Neckartailfingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Neckartailfingen
Neckartailfingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Neckartailfingen hervorgehoben
48.6144444444449.2680555555556282Koordinaten: 48° 37′ N, 9° 16′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Esslingen
Höhe: 282 m ü. NHN
Fläche: 8,26 km²
Einwohner: 3706 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 449 Einwohner je km²
Postleitzahl: 72666
Vorwahl: 07127
Kfz-Kennzeichen: ES
Gemeindeschlüssel: 08 1 16 041
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Nürtinger Straße 4
72666 Neckartailfingen
Webpräsenz: www.neckartailfingen.de
Bürgermeister: Gerhard Gertitschke
Lage der Gemeinde Neckartailfingen im Landkreis Esslingen
Alb-Donau-Kreis Landkreis Böblingen Landkreis Göppingen Landkreis Ludwigsburg Landkreis Reutlingen Landkreis Tübingen Rems-Murr-Kreis Stuttgart Aichtal Aichwald Altbach Altdorf (Landkreis Esslingen) Altenriet Altenriet Baltmannsweiler Bempflingen Beuren (bei Nürtingen) Bissingen an der Teck Deizisau Denkendorf (Württemberg) Dettingen unter Teck Erkenbrechtsweiler Esslingen am Neckar Filderstadt Frickenhausen (Württemberg) Großbettlingen Hochdorf (bei Plochingen) Holzmaden Kirchheim unter Teck Köngen Kohlberg (Württemberg) Kohlberg (Württemberg) Leinfelden-Echterdingen Lenningen Lichtenwald Neckartailfingen Neckartenzlingen Neidlingen Neuffen Neuhausen auf den Fildern Notzingen Nürtingen Oberboihingen Ohmden Ostfildern Owen Plochingen Reichenbach an der Fils Schlaitdorf Unterensingen Weilheim an der Teck Wendlingen am Neckar Wernau (Neckar) WolfschlugenKarte
Über dieses Bild
Neckartailfingen 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch
Rathaus und schiefer Turm der Martinskirche

Neckartailfingen ist eine Gemeinde im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Neckartailfingen liegt am Neckar, etwa 25 Kilometer südlich von Stuttgart. Der alte Ortskern befindet sich links des Neckars. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde überwiegend rechts des Neckars gebaut, es entstand die sogenannte „Vorstadt“.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind Aichtal im Norden, Nürtingen im Osten, Altdorf im Süden, Neckartenzlingen im Südwesten und Schlaitdorf im Westen (alle Landkreis Esslingen).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zu Neckartailfingen gehören außer dem Dorf Neckartailfingen keine weiteren Orte. Im Gemeindegebiet liegt die abgegangene Burg Liebenau.

Geschichte[Bearbeiten]

Neckartailfingen wurde 1090 im Hirsauer Codex (Codex Hirsaugiensis) als Tagelvingen erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort gehörte damals den Grafen von Urach und den mit ihnen verwandten Grafen von Achalm. Nach den Eintragungen schenkten die Grafen Liutold (auch als Liutolf genannt) und Cuno von Achalm mehrere Güter und ihren Anteil an der Kirche dem Kloster Hirsau. Zwar ist der genaue Zeitpunkt der Schenkung im Hirsauer Codex nicht vermerkt, nachdem Graf Cuno von Achalm aber 1092 starb, wurde die Schenkung auf um 1090 datiert. Im Auftrag des Klosters Hirsau wurde die romanische Martinskirche wohl im Jahr 1111 fertiggestellt (laut dendrochronologischer Untersuchung der Dachbalken). Zwischen 1254 und 1265 kauften die Grafen von Württemberg die Grafschaft Urach mitsamt der Burg Achalm. In diese Besitzmasse gehörte auch Neckartailfingen, das dadurch zu Württemberg kam, dem es bis zur Gründung des neuen Landes Baden-Württemberg 1952 zugehörig war. Der Ort wurde 1536 zusammen mit dem Amt Nürtingen evangelisch und erhielt 1541 die erste Dorfschule des Altkreises Nürtingen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Neckartailfingen nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 von den berüchtigten Dragonern des Obristen Walter Butler (vor allem aus Kroatien) geplündert und bis auf die Kirche, die Kelter, ein Haus sowie zwei kleine Hütten vollständig niedergebrannt. Das Dorf hatte faktisch aufgehört zu existieren. Erst nach einigen Jahren kehrten die geflohenen Einwohner zurück und bauten ihr Dorf langsam wieder auf.

