Sinai-Aufstand

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Der Sinai-Aufstand war ein bewaffneter Konflikt auf der Sinai-Halbinsel in Ägypten, der Anfang 2011 als Begleiterscheinung der Revolution in Ägypten 2011 begann. Die Handlungen dieser Islamisten, die überwiegend aus radikalisierten Beduinen der Region bestanden, zogen eine seit Mitte 2011 unter „Operation Adler“ bekannte harte Reaktion der ägyptischen Regierung nach sich. Dennoch fanden bis Mitte 2012 weitere Attentate gegen ausländische und Regierungseinrichtungen statt, was ein drastisches Durchgreifen der neuen ägyptischen Regierung unter der Bezeichnung Operation Sinai nach sich zog.

Hintergrund[Bearbeiten]

Nach dem Sturz des Regimes Husni Mubaraks 2011 wurde das Land zunehmend instabiler. Radikale islamische Elemente auf der Sinaihalbinsel nutzten die Gelegenheit aus und verwendeten die einzigartige Umgebung der überwiegend demilitarisierten Sinaihalbinsel, indem sie mehrere Wellen von Attentaten auf ägyptische militärische und gewerbliche Anlagen landeten.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Attentate[Bearbeiten]

Gewerbliche Anlagen[Bearbeiten]

Die ersten Angriffe des Aufstands traten sporadisch ab zweite Hälfte Februar 2011 auf, konzentrierten sich auf die Arabische Gaspipeline, die nach Jordanien, Syrien und den Libanon läuft, sowie seinen Ausläufer von al-Arish nach Israel. Dies unterbrach wiederholt die Versorgung der ganzen Region mit ägyptischem Gas.

Attentat auf eine ägyptische Polizeiwache Juli 2011[Bearbeiten]

Am 30. Juli verübten Kämpfer ein Attentat auf eine ägyptische Polizeiwache in El-Arish und töteten sechs Menschen.[1]

Am 2. August erklärte eine Gruppe, die behauptete, der Sinaizweig von al-Qaida zu sein, ihre Absicht, ein Kalifat im Sinai zu schaffen.[2]

Operation Adler[Bearbeiten]

Mitte 2011 sickerte eine Gruppe islamischer Terroristen an die israelische Grenze vom Sinai ein und startete koordinierte Angriffe gegen israelische Militär und Zivilisten. Auf blutige Zusammenstöße im Süden folgend, beschuldigte Israel den palästinensischen Islamischen Jihad in Gasa und startete einen Racheangriff, der die Spannung mit palästinensischen Kämpfern eskalieren ließ.

Angriff im August 2012[Bearbeiten]

Am 5. August 2012, überfiel eine Gruppe bewaffneter Männer eine ägyptische Militärbasis auf der Sinai-Halbinsel aus einem Hinterhalt, tötete 16 ägyptische Soldaten, stahl zwei ägyptische Panzerwagen und drang dann in Israel ein. Die Angreifer rammten durch den Grenzübergang Kerem Shalom in Israel, als eines der Fahrzeuge explodierte. Die Angreifer kamen dann in ein Feuergefecht mit den israelischen Streitkräften, sechs Angreifer wurden während des Feuergefechts getötet. Kein Israeli wurde verletzt.[3][4] Die Angreifer waren als Beduinen gekleidet und griffen mit Schusswaffen sowie reaktiven Panzerbüchsen an.[5] 35 Angreifer beteiligten sich an diesem Angriff auf die ägyptische Basis.[6][7]

Operation Sinai[Bearbeiten]

Ein Angriff auf ägyptische Streitkräfte im August 2012 löste ein vom ägyptischen Heer, Polizeispezialeinheiten und der Luftwaffe geführtes scharfes Vorgehen, welches die dschihadistischen terroristischen Kämpfer aus dem Sinai fegte, aus.[8] Wegen der Operation wurden 32 Kämpfer und Verdächtige getötet und 38 verhaftet; bis Anfang September 2012 hingegen 2 Zivilisten.[9]

Eskalation nach dem Militärputsch von 2013[Bearbeiten]

Lage ausgewählter Orte auf dem Sinai und in Ägypten
Große Karte: Ägypten, kleine Karte: Sinai

Seitdem die Armee unter Führung des Militärratschefs Abd al-Fattah as-Sisi im Militärputsch vom 3. Juli 2013 den ersten demokratisch gewählten Staatspräsidenten Ägyptens, Mohammed Mursi, stürzte, verstärkten Dschihadisten ihre Angriffe auf staatliche Einrichtungen, Polizeistationen und Militärstützpunkte deutlich auf der Sinai-Halbinsel[10][11][12] wo sich im Norden nach dem Sturz von Husni Mubarak islamistische Milizen und Schmugglerbanden etabliert hatten[12] und die Region zu einer Hochburg militanter Islamisten geworden war.[11] Daraufhin ging die Armee bei einer Militäroffensive unter anderem massiv gegen bewaffnete Gruppen nahe der israelischen Grenze vor.[12]

Verlauf[Bearbeiten]

Am Morgen des 19. August 2013, einen Tag nachdem 36 Häftlinge bei einem Transport in Polizeigewahrsam nach offiziellen Angaben erstickt sind,[13][14] beschossen Gotteskrieger im nördlichen Sinai nahe der ägyptischen-palästinensischen Grenzstadt Rafah Kleinbusse mit Polizisten und töteten 25 Polizisten. Es handelte sich bei dem Blutbad seit Jahren um die schwerste Gewalttat auf der Sinai-Halbinsel, deren nördlicher Teil zunehmend außer Kontrolle geriet.[14] Am Abend des 29. August töteten Soldaten an einer Straßensperre vor dem Stützpunkt der Multinationalen Beobachtermission auf dem Sinai vier mutmaßliche Extremisten. Laut Angabe eines Angehörigen der Sicherheitskräfte sollen sich die bewaffneten Männer nach Beginn der Ausgangssperre mit ihrem Fahrzeug auf den Stützpunkt Al-Gora zubewegt und sich an dem Kontrollposten geweigert haben anzuhalten, worauf die Soldaten alle vier Insassen des Fahrzeugs getötet hätten. Die Multinationale Beobachtermission überwacht die Einhaltung des Friedensabkommens zwischen Israel und Ägypten. Seit dem Sturz des Präsidenten Mursi durch das Militär hatten die Angriffe militanter Islamisten auf Polizei und Armee im Norden der Sinai-Halbinsel zugenommen.[15]

Anfang September startete die ägyptische Armee eine großangelegte Offensive gegen militante Islamisten, die auf der Sinai-Halbinsel Stützpunkte errichtet hatten. Militärsprecher Ahmad Ali kündigte im September an: „Wir schreiten gegen die Terroristen ein, anstatt einfach nur auf Terroranschläge zu reagieren“.[10] Nach einer durch zwei Selbstmordanschläge bedingten kurzen Pause führte das Militär seine am 7. September begonnene Offensive auf dem Sinai gegen islamistische Extremisten fort, die als die größte derartige Offensive in der jüngeren Vergangenheit gilt.[16] Am Wochenende von Ende August zu Anfang September wurde auf der Sinai-Halbinsel der Al-Kaida-Anführer Adel Habara festgenommen. Beobachter vermuteten einen Zusammenhang zwischen der Festnahme und dem in der darauffolgenden Woche verübten und laut Korrespondentenberichten in seiner Art in Ägypten ungewöhnlichen Sprengstoffattentat auf den ägyptischen Innenminister Mohammed Ibrahim in Kairo, das die Muslimbruderschaft scharf verurteilte.[17] Bis zum 10. September töteten Soldaten auf der strategisch wichtigen und an Israel und den Gazastreifen grenzenden Halbinsel Armeeangaben zufolge mindestens 29 Verdächtige.[16] Am 11. September zerstörte ein Selbstmordattentäter das Hauptquartier der Sicherheitskräfte in Rafah, wobei mindestens drei Menschen getötet und zehn weitere verletzt wurden.[18] Am 13. September griffen Kampfhubschrauber Stellungen mutmaßlicher Rebellen in einem Dutzend Dörfer südlich der Stadt Scheich Suwaid und in der Nähe von Arisch an.[16] Am 15. September meldete der Armeesprecher, „dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehende Aufständische“ hätten auf dem Sinai seit Anfang Juli mehr als 100 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet.[19][20] Bis Anfang Oktober beliefen sich die offiziellen Verluste der Sicherheitskräfte auf 125 Tote bei fast 1000 weiteren Verletzten.[10]

Am 5. Oktober wurden laut der staatlichen Nachrichtenagentur Mena bei einem Feuergefecht zwischen Soldaten und Aufständischen vier Menschen erschossen.[21] Bewaffnete hatten einen Armeeposten auf einer Verbindungsstraße zwischen Kairo und der Suezkanal-Stadt Ismailia angegriffen und wurden getötet, wobei in ihrem Fahrzeug Sturmgewehre gefunden worden seien.[22][21]

Der Süden der strategisch wichtigen Sinai-Halbinsel, wo auch der Badeort Scharm El-Scheich liegt, blieb hingegen Anfang Oktober ruhig,[18] bis am 7. Oktober zwölf Polizisten starben und Dutzende verletzt wurden, als eine Autobombe vor dem Hauptquartier der Sicherheitskräfte in Al-Tur detonierte, wo eine Sitzung hochrangiger Offiziere stattfand.[19][23][18] Über die mutmaßlichen Attentäter wurde zunächst nichts bekannt.[19]

Am 7. Oktober kam es landesweit zu Angriffen, bei denen 18 Angehörige von Armee und Polizei getötet wurden. In der Stadt Al-Tur im Süden der Sinai-Halbinsel starben nach Angaben aus Sicherheitskreisen zwölf Polizisten, als eine Autobombe auf dem Gelände der Sicherheitsdirektion detonierte. Dutzende wurden verletzt. In dem Gebäude fand zum Zeitpunkt des Anschlags eine Sitzung hochrangiger Offiziere statt.[19][23] Über die mutmaßlichen Attentäter wurde zunächst nichts bekannt.[19] In der Stadt Ismailia in der Nähe des Suez-Kanals erschossen Unbekannte sechs Soldaten, die sich bei einem Kontrollposten aufhielten.[19][24] 35 Menschen sollen bei dieser Attacke in der Nähe der Ortschaft Abu Suwair verletzt worden sein.[19][23]

Am 11. Oktober wurden mindestens neun Soldaten bei Bombenanschlägen auf ihre Fahrzeuge auf dem Sinai verletzt.[11] Am späten Abend des 16. Oktober brachen nach Angaben aus Sicherheitskreisen in der Nähe eines Kontrollpunkts der Sicherheitskräfte in der Stadt Arisch Kämpfe mit dem Militär aus, bei denen sechs „Aufständische“ getötet wurden.[12]

Am 13. Oktober wurde ein US-Amerikaner in seiner Gefängniszelle in Ismailia nahe dem Sueskanal erhängt aufgefunden. Sicherheitsbeamte sagten, er habe offenbar Selbstmord begangen. Der Mann war am 27. August unter dem Verdacht in Polizeigewahrsam genommen worden, gegen eine Ausgangssperre verstoßen zu haben. Das ägyptische Innenministerium teilte mit, zum Zeitpunkt seiner Festnahme hätten die Sicherheitskräfte auf eine Autobombe vor einer Polizeistation in der Stadt Sheikh Zwayed im Nord-Sinai reagiert. Seine Haft war am 26. August, einen Tag vor seinem Tod, um 30 Tage verlängert worden. Bereits im September war ein Franzose für angebliche Verletzung einer Ausgangssperre in Kairo in ägyptischer Haft gestorben, als ihn Mitgefangene zu Tode geschlagen hatten.[25]

Kritik[Bearbeiten]

Die staatlichen ägyptischen Medien unterstützten den Kurs der neuen Führung widerspruchslos und gaben an, dass die Bevölkerung auf dem Sinai, darunter Beduinen, Stammesführer und lokale Würdenträger, die Armeeoffensive begrüße. Die fast vollständige Abriegelung der Sinai-Halbinsel durch das Militär erschwerte es dagegen Journalisten, ein objektives Bild der Lage zu erhalten. Im September wurde der Reporter Ahmad Abu Draa, der zuvor von Angriffen der Armee auf Zivilisten berichtet hatte, von Sicherheitskräften festgenommen und vom Militär beschuldigt, Falschmeldungen zu verbreiten und einen „Informationskrieg“ gegen die Übergangsregierungstruppen zu führen.[10]

Im Oktober wurde in den Medien gemeldet, dass es Journalistinnen der US-amerikanischen Online-Magazine Slate und McClatchy gelungen sei, auf den Sinai vorzudringen. Ihre Berichte bestätigen demnach Abu Draas Vorwürfe, dass die ägyptische Armee in der Region nicht nur gegen angebliche Aufständische vorgeht, sondern gegen jeden, der Kontakte mit mutmaßlichen Rebellen unterhält, womit in der von Stammesbeziehungen geprägten Beduinen-Gesellschaft fast jede Person betroffen sei.[10][26] [27] Die Anzahl der von der Armee getöteten Opfer unter den Zivilisten seit Beginn der Militäroperation belief sich nach Angaben von Ibrahim al-Minai, dem Anführer eines Bündnisses verschiedener Stammesgruppen auf dem Sinai, auf mindestens 52 Menschen, darunter 16 Frauen und Kinder. Zwei Tage, nachdem Minai mit der Journalistin Nadine Marroushi vom Online-Magazin Slate gesprochen hatte, soll das Militär seine beiden Häuser und die Versammlungshalle seines Stammesverbandes bombardiert haben. Der Chef der Sicherheitskräfte in Nordsinai, Generalmajor Samih Baschadi, wies die Vorwürfe zurück und gab an, nur ausgewählte Ziele anzugreifen, ohne Unschuldige zu treffen.[10]

Christoph Sydow fasste das Vorgehen des Militärs auf dem Sinai im Spiegel zusammen: „Üblicherweise laufen die Angriffe nach folgendem Muster ab: Zuerst greift die Armee Dörfer, in denen sie Kämpfer vermutet, mit Hubschraubern an. Anschließend rücken Bodentruppen ein. Das weitere Vorgehen unterscheidet sich dann nach Angaben von Augenzeugen von Dorf zu Dorf. Mal beschießen die Soldaten sämtliche Häuser mit Panzern, mal machen die Streitkräfte alle Häuser dem Erdboden gleich. Andernorts ziehen die Truppen plündernd von Haus zu Haus und nehmen alles mit, was sich zu Geld machen lässt.[10]

Opfer[Bearbeiten]

Todesfälle seit Ende Juli 2011: 27–35 ägyptische Soldaten und 4 Zivilisten getötet; 3 israelische Soldaten und 7 Zivilisten; 54 islamistische Kämpfer und Verdächtige getötet. Insgesamt 95-103 Todesopfer.

  • 30. Juli 2011: 6 Mitglieder der ägyptischen Sicherheitskräfte getötet
  • 14. August-September 2011: Operation Adler: 1 islamistischer Kämpfer und 2 Zivilisten getötet
    • 15. August 2011: 1 islamistischer Kämpfer getötet, 6 gefangen genommen.
    • 17. August 2011: 2 Beduinen in ungeklärten Umständen getötet.
  • 18. August 2011: Grenzüberschreitende Angriffe in Süd-Israel 2011, 6 israelische Zivilisten und zwei Soldaten sowie 5 ägyptische Soldaten und 10 Angreifer getötet.
  • 18. Juni 2012: 1 israelischer Zivilist und 2 verwundet durch eine Attacke auf israelisch-ägyptischen Grenzzaun.[28]
  • 5. August 2012: Ägyptisch-israelische Grenzattacke 2012, 16-24 ägyptische Soldaten and 8 islamistische Kämpfer getötet.
  • 7. August 2012: Operation Sinai (2012) - 32 Kämpfer und Verdächtige getötet, 38 festgenommen; bis Anfang September 2012 2 Zivilisten getötet.
    • 8. August 2012: 20 Kämpfer im Sinai getötet.
    • 12. August 2012: 7 mutmaßliche Kämpfer getötet.
    • 13. August 2012: Bewaffnete Männer erschossen den Stammesführer Khalaf Al-Menahy und seinen Sohn.
    • 29. August 2012: Panzer des ägyptischen Heeres und Helikopter griffen dschihadistische Zellen an, was zum Tod von 11 Kämpfern und 23 Verhafteten und keinen berichteten militärischen Opfern führte.[29]
  • 21. September 2012: 1 israelischer Soldat und 3 islamistische Kämpfer getötet.
  • 3. November 2012: 3 ägyptische Polizisten getötet.

Reaktionen[Bearbeiten]

Israel[Bearbeiten]

Das Camp-David-Abkommen 1979, das den Frieden zwischen Ägypten und Israel herstellte, verfügt, dass der Sinai demilitarisiert bleiben muss.

Am Anfang der Operation 2011 erlaubte Israel den Aufmarsch von Tausenden Truppenangehörigen in den Sinai, mit Helikoptern und Panzerwagen, aber nicht mit Panzern.[30]

Anfang August 2012, als sich die Operation Adler intensivierte, genehmigte Israel eine Bitte seitens des israelischen Verteidigungsministers Ehud Barak, Ägypten zu erlauben, Angriffshelikopter in den Sinai ausschwärmen zu lassen.[31]

Jedoch wurde Besorgnis geäußert, als Ägypten begann, mehr Mitglieder der Streitkräfte und Panzer ohne Abstimmung mit Israel aufmarschieren zu lassen. Am 21. August sagte der israelische Außenminister Avigdor Lieberman, es sei für Israel wichtig, zu gewährleisten, dass der ägyptisch-israelische Friedensvertrag aufrechterhalten wird, und nicht zu schweigen, wenn ägyptische Streitkräfte in den Sinai einfahren. Von israelischen Beamten wurde Sorge wegen der den Friedensvertrag verletzenden Unterlassung Ägyptens geäußert, Israel über den Panzeraufmarsch in den Sinai in Kenntnis zu setzen. Lieberman: „Wir müssen gewährleisten, dass jedes Detail eingehalten wird, sonst sehen wir uns, was den Vertrag betrifft, auf Glatteis.“[32] Am selben Tag berichtete die israelische Tageszeitung Maariv, dass Israel über das Weiße Haus eine Nachricht nach Ägypten geschickt hatte, in der über Ägyptens fortlaufende Erhöhung der Militärpräsenz im Sinai ohne Abstimmung mit Israel protestiert und Ägypten gesagt worden war, dass es seine Panzer aus dem Sinai entfernen müsse, da ihre Anwesenheit den ägyptisch-israelischen Friedensvertrag von 1979 verletze, der besagt, dass die Sinai-Halbinsel demilitarisiert bleiben müsse. Was die israelische Tageszeitung Maariv berichtet hatte, wurde durch einen Artikel in der New York Times bestätigt, der feststellte, dass Israel durch den Einmarsch ägyptischer Panzer in die nördliche Sinai-Halbinsel ohne Abstimmung mit Israel „beunruhigt“ war und Ägypten gebeten habe, sie zurückzuziehen.[33] Teilweise weil das ägyptische Militär Panzer in die Sinai-Halbinsel aufmarschieren ließ, ist Israel zunehmend besorgt darüber, was lang seine entscheidendste Partnerschaft in der Region war.[34] Die fehlende Abstimmung rund um ihren Aufmarsch wird laut der New York Times als möglicherweise einen Friedensvertrag, der seit Jahrzehnten ein Fundament der Sicherheit Israels ist, unterminierend gesehen.[34] Israel ist auch besorgt, dass Ägypten die Operation Adler verwenden könnte, seine Militärpräsenz im Sinai auszubauen und die Panzer und Transportpanzer im Sinai zu lassen, während es nicht viel mehr als symbolisches Handeln betreibt, die Bedrohung durch den Terrorismus auszuradieren.[35]

Israel hat keine formelle Beschwerde abgegeben und zieht stattdessen vor, das Problem durch stille Kontakte, wie auch Mediation seitens den USA zu lösen, um zu vermeiden, sein Verhältnis zu Ägypten zu belasten.[36]

Am 24. August 2012 sagte eine höhere Quelle aus dem ägyptischen Militär, dass der ägyptische Verteidigungsminister Abdel Fattah el-Sissi und der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak eine Einigung über die Frage der Militarisierung des Sinai erreicht hätten. Al Hayat berichtete, dass Sissi Barak angerufen und gesagt habe, Ägypten sei einer Beibehaltung des Friedensvertrags mit Israel verbunden.[37] Sissi sagte, die Militarisierung sei vorübergehend und für die Sicherheit nötig, um den Terrorismus zu bekämpfen. Ein israelischer Verteidigungsbeamter bestritt jedoch, dass ein solches Gespräch stattgefunden habe.[38]

In der zweiten Augusthälfte 2012 sagte der ägyptische Präsident Mursi, dass die Sicherheitsoperationen niemanden bedrohen und „es überhaupt keine internationalen oder regionalen Besorgnisse durch die Präsenz ägyptischer Sicherheitskräfte geben sollte“. Mursi fügte hinzu, dass die Kampagne „internationale Verträge voll respektiere“, auch wenn das ägyptisch-israelische Friedensabkommen ägyptischem Militäraufmarsch in den Sinai Grenzen setzt.[39]

Am 8. September bestätigte ein israelischer Beamter, dass bezüglich der Operation Adler Abstimmung zwischen Israel und Ägypten vorhanden ist. Der ägyptische Militärsprecher Ahmed Mohammed Ali hatte vorher verkündet, dass Ägypten sich über seine Sicherheitsmaßnahmen im Sinai mit Israel beriet oder beraten habe.[40]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

Laut CNN bietet der US-Verteidigungsminister Leon Panetta, um die Sicherheit im Sinai zu erhöhen, dem ägyptischen Präsidenten Mohamed Mursi Hilfe, um Israel zu beruhigen, was er bei seinen neulichen Reisen nach Ägypten und Israel diskutierte, Ägypten Möglichkeiten des Austausches von Geheimdienstinformationen, um Ägypten zu helfen, militärische Bedrohungen in der Region zu erkennen, an. Die Technologie wird in großem Umfang im Irak und in Afghanistan verwendet, um Fahrzeuge in großer Entfernung zu erkennen. Die Technologie kann auch durch Multinational Force and Observers verwendet werden. Die Vereinigten Staaten bieten auch verstärkten Austausch von Geheimdienstinformationen, darunter Satellitenbilder und Drohnenflüge sowie Handyabfang und andere Kommunikation bei militanten Anschlagplanungsverdächtigen, an.[41]

Am 22. August drängte das Außenministerium der Vereinigten Staaten Ägypten bezüglich der Operation Adler und jeglichen Sicherheitsoperationen im Sinai auf Transparenz. Das Außenministerium der Vereinigten Staaten sagte, dass die Vereinigten Staaten die Operation Adler gegen den Terrorismus unterstützen, aber betonte, dass Ägypten die Abstimmung mit Israel bezüglich dieser Operationen und der Militärerhöhung im Sinai gemäß dem Camp-David-Abkommen 1979 fortsetzen muss.[42] Das Außenministerium der Vereinigten Staaten appellierte an Ägypten, seine Verpflichtungen unter dem 1979 Israelisch-ägyptischen Friedensvertrag zu erfüllen und mit Bedrohungen der Sicherheit im Sinai energisch umzugehen, während es gewährleiste, dass die „Verbindungslinien offen bleiben.“[43]

Am 23. August sprach die US-Außenministerin Hillary Clinton mit dem ägyptischen Außenminister Mohamed Kamel Amr, wobei sie Amr drängte, mit Israel Verbindungslinien zu unterhalten, und betonte die Bedeutung der Transparenz bezüglich der Militarisierung des Sinai.[36]

Multinational Force and Observers in Sinai[Bearbeiten]

