Schwarzer Senf

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Schwarzer Senf
Schwarzer Senf (Brassica nigra)

Schwarzer Senf (Brassica nigra)

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Tribus: Brassiceae
Gattung: Kohl (Brassica)
Art: Schwarzer Senf
Wissenschaftlicher Name
Brassica nigra
(L.) W.D.J.Koch

Der Schwarze Senf (Brassica nigra) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Brassica in der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Der Schwarze Senf ist im Mittelmeerraum heimisch, wird jedoch seit Menschengedenken kultiviert.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration aus Köhler's Medizinal-Pflanzen: „Schwarzer Senf. A B blühende Pflanze, natürl. Grösse; C Fruchttraube, desgl.; 1 Blüthe, vergrössert; 2 dieselbe ohne Kronblätter, desgl.; 3 Fruchtknoten mit Griffel und Narbe, desgl.; 4 Kronblatt, desgl.; 5 Staubgefässe desgl.; 6 Pollenkörner, desgl.; 7 Frucht, desgl.; 8 dieselbe aufgesprungen, desgl.; 9 Same, desgl.; 10, 11, 12 derselbe ohne Samenschale, desgl.

Erscheinungsbild und Blatt[Bearbeiten]

Der Schwarze Senf ist eine einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 0,3 bis zu 2, selten bis zu 3,1 Metern erreicht. Der aufrechte und im oberen Bereich verzweigte Stängel ist mindestens im unteren Bereich rau behaart.[1]

Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet. Die Grundblätter und die untersten Stängelblätter sind 10 cm lang gestielt. Ihre Blattspreite ist bei einer Länge von 6 bis 30 cm und einer Breite von 1 bis 10 cm im Umriss eiförmig, länglich oder lanzettlich, leierförmig-fiederspaltig oder fiederteilig mit einem eiförmigen, gezähnten Endsegment und auf jeder Seite der Mittelrippe ein bis drei gezähnten Seitensegmenten, die viel kleiner sind als das Endsegment. Die oberen Stängelblätter sind auch gestielt. Ihre Blattspreite ist bei einer Länge von etwa 5 cm und einer Breite von etwa 1,5 cm lanzettlich oder linealisch-länglich mit keilförmigen Spreitengrund und glatten oder selten gezähnten Blattrand.[1]

Früchte

Blütenstand und Blüte[Bearbeiten]

Die traubigen Blütenständen verlängern sich bis zur Fruchtreife. Es sind keine Tragblätter vorhanden.[1]

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und vierzählig. Die vier freien, grünen Kelchblätter sind bei einer Länge von meist 4 bis 6 (bis 7) cm und einer Breite von 1 bis 1,5 mm länglich und ausgebreitet oder aufsteigend. Die vier freien, 3 bis 6 mm lang genagelten, gelben Kronblätter sind bei einer Länge von meist 7,5 bis 11 (5 bis 13) mm und einer Breite von meist 3 bis 4,5 (2,5 bis 5,5) mm eiförmig mit gerundetem oberen Ende. Die sechs Staubblätter bestehen aus 3,5 bis 5 mm langen Staubfäden und 1 bis 1,5 mm langen Staubbeutel.[1]

Samen mit netzartiger Oberfläche.

Frucht und Samen[Bearbeiten]

Die geraden, aufrechten bis aufsteigenden Fruchtstiele sind meist 3 bis 5 (2 bis 6) mm lang. Die vierkantige Schote ist bei einer Länge von meist 1 bis 2,5 (0,5 bis 2,7) cm und einem Durchmesser von meist 2 bis 3 (1,5 bis 4) mm linealisch oder schmal länglich-elliptisch und enthält meist vier bis zehn, selten bis zu 16 Samen.

Die dunkelbraunen, grauen oder schwarzen Samen sind bei einem Durchmesser von 1,2 bis 2 mm kugelförmig mit winzig netzartiger Samenschale.[1] Die Samenkörner sind geruchlos, entwickeln aber beim Kauen einen stechend scharfen Geschmack.

Ökologie[Bearbeiten]

Allylisothiocyanat (unten, blau markiert) bildet sich bei der Hydrolyse des Senfölglycosids Sinigrin[2], einem Inhaltsstoff von Schwarzem Senf.

