Sender Gleiwitz

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Holzturm (2009)

Der Sender Gleiwitz war eine Rundfunk-Sendeanlage im Gliwicer Stadtteil Szobiszowice, in der Woiwodschaft Schlesien, Polen.

Geschichte der Anlage[Bearbeiten]

In Betrieb genommen wurde er im November 1925 im damaligen Gleiwitzer Stadtteil Petersdorf als Relaisstation für die Schlesische Funkstunde mit Sitz in Breslau, die ab April 1934 im Zuge der Gleichschaltung Reichssender Breslau hieß.[1]

Ende August 1939 inszenierten Angehörige der SS einen Überfall auf den Sender Gleiwitz durch vorgeblich polnische Soldaten, der neben anderen Ereignissen den Nationalsozialisten als vermeintliche Rechtfertigung für den Polenfeldzug diente, der wenige Stunden nach diesem inszenierten Überfall begann.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Sender bis 1955 weiter betrieben. Die Innenräume wurden später für die Herstellung von Radioteilen genutzt.

Heute befindet sich in den Gebäuden des Senders ein Museum. Sein 118 Meter hoher Sendeturm aus Lärchenholz ist der höchste Holzturm der Welt.

Im Inneren des Senders: Auf der Arbeitsfläche liegt eine der Gewindestangen, mit denen der Sendemast zusammengeschraubt ist (vor 2006)

Der erste Rundfunksender in Gleiwitz wurde am 15. November 1925 an der Raudener Straße in Betrieb genommen. Zum Senden verwendete er eine T-Antenne, die an zwei 75 Meter hohen Stahltürmen befestigt war. Da diese Anlage, deren Sender 1928 in der Leistung gesteigert wurde, später nicht mehr den Anforderungen genügte, wurde zwischen dem 1. August 1934 und dem 23. Dezember 1935 an der Tarnowitzer Landstraße ein neuer Sender gebaut, der als Antennenturm einen noch heute vorhandenen 111 Meter hohen Holzturm besitzt.

Die Sendeanlage in Gleiwitz-Petersdorf überstand, im Unterschied zu vielen anderen Sendeanlagen in Deutschland und den von Deutschland besetzten Gebieten, den Zweiten Weltkrieg fast unversehrt. Vom 4. Oktober 1945 bis 1955 diente der Sender Gleiwitz zur Verbreitung von Radioprogrammen im Mittelwellenbereich, bevor ein neuer Sender in Ruda Śląska seine Funktion übernahm.

In den Innenräumen des Gleiwitzer Senders befand sich in der Nachkriegszeit eine Produktions- und Testhalle, in der Radioteile hergestellt wurden.

Seit dem 1. Januar 2005 ist der Sender Gleiwitz ein Museum. Das Museum zeigt die alte Rundfunktechnik des Senders und dokumentiert den inszenierten Überfall von 1939.

Im Jahre 2009 wurde der Baukomplex renoviert. Es entstand zwischen Sendegebäude und Sendeturm eine Außenanlage mit u. a. zwei Wasserbecken. Des Weiteren wurde eine Illumination installiert. Der unmittelbare Bereich des Sendegebäudes sieht im Prinzip noch so aus wie in der Erbauungszeit. Erhalten sind auch die mit Eichenlaub gezierte Säule vor dem Sendegebäude sowie das Tor zum Sendegebäude in historischer Gestalt.

Sendeturm Gleiwitz[Bearbeiten]

Sendeturm Gleiwitz (2012)

Der Sendeturm Gleiwitz wurde gemeinsam mit der neuen Sendeanlage 1935 errichtet und ist ein Funkturm aus Holz. Einschließlich des 8 Meter hohen Antennenmastes erreicht er eine Höhe von 118 Metern. Der Turm wurde von der Christoph & Unmack AG in Niesky/Oberlausitz hergestellt. Er besteht aus Lärchenholz und wird von Bronzedübeln zusammengehalten. In je 40,4 Metern, 55,3 Metern, 80 Metern und 109,70 Metern Höhe hat der Turm begehbare Plattformen. Die Plattform auf der Spitze, die über eine Leiter mit 365 Sprossen zugänglich ist, misst 2,13 × 2,13 Meter. Da er in seiner Bauweise an den Eiffelturm erinnerte, obwohl die Ähnlichkeiten nicht so groß sind, trug er auch den Spitznamen Schlesischer Eiffelturm.

Der Sendeturm Gleiwitz besitzt in seinem Innern eine Drahtantenne, welche von der Turmspitze zum Abstimmhaus unter den Turmfüßen führt. Diese Drahtantenne wurde als Sendeantenne für Mittelwellenrundfunk verwendet, wobei die Sendeleistung fünf Kilowatt und die Sendefrequenz bis 1945 1231 kHz betrug. Der Sendeturm in Gleiwitz, der den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstand, wurde bis 1950 als Hauptsender und bis 1955 als Reservesender des polnischen Rundfunks für Mittelwellenrundfunk in Oberschlesien verwendet.

Nach 1955 diente der Sendeturm Gleiwitz möglicherweise als Störsender, um den Empfang des im Mittelwellenbereichs von Radio Free Europe in Holzkirchen verbreiteten polnischen Radioprogramms zu stören und/oder als Messturm für Messungen an Antennen, welche in den zu einer Produktionsstätte für Antennen umfunktionierten Sendegebäude hergestellt wurden, wofür er durch seine Holzbauweise ähnlich den Türmen in Brück gut geeignet wäre. Heute sind am Turm insgesamt mehrere Dutzend Antennen verschiedener Art montiert. Sie dienen dem Schlesischen Metropolnetz, dem Rettungszentrum Gleiwitz, Handynetzbetreibern, schnurlosem Internet und sonstigen Kommunikationssystemen. Die Sendeantenne für Mittelwelle ist noch vorhanden, allerdings ist die ursprüngliche Sendeeinrichtung nicht mehr funktionsfähig, da gegen Ende der 1980er Jahre, vermutlich nach Einstellung der Störsenderaktivität die Senderendstufe demontiert wurde.

Seit im Herbst 1990 der 1932 erbaute 140 m hohe Holzsendeturm des Senders Żórawina (früher Rothsürben) wegen Baufälligkeit abgerissen wurde, ist der Sendeturm in Gleiwitz der höchste Holzturm der Welt und einer der letzten verbleibenden in Holzbauweise errichten Sendetürme überhaupt.

Literatur[Bearbeiten]

  • „Funkamateur“, 9/2005, S. 900/901.
  • Nittritz, Erich: Chronik des Rundfunksenders Gleiwitz, in: Gleiwitzer Heimatblatt 6-7 (1964). Abgedruckt in: Rudolf Schlegel, Gleiwitz in alter und neuer Zeit. Dülmen 1985, S. 154-163.
  • Der Fall Gleiwitz, DVD-Video Hilmar Thate, Herwart Grosse, Hannjo Hasse, Gerhard Klein Icestorm Distribution Berlin, DVD, 2006.
  • Florian Altenhöner: Der Mann, der den 2. Weltkrieg begann. Alfred Naujocks: Fälscher, Mörder, Terrorist, Prospero Verlag, Münster / Berlin 2010. ISBN 978-3-941688-10-0.
  • Sender Gleiwitz, Schrift des Museums Gleiwitz von 2009 in deutsch online unter: [1] (PDF; 782 kB).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sender Gleiwitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jürgen Runzheimer, Der Überfall auf den Sender Gleiwitz im Jahre 1939. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Jg. 10 (1964), H. 4, S. 408-426, S. 418 Fn. 82. (als pdf verfügbar), zuletzt geprüft am 26. Mai 2011

50.31333333333318.688888888889Koordinaten: 50° 18′ 48″ N, 18° 41′ 20″ O