Solothurn-Münster-Bahn

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Dampflokomotive Ec 4/5 Nr. 11 des Vereins Dampfbahn Bern, gebaut 1911 für die Solothurn–Münster-Bahn.

Die Solothurn–Münster-Bahn (SMB), auch Solothurn–Moutier-Bahn respektive Chemin de fer Soleure–Moutier genannt, ist eine ehemalige Eisenbahngesellschaft mit Sitz in Solothurn in der Schweiz, welche die Linie von Solothurn nach Moutier im Berner Jura besass. Sie nahm im Jahre 1908 den Betrieb auf und fusionierte 1997 mit der Emmental-Burgdorf-Thun-Bahn (EBT) und den Vereinigten Huttwil-Bahnen (VHB), mit denen die SMB bereits davor eine Betriebsgemeinschaft bildete, zum Regionalverkehr Mittelland (RM), der daraufhin den Betrieb der gut 22 Kilometer langen SMB-Strecke zwischen Solothurn West und Moutier (veraltet Münster) übernahm.

Geschichte[Bearbeiten]

Erster Fahrplan der SMB, gültig bis 30. April 1909.
Geisslochviadukt der SMB bei Bellach.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beschäftigte sich die Stadt Solothurn mit einer Eisenbahnlinie durch die erste Jurakette weiter in das Schwarzbubenland, dieses Projekt wurde aber aus finanziellen Gründen nicht weiter verfolgt. Auch die Vorschläge aus den 1860er Jahren für den Bau einer Pferdebahn von Solothurn über Welschenrohr nach Moutier und einer Normalspurlinie mit der gleichen Streckenführung wurden nicht konkretisiert.[1] In der 1880er Jahren gab es, vor allem wegen der Grenzänderungen nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, infolge dessen eine Eisenbahnlinie von Belfort in das Schweizer Mittelland verlangt wurde, wieder verstärkte Bemühungen, eine Linie von Solothurn nach Moutier zu errichten, so schlug Niklaus Riggenbach den Bau einer Zahnradlinie durch den Weissenstein vor, der Kanton Solothurn reagierte darauf mit einem Gegengutachten, in dem der Bau einer Adhäsionsbahn als besser realisierbar dargestellt wurde. Anschliessend reichte der Kanton im Jahre 1889 ein Konzessionsgesuch für den Bau einer entsprechenden Bahn ein, die Konzession dazu erteilte der Bundesrat am 9. Dezember des gleichen Jahres. Der Kanton Bern war zu einer Subventionierung der Linie bereit, vor allem, weil die Kantonsregierung sich dadurch einen Anschluss an die geplante Lötschberglinie erhoffte, der Kanton Solothurn war dazu aber nicht bereit, was zur Folge hatte, dass das Initiativkomitee im Jahre 1895 zurücktrat.[2] Am 15. April 1898 erteilte die Bundesversammlung erneut eine Konzession für die gleiche Linie, diesmal waren sowohl die Stadt als auch der Kanton Solothurn damit einverstanden, das Projekt mitzufinanzieren. Am 13. November 1898 befürwortete die Solothurner Kantonsbevölkerung in einer Volksabstimmung mit einer Zweidrittelmehrheit den Bau der Strecke. Weniger eindeutig war die Lage im Kanton Bern, da sich mittlerweile auch die Linie von Moutier nach Lengnau im Planungsstadium befand, welche strategisch besser gelegen, aber deutlich teurer war, die Solothurn-Münster-Bahn wurde hingegen eher als Lokalbahn eingeordnet, allerdings sei diese Linie auch für den Transitverkehr geeignet. Schlussendlich sprach sich der Grosse Rat am 7. Oktober 1903 für die Unterstützung der Solothurn-Münster-Bahn aus.[3] Kurz darauf erhielt aber die BLS die Konzession für den Bau und Betrieb der Strecke von Moutier nach Lengnau, somit war bereits vor dem Baubeginn beider Linien klar, dass die Solothurn-Münster-Bahn nur eine Nebenlinie sein würde.[4]

Gründung und Bau[Bearbeiten]

