Spanische Tanne

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Spanische Tanne
SpanishFir.jpg

Spanische Tanne (Abies pinsapo)

Systematik
Klasse: Coniferopsida
Ordnung: Koniferen (Coniferales)
Familie: Kieferngewächse (Pinaceae)
Gattung: Tannen (Abies)
Sektion: Piceaster
Art: Spanische Tanne
Wissenschaftlicher Name
Abies pinsapo
Boiss.

Die Spanische Tanne oder Pinsapo-Tanne (Abies pinsapo) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae). Sie kommt nur in Südspanien und Marokko vor. Das Höchstalter von Einzelexemplaren liegt bei 250 bis 300 Jahren.

Beschreibung[Bearbeiten]

Habitus[Bearbeiten]

Die Spanische Tanne wächst als immergrüner Baum, der Wuchshöhen von 25 bis 30 Meter und Stammdurchmesser (BHD) von bis zu 1,5 Meter erreicht. Die Baumkrone ist dicht, dunkelgrün und pyramidenförmig. Sie kann bei frei stehenden Bäumen bis zum Boden reichen. Die Äste stehen zu dritt in Quirlen und stehen waagrecht ab. Sie tragen rotbraune, kahle Zweige. Die Bäume weisen in geschlossen Beständen meist einen geraden Stamm auf während frei stehende Bäume meist krumm und zwieselig wachsen. Sämlinge besitzen fünf bis acht Keimblätter.[1]

Knospen und Nadeln[Bearbeiten]

Zweig mit Nadeln.

Die Winterknospen sind 3 bis 4 Millimeter lang, stumpf und stark verharzt.

Die Nadeln sind recht starr und nicht stechend. Sie stehen rings um den Zweig, sind auf der Oberseite blaugrün und auf der Unterseite mit zwei weißen Stomabändern versehen. Die Nadeln sind 6 bis 16 Millimeter lang, im oberen Kronenbereich kürzer. Sie haben einen abgeflacht viereckigen Querschnitt und keine randständigen Harzkanäle. Die Spaltöffnungen treten an der Oberseite auf. Die Nadeln verbleiben bis zu 15 Jahre am Baum.

Rinde[Bearbeiten]

Die Rinde ist an jungen Stämmen weißgrau bis grau und glatt. Im Alter bildet sich eine längsrissige, fast schwarze Schuppenborke.

Holz[Bearbeiten]

Das Holz ist weiß, Splint- und Kernholz sind gleichfarbig. Es gibt keine primären Harzkanäle, nach Verletzungen werden traumatische Harzkanäle gebildet. Der Wechsel zwischen Spät- und Frühholz ist markant weshalb die Jahresringe gut zu erkennen sind. Die Rohdichte beträgt 0,339 bis 0,537 g/cm3.

Physikalische Kennwerte Wert Einheit
Druckfestigkeit 485 - 525 kp/cm²
Biegefestigkeit 1.180 - 1.378 kp/cm²
Zugfestigkeit, senkrecht zur Faser 19 - 22 kp/cm²

Wurzeln[Bearbeiten]

Die Wurzeln sind an den natürlichen Standorten oberflächennah, lang und dick. Auf lockeren Substraten bildet die Spanische Tanne eine stark verzweigte Pfahlwurzel.

Blüten, Zapfen und Samen[Bearbeiten]

Männliche Blütenzapfen.

Die Spanische Tanne ist wie alle Tannen-Arten einhäusig-getrenntgeschlechtig (monözisch). Die erste Blüte erfolgt mit 25 bis 35 Jahren. Die männlichen Blütenzapfen befinden sich vorwiegend in den unteren Kronenbereichen. Sie sind eiförmig, zunächst grün, während der Anthese purpurfarben und später braun. Die weiblichen Blütenzapfen werden im oberen Kronenbereich gebildet. Sie sind ungestielt, anfangs grün, später braun-grün und stehen aufrecht. Die Bestäubung erfolgt im Frühling, die Befruchtung im Frühsommer.

Die reifen Zapfen sind bis 16 Zentimeter lang, zylindrisch, oben stumpf und weisen einen Durchmesser von 3 bis 4 Zentimeter auf. Die Samenschuppen sind 2,5 Zentimeter[1] breit, am Grund keilförmig und verdecken die Deckschuppen. Die trockenhäutigen, spatelförmigen und mit einem gezähnten Rand versehenen Deckschuppen weisen nur ein Viertel bis ein Drittel der Länge der Samenschuppen auf.[1] Mit den reifen Samen fallen die Zapfenschuppen ab, am Baum verbleibt nur die Zapfenspindel. Die Samen werden zu Sommerende oder im Herbst entlassen.

Die Samen sind 6 bis 8 Millimeter lang, dreieckig und haben einen doppelt so langen und circa 1 Zentimeter breiten Flügel. Ein Baum bildet im Jahr von weniger als 1 bis zu 8 Kilogramm Zapfen. Ein Kilogramm entspricht 8 bis 9 Zapfen und rund 250 Samen. Die Tausendkornmasse beträgt zwischen 45 und 67 Gramm.

Vorkommen und Ökologie[Bearbeiten]

Spanische Tannen in der Sierra de las Nieves.

Die Spanische Tanne kommt nur in einigen wenigen Gebieten in Spanien und Marokko vor. Das größte Teilareal befindet sich mit rund 1000 ha im Naturpark der Sierra de las Nieves in der Provinz Málaga in einer Höhenlage zwischen 900 und 1.500 Meter. In der Sierra Bermeja gibt es zwei Bestände mit je circa 50 Hektar, in der Sierra de Grazalema in der Provinz Cádiz rund 200 Hektar in 1.000 bis 1.600 Meter. In Marokko kommt sie im westlichen Rif-Gebirge südlich von Tetuan auf den dortigen Kalkbergen in Höhenlagen zwischen 1.500 und 2.000 Meter vor.[2]

Die natürlichen Standorte sind im Winter und Frühling vom atlantischen Klima, im Sommer und Herbst vom mediterranen Klima beeinflusst. Die Niederschläge erreichen Werte bis 2000 Millimeter, die Extremtemperaturen liegen bei −8 und +36 °C. Wind und Schneebedeckung werden ertragen.

Die Spanische Tanne gilt als mesothermisch und subhydrophil: sie wächst vor allem in feuchten, schattigen Lagen, braucht aber mehr Licht und erträgt mehr Trockenheit als die anderen mediterranen Tannenarten. Die Bestände wachsen über Kalkstein und Peridotit, passen sich aber auch an andere Böden an. In Spanien wächst sie meist an steilen, nach Norden bis Nordosten exponierten Hängen, in Marokko eher auf Hochebenen und in flachen Tälern.

An ihren natürlichen Standorten sind die Bestände Waldbränden ausgesetzt. Die Entfernung der konkurrierenden Sträucher und Gräser durch Brand oder Beweidung ist nötig für die Naturverjüngung. Zusätzlich sind zur Etablierung von Jungpflanzen mehrere regenreiche Jahre nötig.

Nutzung und Schutz[Bearbeiten]

Aufgrund des kleinen Areals ist die Spanische Tanne forstlich von keiner Bedeutung. Um 1900 noch wurde die Spanische Tanne in 100- bis 120-jährigem Umtrieb bewirtschaftet, die Holzerträge lagen bei 1 bis 4 Meter3 pro Hektar und Jahr. Die mechanischen Eigenschaften des Holzes sind nicht sehr günstig. Aufgrund der Widerstandsfähigkeit gegen Fäule wurde es für Pfeiler und Eisenbahnschwellen verwendet. Heute erfolgt die Bewirtschaftung mit dem Ziel der Erhaltung der Art. Die Pinsapo-Wälder sind auch das Habitat der südlichen Unterart (Capra pyrenaica hispanica) des Iberiensteinbocks. Durch die charakteristische Benadelung ist die Art ein beliebtes Ziergehölz. In dieser Funktion dominiert die Varietät ‚glauca‘.[3]

Schädlinge[Bearbeiten]

Als Schadpilze werden hauptsächlich der Gemeine Hallimasch (Armillaria mellea), der Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum) und Rhizosphaera oudemansii genannt, die stellenweise Ausfälle verursachen können.

Als Schadinsekten werden hauptsächlich Borkenkäfer genannt, wobei die Art Pityophthorus pinsapo nur an der Spanischen Tanne lebt.

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstbeschreibung von Abies pinsapo erfolgte 1838 durch Pierre Edmond Boissier in Bibliothèque Universelle de Genève, 13, S. 406. Abies pinsapo gehört zur Sektion Piceaster in der Gattung Abies.

Von manchen Autoren werden Abies marocana und Abies tazaotana als Unterarten oder Varietäten von Abies pinsapo geführt (hier als Varietäten). Abies × insignis ist eine natürlich entstandene Hybride zwischen der Spanischen Tanne und der Nordmann-Tanne (Abies nordmanniana). Die Hybride Abies × masjoanii entstand bei einer gezielten Kreuzung der Spanischen Tanne mit der Weiß-Tanne (Abies alba) und wird als Ziergehölz in Parks und Gärten verwendet. In einem Bestand in der Sierra de las Nieves wurde eine Mutation mit gelben männlichen Blütenzapfen entdeckt.

Von Abies pinsapo gibt es drei gültige Varietäten[1]:

  • Abies pinsapo Boiss. var. pinsapo (Syn.: Picea pinsapo (Boiss.) Loudon, Abies hispanica Chambray, Pinus pinsapo (Boiss.) Antoine, Pinus sapo d'Ounous, Abies pinsapo var. hispanica (Chambray) H.Christ, Abies pinsapo subsp. eupinsapo Mairein, Jahandiez et Maire nom inval., Abies pinsapo subsp. hispanica (Chambray) Maire): Sie ist in Spanien beheimatet.
  • Abies pinsapo Boiss. var. marocana (Trab.) Ceballos et Bolaño (Syn.: Abies marocana Trab.): Sie ist in Marokko beheimatet.
  • Abies pinsapo Boiss. var. tazaotana (S.Cozar ex Villar) Pourtet (Syn.: Abies tazaotana S.Cozar ex Villar, Abies pinsapo subsp. tazaotana (S.Cozar ex Villar) R.Govaerts):

Quellen[Bearbeiten]

  • José Pardos, Marta Pardos: Abies pinsapo. In:  Peter Schütt, Horst Weisgerber, Hans J. Schuck, Ulla Lang, Bernd Stimm, Andreas Roloff: Lexikon der Nadelbäume. Verbreitung – Beschreibung – Ökologie – Nutzung; die große Enzyklopädie. Nikol, Hamburg 2004, ISBN 3-933203-80-5, S. 69-76.
  • Christopher J. Earle: Abies pinsapo. In: The Gymnosperm Database. 24. Februar 2011, abgerufen am 24. Oktober 2011 (englisch, Abschnitt Beschreibung und Systematik).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Artbeschreibung auf conifers.org, abgerufen 18. August 2008.
  2. Pardos: Abies pinsapo. 2004, S.70.
  3. Abies pinsapo Boiss 'Glauca'

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Spanische Tanne (Abies pinsapo) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
  • Abies pinsapo in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2006. Eingestellt von: Conifer Specialist Group, 1998. Abgerufen am 11. Mai 2006