Streitkräfte Ägyptens

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Einfluss in die Wirtschaft wird nicht dargestellt

Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst, aber kopiere bitte keine fremden Texte in diesen Artikel.

Streitkräfte Ägyptens[1]
Truppenstärke
Mindestdienstalter: 18 Jahre (2006)
Verfügbarkeit (Männer zwischen 15 und 49): 18.347.560 (2006)
Jährlicher Eintritt ins Dienstalter: 802.920 (2006)
Aktives Personal: 450.000 (Rang 11) (2007)[2]
Ausgaben Militär
Gesamtausgaben: 2.400.000.000 $ (Rang 38) (2006)
Prozent der Staatsausgaben: 3,4 Prozent (2006)

Die Streitkräfte Ägyptens sind die Streitkräfte der Arabischen Republik Ägypten. Organisiert sind sie mit dem Heer, den Luftstreitkräften, der Luftverteidigung und der Marine in vier Teilstreitkräften. Das Militärbudget beträgt 2,4 Milliarden US-Dollar. Die Gesamtstärke liegt bei ca. 450.000 Mann.

Oberbefehlshaber der Streitkräfte Ägyptens ist das Staatsoberhaupt. Verteidigungsminister und Vorsitzender des Obersten Rates der Streitkräfte war bis zum 12. August 2012 Feldmarschall Muhammad Hussein Tantawi Sulayman. Ihm folgte auf Weisung des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi Abd al-Fattah as-Sisi.[3][4][5][6] Der aktuelle Stabschef ist Sami Hafez Enan. In Ägypten herrscht eine dreijährige Wehrpflicht für Männer ab achtzehn Jahren.

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Ägyptische Militärgeschichte

Ab 1250 herrschten die Mamluken, ehemalige Militärsklaven, in Ägypten. 1260 eroberten die Mongolen das Gebiet des heutigen Syriens, konnten aber von den Mamluken unter Qutuz und Baibars in der Schlacht von Ain Djalut geschlagen werden. Die Mamluken festigten ihre Herrschaft in Ägypten und Syrien, begannen mit der Vertreibung der fränkischen Kreuzfahrer (u.a. der Belagerung von Antiochia (1268)) und ließen Nubien unterwerfen. 1517 wurden die ägyptischen Mamluken von den Osmanen unterworfen, beherrschten Ägypten aber weiter bis zur Schlacht bei den Pyramiden 1798.

Unter der Herrschaft Muhammad Ali Paschas wurde die ägyptische Armee Anfang des 19. Jahrhunderts modernisiert. Mit der von Soliman Pascha neu gebildeten Armee wurden die Wahhabiten in Arabien geschlagen (1811–1818) und der Sudan erobert (1820–1823). Während des Aufstandes in Griechenland (1822–1827) war der osmanische Sultan gezwungen, die modernen Truppen des gehassten Vasallen Muhammad Ali zu Hilfe zu rufen. 1831 erfolgte die Invasion in Palästina und Syrien.

Am 20. Dezember 1882 wurde die ägyptische Armee nach der Besetzung Ägyptens durch die Briten aufgelöst. Sie wurde nun unter dem Kommando eines britischen Oberbefehlshabers, des Sirdar, neu aufgebaut. Von 1881 bis 1899 war sie in Kämpfe während des Mahdiaufstandes verwickelt.

Im Ersten Weltkrieg war der Sinai als Grenzgebiet zum osmanischen Palästina bis 1917 Kampfgebiet.

1928 beschloss das ägyptische Parlament den Aufbau einer Luftwaffe.

Die ersten drei ägyptischen Militärpiloten, 1931

Beim Neuaufbau der ägyptischen Armee ersetzen die britischen Kolonialherren das vormals türkischsprachige Offizierskorps durch arabischsprachige Mitglieder der unteren Mittelklasse. Einfache Bauern waren wie unter den vormaligen Regimen von der Offizierslaufbahn ausgeschlossen, stellten jedoch den Großteil der Mannschaften. Obwohl die britische Regierung neue Technologien und Doktrinen einführte, wurde die äußere Verteidigung des Landes regulären, britischen Truppen überlassen. Das einheimische Militär diente vor allem der Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit. Die ägyptische Regierung entließ 1946 alle britischen Offiziere aus ihrem Dienst.[7]

Im Palästinakrieg konnten ägyptische Truppen in Israel eindringen. Trotz gewährter Militär- und Finanzhilfen aus Saudi-Arabien und anderen arabischen Staaten wurden sie unter schweren Verlusten 1949 wieder zurückgetrieben. Durch die Verstaatlichung des Sueskanals am 26. Juli 1956 und dem damit einhergehenden Angriff Frankreichs, Großbritanniens und Israels hatte Gamal Abdel Nasser zwar eine militärische Niederlage erlitten, konnte aber dank des Eingreifens der Supermächte einen politischen Sieg davontragen. Der Sechstagekrieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarstaaten Ägypten, Jordanien und Syrien dauerte vom 5. Juni bis zum 10. Juni 1967. Der Krieg begann am 5. Juni mit einem Angriff der israelischen Luftwaffe auf ägyptische Luftwaffenbasen. Am Ende des Krieges besetzte Israel den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel, die Golanhöhen und das Westjordanland. Im Yom-Kippur-Krieg gelang den ägyptischen Streitkräften ein aus ihrer Sicht begrenzter Erfolg gegen die Israelis.

Ägypten wurde 1989 von den USA in die Liste ihrer wichtigsten Verbündeten außerhalb der NATO aufgenommen. Damit bekam das Land bevorzugten Zugang zu ausgewählten Rüstungsprogrammen. Zudem wollte das Militär die vorwiegend sowjetische Ausrüstung ausmustern und durch modernere ersetzen. So wurde Ägypten z.B. zum ersten Exportkunden für den M1; bis 1998 wurden 555 M1A1 ausgeliefert. Die Endmontage erfolgte in Ägypten, wobei 35 % aller Teile in Ägypten gefertigt wurden und der Rest aus den USA geliefert wurde.

Die ägyptischen Streitkräfte nahmen mit der 3. Mechanisierten Division, der 4. Panzerdivision und der 20. Kommandobrigade - insgesamt 40.000 Soldaten und 400 Panzer am Zweiten Golfkrieg teil. Die ägtyptischen Streitkräfte sollten zusammen mit saudischen, kuwaitischen, bahrainischen und syrischen Truppen durch einen Vorstoß die Flanken des Hauptangriffes decken. Der als Joint Forces Command North (JFC-N) bezeichnete Verband rückte dabei so langsam vor dass die US-amerikanische 2. Panzerdivision außerplanmäßig eingesetzt wurde um die Flankensicherung zu übernehmen. Die ägyptische Armee erlitt während den Operationen Verluste von weniger als Hundert Mann.[8]

Teilstreitkräfte[Bearbeiten]

Heer[Bearbeiten]

Ägyptischer M113 verlässt ein US-amerikanisches Landungsboot
Ägyptischer Fallschirmjäger, 2007

Das Heer ist mit 300.000 Mann die größte Teilstreitkraft. Die Kommandostruktur des Heeres organisiert sich in 2 Armee-Hauptquartiere in Ismailia und Sues, 4 Panzerdivisionen, 7 mechanisierten Infanteriedivisionen, 1 Infanteriedivision, 3 Luftlandebrigaden und 14 Artilleriebrigaden. Das Heer ist ausgerüstet mit 1130 Panzern vom Typ M1 Abrams, 1.716 Panzern vom Typ M60, 34 T-80, davon 20 T-80U und 14 T-80UK, 500 T-62, 340 T-55 und 425 Ramses II, eine Kampfwertsteigerung des T-55 (Stand 2011).