Die konstituierende Generalversammlung der Gesellschaft fand bereits am 30. April 1899 statt, doch aus den oben genannten Gründen und weil die Finanzierung der Strecke nicht früher zustande kam, verzögerte sich der Baubeginn bis in das Jahr 1903.[5] Die Bauarbeiten wurden schliesslich am 28. Dezember 1903 aufgenommen.[6] Der Bau der Linie erwies sich als schwierig, zum einen war das zu bebauende Gelände instabil, sodass es immer wieder zu Rutschungen kam, zum anderen war auf der recht kurzen Strecke der Bau von 84 Kunstbauten erforderlich.[7] Das Baumaterial für diese Bauten kam hauptsächlich von den Steinbrüchen in Lommiswil und Gänsbrunnen.[8] Der grösste Bauplatz auf der Strecke war das künftige Bahnhofsareal in Oberdorf, da von dort aus der Weissensteintunnel gebaut wurde, so gab es, wie bei anderen Tunnelbaustellen in der Schweiz auch, in der Nähe eine temporäre Siedlung für die Tunnelarbeiter. Beim Bau der Strecke kam es, beim Geisslochviadukt zu zwei Todesopfern, die genauen Ursachen sind unbekannt.[9] Bei der Betriebsaufnahme 1908 waren die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen, vor allem das Problem mit den Rutschungen war noch nicht gelöst, was zur Folge hatte, dass die Arbeiten erst 1909, also im ersten vollen Betriebsjahr, abgeschlossen waren.[10]

Da die Bahn mehrheitlich durch den dünn besiedelten Jura führt, hatte sie immer wieder mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Der elektrische Betrieb unter dem bei den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) üblichen Wechselstromsystem mit einer Spannung von 15 Kilovolt und der Frequenz 16⅔ Hertz wurde auf der SMB am 2. Oktober 1932 aufgenommen.

In den 1970er Jahren konnte sich die Bahn im Raum nordwestlich der Stadt Solothurn zu einer Vorortsbahn entwickeln.

Die Betriebsgemeinschaft mit der EBT und den VHB – unter gemeinsamer Führung durch die EBT als grösste der drei Gesellschaften – wurde schliesslich per 1. Januar 1997 in der Gesellschaft Regionalverkehr Mittelland (RM) zusammengeführt. Der RM seinerseits fusionierte am 27. Juni 2006 rechtskräftig mit der BLS Lötschbergbahn (BLS) zur BLS AG. Seit dem Fahrplanwechsel vom Dezember 2010 werden die Personenzüge auf der Strecke, die sich im Besitz der BLS befindet, von den SBB geführt. Dies geschah (zusammen mit der Abgabe der Regionalzüge zwischen Murten und Payerne) im Gegenzug zur Übernahme von SBB-Angeboten im Raum Luzern durch die BLS.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Weber, Jürg Suter: Solothurn-Münster-Bahn. Die Linie Solothurn-Moutier der BLS AG. Prellbock Verlag, Leissigen 2008 ISBN 978-3-907579-28-2

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Solothurn-Münster-Bahn. Die Linie Solothurn-Moutier der BLS AG. S. 9-10
  2. Solothurn-Münster-Bahn. Die Linie Solothurn-Moutier der BLS AG. S. 10-11
  3. Solothurn-Münster-Bahn. Die Linie Solothurn-Moutier der BLS AG. S. 12-13
  4. Solothurn-Münster-Bahn. Die Linie Solothurn-Moutier der BLS AG. S. 13
  5. Solothurn-Münster-Bahn. Die Linie Solothurn-Moutier der BLS AG. S. 14-15
  6. Solothurn-Münster-Bahn. Die Linie Solothurn-Moutier der BLS AG. S. 15
  7. Solothurn-Münster-Bahn. Die Linie Solothurn-Moutier der BLS AG. S. 16
  8. Solothurn-Münster-Bahn. Die Linie Solothurn-Moutier der BLS AG. S. 17
  9. Solothurn-Münster-Bahn. Die Linie Solothurn-Moutier der BLS AG. S. 19
  10. Solothurn-Münster-Bahn. Die Linie Solothurn-Moutier der BLS AG. S. 39
  11. Geschäftsbericht 2010. BLS. S. 6, 15. Abgerufen am 29. April 2012.