Der Neckartailfinger Postillon von Helmut Sigg sitzt auf der linken Seite der 1847 eingeweihten Sandsteinbrücke

Bereits mit dem Kauf durch die Württemberger übertrugen diese die Verwaltung des Dorfes an die Vogtei Nürtingen. Aus der Vogtei entstand 1758 das Oberamt Nürtingen. Von 1938 bis 1973 gehörte Neckartailfingen dann zum Landkreis Nürtingen, mit dem es im Landkreis Esslingen aufging.

Seit 1598 unterhielt die Postlinie StuttgartUrach im Ort eine Poststation. Im Jahr 1807 wurde nicht in der Oberamtstadt Nürtingen, sondern am Verkehrsknotenpunkt Neckartailfingen das erste Postamt im Altkreis Nürtingen eingerichtet.[2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1824: 854
  • 1834: 971
  • 1861: 1039
  • 1900: 963
  • 1939: 966
  • 1946: 1410
  • 1950: 1484
  • 1961: 1842
  • 1970: 2772
  • 1987: 3274
  • 2005: 3889
  • 2010: 3771
  • 2011: 3730

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Neues und altes Rathaus Neckartailfingen

Der Bürgermeister (früher Schultheiß genannt) wurde bis 1891 vom Gemeinderat aus seiner Mitte heraus gewählt, erst ab 1891 wählten die Gemeindebürger den Schultheißen in direkter Wahl.

  • 1820–1837: Wilhelm Perrenon
  • 1837–1848: Conrad Friedrich Fischer
  • 1848–1881: Heinrich Wendel Wenzelburger
  • 1883–1898: Carl August Holl
  • 1899–1922: Georg Friedrich Wenzelburger
  • 1922–1945: Emil Pfeiffer
  • 1945–1949: Paul Maurer
  • 1949–1955: Emil Pfeiffer
  • 1955–1971: Emil Bauer
  • 1971–1998: Wilhelm Preißing
  • 1998–2014: Jens Timm
  • seit 2014: Gerhard Gertitschke

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Neckartailfingen hat 14 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem vorläufigen Ergebnis. Das amtliche Endergebnis wird vom Statistischen Landesamt gegen Ende des Jahres bekannt gegeben. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
60,80 %
27,80 %
11,30 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
+12,30 %p
-10,60 %p
+1,30 %p
-12,9 %p
FFW Freie Fortschrittliche Wählervereinigung 60,80 8 48,50 7
JB/CDU Wählervereinigung Junge Bürger/CDU 27,80 4 38,40 4
SPD-FB SPD/Freie Bürger 11,30 2 10,00 1
UB Unabhängige Bürger 0,0 0 12,90 2
gesamt 100,0 14 100,0 14
Wahlbeteiligung 58,6 % 62,1 %

Wappen[Bearbeiten]

Offizielle Blasonierung aus dem Jahr 1951: „In Rot ein goldener (gelber) Doppelhaken (umgekehrtes Z mit spitzen Enden und leicht schrägliegendem Schaft).“ Dieses Wappen geht auf ein Marksteinzeichen Neckartailfingens aus dem Jahre 1683 zurück.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

ehemaliger Haltepunkt Neckartailfingen

Neckartailfingen war schon immer ein wichtiger Durchgangspunkt für viele Fahrzeuge. Zur Zeit der Postkutschen war Neckartailfingen eine wichtige Station für den Pferdewechsel.

Bis 1976 unterhielt die Deutsche Bundesbahn einen Bahnhof an der als Neckar-Alb-Bahn bezeichneten Bahnstrecke Plochingen–Tübingen, der rund zwei Kilometer vom Ort entfernt lag. Dieser wurde schließlich wegen Unrentabilität geschlossen und das Bahnhofsgebäude abgerissen. Die Bahnsteige sind heute überwuchert und verwildert.

1995 wurde die Umgehungsstraße der B 297 fertiggestellt und damit auch der Hochwasserschutz für den Ort fertiggestellt. Diese Straße verläuft zwischen dem Ortskern und dem Neckar in einem Tunnel. Im Westen führt die B 312 in Richtung Stuttgart bzw. Reutlingen an Neckartailfingen vorbei.

Der öffentliche Personennahverkehr wird durch die VVS-Buslinien 188 (nach Nürtingen) und 190 (nach Aich) bedient. Die Linie 75 (nach Bernhausen bzw. Degerloch) hält nur am Ortsrand.

