Kolumbus-Tag

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Die Farben der Italienischen Flagge auf dem Empire State Building zum Kolumbus-Tag

In vielen Ländern wird Christoph Kolumbus' Ankunft in der Neuen Welt am 12. Oktober 1492 mit einem Feiertag begangen. In den USA wird er als Columbus Day bezeichnet, in vielen lateinamerikanischen Ländern heißt er Día de la Raza. In Spanien beging man bis 1987 den Día de Hispanidad (Tag der Hispanität), der an die gemeinsamen Wurzeln der spanischsprachigen Welt erinnern sollte. Heute ist der 12. Oktober dort der spanische Nationalfeiertag (Fiesta nacional de España). Seit dem späten 18. Jahrhundert gedachte man der Entdeckung Amerikas 1492 auf unterschiedliche Weise, die offiziellen Feiertage wurden aber erst seit dem frühen 20. Jahrhundert eingeführt. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts wird der Feiertag in einigen Ländern kontrovers diskutiert und die Umbenennung und Abschaffung gefordert.

USA[Bearbeiten]

Bereits 1792 gab es entlang der Ostküste in New York, Boston, Baltimore, Providence und Richmond kleine, privat organisierte Veranstaltungen, die Kolumbus und der Entdeckung Amerikas gedachten.[1] Ein offizieller Feiertag wurde zuerst 1892 von Präsident Benjamin Harrison ausgerufen. Er legte in seiner Proklamation großen Wert darauf, dass der Feiertag von den amerikanischen Schulen begangen werden würde, um freie Bildung als einen Grundpfeiler der USA zu zelebrieren und gleichzeitig ethnisch und sozial zunehmend diverse Schulkinder unter der gemeinsamen amerikanischen Flagge zu versammeln. Zu diesem Anlass wurde auch der Pledge of Allegiance eingeführt.[2]

Im Anschluss an die Feierlichkeiten setzten sich Italo-Amerikaner zunehmend für die Einführung eines dauerhaften Feiertags ein. Seit der Jahrhundertwende forderten führende Vertreter der italo-amerikanischen Gemeinden (prominenti) häufig in Kooperation mit den katholischen Knights of Columbus und demokratischen Politikern sowohl auf der Ebene einzelner Bundesstaaten als auch auf nationaler Ebene die Einführung des Columbus Day. Zuerst wurde 1903 in New York ein Gesetzesentwurf zur Einführung eines staatlichen Columbus Day vorgelegt. Er wurde damals aber abgelehnt und New York führte den Feiertag erst 1909 ein. Colorado war 1905 der erste Bundesstaat, der den Columbus Day offiziell anerkannte und ab 1907 beging. Bis 1910 hatten weitere 15 Staaten den Feiertag eingeführt und bis 1921 hatten dann insgesamt 33 der damals 48 Bundesstaaten den Columbus Day eingeführt. Seit 1934 galt der 12. Oktober als nationaler Feiertag, der jedes Jahr vom Präsidenten ausgerufen werden musste. Ein permanenter, beweglicher Nationalfeiertag – jeweils am zweiten Montag im Oktober – wurde erst 1968 geschaffen.[3]

Lateinamerika[Bearbeiten]

1912 führte die Dominikanische Republik den Día de Colón ein; 1915 wurde in Uruguay das erste Mal der día de América gefeiert. Uneinigkeiten über den Namen des Feiertages traten bereits frühzeitig auf. 1917 wurde in Argentinien und Peru der Día de la Raza als Nationalfeiertag eingeführt und 1921 in Chile. Bis zum Ende der 1920er Jahre hatten die meisten hispanoamerikanischen Staaten einen solchen nationalen Feiertag.[4] Es kann von einem transnationalen Feiertag gesprochen werden, der damals nicht nur an Kolumbus und die Entdeckung Amerikas erinnern sollte, sondern gleichzeitig den Zusammenhalt zwischen Spanien und Lateinamerika (auch vis-à-vis den USA) stärken sollte, weil er die gemeinsamen sprachlichen, geschichtlichen und kulturellen Wurzeln herausstellte. [5]

Proteste, Umbenennungen und Abschaffung[Bearbeiten]

In den USA werden Proteste gegen den Columbus Day mit dem American Indian Movement in Verbindung gebracht, einer Bewegung, die sich seit den 1960er Jahren für die Rechte der Indianer in den USA einsetzt und auf Missstände der Indianerpolitik der Vereinigten Staaten aufmerksam macht. Das 500. Jubiläum der Entdeckung Amerikas 1992 wurde von vielen indianischen Organisationen als Gelegenheit wahrgenommen, sprachpolitische Veränderungen anzuregen. Schon 1990 wurde Columbus Day in South Dakota zu American Indian Day geändert und in Berkeley fand 1992 unter großer Anteilnahme der Medien und mit Vorbildwirkung für andere kalifornische Städte und für Campusse amerikanischer Eliteuniversitäten und Colleges die Umbenennung zum Indigenous Peoples Day statt. [6] [7]

In Chile heißt der Feiertag seit 2000 offiziell Día del Descubrimiento de Dos Mundos (deutsch Tag der Entdeckung zweier Welten). In Venezuela wurde der Feiertag 2002 zum Día de la Resistencia Indígena (deutsch Tag des Indigenen Widerstands) umbenannt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kathleen Loock: Kolumbus in den USA: Vom Nationalhelden zur ethnischen Identifikationsfigur. transcript, Bielefeld 2014, S. 84, 87.
  2. Kathleen Loock: Kolumbus in den USA: Vom Nationalhelden zur ethnischen Identifikationsfigur. transcript, Bielefeld 2014, S. 91-101.
  3. Kathleen Loock: Kolumbus in den USA: Vom Nationalhelden zur ethnischen Identifikationsfigur. transcript, Bielefeld 2014, S. 309-345.
  4. Fredrick B. Pike: Hispanismo, 1898–1936: Spanish Conservatives and Liberals and Their Relations with Spanish America. U of Notre Dame P, Notre Dame 1971. S. 173.
  5. Kathleen Loock: Kolumbus in den USA: Vom Nationalhelden zur ethnischen Identifikationsfigur. transcript, Bielefeld 2014, S. 190.
  6. Timothy Kubal: Cultural Movements and Collective Memory: Christopher Columbus and the Rewriting of the National Origin Myth. Palgrave Macmillan, New York 2008. S. 65-69.
  7. Kathleen Loock: Kolumbus in den USA: Vom Nationalhelden zur ethnischen Identifikationsfigur. transcript, Bielefeld 2014, S. 33-37.