Antifa

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Dieser Artikel behandelt den allgemeinen Begriff Antifa, für die gleichnamige Zeitschrift der VVN-BdA siehe antifa (Zeitschrift)
Logo der Antifaschistischen Aktion mit roter und schwarzer Fahne

Der Begriff Antifa ist ein etwa seit Anfang der 1980er Jahre wieder verbreitetes Akronym der Begriffe Antifaschismus und Antifaschistische Aktion. Er bezeichnet vor allem im antifaschistischen Spektrum linke, linksradikale und autonome Gruppen und Organisationen, die sich in ihrem Verständnis von Antifaschismus das Ziel gesetzt haben, Nationalismus und Rassismus zu bekämpfen. Dies geschieht häufig mit besonders betonter Ablehnung von Antisemitismus und völkischer Ideologie. Dabei spielt oft auch der Widerstand gegen den Nationalsozialismus relativierende oder rechtfertigende geschichtsrevisionistische Tendenzen eine bedeutende Rolle.

Verschiedene Antifa-Gruppen, insbesondere aus dem Umfeld der Autonomen-Szene, stehen in Deutschland unter Beobachtung der Verfassungsschutzbehörden. Die Antifa-Bewegung wird von verschiedenen Seiten sowohl in ihrem theoretischen Ansatz als auch ihrem Auftreten aufgrund ihres verwendeten Faschismus- und Rassismusbegriffes sowie ihres ungeklärten Verhältnisses zur Gewaltanwendung kritisch bewertet.

Ursprung

Historisches Logo der antifaschistischen Aktion Anfang der 1930er Jahre

Der Begriff und die Idee der Antifaschistischen Aktion kamen ursprünglich aus Italien, wo Gegner von Mussolini als „Antifaschisten“ bezeichnet wurden. In Deutschland gab es seit 1923 die „Antifaschistische Aktion“ als Teilbereich des Rotfrontkämpferbundes. Ihr Ziel war es, gegen den aufstrebenden Faschismus zu kämpfen. Anfänglich kamen die Mitglieder der Antifaschistischen Aktion nur aus der kommunistischen, später aus allen sozialistischen Parteien und Organisationen. Die Antifaschistische Aktion sah ihre Aufgabe weniger darin, den revolutionären Kampf zu führen, sondern sie wollte in erster Linie – trotz aller Kritik an den Strukturen der Weimarer Republik – die bisher erkämpften emanzipatorischen Errungenschaften dieser Republik vor einem „Rückfall in die Barbarei“ durch den Faschismus schützen.[1]

Das Logo der beiden hintereinander nach rechts wehenden damals roten Fahnen geht auf den Entwurf eines Signets der beiden Grafiker Max Keilson und Max Gebhart aus dem Jahr 1932 zurück, die zu dem Zeitpunkt beide Mitglied im Bund revolutionärer bildender Künstler Deutschlands (BRBKD) waren. Es entstand im Kontext der sich zuspitzenden innenpolitischen und wirtschaftlichen Lage, der Radikalisierung des BRBKD und war unterschrieben mit der Parole „Her zu uns“. [2][3] Die beiden roten Fahnen standen für die SPD und die KPD. Der Ring stellte einen „Rettungsring vor dem Faschismus“ dar. Das Logo symbolisierte in seiner Gesamtheit die Aktionseinheit der Arbeiterbewegung gegen die Errichtung des Faschismus.[4]

Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers verschwand der Begriff „Antifaschistische Aktion“ ab 1933 zunehmend und wurde nur noch vereinzelt vom kommunistischen Widerstand verwendet. Als historisches Beispiel für den Widerstand der Antifaschistischen Aktion zu Beginn der Diktatur des Nationalsozialismus gilt der Mössinger Generalstreik.

Neugründungen

Berlin: Eine Demonstration am 3. November 1990 gegen Nationalismus und Rassismus unter dem Motto „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ bildete den Auftakt einer Aktionswoche zur mahnenden Erinnerung an die Novemberpogrome 1938. Von der Straße Unter den Linden bewegte sich der Antifa-Zug direkt zum Alexanderplatz, wo eine Abschlusskundgebung stattfand.

Nach Kriegsende auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone spontan entstandene „Antifa“-Ausschüsse wurden schon bald den aus dem sowjetischen Exil heimgekehrten Funktionären der späteren SED unterstellt und damit bis 1948 praktisch wieder aufgelöst. [5]

In den 1980er Jahren gründeten sich im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland aus der Hausbesetzer- und Autonomen-Bewegung heraus sogenannte Antifa-Gruppen. Diese sollten zunächst vor allem eigene Projekte und potenzielle Opfer von Neonazi-Attacken vor rechtsextremer Gewalt schützen. Es wurde auch versucht, geplante Aktivitäten von Parteien und Organisationen, die von der Antifa dem rechtsextremen Lager zugeordnet werden, zu verhindern und zu stören – wie zum Beispiel Parteitage der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und Aufmärsche diverser dem Nationalsozialismus nahestehender Gruppen. Die Antifa arbeitet dabei, beispielsweise bei Informationsbeschaffung und Informationsaustausch, teilweise mit traditionellen antifaschistischen Organisationen wie etwa der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) zusammen.

Der Antifaschismus war nicht der Aktionsschwerpunkt der Autonomen-Bewegung. Die einzelnen antifaschistischen Gruppen sahen sich aber in der Tradition der Antifaschistischen Aktion der 1920er Jahre und des antifaschistischen Widerstands zur Zeit des Nationalsozialismus.

Auf Grund eines von Seiten der Antifa befürchteten Wiedererstarkens des Nationalismus und der rechtsextremen Gewalt nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden diese Ansätze durch Teile der linken Szene intensiviert. Insbesondere innerhalb der Autonomen-Bewegung entwickelte sich der Antifaschismus zum Hauptaktionsfeld. Im Verlauf der 1990er Jahre entstandenen daher sowohl in den alten als auch den neuen Bundesländern Antifa-Gruppen. Angestoßen wurde diese Entwicklung durch die Gründung der „Autonomen Antifa [M]“ 1990 in Göttingen. Die neu gegründeten Gruppen sahen ihren Aktionsschwerpunkt im Antifaschismus. Im Jahr 1992 organisierte sich ein Teil dieser Gruppen in der Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO). Zu dieser gehörten neben der Autonomen Antifa [M] in Göttingen unter anderem auch die Antifaschistische Aktion Berlin. Obwohl die AA/BO sich im April 2001 auflöste, hinterließ sie sowohl in den neuen als auch in den alten Bundesländern feste Strukturen von antifaschistischen Organisationen.

In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts zeigten sich Spaltungstendenzen innerhalb der Antifa-Bewegung. Der Riss verläuft zwischen den sogenannten Antideutschen und den sogenannten „Anti-Imps“ (Kurzform von Antiimperialisten). Es geht bei diesem Konflikt primär um die Positionierung zum Nahostkonflikt. Dabei bezichtigen sich die unterschiedlichen Strömungen gegenseitig des Antisemitismus bzw. der Islamophobie. Beispiele hierfür sind die Spaltungen der Göttinger Autonomen Antifa [M] Mitte 2004 und der Antifaschistischen Aktion Berlin.

Seit etwa Ende 2005 ist jedoch wieder ein Rückgang der Spaltung zu beobachten: Sowohl radikale Antideutsche als auch Antiimps haben innerhalb der Antifabewegung massiv an Bedeutung verloren. Die meisten Antifa-Gruppen definieren sich inzwischen als weder eindeutig antideutsch noch antiimperialistisch, sondern meist als undogmatisch.

Aktivitäten

Frontreihe einer Antifademonstration im August 2006 in Bern
Antideutsche in Frankfurt 2006 unter dem Motto „Nieder mit Deutschland“.

Bei den durchgeführten Aktionen handelt es sich teilweise um Recherchen, Aufklärung, Dokumentation und Verbreitung von Informationen über rechtsextreme und rechtskonservative Strömungen (siehe Neue Rechte) als auch Verbindungen zwischen ihnen im nationalen und internationalen Zusammenhang. Des Weiteren spielt die teilweise gewalttätige Durchführung von Demonstrationen eine wichtige Rolle (zum Beispiel gegen spezielle Geschäfte, Jugendclubs oder Kneipen der rechten Szene oder in Form von Gegenveranstaltungen zu Aufmärschen von rechten Parteien oder Organisationen, wie etwa der NPD). Antifa-Gruppen arbeiten dabei manchmal in Bündnissen auch mit Organisationen und Personen aus anderen politischen Bereichen, die vom Umfeld der Linken über Jusos oder Grüne Jugend und Gewerkschaften bis hin zu christlich orientierten Basisgruppen oder lokalen Bürgerbündnissen reichen, zusammen.

In der Zusammenarbeit mit spezifisch antirassistischen Gruppen und Flüchtlingsinitiativen besteht ein weiterer Schwerpunkt der heutigen Antifa-Arbeit in der Aufklärung über gesellschaftliche Strukturen, die eine Diskriminierung von sozialen Minderheiten in den modernen Industriegesellschaften begünstigen sollen. Dabei setzt sich die Antifa aktiv für eine Ausweitung der Rechte von Asylbewerbern und allgemein von ausländischen Flüchtlingen, Behinderten und weiteren oft marginalisierten, von rassistischen oder anderen Vorurteilen betroffenen Randgruppen ein. Beispielsweise sind Antifa-Gruppen beteiligt an der Kampagne kein mensch ist illegal, bei der sie in Einzelfällen auch von Abschiebung bedrohten Flüchtlingen helfen, sich den deutschen Behörden zu entziehen.

Häufig wird zu Blockaden gegen Demonstrationen, Kundgebungen, Tagungen oder Parteitage von aus ihrer Sicht rechtsextremen, nationalistischen und tendenziell rassistischen und antisemitischen Parteien und Organisationen aufgerufen, deren Durchführung die Verhinderung oder zumindest Störung derartiger Veranstaltungen zum Ziel haben. Betroffen von solchen Aktionen sind vor allem Versammlungen der NPD, der DVU, der Republikaner oder diverser sogenannter Freier Kameradschaften. Des Weiteren können auch Veranstaltungen der Neuen Rechten, der Landsmannschaften der Vertriebenenverbände und bisweilen auch derjenigen neokonservativen Kreise, denen von der Antifa eine Scharnierfunktion zwischen Konservativismus und Rechtsextremismus vorgeworfen wird, Ziele von Antifa-Aktivitäten sein. Insbesondere autonome Antifa-Gruppen befürworten, je nach Eskalationsphase, auch militant-gewaltsame Aktionsformen gegen Neonazis. Sie schließen somit gegebenenfalls auch illegale, in ihrem Verständnis legitime Mittel im Kampf gegen aus ihrer Sicht faschistische und faschistoide Tendenzen nicht aus. Gelegentlich kommt es dabei zu Straßenschlachten zwischen Mitgliedern der autonomen Antifa und der Polizei oder Anhängern der entsprechenden Gruppen und Organisationen. Vereinzelt verüben Mitglieder der autonomen Antifa-Bewegung auch Sabotage-Anschläge gegen Einrichtungen der entsprechend bekämpften Szene.

Ein neuer Arbeitszweig in der Antifa-Szene ist die Daten-Antifa oder virtuelle Antifa. Diese Gruppen hacken als ihnen rechtsextrem geltende Webseiten [6], Online-Shops und Foren, was manchmal bis zu deren Außerbetriebsetzung führen kann, oder sie recherchieren teilweise vertrauliche Daten der rechten Szene, die dann oftmals veröffentlicht werden. So hat die Daten-Antifa Ende August 2008 das Blood and Honour-Netzwerk gehackt und alle so bezogenen Daten veröffentlicht.[7]

Politische Inhalte

Es existiert zwar eine gewisse Vernetzung unter den Gruppierungen, dennoch handelt es sich bei der Antifa nicht um ein homogenes Gebilde. Tatsächlich ist die Ablehnung von Faschismus, Rassismus und Nationalismus oft nur der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich die unterschiedlichen Gruppierungen, häufig sogar die Mitglieder innerhalb einer Gruppierung einigen können.

Größtenteils wird die bestehende staatlich-politische Gesellschaftsorganisation – zumal in der Bundesrepublik und vergleichbaren von den Antifa-Gruppen als vom Kapitalismus dominierten Staaten betrachteten nördlichen Hemisphäre – kritisch bis ablehnend gesehen, da sie den Faschismus erst möglich mache. Dabei wird oft der „Triple Oppression“-Ansatz als Fundament dieser These angeführt. Von der jeweiligen Weltanschauung der beteiligten Gruppen abhängig, wird das Spektrum der Ansichten und Ziele teilweise auch stark erweitert. Vor allem rückt im Verständnis der Antifa, ähnlich wie bei der marxistischen Faschismusdefinition, der Kapitalismus als Ursache von Faschismus, aber ebenso Sexismus und Rassismus, als weitere Formen von Unterdrückung und Ausbeutung ins Visier antifaschistischer Gruppierungen.

Antifaschistische Medien (Auswahl)

Deutschland

International

Neue Medien

Kritik an der heutigen Antifa

Schwedische Antifas greifen eine Veranstaltung der Sverigedemokraterna an

Häufige und breite Kritik findet die Nichtanerkennung des Gewaltmonopols des Staates durch Teile der Antifa. Innerhalb der Antifa wird die Anwendung von Gewalt breit und detailliert diskutiert.[8] Im Mittelpunkt stehen hierbei Fragen zu generellem Gewaltverzicht, die Beteiligung an Aktionen zivilen Ungehorsams wie Sitzblockaden, die Anwendung gegen Sachen und die sehr kontrovers diskutierte Anwendung von körperlicher Gewalt gegen Personen.

Vom Bundesamt für Verfassungsschutz werden viele Antifa-Gruppen zur gewaltbereiten linksextremen Szene gezählt und stehen daher unter Beobachtung. Das Vorgehen ist durch die lose Organisationsstruktur vielfältig und unterschiedlich ausgeprägt.[9] Uwe Backes ordnet die Antifa als „harten Kern“ des militanten linken Spektrums ein und sieht in der Auseinandersetzung von Antifa und der rechten Anti-Antifa einen der Hauptgründe zunehmenden Gewaltgeschehens.[10]

International

Gruppen, die sich selbst auch als „Antifaschistische Aktion“ bezeichnen, (meist unter dem Akronym AFA), und auch dasselbe Logo verwenden, gibt es u. a. in Irland, den Niederlanden, Dänemark, Schweden, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Serbien, Italien und Spanien. Es gibt zum Teil erhebliche Unterschiede in Organisationsgrad und -form sowie politischer Ausrichtung. Gruppen in mittel- und osteuropäischen Ländern beziehen sich in der Regel ausdrücklich auf anarchistische Ideen, begreifen ihren Kampf gleichzeitig auch als antistaatlich und antibolschewistisch. Währenddessen beziehen sich Gruppen in Spanien und Italien auch auf kommunistische Traditionen.

Siehe auch

Literatur

Literatur

Literatur der Antifa-Szene

Literatur der Extremismus-Forschung und des Verfassungsschutzes

  • Matthias Mletzko: Gewaltdiskurse und Gewalthandeln militanter Szenen – Unterschiede am Beispiel „Antifa“ und „Anti-Antifa“ in Kriminalistik Nr. 8/9 2001, S. 543–548, und in Kriminalistik Nr. 10 2001, S. 639–644.

Weblinks

 Commons: Antifaschistischer Widerstand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Carsten Voigt: Die Antifaschistische Aktion 1932 in Sachsen an der Basis der Arbeiterparteien. Gemeinsamkeiten und Brüche, in: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft III/2007.
  2. „Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands“, dhm.de.
  3. Ausstellungsreihe „Politik und Propaganda“, Deutsches Historisches Museum.
  4. Neues Deutschland: Was ist »klassische Antifa«?, 22. Dezember 2011: (Frage an Moritz Krawinkel): Sie haben das alte Antifa-Symbol erwähnt, das noch heute verwendet wird. Wo kommt es her? Krawinkel: Entwickelt wurde es für die historische Antifaschistische Aktion von 1932. Das Logo besteht aus zwei roten Fahnen in einem Kreis, der einen Rettungsring symbolisieren soll. Die Fahnen stehen für SPD und KPD. Dieses Logo ist dann Ende der 1980er Jahre adaptiert worden. Es ist ein bisschen moderner gestaltet worden. Eine Fahne wurde schwarz, um ein anarchistisches Spektrum zu repräsentieren. Und die Fahnen wehen in dem neuen Logo nach links, und nicht mehr, wie in dem ursprünglichen, nach rechts.
  5. Dietmar Wolf: Antifa-Ausschüsse und ihre Zerschlagung in der SBZ/DDR; „telegraph - ostdeutsche zeitschrift++“ Nr. 3/4-1998; zuletzt abgerufen 6. Mai 2014.
  6. TP: Virtuelle Antifa.
  7. Hackerattacke: Verfassungsschutz interessiert sich für Neonazi-Daten. Spiegel online. 30. August 2008. Abgerufen am 11. September 2012.
  8. Vgl. Nils Schuhmacher (2013): Sich wehren, etwas machen - Antifa-Gruppen und -Szenen als Einstiegs- und Lernfeld im Prozess der Politisierung, S. 67. In: René Schultens / Michaela Glaser (Hrsg.) (2013): 'Linke' Militanz im Jugendalter - Befunde zu einem umstrittenen Phänomen. S. 47-70, (PDF, 2 MB)
  9. Bundesverfassungsschutzbericht 2004.
  10. Uwe Backes: Zur Interaktionsdynamik links- und rechtsextremistischer Gewalt. In: Linksextremistische Gewalt – Gefährdungen, Ursachen und Prävention. Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz (Hrsg.) . Erfurt 2011, S. 49.