Schwarzer Block

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Schwarzer Block bei einer Demonstration in Hamburg, 2007

Der Schwarze Block (auch Black Block bzw. Black Bloc) ist eine Demonstrationstaktik von Gruppierungen, die nach außen hin aufgrund von Verhalten und meist schwarzer Kleidung und Vermummung homogen wirken. Durch die einheitliche Kleidung soll laut bayrischem Verfassungsschutz die Zuordnung von Gewalttaten zu Einzelpersonen erschwert werden, die Täter wollen sich dadurch der Strafverfolgung entziehen. Nach anderer Auffassung dient die einheitliche Kleidung zur Vermeidung von Identifikation durch Behörden oder politische Gegner und soll Solidarität vermitteln. Zu den Taktiken des Schwarzen Blocks gehören die Androhung und Ausübung von Massenmilitanz zur Durchsetzung politischer Ziele.[1] Der Schwarze Block ist keine feste Organisation. Er setzt sich meist aus Gruppen und Einzelpersonen des linken, autonomen und linksextremen Spektrums zusammen.[2] Die Taktik wird auch von rechtsextremen Gruppen, den Autonomen Nationalisten, verwendet.[3][4][5]

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Der Begriff geht auf Ermittlungen mit dem Instrumentarium des Paragraphen 129a StGB der Bundesanwaltschaft gegen mehr als 50 Leute aus Frankfurt am Main wegen „Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung Schwarzer Block“ im Jahre 1981 zurück. Er wurde von den Autonomen aufgegriffen und wird seitdem verstärkt in den Medien verwendet. Viele der Autonomen verwenden diesen Begriff aber vor allem selbstironisch, da sie seinen Gebrauch selbst für diffamierend halten.[6]

Kennzeichen[Bearbeiten]

Black Bloc mit TransparentPolizeistaat EU“, 2002
Schwarzer Block Autonomer Nationalisten

Kennzeichen von Schwarzen Blöcken auf Demonstrationen ist neben der Kleidung ein entschlossenes bis aggressives Auftreten. Zuweilen gingen Personen aus dem schwarzen Block offensiv gewalttätig gegen Polizei und politische Gegner vor,[7][8][9][10] errichteten Barrikaden, warfen Farbbeutel und beschädigten Geschäfte. Darüber hinaus wurden von Teilnehmern des Schwarzen Blocks auch Brandstiftungen an Fahrzeugen und Gebäuden verübt.[11][12][13][14][15]

Die einheitliche schwarze Bekleidung und Gesichtsbedeckungen wie Kapuzen, Mützen, Sonnenbrillen und Tücher sollen die Demonstranten insbesondere vor der Erkennung durch Polizei, Staatsschutz oder politische Gegner wie Neonazis sowie vor Tränengas schützen. Früher wurden auch Motorradhelme, Gasmasken und Sturmhauben verwendet; in Deutschland stellt dies jedoch nach geltendem Recht seit Einführung des Vermummungsverbots 1985 einen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz dar.

Geschichte in Deutschland[Bearbeiten]

Der Begriff Schwarzer Block entstand mit dem Aufkommen der Neuen sozialen Bewegungen in den späten 1970er Jahren, als zunehmend Autonome auf Demonstrationen dieser Bewegungen wie der Anti-Atomkraft-Bewegung und der Friedensbewegung auftauchten. Für den 1. Mai 1980 in Frankfurt gab es den ersten Aufruf zum Schwarzen Block.[16] Damals war das Auftreten der Autonomen allerdings keineswegs so homogen schwarz wie zur Hochphase des Schwarzen Blocks: Anfang der 1990er Jahre marschierten in Göttingen auf von der Antifa organisierten Demonstrationen bis zu 2000 Menschen im schwarzen Block. Anfang der 1990er Jahre führte die „Autonome Antifa (M)“ Demonstrationen mit dem vermummten 'Schwarzen Block' gewaltfrei mit überparteiischen Bündnissen durch.

Bei vielen Aktionen kam es jedoch auch oft zu regelrechten Schlachten mit der Polizei, zum Beispiel im Rahmen der Hausbesetzerbewegung in den 1980er und 1990er Jahren, der Bewegung gegen die Startbahn West am Frankfurter Flughafen Anfang der 1980er Jahre, der Anti-AKW-Bewegung in Brokdorf, Wackersdorf und Gorleben in den 1980ern, beim sogenannten Berliner Revolutionären Ersten Mai ab 1987, einer Alternativveranstaltung der linksradikalen Szene zu den traditionellen Erster-Mai-Kundgebungen der Gewerkschaften, dem IWF-Kongress in Berlin, der Besetzung der Häuser in der Hafenstraße in Hamburg in den 1980er Jahren.

Seit den späten 2000ern treten linke und autonome Demonstranten auch gelegentlich mit der Out-of-Control-Taktik auf, da Wanderkessel und präventive Überwachungsmaßnahmen der Polizei so besser umgangen werden können als mit einem geschlossenen Block.

Seit den 1990er Jahren kopieren vermehrt Autonome Nationalisten diese Taktik.[17]

Österreich[Bearbeiten]

Schwarzer Block auf der NOWKR-Demo 2012 in Wien

Bei den Demonstrationen gegen den Wiener Akademikerball marschierte ab dem Jahr 2012 auch ein Schwarzer Block mit, der besonders 2014 für schwere Ausschreitungen sorgte.[18] Es kam zu Sachbeschädigungen und die Polizei war mehrmals gezwungen einzugreifen. Polizisten und Demonstranten wurden dabei verletzt.[19] Am Stephansplatz eskalierte die Situation, es kam zu schweren Sachbeschädigungen, so wurden am Graben einige Schaufensterscheiben eingeschlagen, eine Bankfiliale attackiert und eine Polizeikohorte in die Flucht getrieben. Am Hof überrannten die Demonstranten eine schwach besetzte Polizeisperre, rissen Pflastersteine aus dem Boden und bewarfen die hiesige Polizeistation. Ein Funkwagen des ORF Wien und mehrere Einsatzfahrzeuge der Wiener Polizei wurden unter anderem mit demolierten Verkehrszeichen und Betonsteinen zerstört. Es kam zu mehreren Festnahmen.[20] Der Sachschaden wurde am Tag nach dem Protest mit über einer Million Euro beziffert,[21] von der Staatsanwaltschaft ein halbes Jahr später mit einer halben Million. Der Polizeieinsatz zur Sicherung des Balles soll ebenfalls eine Million Euro gekostet haben.[22]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

Antikriegsdemonstration in Washington, D.C., 2003

In den Vereinigten Staaten von Amerika wurde der schwarze Block wahrscheinlich erstmals 1991 von der anarchistischen Organisation Love & Rage als Protestform gewählt.[23] 1992 formierte sich anlässlich des Columbus Day erneut ein schwarzer Block. Stärker medial rezipiert wurde erst der am 30. November 1999 zu den globalisierungskritischen Protesten in Seattle von etwa 200 Personen formierte Block. Aus der anonymen Gruppe heraus wurden Graffiti gesprüht und Schaufensterscheiben eingeworfen, was der seit den 1920er Jahren marginalisierten militanten anarchistischen Bewegung Kritik seitens anarchopazifistischer Gruppen, aber der anarchistischen Bewegung insgesamt große Aufmerksamkeit und verstärkten Zulauf einbrachte. Die Debatten in der Folge drehten sich ähnlich der seit den 1980er Jahren im deutschsprachigen Raum geführten um Sinn und Nutzen der Aktion, Schaden im Ansehen für die Bewegung und Vielfalt von Taktiken oder scharfe Abgrenzung von militarisiertem Auftreten und öffentlich nicht vermittelbaren Handlungen.

Italien[Bearbeiten]

Viel Zerstörung hatte ein schwarzer Block beim G8-Gipfel in Genua 2001 angerichtet. Bei der Aufarbeitung dieser Ereignisse wurde wiederholt der Verdacht geäußert, die Polizei habe verkleidete Beamte in den Schwarzen Block als Provokateure eingeschleust.[24][25] Verschiedene Augenzeugen hatten behauptet, die Polizei sei mit großer Härte gegen friedliche Demonstranten vorgegangen, habe sich aber gegenüber dem Schwarzen Block in auffälliger Weise zurückgehalten.[25][26]

Ägypten[Bearbeiten]

In Ägypten hat sich im Zuge der Proteste gegen die Politik von Präsident Mohammed Mursi eine gewaltbereite Gruppierung entwickelt, die sich Schwarzer Block nennt. Diese trat erstmals am 24. Januar 2013 auf dem Tahrir-Platz in Kairo in Erscheinung.[27] Der „Schwarze Block“ versteht sich als Gegenwehr zu den Schlägertrupps der Muslimbrüder, die am 4. Dezember 2012 vor dem Präsidentenpalast zahlreiche Mitglieder der Opposition festgenommen und traktiert haben.[28]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schwarzer Block – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. https://www.bayern-gegen-linksextremismus.bayern.de/wissen/musik-symbolik-zeichen-dresscodes/schwarzer-block-1
  2. Was ist der „Schwarze Block“? (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung tagesschau.de abgerufen 26. Mai 2008
  3. http://www.tagesspiegel.de/berlin/brandenburg/extremismus-rechte-und-linke-schwarze-bloecke-aehneln-sich/1868442.html
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPhilipp Wittrock: Schwarzer Neonazi-Block alarmiert Polizei und Politik. In: Spiegel Online. 15. Mai 2008, abgerufen am 29. November 2014.
  5. http://www.verfassungsschutz.bremen.de/sixcms/detail.php?gsid=bremen77.c.2076.de&template=20_glossar_d&begriff=S
  6. AG Grauwacke: Autonome in Bewegung, Berlin, Hamburg, Göttingen 2003, S. 18.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSchwarzer Block attackiert Polizei – Demo aufgelöst. In: welt.de. 1. Mai 2012, abgerufen am 29. November 2014.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDe Maizière fordert Schulterschluss der Demokraten. In: Spiegel Online. 16. Juni 2010, abgerufen am 29. November 2014.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKrawalle in Kreuzberg: Der Schwarze Block greift an. In: zeit.de. 2. Mai 2009, abgerufen am 29. November 2014.
  10. http://www.bz-berlin.de/tatorte/polizisten-im-visier-der-linksextremen-article1164213.html
  11. http://de.euronews.com/2009/04/04/schwarzer-block-bestimmt-das-bild-bei-anti-nato-protesten/
  12. André Zand-Vakili: Die Brandstifter und die Biedermänner welt.de abgerufen 1. April 2008
  13. Hubert Gude, Robert Vernier u.a.: „Das ist eine Schande“ focus.de, abgerufen 1. April 2008
  14. http://www.rp-online.de/public/article/politik/gipfel/693409/Schwarzer-Block-haelt-Nato-Gipfel-in-Atem.html
  15. http://derstandard.at/1318725993700/Nachlese-Schwarzer-Block-Haben-uns-ein-Jahr-darauf-vorbereitet
  16. Der Papst ist tot! – 25 Jahre Schwarzer Block trend onlinezeitung, 6 /2005, abgerufen 19. Juni 2008
  17. Focus Magazin
  18. Akademikerball: "Polizei-Einsatz war ein riesiger Erfolg", kurier.at, abgerufen am 28. Jänner 2014
  19. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGegner des Akademikerballs randalieren in Wien. In: Spiegel Online. 24. Januar 2014, abgerufen am 29. November 2014.
  20. Großes Polizeiaufgebot bei Demonstrationen, Der Standard, 24. Januar 2014
  21. Millionenschaden und Kritik an Randale - Festnahmen, Verletzte, zerstörte Autos. ORF, abgerufen am 25. Januar 2014.
  22. Akademikerball: Massive Kritik an Polizei und Randalierern auf derstandard.at, abgerufen am 29. Jänner 2014
  23. Gabriel Kuhn: >Neuer Anarchismus< in den USA, Unrast Verlag 2008. ISBN 978-3-89771-474-8, Seite 83
  24. Erinnerung an Genua auf den Seiten des Deutschlandfunks
  25. a b Italienische Aufklärung von Clemens Wergin auf den Seiten des Tagesspiegels vom 24. Juli 2002: Was geschah, ist weitgehend bekannt: Tagelang durften die gewalttätigen Demonstranten des so genannten „Schwarzen Block“ sich fast ungestört austoben, während stattdessen immer wieder friedliche Demonstranten verprügelt wurden oder Kameramänner und Fotografen, die eine seltsame Art der Zusammenarbeit dokumentieren wollten: Zwischen der Polizei und vermummten Gewalttätern. Das Foto- und Filmmaterial ist erdrückend: Die Polizei hat systematisch Agents Provocateurs eingeschleust, die sich immer wieder mit ihren Einheiten trafen, Aktionspläne absprachen, Taktiken ausarbeiteten. So erklärt sich auch die Zurückhaltung der Polizei, selbst wenn Ausschreitungen direkt neben ihren eigenen Hundertschaften stattfanden.
  26. http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=24389609&aref=image033/E0236/SCSP200203600760078.pdf&thumb=false
  27. Die Opposition hadert - die Muslimbrüder handeln tagesschau.de, abgerufen 26. Januar 2013
  28. General warnt vor Kollaps Ägyptens