Die gelbe Blütenfarbe beruht auf Violaxanthin.[3]

Der Schwarze Senf schützt sich vor Fressfeinden durch einen 1 %-igen Gehalt an Sinigrin, einer Verbindung des tränenreizenden, stechend riechenden und extrem scharf schmeckenden Allylisothiocyanats[4] mit Glukose; die Glukose schützt wiederum die Pflanze vor ihrem eigenen Gift und wird erst bei einer Verletzung durch enzymatische Reaktion abgespalten.

Vorkommen[Bearbeiten]

Das weite Verbreitungsgebiet des Schwarzen Senfs umfasst weite Gebiete der Alten Welt,[1] er ist im östlichen Mittelmeergebiet beheimatet. Seit der Römerzeit wird er auch in Mitteleuropa kultiviert und seit dem 16. Jahrhundert ist er in Mitteleuropa als Neophyt bekannt und tritt hier vor allem als Stromtalpflanze auf.[3]

Taxonomie[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Sinapis nigra durch Carl von Linné in Species Plantarum, 2, S. 668.[5] Die Neukombination zu Brassica nigra (L.) W.D.J.Koch wurde 1833 durch Wilhelm Daniel Joseph Koch in J.C. Röhlings Deutschlands Flora, 3. Auflage, Band 4[6], S. 713–714 veröffentlicht. Synonyme für Brassica nigra (L.) W.D.J.Koch sind: Brassica bracteolata Fisch. & C.A.Mey., Brassica sinapioides Roth ex Mert. & W.D.J.Koch, Brassica sinapoides Roth, Crucifera sinapis E.H.L. Krause, Erysimum glabrum (L.) Kuntze, Melanosinapis communis K.F.Schimp. & Spenn., Mutarda nigra (L.) Bernh., Raphanus sinapis-officinalis Crantz, Sinapis erysimoides Roxb., Sinapis tetraedra J.Presl & C.Presl, Sisymbrium nigrum (L.) Prantl.[7][8]

Trivialnamen[Bearbeiten]

Für den Schwarzen Senf bestehen bzw bestanden, zum Teil auch nur regional, auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Keek (Helgoland), Keetjen (Helgoland), Mostartkorn (Köln), Sempsat (Unterweser), Senip (Unterweser), Sennep (mittelniederdeutsch) Sennepe (mittelniederdeutsch) und Sennepsaat (mittelniederdeutsch).[9]

Landwirtschaft[Bearbeiten]

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Er benötigt viel Sonnenlicht und liebt warme und feuchte Böden.

Wenn im Spätsommer oder Herbst Felder noch einmal gelb erblühen, handelt es sich oft um Schwarzen oder Weißen Senf, der den Boden als Zwischenfrucht bedecken, die Auswaschung von Nährstoffen - insbesondere Nitrat - verhindern oder reduzieren soll und später zur Humusanreicherung untergepflügt wird (Gründünger).

Verwendung[Bearbeiten]

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Schwarzer Senf ist neben dem Weißen Senf Bestandteil des Senfs. Daneben ist der schwarze Senf bedeutsam als Ölpflanze und in der Naturheilkunde. Nur die reifen und getrockneten Samen werden verwendet. Sie können direkt als Gewürz verwendet werden und verlieren ihre Schärfe beim Kochen. Bei Aufnahme größerer Mengen von Senfkörnern kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen.

Die Samen von Schwarzem Senf enthalten etwa 30 % fettes Öl (Senföl) mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Seine Verwendung als Lebensmittel ist zwar typisch und weit verbreitet für die indische und bengalische Küche, jedoch nicht uneingeschränkt zu empfehlen, da im rohen Senföl Glyceride der Erucasäure sowie Isothiocyanate enthalten sind. (Siehe dazu Senfölglykoside). In Indien wird Senföl typischerweise beim Kochen kurz bis zum Rauchpunkt erhitzt, wodurch die Gesundheitsgefahr minimal wird. Da außerhalb Indiens diese notwendige Maßnahme weitgehend unbekannt ist, darf Senföl in der EU und in den USA nur dann als Lebensmittel auf den Markt gebracht werden, wenn der Erucasäureanteil unter 5 % liegt. Von Asienläden für indischstämmige Kundschaft wird dies teilweise umgangen durch die Deklaration „nur für äußerliche Anwendung“ o. ä.

Bei dem Begriff Senföl besteht eine Verwechslungsgefahr: Auch reines, giftiges (Allyl-)Isothiocyanat wird gelegentlich als Senföl bezeichnet.

Verwendung als Heilpflanze[Bearbeiten]

Der Wirkstoff Allylsenföl hat stark reizende und damit durchblutungsfördernde Eigenschaften und kann, in die Haut eingerieben, reflektorisch auch auf innere Organe einwirken.[10] In der Naturheilkunde gilt Senfmehl in Form von Umschlägen (Senfwickel), Senfpflastern, in lauwarmem Wasser angerührt oder Senfspiritus als Hausmittel. Es wirkt bakteriostatisch. Weiter soll Senf bei Nervenschmerzen sowie bestimmten Herzbeschwerden helfen. Vor allem aber wird er wegen seiner durchblutungsfördernden Wirkung eingesetzt, zum Beispiel bei Bronchitis oder rheumatischen Beschwerden.[11][12] Er sollte jedoch nicht zu hoch konzentriert und zu lange mit der Haut in Berührung bleiben, da die Gefahr von Hautreizungen bis hin zu Blasen- oder gar Geschwürbildung besteht, wobei die Wirkung mit zeitlicher Verzögerung einsetzt. Während der Schwangerschaft[13], bei Magengeschwüren und Nervenentzündungen sowie bei Kindern[14] sollte Schwarzer Senf nicht angewandt werden.

Bibelzitat[Bearbeiten]

Das biblische Gleichnis vom Senfkorn (Mt 13,31-32 EU; Mk 4,30-32 EU) bezieht sich vermutlich auf den Schwarzen Senf,[15] ebenso in Mt 17,20 EU und Lk 17,6 EU.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Tai-yien Cheo, Lianli Lu, Guang Yang, Ihsan Al-Shehbaz & Vladimir Dorofeev: Brassicaceae: Brassica nigra, S. 20 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 8 - Brassicaceae through Saxifragaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2002. ISBN 0-915279-93-2
  2. Jonathan Clayden, Nick Greeves, Stuart Warren, Peter Wothers: Organic Chemistry, Oxford University Press, 2001, S. 1367−1368. ISBN 978-0-19-850346-0.
  3. a b  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  4. Wolfgang Legrum: Riechstoffe, zwischen Gestank und Duft, Vieweg + Teubner Verlag (2011) S. 19, ISBN 978-3-8348-1245-2.
  5. Erstbeschreibung eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  6. J.C. Röhlings Deutschlands Flora, 3. Auflage, Band 4 eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  7. Eintrag bei Tropicos. letzter Zugriff am 10. März 2013
  8. Brassica nigra im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.letzter Zugriff am 10. März 2013
  9. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 63, online.
  10. Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen. Sonderausgabe. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-440-12932-6.
  11. Eintrag Brassica nigra bei "Plants for A Future" abgerufen 25. Februar 2012
  12. H. Panda: Herbs cultivation and medicinal uses. National Institute Of Industrial Re, 1 January 2000, ISBN 978-81-86623-46-6 (Zugriff am 24 February 2012).
  13. Herbal therapy & supplements: a scientific & traditional approach. Lippincott Williams & Wilkins, 1 April 2001, ISBN 978-0-7817-2643-6 (Zugriff am 24 February 2012).
  14.  Karin Kraft, Christopher Hobbs: Pocket guide to herbal medicine. Thieme, 2004, ISBN 978-3-13-126991-1.
  15. L. Wehr, Artikel Senfkorn, in: Manfred Görg, Bernhard Lang (Hrsg.): Neues Bibel-Lexikon, Band III, Benziger-Verlag, Düsseldorf/Zürich 1998, ISBN 3-545-23074-0, Spalte 570.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schwarzer Senf (Brassica nigra) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien