Schulhort

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Ein Schulhort, Kinderhort oder einfach nur Hort ist in fast allen deutschen Bundesländern eine sozialpädagogische Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe. Er dient der Kindertagesbetreuung von Grundschülern und wird meist bis zur 4.Klasse besucht.

Situation in Deutschland[Bearbeiten]

Horte sind Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und haben (wie der Kindergarten oder die Kinderkrippe) einen Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrag (§ 22 Abs. 2 SGB VIII). Der Hort öffnet je nach Bedarf schon vor Schulbeginn (Frühhort) und bietet den Kindern auch Gelegenheit zum Frühstücken. Er wird zentral nach Ende des Schulunterrichtes angeboten und von den Kindern meist bis 16:00 Uhr besucht, zum Teil auch länger (Späthort). Sowohl der Betreuungsumfang als auch die Betreuungszeiten sind regional höchst unterschiedlich. Vor allem in den östlichen Bundesländern haben viele Horte auch über die Schulferien geöffnet und bieten spezielle Ferienprogramme mit angepassten Öffnungszeiten an. Horte können innerhalb des Schulgebäudes, in Kindertagesstätten oder in eigenen Horthäusern betrieben werden.

Ansprüche auf Hortbetreuung ergeben sich aus § 24 Abs. 2 SGB VIII, wobei das Landesrecht in einzelnen Bundesländern einen Rechtsanspruch auf einen Hortplatz zusichert (bspw. Brandenburg). Der Bedarf an Hortplätzen hängt stark davon ab, ob es Ganztagsschulen gibt und welches Angebot von diesen abgedeckt wird.[1] Für die Gewährung von Ansprüchen und die Finanzierung der Plätze sind in den meisten Bundesländern Deutschlands die örtlichen Jugendämter zuständig. Die Personensorgeberechtigten (Eltern) zahlen in der Regel Elternbeiträge für die Hortbetreuung.

Die Entwicklung und Verbreitung des Hortes ist bundeslandspezifisch. Während in den östlichen Bundesländern die Nutzung des Hortes stark verbreitet ist, ist in den alten Bundesländern das Konzept der Ganztagsschule vorherrschend. In Thüringen sind Horte grundsätzlich dem Schulwesen zugeordnet. Es kann die Tendenz festgestellt werden, die Hortfunktion über den Ausbau der Ganztagsschulen dem Schulwesen zuzuordnen (z. B. in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hamburg). In jedem Fall aber soll die räumliche und fachliche Verbindung zwischen Schule und Hort verstärkt werden.[2]

Der Personalschlüssel ist je nach Bundesland verschieden. Laut Statistischem Bundesamt beliefen sich die Pro-Kopf-Ausgaben für ein Schulkind bis zu 14 Jahren in einer Einrichtung in öffentlicher Trägerschaft auf 4 200 Euro in 2009 und 4 400 Euro in einer Einrichtung in freier Trägerschaft.[3]

Schulhort in der DDR[Bearbeiten]

In der DDR gehörte der Schulhort im Rahmen der sogenannten Tageserziehung fest zum Schulkonzept und war Bestandteil des Bildungswesens. Er hatte eine Betreuungs- und Bildungsfunktion und damit auch eine ideologische Funktion.[4] Im Jahr 1989 waren 81 % der Schüler der Klassenstufen eins bis vier im Schulhort angemeldet.[5] In der Mittagspause oder nach dem Ende des Unterrichts gingen die Unterstufenklassen zum Mittagessen. Schulküchen und Speiseräume waren an allen Schulen seit den 1950er Jahren vorhanden.

Anschließend stand für Schüler der ersten Klasse der verpflichtende Mittagsschlaf an. Sie mussten wenigstens ruhen, wenn sie nicht schlafen konnten oder wollten. Eine längere Mittagsruhe sah die DDR-Pädagogik als unabdingbar an, um den Kindern einen regelmäßigen, geordneten Tagesablauf in einem stabilen Umfeld zu bieten, damit sie in der als organisierte Freizeit bezeichneten Nachmittagsbetreuung wieder aktiv, leistungsfähig, konzentrationsfähig und ausgewogen waren. Der Mittagsschlaf im Kindergarten und der Unterstufe war deswegen auch Gegenstand ausgiebiger pädagogischer Untersuchungen. Nach dem Mittagsschlaf und der Hygiene nach dem Aufstehen folgte die Vesper. Das war eine gemeinschaftliche kleine Mahlzeit für alle Kinder einer Hortgruppe, bei der Gebäck und Tee bzw. Kakao gereicht wurden.

Anschließend waren sämtliche erteilten Hausaufgaben des Schultags zu erledigen. Es wurde gesteigerter Wert auf die sogenannten gediegenen Grundfertigkeiten Disziplin, Ordnung, Sauberkeit, Strebsamkeit, Beharrlichkeit und Fleiß gelegt; die Kinder hatten ruhig, konzentriert und mit Mindestanforderungen an die äußere Form zu arbeiten. Hatte ein Kind die Aufgaben gelöst, legte es die Ergebnisse dem für die Hortgruppe verantwortlichen Erzieher vor. Der Erzieher unterschrieb zum Zeichen des Einverständnisses oder wies gegebenenfalls auf Fehler oder Unzulänglichkeiten in der Form hin. Mit der Unterschrift unter die Hausaufgabe konnte das Kind den Arbeitsbereich verlassen und bis zum Ende seiner Hortzeit frei spielen. Die Verweigerung der Unterschrift bedeutete für das Schulkind die Verpflichtung zur Nachbesserung, bis das gewünschte Ergebnis erreicht wurde.

Die Erzieher, die ebenfalls ein Fachschulstudium an den Instituten für Lehrerbildung bzw. den Pädagogischen Instituten absolviert hatten und im Grunde Lehrer für ein Fach der Unterstufe waren, besprachen oft auch auftretende Probleme aus den Bereichen Lernen, Leistung und Verhalten mit den Kindern. Sie arbeiteten eng mit den Lehrern und dem Klassenlehrer zusammen. Die Leistungsbeurteilung war allerdings ausschließlich Aufgabe der Lehrer.

Situation in anderen Ländern[Bearbeiten]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

In den USA sind zwar Ganztagsschulen üblich, doch ergeben sich auch dort am Morgen und am Nachmittag für viele Familien Betreuungslücken. Viele Grundschulen des öffentlichen Schulsystems stellen darum ihre Räumlichkeiten außerhalb der Unterrichtszeiten unabhängigen Trägern zur Verfügung, die dort ein für die Familien kostenpflichtiges Betreuungsprogramm (after-school childcare) anbieten.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gängler, Hans/Weinhold, Katharina/Markert, Thomas (2013): Miteinander-Nebeneinander-Durcheinander? Der Hort im Sog der Ganztagsschule. In: Neue Praxis Jg. 43, H. 2, ISSN 0342-9857,S. 154-175.
  2. 14. Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. BMFSFJ, 2013, abgerufen am 10. Februar 2014.
  3. Finanzen der Kindertageseinrichtungen in freier Trägerschaft. Statistisches Bundesamt, 10. Oktober 2012, abgerufen am 10. Oktober 2012.
  4. Vgl. bspw. das Praxisbeispiel: Ursula Ballmann: Schulanfänger lieben Rollenspiele. In: Ursula Ballmann: Freizeit im Hort. Beiträge aus pädagogischen Lesungen. Berlin 1984. S.9‐30.
  5. Statistisches Amt der DDR: Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik - 1990 (35. Jahrgang). Berlin 1990. S. 331.
  6. Choose the Right After-School Program; Choosing After-School Child Care