu verbessern.

Schiene[Bearbeiten]

Zum Schneepflug umgebaute Elektrolokomotive der Ferrovie dello Stato
Schneepflug der Wiener Straßenbahn
Klima-Schneepflug der ÖBB auf der Arlbergbahn in der Haltestelle Schnann, beide der mit einem Scharnier verbundenen Schildhälften nach links räumend gestellt

Zahlreiche Lokomotiven, Triebwagen und Steuerwagen verfügen über kleine Schienenräumer an den Drehgestellen, deren Hauptaufgabe allerdings nicht die Schneeräumung ist, sondern die Beseitigung kleinerer Fremdkörper im Gleisbereich. Für größere Einsätze halten die Eisenbahnverwaltungen mobile Schneepflüge vor. Der Deutschen Bahn AG stehen Schneepflüge der Bauart Meiningen aus den Beständen der Deutschen Reichsbahn, sowie Schneepflüge der Bauart Beilhack der Deutschen Bundesbahn zur Verfügung. Die Reichsbahn-Schneepflüge sind zuerst im ehemaligen RAW Halberstadt und dann im Reichsbahnausbesserungswerk Meiningen gebaut worden, die Bundesbahn-Geräte von der Firma Beilhack in Rosenheim bzw. heute in Kiefersfelden. Das Werk Meiningen ist bei der Deutschen Bahn AG zentral für die Wartung aller Räumfahrzeuge tätig.

Die ehemalige Deutsche Reichsbahn (DR) baute vor dem Zweiten Weltkrieg, wie viele andere Bahnverwaltungen, ausgemusterte Schlepptender sowie einige ausgemusterte bayerische Elektrolokomotiven zu sogenannten Klima-Schneepflügen um, benannt nach ihrem Erfinder, dem Österreicher Rudolf Klima. Zwei Klima-Schneepflüge, umgebaut aus Tendern, sind im Deutschen Dampflokomotiv-Museum zu sehen. Eine umgebaute Elektrolokomotive ist im Bestand des Bayerischen Eisenbahnmuseums.

Früher waren Schneepflüge Ein-Richtungs-Fahrzeuge. Damit die Fahrzeuge in der anderen Fahrtrichtung eingesetzt werden konnten, war eine Drehscheibe (oder eine Umkehrmöglichkeit) notwendig. Moderne Geräte sind Zweirichtungsfahrzeuge, die Räumeinrichtung kann gedreht werden, so dass das Fahrzeug ohne Einsatz einer Drehscheibe für die andere Fahrtrichtung vorbereitet werden. Diese neue Möglichkeit ist heute notwendig, da Drehscheiben im Bahnbetrieb so gut wie nicht mehr vorhanden sind.

In Österreich kommt auch eine Schneeschleuder auf Schienen zum Einsatz.[1]

Spurpflug der RhB im Einsatz vor einem Regionalzug

Die Rhätische Bahn setzt spezielle Spurpflüge vor regulären Zügen ein, welche das Schienenprofil bis unter die Gleisoberkante freiräumen können. Diese sind mit ferngesteuert absenk- und anhebbaren Räumschilden ausgestattet,[2] um dennoch Weichen befahren zu können.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ÖBB-Schneechaos: Hilfe für Kärnten ORF.at vom 3. Februar 2014
  2. http://www.gartenbahn-toffeholz.ch/spurpflug.html

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Schneepflug – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Schneepflüge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien