Siegfried von Westerburg

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Wappen der Herren von Westerburg

Siegfried von Westerburg (auch: Sigfrid oder Sifrid; * vor 1260; † 7. April 1297 in Bonn) war von 1275 bis 1297 Erzbischof des Erzbistums Köln.

Leben[Bearbeiten]

Am 16. März 1275 wurde Siegfried in Lyon von Papst Gregor X. zum Erzbischof von Köln geweiht. Die Stadt Köln befand sich seit 1268 unter dem Kirchenbann und war daher als Ort einer Weihe ungeeignet. Im Juli 1275 hob er als neuer Erzbischof die Bannsprüche gegen Köln von 1268 auf und unterzeichnete einen Freundschaftsvertrag mit der Stadt.

Am 15. September 1279 verlieh Siegfried von Westerburg dem etwa 20 km südwestlich von Köln an der Bonn-Aachener Heerstraße gelegenen Lechenich städtische Privilegien .[1]

Am 14. Oktober 1279 schloss Siegfried von Westerburg mit den Grafen von Jülich in Pingsheim den Frieden zu Pingsheim.

Um 1283 ergriff Siegfried im limburgischen Erbfolgestreit Partei für den Grafen Rainald von Geldern. Im Juli 1287 befreite er die Stadt Köln nach einem Treueeid der Bürger auf ihn von den Zöllen zur Finanzierung seiner Kriegskosten im limburgischen Erbfolgestreit.

Am 27. April 1285 verlieh er dem südlich von Köln gelegenen Brühl die Stadt- und Marktrechte.

Durch seine Einmischung im limburgischen Erbfolgestreit kam es am 5. Juni 1288 zur Schlacht von Worringen.[2] Siegfried verlor die Schlacht, an der sich auch Kölner Bürger mit Gerhard Overstolzen an der Spitze und eine Bergische Abteilung unter Führung Walter Doddes beteiligten, und wurde von Herzog Johann I. von Brabant gefangengenommen und dem Grafen Adolf V. von Berg übergeben. Nachdem er zuerst eine Nacht in Monheim eingesperrt war, wurde er anschließend nach Schloss Burg gebracht. Er kam am 6. Juli 1289 wieder frei, erkrankte aber in der Zeit seiner Gefangenschaft schwer. Zuvor hatte er am 19. Mai 1289 Friedensverträge mit den Siegern von Worringen schließen müssen: er musste 12.000 Mark (ca. drei Tonnen Silber) Reparationen an den Grafen von Berg zahlen, Gebiete abtreten (unter anderem Lünen mit allen bischöflichen Rechten, Westhofen, Brackel, Werl, Menden, Isenberg und Raffenberg, dazu die (Unter-)Vogtei über das Stift Essen an den Grafen Eberhard II. von der Mark, der damit am meisten vom Sieg bei Worringen profitierte), die Stadt Deutz und einige Burgen, darunter die Burg Lechenich[3] verpfänden, andere Burgen wie Worringen, Zons und Volmarstein wurden "gebrochen". Das Herzogtum Limburg besetzte Herzog Johann I. von Brabant.

Als Folge seiner Niederlage musste er am 18. Juni 1288 in einem Vertrag mit der Stadt die Souveränität Kölns anerkennen. Am 18. Januar 1290 entband ihn jedoch Papst Nikolaus IV. von allen Versprechen, die er den Kölnern hatte geben müssen. Am 31. Januar forderte der Papst sogar die Erzbischöfe von Mainz und Trier auf, Siegfried bei der Rückgewinnung des kurkölnischen Besitzes zu helfen. Seit seiner Freilassung hatte der Kurfürst es vorgezogen, seine Residenz in Bonn zu errichten. Die erzbischöfliche Münze in Köln kam zum Erliegen und Siegfried machte Bonn zur Münzprägestätte. Als Kampfansage an Köln wählte er für Bonn den Namen Verona und ließ seine Münzen mit dem Schriftzug »Beata Verona vinces – Du, glückliches Verona wirst siegen« prägen. 1286 führte Siegfrid in Bonn die erste Ratsverfassung ein, die bestimmte, dass die angesehenen Bürger – oppidani maiores – zwölf Männer wählen sollen, die geeignet seien, das Beste der Stadt zu befördern. Ihre Beschlüsse sollen für die ganze Bürgerschaft bindend sein.

Bei der anstehenden Königswahl im Jahr 1292 favorisierte Siegfried den Grafen Adolf von Nassau, seinen Schwager, da er sich von ihm weite Zugeständnisse versprach. Im Vertrag von Andernach konnte sich Siegfried am 27. April 1292 von Adolf von Nassau dann auch alle Forderungen bewilligen lassen, darunter die Übergabe von Reichsstädten wie Dortmund und Duisburg, Reichsburgen und -höfe und der Essener Vogtei an das Erzbistum.

Am 5. Mai 1292 kam es zur Wahl Adolfs von Nassau zum deutschen König. Siegfried krönte Adolf am 24. Juni 1292 in Aachen.

Siegfrieds Restaurationspolitik war jedoch wegen des Widerstandes der "Koalition von Worringen" zum Scheitern verurteilt. Weder konnte die Verbindung zwischen den rheinischen und den westfälischen Besitzungen wiederhergestellt, noch die Stadt Köln in das Erzstift integriert werden. An der Nichterfüllung der Forderungen des Andernacher Vertrages ging dann auch das Königtum Adolfs von Nassau zugrunde.

Siegfried verstarb am 7. April 1297 in Bonn und wurde in der Bonner Münsterkirche beigesetzt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Historisches Archiv der Stadt Köln Bestand Domstift Urkunde Nr. 2/392
  2. Zur Machtkonstellation vor der Schlacht bei Worringen siehe: Irmgard Hantsche: Atlas zur Geschichte des Niederrheins. Kartographie von Harald Krähe. Bottrop / Essen: Verlag Peter Pomp, 1999 (Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie, Bd. 4), S. 32f
  3. Richard Knipping: Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter. Band III Nr. 3220

Literatur[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Engelbert II. von Falkenburg Erzbischof von Köln
1275–1297
Wigbold von Holte