Holzturm

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Dieser Artikel behandelt die Bauform; zu dem gleichnamigen Torturm in Mainz siehe Holzturm (Mainz).
Chuderhüsiturm
Holzbergturm bei Malente
Die 28,5 m hohe Rudolfswarte in Purkersdorf, Niederösterreich

Ein Holzturm ist ein turmförmiges Bauwerk, dessen Hauptbaumaterial Holz ist. Er wird meistens ähnlich wie ein Stahlfachwerkturm in offener Fachwerkbauweise errichtet. Einschränkungen ergeben sich durch die natürlich beschränkte Endwuchshöhe von Bäumen, durch die Balken beliebiger Länge nicht möglich sind, und den hohen benötigten Aufwand zur Herstellung von profilierten Trägern aus Baumstämmen, weshalb in der Regel abgeflachte oder runde Balken zum Einsatz kommen.

Vorteile von Holztürmen sind die naturverträgliche Verarbeitung eines nachwachsenden Rohstoffs und die Neutralität des Materials Holz in Bezug auf elektromagnetische Wellen.

Holzarten[Bearbeiten]

Als Hölzer werden häufig Eichenholz, Lärchenholz oder Pechkieferholz verwendet. Gelegentlich kommt auch Teakholz zum Einsatz.

Konstruktionsdetails[Bearbeiten]

Als Verbindungselemente werden normalerweise Schrauben, Nägel oder Dübel verwendet. Diese können aus Eisen, Stahl, Holz oder Bronze sein. Im Regelfall ist der Bau von Holztürmen, die höher als 30 bis 40 Meter sind, mit einem im Vergleich zu anderen Konstruktionsmöglichkeiten zu hohen Aufwand verbunden.

Einsatzgebiete[Bearbeiten]

  • Spielplatztürme
  • Hochsitze für Jäger
  • Waldbrandwachtürme
  • Aussichtstürme
  • Sendetürme
  • Freileitungsmast

Funktürme[Bearbeiten]

Bis 1935 wurden vor allem in Deutschland zahlreiche große Holztürme als Rundfunksendetürme im Mittelwellenbereich errichtet. In den meisten dieser Türme war eine Drahtantenne aufgehängt oder sie trugen einen Höhendipol an der Außenseite. Bei diesen Türmen wurde aus strahlungstechnischen Gründen die Verbindung der Holzelemente mit Hilfe von Bronzedübeln oder auch metallfrei mit Holzbolzen hergestellt.

Holztürme litten jedoch an statischen Mängeln. Nachdem 1935 eine Windhose den erst ein Jahr zuvor erbauten Sendeturm in Langenberg zerstört hatte, wurde in Deutschland der Bau von hölzernen Sendetürmen fast vollständig eingestellt. Die Holzsendetürme in Hamburg-Billstedt und Berlin-Tegel wurden kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges aus statischen Gründen in der Höhe reduziert.

Zum Kriegsende wurden zahlreiche aus Holz gebaute Sendetürme von den sich zurückziehenden deutschen Einheiten gesprengt, einige andere wurden in der unmittelbaren Nachkriegszeit abgerissen, so dass schon in den 60er Jahren nur noch wenige dieser Konstruktionen existierten.

Der letzte hölzerne Rundfunksendeturm in Deutschland wurde am 16. März 1983 in Ismaning gesprengt. Der wohl letzte Funkturm für den Mittelwellenfunk ist der Turm des Senders Gleiwitz.

Heutzutage werden gelegentlich Holzsendetürme für den Mobilfunk eingesetzt, so zum Beispiel der 2002 erbaute Funkturm Rottenbuch.

Türme mit Holzaufbauten[Bearbeiten]

Neben den reinen Holztürmen gibt es auch Türme mit Holzaufbauten. Ein solcher Turm ist der Fernmeldeturm auf dem Großen Feldberg.

Beispiele[Bearbeiten]

Turm Baujahr Land Stadt Höhe Bemerkungen
Sendeturm Mühlacker 1934 Deutschland Mühlacker 190 m am 6. April 1945 von der SS gesprengt, vermutlich höchster Holzturm aller Zeiten
Sendeturm Berlin-Tegel 1933 Deutschland Berlin 165 m am 16. Dezember 1948 gesprengt
Sendeturm Ismaning 1932 Deutschland Ismaning 163 m am 16. März 1983 gesprengt
Sendeturm Langenberg 1934 Deutschland Velbert-Langenberg 160 m am 10. Oktober 1935 von einem Tornado zerstört
Sendeturm Wiederau 1935 Deutschland Wiederau 150 m am 27. Oktober 1953 gesprengt
RW-49 1942 Russland Omsk 150 m 1956 abgerissen
Sendeturm Hamburg-Billstedt 1934 Deutschland Hamburg 145 m Im September 1949 abgetragen
Sendeturm Rothsürben 1932 Polen Żórawina (Rothsürben) 140 m im Herbst 1990 abgerissen
Sendeturm Nürnberg-Kleinreuth 1935 Deutschland Nürnberg 124 m am 12. Juli 1961 gesprengt
Sendeturm Gleiwitz 1935 Polen Gleiwitz 118 m höchster existierender Holzturm der Welt
Sendetürme Madona 1932 Lettland Madona 116 m 1944 gesprengt [1]
Sendeturm Heilsberg 1935 Polen Lidzbark Warmiński (Heilsberg) 115 m 1940 abgerissen
Sendeturm Freiburg-Lehen 1933 Deutschland Freiburg im Breisgau 107 m am 21. April 1945 gesprengt
Sender Heiligenstock 1934 Deutschland Frankfurt am Main 107 m 1938 erneuert, am 25. März 1945 gesprengt
Sendeturm Koblenz 1934 Deutschland Koblenz 107 m 1965 abgerissen
Sendeturm Trier 1935 Deutschland Trier 107 m 1948 abgerissen
Sendetürme Heilsberg 1930 Polen Lidzbark Warmiński (Heilsberg) 102 m 2 Türme, 1935 abgerissen
Sendeturm Königsberg-Amalienau 1935 Russland (zum Zeitpunkt des Baus Deutschland) Königsberg (jetzt Kaliningrad) 100 m 1938 abgerissen
Sender Reichenbach/Oberlausitz 1937 Deutschland Reichenbach/Oberlausitz 100 m am 7. Mai 1945 gesprengt
Sendeturm Golm 1948 Deutschland Golm bei Potsdam 100 m am 25. Oktober 1979 gesprengt
Windkraftanlage Hannover-Marienwerder 2012 Deutschland Hannover 100 m erste Windkraftanlage auf einem Holzturm[1]
Sendeturm Stettin 1934 Polen (zur Zeit des Baus Deutschland) Stettin 93 m 1936 abgetragen
Sendeturm Flensburg-Jürgensby 1928 Deutschland Flensburg 90 m 1957 abgerissen
Sender Utbremen 1933 Deutschland Bremen 90 m durch Blitzschlag 1939 zerstört
Sender Hannover-Hainholz 1933 Deutschland Hannover 90 m Höhe kurz nach Fertigstellung auf 60 m reduziert, 1940 abgetragen
Aussichtsturm Pyramidenkogel 2013 Österreich Keutschach am See 82 m Gesamthöhe einschl. Antenne 100 m
Sendemast Koltschak-Funkstelle 1918 Russland Omsk 80 m abgerissen [2]
Sendetürme Königsberg-Amalienau 1927 Russland ( zum Zeit des Baus Deutschland) Königsberg ( jetzt Kaliningrad) 80 m 2 Türme, 1935 abgerissen
Sendetürme Köln-Raderthal 1927 Deutschland Köln 80 m 2 Türme, nach 1932 abgerissen
Stütze der Materialseilbahn Mittersill 194? Österreich Mittersill 80 m Seilbahnstütze einer Materialseilbahn, die nie in Betrieb ging. In den 50er Jahren demontiert
Sendetürme Stadelheim 1926 Deutschland München-Stadelheim 75 m in den 30er Jahren demontiert
Empfangstürme Chain Home 1939 Großbritannien mehrere Standorte 73.15 m nach dem Zweiten Weltkrieg demontiert
Zentralmast Versuchsfunkstelle Eberswalde 1929 Deutschland Eberswalde 70 m im März 1939 demontiert
Holzsendeturm Zeesen 1931 Deutschland Zeesen 70 m 1939 demontiert
Aussichtsturm „bahnorama“ Baustelle Hauptbahnhof Wien[2] 2010 Österreich Wien 66,7 m
Empfangsturm Utlandshörn 1935 Deutschland Norddeich 65 m 1977 abgerissen
Sendetürme Marconi-Funkstelle South Wellfleet 1902 USA South Wellfleet 64 m 4 Türme, 1920 abgerissen
Sendetürme Flugsicherungsstelle Königsberg 1925 Russland ( zum Zeit des Baus Deutschland) Königsberg ( jetzt Kaliningrad) 63 m 2 Türme, abgerissen
Funkturm Rottenbuch 2002 Deutschland Peiting 62,5 m
Pfalzsender 1926 Deutschland Kaiserslautern 60 m 2 Türme, 1945 gesprengt
Sendemasten von KWG 1921 USA Stockton, Kalifornien 60 m Träger einer T-Antenne, Ende der 90er Jahre abgetragen
Radarturm Holmudden 1948 Schweden Tärnbo ? 1958 abgerissen, [3]
Drehbare KW-Antenne des Senders Huizen 1937 Niederlande Huizen 60 m 1940 gesprengt
Vermessungsturm Hirschenstein 1941 Deutschland Hirschenstein 60 m 1951 abgerissen
Jahrtausendturm 1999 Deutschland Magdeburg 60 m beherbergt Museum
Tour du Millénaire 2001 Belgien Gedinne 60 m 2008 demontiert, 2012 mit Eisenträgern wieder aufgebaut
Wardenclyffe Tower 1899 USA Shoreham 57 m 1917 abgerissen
Antennenmessplatz Brück 1963 Deutschland Brück 54 m 2 Türme verschiedener Bauart
Torre de Herveo 1922 Kolumbien Manizales 52 m ehemalige Seilbahnstütze
Bismarckturm Wiesbaden 1910 Deutschland Wiesbaden 50 m 1918 abgerissen
Holztürme Küstenfunkstelle Sahlenburg 1937 Deutschland Cuxhaven 50 m 3 freistehende Holztürme, 2 Türme 1967, 1 Turm 1970 abgerissen
Sender Stolp 1938/1939 Deutschland ( heute Polen) Rathsdamnitz 50 m 7 freistehende Holztürme, 1955 abgerissen
Funkturm Hornisgrinde ? Deutschland Hornisgrinde ? m [3], abgerissen (wann?)
Eichbergturm 2002 Deutschland Emmendingen 48 m Aussichtsturm
Sendeturm Jelenia Góra 1957 Polen Jelenia Góra 47 m 1967 durch 72 Meter hohen Stahlmast ersetzt
Türme der Dreieckflächenantenne des Senders Langenberg 1935 Deutschland Velbert-Langenberg 45 m 3 Türme, am 12. April 1945 gesprengt
Aussichtsturm Blumenthal 2004 Deutschland Blumenthal 45 m Aussichtsturm
Chutzenturm 2010 Schweiz Seedorf BE 45 m Aussichtsturm
Linsentower in Planung Deutschland Linsengericht 45 m Aussichtsturm
Zooturm Kopenhagen 1905 Dänemark Kopenhagen 43,5 m Aussichtsturm
Goetheturm 1931 Deutschland Frankfurt-Sachsenhausen 43 m Aussichtsturm
Aussichtsturm Chuderhüsi 2001 Schweiz Röthenbach im Emmental 42 m Aussichtsturm
Sender Kaschim 1926 Russland Kaschim 42 m Holzmast, abgerissen [4]
Teltschikturm 2001 Deutschland Wilhelmsfeld 41 m Aussichtsturm
Pilgerkreuz am Veitscher Ölberg 2004 Österreich Veitsch 40.6 m Aussichtsturm
Holzmasten Küstenfunkstelle Sahlenburg 1929 Deutschland Cuxhaven 40 m 3 abgespannte Holzmasten, 1937 abgerissen
Sender Augsburg-Hochzoll 194? Deutschland Augsburg 40 m 2 Holzmasten, 1952 abgebaut
Sender Bayreuth 194? Deutschland Bayreuth 40 m 2 Holzmasten, 1954 abgebaut
Hohenwarter Aussichtsturm 2002 Deutschland Pforzheim 40 m Aussichtsturm
Wiler Turm 2006 Schweiz Wil SG 38 m Aussichtsturm / Reine Holzkonstruktion mit doppelter Wendeltreppe.
Heusweiler Mast 1 1935 Deutschland Heusweiler 35 m Am 17. März 1945 zerstört
Schneebergturm 1938 Deutschland Bischofsgrün 35 m Militärischer Turm, 1942 abgebrannt
Raiffeisen-Turm 1990 Deutschland Alsdorf 35 m Aussichtsturm
Oberpfalzturm 2000 Deutschland Platte 35 m Aussichtsturm
Schlossbergturm 2002 Deutschland Freiburg im Breisgau 35 m Aussichtsturm
Aussichtsturm Pferdskopf 1987 Deutschland Schmitten 34 m Aussichtsturm
Haselbergturm 2008 Deutschland Königsbrück 34 m Aussichtsturm
Aussichtsturm Loorenkopf 1954 Schweiz Zürich 33 m Aussichtsturm
Hochsollingturm 1992 Deutschland Solling 33 m Aussichtsturm
Eugen-Keidel-Turm ? Deutschland Schauinsland 31 m Aussichtsturm
Heusweiler Mast 2 1935 Deutschland Heusweiler 31 m Am 17. März 1945 zerstört
Atzelbergturm 1980 Deutschland Kelkheim 30,39 m brannte am 5. August 2008 nieder.
Fernmeldeturm Frauenberg ? Deutschland Sondershausen ca. 30 m
Sendemasten Rundfunksender Dortmund-Dorstfeld ? Deutschland Dorstfeld 30 m 2 Holzmaste mit eiserner Spitze
Feuerwachturm Rennberg ? Deutschland Oer 30 m Feuerwachturm
Aussichtsturm Taubenberg 1970 Deutschland Nettetal 28,8 m Aussichtsturm
Idarkopfturm 1980 Deutschland Idarkopf 28,5 m Aussichtsturm
Holzbergturm 2005 Deutschland Holzberg 28,5 m Aussichtsturm
Rudolfswarte[4] um 1977 Österreich Purkersdorf bei Wien 28,5 m Aussichtsturm
Aussichtsturm Höhbeck 2008 Deutschland Höhbeck 26 m Aussichtsturm
Lothturm 2003 Schweiz Magglingen 25 m Aussichtsturm
Salzkopfturm 1975 Deutschland Binger Wald 24 m Aussichtsturm
Aussichtsturm Burgstall 2000 Österreich Kirchberg ob der Donau 24 m Aussichtsturm
Wiehenturm ? Deutschland Preußisch Oldendorf ca. 21 m Aussichtsturm
Aussichtsturm Obermörlen ? Deutschland Obermörlen, Wetteraukreis 16 m Aussichtsturm
Krawutschketurm 1973 Deutschland Burgberg 13 m Aussichtsturm

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Jens Lubbadeh: Riese mit Holzbein. In: Technology Review. Nr. 12.2012, Heise Zeitschriften-Verlag, Hannover Dezember 2012, S. 10-11.
  2. 70 Meter Holzturm für „Bahnorama“. Wiener Zeitung, 19. Mai 2010, abgerufen am 25. August 2010.
  3. Christian Dubuisson: Hornisgrinde, un honorable correspondant. Archiviert vom Original am 19. August 2009, abgerufen am 24. August 2013 (französisch).
  4. Aussichtswarten. wienerwald.net, abgerufen am 25. August 2010.