Murten

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Murten
Morat
Wappen von MurtenMorat
Staat: Schweiz
Kanton: Freiburg (FR)
Bezirk: Seew
BFS-Nr.: 2275i1f3f4
Postleitzahl: 3280
UN/LOCODE: CH MTN
Koordinaten: 575501 / 19749146.9280617.116954453Koordinaten: 46° 55′ 41″ N, 7° 7′ 1″ O; CH1903: 575501 / 197491
Höhe: 453 m ü. M.
Fläche: 13,63 km²
Einwohner: 6279 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 461 Einw. pro km²
Website: www.murten-morat.ch
Altstadt von Murten

Altstadt von Murten

Karte
Murtensee Neuenburgersee Schiffenensee Wohlensee Gurmels Kanton Bern Kanton Bern Kanton Bern Kanton Neuenburg Kanton Waadt Kanton Waadt Broyebezirk Saanebezirk Sensebezirk Barberêche Bas-Vully Courgevaux Courlevon Courtepin Cressier FR Fräschels Galmiz Gempenach Greng Gurmels Haut-Vully Jeuss Kerzers Kleinbösingen Lurtigen Lurtigen Meyriez Misery-Courtion Muntelier Murten Murten Ried bei Kerzers Salvenach Staatswald Galm Ulmiz Villarepos Wallenried FRKarte von MurtenMorat
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Murten (französisch Morat; im schweizerdeutschen Ortsdialekt [mʊːrtə, moːrtə]; Frankoprovenzalisch Mora?/i) ist eine politische Gemeinde und Hauptort des Seebezirks (frz. District du Lac) im Kanton Freiburg in der Schweiz. Zu Murten gehören auch die früher selbständigen Gemeinden Altavilla, Burg und Büchslen.

Murten bildet das regionale Kultur- und Wirtschaftszentrum des nördlichen Kantonsteils. Das mittelalterliche Zähringerstädtchen mit einer Ringmauer aus dem 13. bis 17. Jahrhundert und einer historischen Altstadt von nationaler Bedeutung liegt am gleichnamigen Murtensee und war Schauplatz der Schlacht bei Murten.

Geographie[Bearbeiten]

Murten liegt auf 453 m ü. M., 14 km nördlich der Kantonshauptstadt Freiburg (Luftlinie). Die Stadt erstreckt sich auf einer rund 20 m hohen Anhöhe am Südostufer des Murtensees, östlich der Mündung des von Münchenwiler herkommenden Baches, im nördlichen Freiburger Mittelland.

Die Fläche des 12,0 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt am Südufer des Murtensees (rund 1,8 km Seeuferlänge) und der angrenzenden Molassehöhen. Der Gemeindeboden erstreckt sich vom Seeufer über einen flachen Uferrandstreifen und die Anhöhe von Murten in die südlich davon gelegene und vom Dorfbach von Münchenwiler durchflossene Geländemulde. Daran schliessen sich im Süden die vom eiszeitlichen Rhonegletscher überformten Molassehöhen mit verschiedenen Drumlins an, darunter die Höhen von Bois Domingue (526 m ü. M.) und Aderahubel (516 m ü. M.).

Im Südwesten reicht das Gemeindegebiet über die Flächen von Merlachfeld und Fin de Mossard bis zum Wald La Bourille, wobei der Gemeindebann von Meyriez auf der Landseite vollständig umschlossen wird. Nach Osten erstreckt sich das Gebiet auf das Hochplateau von Burg, in das der Burggrabenbach ein tiefes Erosionstal eingeschnitten hat, in den Birchenwald (560 m ü. M.) und in die ausgedehnten Wälder östlich von Altavilla, nämlich Trimbley (bis 560 m ü. M.), Bloster (576 m ü. M.) und Murtenwald (mit 582 m ü. M. die höchste Erhebung von Murten).

Eine schmale, durchschnittlich rund 500 m breite, aber fast 4 km lange Exklave von Murten befindet sich in der landwirtschaftlich intensiv genutzten Ebene des Grossen Mooses. Sie reicht von der Hanenmatt bei Müntschemier südwärts über den Grossen Kanal und den Biberenkanal bis zum Erlihof bei Galmiz. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 19 % auf Siedlungen, 27 % auf Wald und Gehölze und 54 % auf Landwirtschaft.

Zur Gemeinde Murten gehören die Dörfer Burg (518 m ü. M.) und Altavilla (537 m ü. M.) auf dem Hochplateau, die Weiler Prehl (465 m ü. M.) südöstlich der Stadt, Löwenberg (451 m ü. M.) am Nordfuss des Aderahubels und Erli (461 m ü. M.) leicht erhöht am Südrand des Grossen Mooses, einige von der Stadt abgesonderte neue Wohnquartiere sowie zahlreiche Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Murten sind Greng, Meyriez, Courgevaux, Salvenach, Lurtigen, Galmiz, Muntelier, Ried bei Kerzers und Bas-Vully im Kanton Freiburg sowie Münchenwiler und Müntschemier im Kanton Bern.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1900 2645
1910 2418
1930 2570
1950 3106
1960 3610
1970 4512
1980 4657
1990 4718
2000 5578

Mit 6279 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) gehört Murten zu den grösseren Gemeinden des Kantons Freiburg. Die Bevölkerungszahl von Murten belief sich 1900 auf 2645 Einwohner. Danach nahm sie vorübergehend ab, um seither kontinuierlich anzusteigen. Die grössten Bevölkerungszuwachsraten wurden von 1950 bis 1970 sowie nach der Erschliessung neuer Wohnzonen in den 1990er Jahren verzeichnet. Das Siedlungsgebiet von Murten ist heute lückenlos mit denjenigen der Nachbargemeinden Meyriez und Muntelier zusammengewachsen. Überdies gehört ein kleiner Teil des Murtner Gewerbegebietes zur Gemeinde Courgevaux.

Sprachen[Bearbeiten]

Von den Bewohnern sind 76 % deutschsprachig, 13 % französischsprachig und 2 % italienischsprachig (Stand Januar 2011[2]). Die Amtssprache in Murten ist Deutsch, und städtische Reglemente werden allein in dieser Sprache publiziert. Aufgrund der Lage an der Sprachgrenze wird jedoch eine gewisse Zweisprachigkeit gepflegt, so führt die Gemeinde neben der deutschsprachigen Schule auch eine französischsprachige. Seit 2013, als die SBB den Stationsnamen «Murten/Morat» einführte, wird diese Zweisprachigkeit auch gegen aussen kommuniziert.

Noch im 15. Jahrhundert wurde in der Stadt hauptsächlich Französisch gesprochen. Nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Reformation setzte sich jedoch immer mehr das Deutsche durch und gewann spätestens Ende des 17. Jahrhunderts die Oberhand. Im reformierten Murten wird, anders als im katholischen Sensebezirk, Berndeutsch und nicht freiburgisches Senslerdeutsch gesprochen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Hafen und Altstadt von Murten

Murten war stets ein agrarisch geprägtes Städtchen. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse des fruchtbaren Umlandes wurden hier verarbeitet und in den Handel gebracht. Auch die Fischerei im Murtensee spielte eine wichtige Rolle. Da die Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abseits der Hauptverkehrsachsen zu liegen kam, hielt die Industrialisierung nur langsam Einzug. Ein wichtiger Arbeitgeber war zu dieser Zeit eine Uhrenfabrik. Der eigentliche wirtschaftliche Aufschwung setzte erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein.

Heute bietet Murten rund 3400 Arbeitsplätze an. Mit 3 % der Erwerbstätigen, die noch im primären Sektor beschäftigt sind, hat die Landwirtschaft nur noch einen marginalen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Etwa 36 % der Erwerbstätigen sind im industriellen Sektor tätig, während der Dienstleistungssektor 61 % der Arbeitskräfte auf sich vereinigt (Stand 2001).

Auf den fruchtbaren Böden in der Umgebung von Murten und im Grossen Moos wird überwiegend Ackerbau und Gemüseanbau betrieben. Daneben sind auch die Milchwirtschaft und der Obstbau von Bedeutung.

Die Industrie- und Gewerbegebiete von Murten befinden sich in Bahnhofnähe und entlang der Ortsumfahrungsstrasse. Wichtige Unternehmen sind in den Bereichen Industrieelektronik (etwa Saia-Burgess), Produktion von Glaskeramik und Kochherden und in der Nahrungsmittelindustrie tätig. Daneben gibt es zahlreiche weitere kleinere und mittlere Betriebe des Bau- und Transportgewerbes, der Informationstechnologie, der Feinmechanik und der Textilindustrie.

Im tertiären Sektor vereinigen die Verwaltung, das Banken- und Versicherungswesen, das Bildungswesen und vor allem die Tourismus- und Gastronomiebranche zahlreiche Arbeitsplätze auf sich. Das Bezirksspital befindet sich jedoch in der Nachbargemeinde Meyriez.

Besonders seit dem Zweiten Weltkrieg haben sich südlich der Altstadt neue Wohnquartiere entwickelt. Heute findet man bevorzugte Wohnlagen in der Nähe des Seeufers sowie an aussichtsreicher Lage an den relativ sanft geneigten Hängen südlich und östlich der Stadt.

Kultur und Sport[Bearbeiten]

Sowohl für Kultur- als auch für Sportbegeisterte hat Murten verschiedene Möglichkeiten zu bieten. Erwähnenswert sind dabei die Stadtbibliothek, die Ludothek, ein Freilichttheater und die Organisation von verschiedenen Konzerten, darunter das Murten Classics (Sommerfestspiele der Stadt Murten). Auch die jeweils Anfang März stattfindende Murtner Fastnacht ist von überregionaler Bedeutung. Ferner stehen Fussball- und Tennisplätze, eine Tennis- und Squashhalle und ein Hallenbad zur Verfügung. Alljährlich findet am 22. Juni die Solennität Murten statt, ein Umzug mit Musikformationen durch Murtens Altstadt. Das Jugendfest erinnert an die Schlacht bei Murten im Jahre 1476.

Seit 1933 findet am ersten Sonntag im Oktober der Murtenlauf statt. Dieser zählt zu den bekanntesten und traditionsreichsten Volksläufen der Schweiz, mit jeweils Tausenden von Teilnehmern. Die Strecke ist rund 17 Kilometer lang, führt von Murten nach Freiburg und wird zum Gedenken an die Schlacht bei Murten gelaufen.

Tourismus[Bearbeiten]

Monolith im Murtensee (Expo 02)

Murten bildet ein wichtiges touristisches Zentrum der Dreiseenregion. Touristenattraktionen sind die gut erhaltene Altstadt mit Ringmauern und Türmen, das Historische Museum der Stadt (ausserhalb der Stadt in einer alten Mühle untergebracht) und die Seeuferanlagen. Einen wichtigen Aufschwung im Fremdenverkehr erlebte die Stadt im Jahr 2002 als Standort einer der fünf Arteplages der Schweizerischen Landesausstellung Expo.02. Die Arteplage von Murten stand unter dem Titel Augenblick und Ewigkeit. Die Ausstellungen waren über einen Grossteil der historischen Altstadt verteilt. Wahrzeichen von Murten war der begehbare Monolith, ein nach Plänen von Architekt Jean Nouvel im Murtensee rund 200 m vor dem Hafen errichteter rostiger Stahlwürfel von 34 m Kantenlänge, in dem unter anderem ein Panorama der Schlacht von Murten zu sehen war. Mittlerweile ist die Konstruktion wieder zurückgebaut worden. Jedoch musste die «Expo-Gesellschaft» der Stadt Murten eine Entschädigung leisten, da Fundamentstücke aus Beton nicht vollständig aus dem See entfernt werden konnten. Schon 1964 war Murten einmal ein Ausstellungsort der Expo.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist verkehrsmässig gut erschlossen. Sie liegt an der Hauptstrasse 1 von Bern via Payerne nach Lausanne. Die Altstadt und Meyriez waren durch eine lokale Ortsumfahrung vom Transitverkehr entlastet. Im Dezember 1997 wurde das Autobahnteilstück der A1 zwischen Löwenberg und Greng mit dem 2.2 km langen Tunnel Les Vignes und einem rund 1 km langen Tagbautunnel eröffnet. Vorher endete die A1 während rund 15 Jahren von Bern her kommend bei Löwenberg.