Bildung[Bearbeiten]

Neckartailfingen verfügt mit der Liebenauschule über eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Darüber hinaus gibt es drei Kindergärten im Ort. Eine Musikschule versorgt derzeit rund 770 Schülerinnen und Schüler aus dem Ort und dem Umland mit einem umfangreichen Unterrichtsangebot.

Ver- und Entsorgung[Bearbeiten]

Das Stromnetz in der Gemeinde wird von der EnBW Regional AG betrieben.[3] Eine Erdgasversorgung besteht nicht. Die Gemeinde ist Mitglied im Zweckverband Filderwasserversorgung, dessen Wasserwerk sich in Neckartailfingen befindet. Zur Reinigung des Abwassers wird eine eigene Kläranlage betrieben. Für die Abfallentsorgung ist der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Esslingen zuständig. Es bestehen getrennte Sammlungen für Biomüll, Hausmüll und Papier. Verpackungen werden im Rahmen des Grünen Punktes in sogenannten gelben Säcken gesammelt. Sperrmüll wird gegen Abgabe eines von zwei Gutscheinen jährlich kostenlos abgeholt oder kann zu einer Entsorgungsstation gebracht werden. Bei den Entsorgungsstationen können auch Elektro- und Metallschrott sowie andere wiederverwertbare Stoffe abgegeben werden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Naturdenkmale[Bearbeiten]

9 Naturdenkmale bereichern den Ort. Darunter die 1883 gepflanzte Lutherlinde[4], der Nordteil des Aileswasensees, der Neckaraltarm mit Auenwald westlich der Brücke der B 312 und verschiedene Feldhecken, Feuchtwiesen und Feldgehölze.

Aileswasensee[Bearbeiten]

Der Aileswasensee entstand durch ein Kieswerk, heute ist der See mit einer Gaststätte und mehreren „Stränden“ ein beliebtes überregionales Ausflugsziel. An der tiefsten Stelle ist er 4 Meter tief.

Martinskirche[Bearbeiten]

Die Martinskirche ist wegen ihres romanischen Baustils und ihres Alters überregional bekannt. Vor allem ist ihr schiefer Turm bekannt. Sie wurde vermutlich 1111 fertiggestellt. Infolge der Reformation wurde sie 1536 evangelisch und gehört heute zum Kirchenbezirk Nürtingen.

Neckarbrücke[Bearbeiten]

1847 wurde die durch Hochwasser und Treibeis gefährdete Holzbrücke über den Neckar durch eine massive 6-bögige Sandsteinbrücke ersetzt. Als im April 1945 die Neckarbrücken zwischen Nürtingen und Tübingen planmäßig von der Deutschen Wehrmacht gesprengt wurden, um das Vorrücken der französischen Truppen aufzuhalten, blieb die Neckartailfinger Brücke als einzige verschont - laut Zeitzeugen durch beherztes Eingreifen aus dem Ort und glückliche Umstände.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Personen, die in Neckartailfingen gelebt und gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Agnes Sapper (1852–1929), Schriftstellerin und Frau des damaligen Amtsnotars.
  • Hermann Drück (1856–1931), Kunstmaler, fast ausschließlich Landschaftsmaler. Geboren als Sohn des Stadtschultheißen Drück in Vaihingen an der Enz, gestorben in Neckartailfingen.[5]
  • Zdenko von Kraft (1886–1979), österreichischer Schriftsteller, lebte in Neckartailfingen.
  • Grace Hoffman (1921–2008), US-amerikanische Opernsängerin, verbrachte ihren Lebensabend in Neckartailfingen
  • Matthias Jaissle (* 1988 in Nürtingen), Fußballspieler beim Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim, er wuchs in Neckartailfingen auf.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Adolf Kuppler: 200 Jahre Post in Neckartailfingen Verlag Gerd Rieker, Neckartailfingen, 2007, Seite 17.
  3. BDEW (Hrsg.): Karte der Stromnetzbetreiber 2012. Frankfurt 2012.
  4. Gemeinde Neckartailfingen mit Bild, abgerufen am 26.  Juni 2010
  5. Prof. Dr. Hans Schwenkel: Heimatbuch des Kreises Nürtingen, Band II. 1953, Seite 626+627

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Schwenkel: Heimatbuch des Kreises Nürtingen. Band 2. Würzburg 1953, S. 610–635.
  • Christoph Drüppel und Anita Raith: Geschichte der Gemeinde Neckartailfingen. Neckartailfingen 2000. ISBN 3-00-006512-1.
  • Der Landkreis Esslingen – Hrsg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg i. V. mit dem Landkreis Esslingen, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0842-1, Band 2, Seite 181.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neckartailfingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien