Siedlce

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Siedlce
Wappen von Siedlce
Siedlce (Polen)
Siedlce
Siedlce
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Masowien
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Fläche: 32,00 km²
Geographische Lage: 52° 11′ N, 22° 17′ O52.18333333333322.283333333333Koordinaten: 52° 11′ 0″ N, 22° 17′ 0″ O
Höhe: 155 m n.p.m
Einwohner: 76.347
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 08-100 bis 08-119
Telefonvorwahl: (+48) 25
Kfz-Kennzeichen: WS
Wirtschaft und Verkehr
Straße: E 30 TerespolWarschau
Schienenweg: TerespolWarschau
Nächster int. Flughafen: Warschau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 32,00 km²
Einwohner: 76.347
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 2386 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 1464011
Verwaltung (Stand: 2007)
Stadtpräsident: Wojciech Kudelski
Adresse: Skwer Niepodległości 2
08-110 Siedlce
Webpräsenz: www.siedlce.pl/deutsch/

Siedlce ('ɕεdlʦε) ist eine Stadt in Polen in der Wojewodschaft Masowien.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt jeweils etwa 90 km entfernt zwischen Warschau und der Grenzstadt Terespol an der Europastraße 30.

Klima[Bearbeiten]

Die Temperaturen schwanken im Durchschnitt in den Sommermonaten zwischen 12,2 °C bis 23,9 °C, im Winter zwischen −4 °C bis 1,2 °C. Der mittlere jährliche Niederschlag beträgt 552 mm.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt von 1448 in Schriftstücken über die Bestimmung des Kirchenzehnten des Krakauer Bischofs Zbigniew Oleśnicki. Am 15. Januar 1547 erhielt der Ort unter dem Namen Nowa Siedlcza das Magdeburger Stadtrecht von Sigismund I. verliehen. Die Stadt befand sich im Besitz der Familie Olędzki. 1763 bis 1773 erfolgte der Bau des Rathauses. König Stanislaus II. August weilte 1783 in Siedlice. 1791 wird die Mausoleumskapelle errichtet. 1795 während der Dritten Teilung Polens fällt die Stadt an Österreich und wird Bezirksstadt. Bis 1807 war die Stadt in Privatbesitz verschiedener Familien. 1807 gaben die Eigentümer die Stadt gegen Grundstücke bei Lublin auf.

1810 bis 1815, während der Zeit des Großherzogtums Warschau, wird die Stadt Teil desselben und Hauptstadt der Woiwodschaft Podlachien Von 1815 bis 1915 gehörte Siedlce als Teil von Kongreßpolen zum russischen Reich und war Hauptstadt eines Gouvernements. 1827 wird das Postgebäude errichtet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt, die zur Hälfte von Juden bewohnt war, sehr gut. 1854 bremst ein Feuer den Aufschwung und vernichtet etwa 45% der Stadt. 1865 wütet erneut ein Feuer und vernichtet etwa 100 Häuser. 1867 wird die Stadt an das Schienennetz angeschlossen, dass sie jetzt mit Warschau und Terespol verbindet. 1869 wurde die Kirche des Heiligen Geistes eröffnet. 1884 wird die Erweiterung des Schienennetzes abgeschlossen. Die Stadt hatte damit eine direkte Anbindung an Małkinia. 1892 wurde der Bau des jüdischen Krankenhauses abgeschlossen. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Stadt Sitz eines Powiats in der Woiwodschaft Lublin. Von den etwa 41.000 Einwohnern der Stadt waren 37 % jüdisch.

Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 waren Kreis und Stadt Siedlce Teil des von Deutschland besetzten Generalgouvernement. Im Stadtzentrum wurde ein von der SS bewachtes großes Ghetto installiert, in dem etwa 15.000 Juden lebten. In einem separaten Gebäudekomplex wurden 1941 westdeutsche Roma, die im Zuge der Mai-Deportation 1940 ins Generalgouvernement deportiert worden waren, festgehalten. Beide Gruppen hatten in der Stadt und ihrer Umgebung Zwangsarbeit zu leisten. Eine zweite Deportation von Roma - aus dem Kreis Siedlce - ins große Ghetto geschah im Juni 1942.[2] Am 19. August 1942 wurden die Juden aus Siedlce in das Vernichtungslager Treblinka abtransportiert. Dabei wurden auch Roma erschossen. Die überlebenden Roma wurden in das etwas außerhalb der Stadt gelegene kleine Ghetto überführt.[3] Im September 1942 kam es erneut zu, wie zeitgenössische deutsche Quellen berichten, "Greueltaten" eines deutschen "Sonderkommandos" in der Kreisstadt.[4] Während der Aktion Zamość, also des Germanisierungs- bzw. "Umvolkungs"versuchs im Kontext des Generalplans Ost wurde Siedlce als "Rentendorf" Unterbringungsstation für 350 zwangsausgesiedelte Familien aus dem Distrikt Lublin, die Volksdeutschen Platz zu machen hatten.[5] Ende Juli 1944 nahm die Rote Armee Siedlce ein. Die Einwohnerzahl betrug zu diesem Zeitpunkt noch 27.500, die Stadt war zur Hälfte zerstört.

1949 wurde die Stadt Teil der Wojewodschaft Warschau. Bei einer Verwaltungsreform 1975 wurde sie Sitz der gleichnamigen Woiwodschaft Siedlce. Bei einer erneuten Verwaltungsreform 1999 verlor die Stadt den Status wieder und wurde Teil der Woiwodschaft Masowien. Im selben Jahr am 10. Juni besuchte Papst Johannes Paul II. die Stadt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl
1914 30.000
1939 41.294
1944 27.584
2000 76.667
2004 76.943

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

Es gibt in Siedlce drei Museen: das Regionalmuseum, das Museum „Johannes Paul II. und das Diözesanmuseum. Weiterhin gibt es zwei Galerien, die Akademische Galerie und die Schulgalerie „New Art“.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Siedlce

Größter Arbeitgeber der Region ist Mostostal, welche in Siedlce vor allem im Bereich Leichtbau tätig ist.

  • FENES SA, Spanwerkzeuge
  • ZPP Auto Sp. z o.o., Zulieferer der Automobilindustrie
  • Genossenschaft PSI, Federn
  • Stadler Polska Sp. z o.o., eine Firma der Stadler Rail Gruppe, Schienenfahrzeuge

Des Weiteren wird in Siedlce Chopin (Wodka) produziert.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

1998 wurde in der Stadt ein SOS-Kinderdorf fertiggestellt.

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Siedlce – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 7. Juli 2014.
  2. Bogdan Musial, Deutsche Zivilverwaltung und Judenverfolgung im Generalgouvernement. Eine Fallstudie zum Distrikt Lublin 1939-1944 (Deutsches Historisches Institut Warschau, Quellen und Studien, Band 10), Wiesbaden 2004, S. 302.
  3. Soweit nicht Musial angegeben ist gilt für diesen Abschnitt: Michael Zimmermann, Rassenutopie und Genozid. Die nationalsozialistische "Lösung der Zigeunerfrage", Hamburg 1996, S. 178f.
  4. Bogdan Musial, Deutsche Zivilverwaltung und Judenverfolgung im Generalgouvernement. Eine Fallstudie zum Distrikt Lublin 1939-1944 (Deutsches Historisches Institut Warschau, Quellen und Studien, Band 10), Wiesbaden 2004, S. 335f.
  5. Bruno Wasser, Himmlers Raumplanung im Osten: Der Generalplan Ost in Polen 1940-1944, Basel 1994, S. 272.
  6. http://news.gorodkirov.ru/article_view?a_id=898 Webseite der Stadt Kirow, zuletzt besucht am 4. März 2010 (russisch)