Die Anbindung an das schweizerische Eisenbahnnetz erfolgte am 12. Juni 1876 mit der Inbetriebnahme der Strecke von Murten nach Lyss. Nur wenig später, am 25. August 1876 wurde die Linie von Murten via Payerne nach Palézieux-Gare eingeweiht. Später kamen die Strecken von Murten nach Freiburg (am 23. August 1898 eröffnet) und von Murten nach Ins (am 1. Mai 1903 eröffnet) hinzu. Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgt die von Postauto betriebene Linie von Murten nach Gurmels-Düdingen, ebenfalls existiert eine Buslinie der Transports publics fribourgeois nach Gümmenen, mit allerdings nur gelegentlichem Angebot.

Ferner ist Murten durch das Schiffsverkehrsnetz auf dem Murtensee mit den anderen Seeanstössergemeinden sowie über den Broyekanal auch mit Neuenburg und Biel verbunden.

Geschichte[Bearbeiten]

Nachgrabungen in einem Grabhügel aus der älteren Eisenzeit in der Nähe von Murten ergaben eine, möglicherweise auch weitere Nachbestattungen am Rande des Hügels. Gefunden wurden im Grab 2 an Grabbeigaben eine Eisen-Fibel vom Typ Marzabotto auf dem Oberkörper des Bestatteten, eine Bronze-Fibel auf der Schulter, ein Bronze-Hohlreif am Arm und ein daneben liegender Bronze-Torques mit Pufferenden. Diese Objekte sind typisch für die Frühlatènezeit. Im Grab 4 fand man einen Eisen-, einen Bronze- und einen Knöchelring, ebenfalls aus dieser Zeitepoche. Dies deutet auf latènezeitliche Nachbestattungen in einem Grabhügel aus der Hallstattzeit hin, wie es in dieser Übergangsperiode der älteren Eisenzeit häufig der Fall war.[3]

Die Belagerung von Murten während der Burgunderkriege, Luzerner Chronik des Diebold Schillung.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte bereits im Jahr 515 als Hof Muratum, der in einer Schenkungsurkunde dem Kloster Saint-Maurice überlassen wird. Der Ortsname ist wahrscheinlich vom keltischen Moridunum abgeleitet, das sich aus mori (See) und dunum (Festung) zusammensetzt. Diese Wortherkunft deutet auf eine deutlich frühere Besiedlung des Ortes hin. Von 1228 ist die Bezeichnung Murat überliefert.

Murten gehörte bei seiner ersten Erwähnung zum (ersten) Königreich Burgund, das nach der Völkerwanderung auf den Trümmern des untergegangenen römischen Reiches entstand. Seit 534 stellten die fränkischen Merowinger die burgundischen Könige, seit 752 die Karolinger. Eine Überlieferung führt die Gründung des Schlosses auf das Jahr 814 und Ludwig den Frommen zurück.

888 entstand das zweite Königreich Burgund, dessen Zentrum wieder St. Maurice war. Murten war ein befestigter Ort dieses Königreichs, der um 1033 beziehungsweise 1034 von Kaiser Konrad II. erobert und praktisch dem Erdboden gleichgemacht wurde. In der Folgezeit versank Murten für mehr als 100 Jahre in der Bedeutungslosigkeit.

1127 hatten die Herzöge von Zähringen die Rechte im ehemaligen Königreich Burgund inne. Unter Berchtold IV. von Zähringen wurde die Stadt Murten mit dem typischen zähringischen Rechteck als Grundrissform in der Zeit zwischen 1157 und 1177 neu gegründet.[4] Rasch erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung und wurde 1218 nach dem Erlöschen des Geschlechts der Herzöge von Zähringen reichsfrei. Sie fristete aber ein unsicheres Dasein im Grenzgebiet zwischen den Besitztümern der Savoyer und der Kyburger resp. Habsburger. Ihre Ringmauer erhielt die Stadt ab 1238.

Nach den Wirren und Stürmen des dreizehnten Jahrhunderts hatte Murten definitiv an Savoyen einen festen Halt gefunden. Trotzdem hatte es auch nach anderen Seiten Verbindungen angeknüpft. Den ersten Bund, den Murten mit einer befreundeten Stadt eingegangen ist, datiert vom 24. Juni 1245 und wurde mit der Stadt Freiburg i.Uechtland geschlossen. In diesem Bund steht wörtlich geschrieben, dass die Bürger von Freiburg und Murten sich gegenseitige Hilfe in allen Notlagen und die Förderung des Friedens in der gemeinsamen Gegend mit einem Eid zusichern. Wörtlich ist niedergeschrieben: Damit aber nicht Jemandem im Verlaufe der Zeit Zweifel darüber entstehe, haben wir gegenwärtiges Privilegium unserer gegenseitigen Freundschaft zwischen Freiburg und Murten, im gemeinsamen Bundesbrief mit dem Siegel der Stadt Freiburg versehen. [5]

Im Jahr 1255 geriet Murten zur Zeit Peters II. von Savoyen unter die Schutzherrschaft von Savoyen, in der sie mit wenigen Ausnahmen bis 1475 verblieb. Murten selbst wurde in der Folgezeit zum Mittelpunkt einer Herrschaft, welche das Gebiet südlich und östlich des Murtensees umfasste.

1318 trat Murten dem 5 Städte Bund bei. Am 25.September 1318 versammelten sich die 5 Städte im damals freiburgischen Gümmenen und schlossen einen Bund. Ihr Bund lautet abgekürzt so: „Im Namen Gottes, Amen. Wir die Schultheisse, Räth und Bürger der Städte - Freyburg, Bern, Solothurn, Murten und Biel thun Jedermann jetzt und später kund .......dass wir einen neuen Bund (novam conspirationem) getroffen haben.

Durch eine Feuersbrunst wurden die damals noch weitgehend aus Holz gebauten Häuser 1416 schwer in Mitleidenschaft gezogen, während die Befestigungsanlagen nahezu unversehrt blieben. Murten konnte trotz der savoyischen Oberherrschaft eine gewisse Autonomie behaupten, auch weil es seit 1351 mit der benachbarten Reichsstadt Bern in einem Bündnis stand. Seit 1353 galt Murten über seine Verbindung mit Bern auch als Zugewandter Ort der Eidgenossenschaft.

Ein neuer Abschnitt in der Stadtgeschichte wurde durch die Burgunderkriege zwischen der Eidgenossenschaft und Herzog Karl dem Kühnen von Burgund eingeleitet. Murten stand zu diesem Zeitpunkt unter Jakob von Savoyen, Graf von Romont und Grossmarschall von Burgund. Bei der Eröffnung der Feindseligkeiten zwischen Freiburg, Bern und Burgund zogen die beiden Städte auch gegen das mit Burgund verbündete Savoyen. Graf Jakob von Savoyen und zugleich Graf von Romont in Romont (Remund) besuchte 1475 Murten und „inspicierte“ die Mauern, Türme und Festungswerk. Er ordnete an, das alles auszubessern, teilweise zu erneuern und mit Geschütz zu versehen sei. Weil den Savoyern die grosse Annäherung Freiburgs an die Eidgenossen Sorgen bereitete, wollten sie Murten umso mehr verstärken. So blieb Murten nichts anderes, als die verlangten Verbesserungen vorzunehmen, trotz der enormen Kosten. Die Stadt Freiburg schickte ihre Maurer nach Murten und bezahlte diese selber. Sie mussten helfen, damit die Arbeit zügig voranging und die Kosten Murten nicht erdrückten.

Am 14. Oktober desselben Jahres willigte Freiburg auf das Drängen der Berner ein, zusammen mit ihnen nach Murten zu ziehen. Bereits am folgenden Tag standen die beiden vor Murten. Bern forderte von Murten sich freiwillig zu ergeben und „Berner“ zu werden. Die von Murten waren ob dieser Forderung von einem Bündnispartner alles andere als angetan. Bern sagt ihnen, falls sie sich freiwillig ergäben, würde man sie nicht „schedigen“. Andernfalls müssten „sy darumb liden dass inen an Lib und Gut übel keme“. Auf das Versprechen der Freiburger, dass Murten selbständig bleiben dürfe, wenn es sich den beiden Städten Bern und Freiburg ergebe, ergab es sich freiwillig und schwur „zu beider Stetten Handen und thet man niemand, weder an Libe noch an Guot nüt“. Bern und Freiburg einigten sich mit Zustimmung von Murten, dass eine Besatzung von Freiburgern unter dem Kommando von Wilhelm Perrotet stationiert wurde. Am Allerheiligentag 1475 erhielt Murten den zugesicherten Freiheitsbrief von beiden Städten.

Nachdem Karl der Kühne in der Schlacht bei Grandson eine Niederlage bezogen hatte, belagerte er am 9. Juni 1476 Murten, das von Adrian I. von Bubenberg und Wilhelm d’Affry verteidigt wurde. Am 22. Juni 1476 kam es zur Schlacht bei Murten, in der die Eidgenossen und ihre Verbündeten Karl dem Kühnen und seinen Truppen eine empfindliche Niederlage zufügten.

Im Frieden von Freiburg i. Ü. 1476 trat Savoyen unter anderem die Stadt und Herrschaft Murten als Gemeine Herrschaft an die Eidgenossenschaft ab. 1484 verzichteten die anderen eidgenössischen Orte gegen Geldentschädigung zugunsten Berns und Freiburgs auf ihre Anteile an der Herrschaft über Murten. Murten wurde zweisprachig.

Die Vogtei Murten wurde bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft 1798 von Bern und Freiburg gemeinsam verwaltet. Beide Stände stellten abwechslungsweise für fünf Jahre den Vogt, der im Schloss von Murten residierte. Die Gemeine Herrschaft Murten umfasste den nördlichsten Teil des heutigen Kantons Freiburg mit den Zentren Murten, Kerzers und Vully. Die südliche Grenze verlief auf einer Linie von Courgevaux über Salvenach nach Ulmiz; diese Dörfer gehörten noch zur Gemeinen Herrschaft wie auch die Exklave Wallenbuch.

1528 beschloss der Rat von Bern die Durchführung der Reformation im gesamten Machtbereich Berns und setzte die auch gewaltsam durch. Dieses Vorgehen führte wiederum zu Auseinandersetzungen mit dem katholischen Freiburg. Welches zur Lösung des Problems eine demokratische Befragung der Bevölkerung (Abstimmung) verlangte. Bern musste auf diese Verlangen eingehen, verzögerte aber die sofortige Abstimmung in Murten und setzte unter anderen den französischen Reformator Guillaume Farel als Reformprediger ein. Im Jahr 1530 erfolgte die verlangte Abstimmung, nach der in Murten, dank einer kleinen Mehrheit, die Reformation eingeführt wurde. Schliesslich übernahm Bern die Funktion der kirchlichen und schulischen Angelegenheiten, während Freiburg für die militärischen Angelegenheiten zuständig war. Bern gewann damit in friedlichen Zeiten mehr Einfluss auf das bürgerliche Leben was allmählich zu einem Vordringen der deutschen Sprache in dem damals noch überwiegend französischsprachigen Städtchen führte.

Die vor den Toren von Murten gelegenen Orte Muntelier und Meyriez erhielten 1533 respektive 1536 das Gemeinderecht. Allerdings wurde bei beiden Gemeinden nur gerade ein Gebiet ausgeschieden, so weit die Häuser des Dorfes reichten. Deshalb weisen beide Gemeinden heute nur einen sehr kleinen Gemeindebann auf. Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime zur Zeit der Helvetik (1798) überliess die Berner Besatzung Murten den einmarschierten Franzosen. Mit der Mediationsakte wurde die Stadt 1803 definitiv dem Kanton Freiburg zugeteilt.