Die Multinational Force and Observers im Sinai, eine 1979 während des Camp-David-Abkommens geschaffene internationale Organisation mit 1650 Mitarbeitern und Verantwortlichkeit für die Friedenserhaltung hielt sich während der Intensivierung der Operation Adler 2012 zurück. Ein Repräsentant der Organisation sagte, dass „wir nicht in der Lage sind, zu dieser Zeit auf Fragen der Medien zu antworten“, als Reaktion darauf, ob Ägypten um Erlaubnis gefragt habe, Waffen in den Sinai zu bringen und ob Israel es gestattet habe.[44]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marwa Awad: Egypt army operation nets militants in Sinai-sources. In: Reuters Africa, 16. August 2011. Abgerufen am 19. August 2011. 
  2. Amro Hassan: Nearly 20 alleged gas pipeline saboteurs arrested. In: Los Angeles Times, 17. August 2011. Abgerufen am 19. August 2011.  „Concerns over the security situation in Sinai intensified on 2 August when a group referring to itself as Al Qaeda's wing in Sinai called for the creation of an Islamic caliphate in the peninsula.“ 
  3. Egyptian Who Shot 7 is Dead. In: The New York Times. 8. Januar 1986. Zugriff am 31. Dezember 2006.
  4. Yaakov Katz: The Sinai attack: Blow by blow. In: The Jerusalem Post. 6. August 2012. Abgerufen am 6. August 2012.
  5. Egypt vows strong response to Sinai attack. Al Jazeera. 6. August 2012. Abgerufen am 6. August 2012.
  6. Yoav Zitun: Watch: IAF strikes Sinai terror cell. Yedioth Ahronot. 6. August 2012. Abgerufen am 6. August 2012.
  7. Yaakov Katz and Herb Keinon: Israel considers request for more Egyptian troops in Sinai. In: The Jerusalem Post. 6. August 2012. Abgerufen am 7. August 2012.
  8. UPDATED: Egyptian troops strike hard in North Sinai after multiple attacks. Al Ahram. Abgerufen am 1. Oktober 2012.
  9. Egypt Army kills 32, arrests 38 more in Sinai offensive, GlobalPost, 8. September 2012
  10. a b c d e f g Blutige Militärkampagne: Auf dem Sinai wächst die Wut auf Ägyptens Armee, Spiegel Online, 9. Oktober 2013, von Christoph Sydow, archiviert vom Original am 9. Oktober 2013.
  11. a b c Tausende Mursi-Anhänger gehen in Ägypten auf die Straße, http://business-panorama.de (AFP-Meldung), 11. Oktober 2013, archiviert vom Original am 12. Oktober 2013.
  12. a b c d Demonstrationsrecht in Ägypten soll noch stärker eingeschränkt werden, derStandard.at, 17. Oktober 2013, archiviert vom Original am 18. Oktober 2013.
  13. Gewalt in Ägypten: Dutzende Islamisten bei Fluchtversuch getötet, Spiegel Online, 18. August 2013, archiviert vom Original am 22. August 2013.
  14. a b Erneut Massaker und viele Tote – Ägypten versinkt in der Gewalt, Der Tagesspiegel, 19. August 2013, von Martin Gehlen und Albrecht Meier, archiviert vom Original am 29. August 2013.
  15. Neue Unruhen in Ägypten – Tote am „Freitag der Entschlossenheit“, Süddeutsche.de, 30. August 2013, archiviert vom Original am 1. September 2013.
  16. a b c Ausnahmezustand – Ein Toter bei Protesten in Ägypten, Zeit Online, 13. September 2013, archiviert vom Original am 17. September 2013.
  17. Nahost – Ägyptens Innenminister entgeht Bombenanschlag, Deutsche Welle, 5. September 2013, archiviert vom Original am 26. September 2013.
  18. a b c Staatliche Repression in Ägypten – Anti-Terror-Kampagne wie zur Zeit Mubaraks, Neue Zürcher Zeitung, 7. Oktober 2013, von Astrid Frefel, archiviert vom Original am 7. Oktober 2013.
  19. a b c d e f g Sinai-Halbinsel – 12 Tote nach Anschlag auf Polizei und Militär, 20min.ch, 7. Oktober 2013, archiviert vom Original am 7. Oktober 2013.
  20. Gunmen kill six Egyptian soldiers near Suez canal (englisch). The Guardian, 7. Oktober 2013, archiviert vom Original am 8. Oktober 2013.
  21. a b Blutvergießen auf allen Seiten – Ägypten beklagt Dutzende Todesopfer, n-tv, 7. Oktober 2013, archiviert vom Original am 7. Oktober 2013.
  22. Eskalation in Kairo: Dutzende Ägypter sterben bei Straßenschlachten, Spiegel Online, 7. Oktober 2013, archiviert vom Original am 7. Oktober 2013.
  23. a b c Ägypten – Zwölf Polizisten sterben bei Autobomben-Explosion, Zeit Online, 7. Oktober 2013, archiviert vom Original am 7. Oktober 2013.
  24. Angreifer töten fünf ägyptische Soldaten nahe Suez-Kanal, Reuters Deutschland, 7. Oktober 2013, archiviert vom Original am 9. Oktober 2013.
  25. Egypt: Detained American Hangs Self in Prison (englisch). Voice of America News, 13. Oktober 2013, archiviert vom Original am 14. Oktober 2013.
  26. Dark Clouds Over the Sinai – The military’s brutal North Sinai campaign is targeting civilians and militants alike (englisch). Slate, 7. Oktober 2013, von Nadine Marroushi, archiviert vom Original am 9. Oktober 2013.
  27. In Egypt’s Sinai, military’s harsh campaign earns pledges of retaliation (englisch). McClatchy, 8. Oktober 2013, von Nancy A. Youssef und Amina Ismail, archiviert vom Original am 9. Oktober 2013.
  28. Terror attack in the south. Israelisches Außenministerium. 18. Juni 2012. Abgerufen am 30. Januar 2012.
  29. Egyptian forces kill 11 militants in Sinai. In: CNN, 29. August 2012. Abgerufen am 1. Oktober 2012. 
  30. Barak agrees to Egypt deploying troops, vehicles in Sinai. Jpost. 26. August 2011. Abgerufen am 1. Oktober 2012.
  31. Herb Keinon: Security cabinet okays Egypt attack helicopters in Sinai. In: Reuters. The Jerusalem Post. 9. August 2012. Abgerufen am 9. August 2012.
  32. Somfalvi, Attila: Lieberman: Don't let Egypt get away with violations. Yedioth Ahronot. 21. August 2012. Abgerufen am 21. August 2012.
  33. Isabel Kershner: Israel Asks Egypt to Remove Tanks From Sinai. In: The New York Times, 21. August 2012. Abgerufen am 29. August 2012. 
  34. a b Jodi Rudoren: Developments in Iran and Sinai Deepen Israel’s Worries About Egypt. In: The New York Times, 22. August 2012. Abgerufen am 29. August 2012. 
  35. Stuart Winer: After buildup, Israel tells Egypt to remove tanks from Sinai. The Times of Israel. 21. August 2012. Abgerufen am 21. August 2012.
  36. a b Clinton urges Egypt, Israel to talk on Sinai. In: Reuters. The Jerusalem Post. 23. August 2012. Abgerufen am 23. August 2012.
  37. Davidovitch, Joshua: Barak and Egyptian counterpart reportedly come to terms over Sinai offensive. In: The Times of Israel, 24. August 2012. 
  38. Egypt tells Israel military presence in Sinai is temporary. In: The Times of Israel, 25. August 2012. Abgerufen am 26. August 2012. 
  39. Morsi's message to Israel: No reason for concern. In: Yedioth Ahronot, 28. August 2012. 
  40. Shmulovich, Michal: Egypt says it has killed 32 ‘criminals’ and arrested 38 since Sinai terror attack. In: The Times of Israel, 8. September 2012. 
  41. CNN: US offers Egyptian army intelligence aid for Sinai battles. In: Israel Hayom; Reuters. Israel Hayom. 21. August 2012. Abgerufen am 22. August 2012.
  42. Winer, Stuart; Ben Zion, Ilan: Washington calls for Egyptian transparency amid military buildup in Sinai. The Times of Israel. 22. August 2012. Abgerufen am 23. August 2012.
  43. US urges Egypt to retake control of Sinai. In: The Jerusalem Post, 23. August 2012. Abgerufen am 24. August 2012. 
  44. Keinon, Herb: Int'l force in Sinai quiet amid concern of Egypt violations. The Jerusalem Post. 21. August 2012. Abgerufen am 21. August 2012.