Luftstreitkräfte[Bearbeiten]

Ägyptische F-16 beim Auftanken

Hauptartikel: ägyptische Luftstreitkräfte

Die ägyptische Luftwaffe verfügt über 25.000 Mann. Rückgrat der Luftstreitkräfte sind deren General Dynamics F-16. Ägypten verfügt damit über die viertgrößte F-16-Flotte der Welt. Darüber hinaus werden Abfangjäger vom Typ Dassault Mirage 2000 eingesetzt. Die Luftstreitkräfte verfügen über McDonnell F-4 und Mikojan-Gurewitsch MiG-21. Derzeit werden 6 E-2C Hawkeye Airborne Warning and Control System-Flugzeuge zu Hawkeye 2000 umgerüstet. Ein marginaler Teil der eingesetzten Schulungsflugzeuge wird in Ägypten selber in Lizenz aus Bausätzen montiert.

Luftverteidigung[Bearbeiten]

Nach sowjetischem Vorbild wurden 1968 die Kräfte der Luftverteidigung unter einem einheitlichen Kommando als eigenständige Teilstreitkraft zusammengeführt. Sie umfassen heute die Radarüberwachung, Flugabwehrraketentruppen, ein streitkräftegemeinsames Führungssystem und Einheiten für die Elektronische Kampfführung.[9]

Ausgerüstet sind die Flugabwehrraketentruppen mit:[10]

Marine[Bearbeiten]

Die Marine ist mit 16.000 Mann die kleinste Teilstreitkraft. Sie hat eine Küstenlinie von mehr als 2.000 km zu schützen und ist im Roten Meer und im Mittelmeer stationiert. Der Hauptstützpunkt der Flotte ist Alexandria. Weitere Stützpunkte befinden sich in Hurghada, Safaga und Sues.

Befehlshaber der Flotte ist Vizeadmiral Tamer Abd El Aleem Mohamed Ismail.

Die Marine verfügt über 8 Fregatten (u.a. 4 ehemalige Oliver-Hazard-Perry-Klasse), 4 U-Boote und 40 Schnellboote. Die schwimmenden Einheiten werden von 12 Hubschraubern Gazelle und 5 Sikorsky S-61 Sea King unterstützt.

In den USA werden mehrere moderne Flugkörperschnellboote für die ägyptische Marine gefertigt. Das erste Boot der Ambassador III-Klasse mit dem Namen S. Ezzat (nach Admiral Suleiman Ezzat, dem Gründer der modernen Marine Ägyptens) wurde 2012 ausgeliefert. Es sollen die Schnellboote F. Zekry, M. Fahmy und A. Gad bis Ende 2013 folgen. Sie sind bis zu 41 Knoten schnell und verfügen über acht Seezielflugkörper vom Typ Harpoon, eine Oto Melara-Kanone und das Nahbereichsverteidigungssystem RIM-116 Rolling Airframe Missile.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Streitkräfte Ägyptens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The World Defence Almanac 2006, Mönch Publishing Group, Bonn 2006
  2. http://www.tau.ac.il/jcss/balance/glance.pdf
  3. Ägyptens Präsident bricht Macht der Militärs. Verteidigungsminister Tantawi entlassen. Sueddeutsche Zeitung, 12. August 2012, abgerufen am 12. August 2012.
  4. Ägyptens Präsident Mursi feuert Armeechef Tantawi. Machtkampf. Spiegel Online, 12. August 2012, abgerufen am 12. August 2012.
  5. Präsident Mursi entlässt Armeechef Tantawi. Eklat in Ägypten. NZZ Online, 12. August 2012, abgerufen am 12. August 2012.
  6. Demokratiebewegung vertreibt Mubarak aus dem Amt. Reuters, 2. November 2011, abgerufen am 12. August 2012.
  7. Kenneth Pollack: Arabs at War, Lincoln, 2004; S. 14f
  8. Kenneth Pollack: Arabs at War, Lincoln, 2004; S. 139 - 142
  9. „Safe skies“ auf Al-Ahram Weekly Online vom Juli 2008; eingesehen am 14. November 2010
  10. Flugabwehrsysteme auf der Website der ägyptischen Luftverteidigung; eingesehen am 14. November 2010