Im 18. Jahrhundert ist, mit der Unterstützung Berns, eine massive Immigration (Zuwanderung) von Berner Familien festzustellen. Das führt zur Tatsache, dass die Bevölkerung Murtens um die Jahrhundertwende mehrheitlich deutschsprachig und mit Berner Abstammung ist. Das wiederum erklärt die damalige negative Einstellung gegen die definitive Zuteilung Murtens zum Kanton Freiburg. Aus neutraler und historischer Sicht auf die Geschichte (Vergangenheit) von Murten, ist der Entscheid von Napoleon wohl überlegt und absolut korrekt.

Murten wurde von Freiburg zum Hauptort des neu gebildeten Distrikts Murten bestimmt. Dieser Distrikt wurde 1848 mit der neuen Kantonsverfassung aufgelöst und mit einer Reihe Gemeinden aus dem ehemaligen Deutschen Bezirk Freiburg im neu geschaffenen Seebezirk zusammengefasst, als dessen Hauptort weiterhin die Stadt Murten fungierte.

Am 29. Juni 1866 brach der Zirkuselefant des Wanderzirkus Bell & Myers aus und tötete seinen Wärter. Nach einer Verfolgungsjagd wurde das Tier in einer Gasse gestellt und mit einer Kanone erschossen.

Zwei kleinere Gebietsveränderungen erfolgten Ende des 20. Jahrhunderts, als zunächst das vorher selbständige Burg am 1. Januar 1975 sowie am 1. Januar 1991 die Gemeinde Altavilla nach Murten eingemeindet wurden. Eine erneute Veränderung folgte am 1. Januar 2013, als Büchslen mit der Stadt Murten zur Gemeinde Murten fusionierte.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Dächer der historischen Altstadt
Die Ringmauer mit Wehrgang
Turm in Murten

Murten besitzt eine malerische mittelalterliche Altstadt mit einem Ortsbild von nationaler Bedeutung. Sie hat die typische rechteckige Grundrissform der Zähringerstädte bewahrt und bedeckt eine Fläche von rund 300 m × 200 m. Das historische Städtchen ist durch drei Längsachsen und eine Quergasse untergliedert. Besonders die Hauptgasse zeichnet sich durch die charakteristischen Laubengänge aus. Die Bausubstanz der Häuser in der Altstadt stammt zum grössten Teil aus der Barockzeit des 17. und 18. Jahrhunderts.

Die Ringmauer von Murten gehört zu den am besten erhaltenen Befestigungsbauwerken der Schweiz. Sie wurde 1238 erstellt und später in mehreren Etappen ausgebaut, erhöht und verstärkt. Im 20. Jahrhundert wurde eine umfassende Restauration vorgenommen. Die ehemals vorhandenen Gräben wurden im Lauf des 16. Jahrhunderts zugeschüttet. Die fast vollständig erhaltene Ringmauer mit einer durchschnittlichen Höhe von 8.5 m besitzt einen Wehrgang aus dem 15. Jahrhundert, der im südlichen Abschnitt auf weite Strecken begehbar ist, sowie zwölf Türme in verschiedener Gestalt und Grösse. Die Stadt hatte zwei Haupteingänge, wovon das Berner Tor (erhielt seine heutige Form 1778) im Nordosten erhalten ist.

Am Südwestrand der Altstadt erhebt sich auf einem Vorsprung das Schloss, das ab Mitte des 13. Jahrhunderts unter Peter II. von Savoyen auf einem unregelmässigen fünfeckigen Grundriss erbaut wurde. Der älteste erhaltene Teil ist der massive viereckige Bergfried aus der Erbauungszeit. Die Aussenmauern des Schlosses sind in die Stadtbefestigung integriert und durch halbrunde Türme verstärkt. Die Wohngebäude wurden mehrfach umgebaut, vor allem während der Umwandlung des Schlosses in den Vogteisitz in der Zeit von 1476 bis 1540 und Ende des 18. Jahrhunderts, so dass heute verschiedene Stilrichtungen von der Spätgotik über die Spätrenaissance bis zum Barock miteinander vereinigt sind. Heute beherbergt das Schloss die Präfektur. Unterhalb des Schlosses befindet sich die alte Stadtmühle von 1578, in der das historische Museum untergebracht ist.

Die ursprüngliche Pfarrkirche von Murten befand sich ein Stück weit nordöstlich der Altstadt und kam bei der Abtrennung von Muntelier auf dessen Gemeindegebiet zu liegen. Die Kirche wurde 1762 abgerissen. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts erfüllt die deutsch-reformierte Kirche die Funktion der Pfarrkirche für die deutsche Bevölkerungsmehrheit. Sie befindet sich an der Ostecke der Altstadt und wurde im Jahr 1399 erstmals als Kapelle Sainte-Marie erwähnt. Aus dieser Zeit stammen noch Teile des Chors, während die übrigen Partien bei Um- und Neubauten in späteren Jahren entstanden. Der Chorturm wurde 1683 in die Ringmauer integriert; das Kirchenschiff erhielt seine heutige Gestalt in der Zeit von 1710 bis 1713. Im Innern sind die reich geschnitzte Kanzel von 1484 und das Chorgestühl von 1494-98 sowie Gewölbemalereien von 1682 bis 1685 zu bewundern. Neben der Kirche steht das deutsch-reformierte Pfarrhaus im Berner Stil aus dem 18. Jahrhundert, in dem Jeremias Gotthelf geboren wurde.

Hauptgasse und Berntor

Als reformierte französische Kirche dient die ursprüngliche Kapelle Sainte-Catherine, die von 1478 bis 1480 an der Nordecke der Altstadt erbaut wurde. Das Schiff stammt aus dem 18. Jahrhundert. Daneben befindet sich das 1732 erstellte französische Pfarrhaus.

Das Rathaus entstand 1474 durch Um- und Ausbau zweier ehemaliger Privathäuser. In mehreren Etappen folgten später weitere Umbauten. Die zum See hin zeigenden Arkaden stammen von 1589, die Hauptfassade von 1832. In der Altstadt sind zahlreiche Bürger- und Patrizierhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert erhalten. Erwähnenswert sind das heutige Hotel Murtenhof, dessen spätgotische Bausubstanz auf 1476 zurückgeht, das um 1740 für die Familie Schmid erbaute sogenannte Grosshaus, das bedeutendste Stadtpalais Murtens, und das Haus zum Rübenloch aus dem 16. Jahrhundert, ebenfalls mit einer spätgotischen Fassade und einem Berner Dach von 1672.

In Seeufernähe unterhalb der Altstadt stehen im Stadtteil Ryf verschiedene gotische Handwerkerhäuser. Ebenfalls ausserhalb der Umfassungsmauern befinden sich die katholische Kirche Sankt Mauritius, die 1885-87 im neugotischen Stil erbaut wurde, und das für die Familie Chaillet erbaute Herrenhaus Haldenhof von 1740. Das Schloss Löwenberg beim gleichnamigen Weiler nordöstlich der Stadt stammt im Wesentlichen aus der Zeit von 1666 bis 1700.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Oswald, Franz et al.: Helvéti-Cité: Das Projekt „Netzstadt Drei-Seen-Land“. Fallstudie zur urbanen Gestaltung des Territoriums, Zürich 2004 (Stadtplanung, gemeinsames Projekt der Städte Biel, Murten, Neuenburg und Yverdon-les-Bains zur Nachbereitung der Expo.02)
  • Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen, IX. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons Freiburg, Erster Teil: Stadtrechte, 1. Reihe: Landstädte, Band 1: Das Stadtrecht von Murten von Friedrich Emil Welti, Aarau 1925 Online

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Murten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Offizielle Website der Gemeinde, abgerufen 19. April 2011
  3. Susanne Sievers, Otto Helmut Urban, Peter C. Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K, L-Z. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 1335.
  4. Ernst Theodor Gaupp: Deutsche Stadtrechte im Mittelalter, mit rechtsgeschichtlichen Erläuterungen. Zweiter Band, Breslau 1852, S. 142-168, online.
  5. Murtenschlacht - Gottlieb Friederich Ochsenbein