Sturmpanzer IV

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Sturmpanzer IV Brummbär
Sturmpanzer.Saumur.0008gkp7.jpg

Sturmpanzer IV im Musée des Blindés in Saumur

Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 5 Mann
Länge 5,93 m
Breite 2,88 m (mit Ostkette 3,19 m)
Höhe 2,52 m
Masse 28,2 t
Panzerung und Bewaffnung
Panzerung vorn: 100 mm (bei 40° Neigung)
seitlich: 50 mm (bei 18° Neigung)
hinten: 30 mm (bei 26° Neigung)
oben: 20 mm (bei 84° Neigung)
Hauptbewaffnung 15-cm-StuH 43 L/12
Sekundärbewaffnung 7,92-mm-MG 34
Beweglichkeit
Antrieb Maybach HL 120TRM − 12 Zylinder, 11,9 l Hubraum, 300 PS
300 PS (220 kW)
Federung Drehstabfederung
Höchstgeschwindigkeit 40 km/h (Straße)
24 km/h (Gelände)
Leistung/Gewicht 10,64 PS/t
Reichweite 210 km
Sturmpanzer IV (ausgestellt im Panzermuseum Munster)
getarnter Sturmpanzer IV in Italien

Der Sturmpanzer IV (Sd.Kfz. 166) war ein Sturmgeschütz, das im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht eingesetzt wurde.

Konzeption[Bearbeiten]

Da die Sturmgeschütze immer häufiger zur Panzerjagd eingesetzt wurden, fehlte der Infanterie ein Unterstützungsfahrzeug. Zudem stellte sich bei den Kämpfen um Stalingrad heraus, dass die bisherigen Sturmgeschütze nicht genügend Feuerkraft im Häuserkampf aufwiesen. Die verfügbaren Fahrzeuge waren Lückenfüller wie das StuIG 33 B auf Sturmgeschütz-III-Fahrgestell oder wie der Sturmpanzer I auf umgebauten Fahrgestellen veralteter Panzer, beide mit einer 15-cm-Haubitze sIG 33 ausgerüstet. Das Sturmgeschütz III wiederum war nicht in der Lage, ein durchschnittliches Stadtgebäude mit zwei bis drei Schüssen zum Einsturz zu bringen, wie es nun gefordert wurde.

Am 9. Juni 1941 wurde daher gefordert, ein 15-cm-sIG 33 auf ein schwergepanzertes Fahrgestell zu montieren.[1] Daher entschied man sich, auf dem Fahrgestell des Panzerkampfwagens IV einen Sturmpanzer mit großem Kaliber zu konstruieren. Das Ergebnis war der Sturmpanzer IV, genannt „Brummbär“: Er erhielt die aus dem sIG 33 abgeleitete Sturmhaubitze 43 im Kaliber 15 cm und war damit für die Aufgabe der Infanterieunterstützung bestens geeignet. Die Altmärkischen Kettenwerke präsentierten Adolf Hitler den Entwurf am 6. oder 14. Oktober 1942. Der Entwurf orientierte sich dabei stark am sehr erfolgreichen StuG III. Hitler billigte den Entwurf und am 7. Februar 1943 konnten ihm die ersten Holzmodelle in Originalgröße präsentiert werden.

Die Produktion wurde genehmigt. Eine erste Serie von 40 Fahrzeugen sollte bis zum 12. Mai fertiggestellt werden, weitere 20 Fahrzeuge sollten folgen. Bis zum April 1943 wurde das Fahrzeug als Gerät 581 – Sturmpanzerwagen 604/16 (Alkett) sIG auf Panzer IV mit kardanischem Fahrwerk bezeichnet. Im April 1943 wurde die Typnummer Sd.Kfz. 166 vergeben. Auf Weisung von Hitler wurde das Fahrzeug nicht der Artillerie zugeordnet wie die Sturmgeschütze, sondern fiel in die Zuständigkeit der Panzerwaffe, außerdem ordnete er als Bezeichnung Sturmpanzer an.

Die gebräuchlichsten Bezeichnungen sind Sturmpanzer IV bzw. Sturmpanzer 43.

Produktion[Bearbeiten]

Škoda stellte im März 1943 sechs Fahrzeuge, 40 im April und 14 im Mai her. Die Serienproduktion begann im April in den Nibelungenwerken in Sankt Valentin. Im April wurden 20 dieser Fahrzeuge aus abgeschossenen oder beschädigten Panzerkampfwagen IV hergestellt, im Mai waren es 32 weitere. Der Aufbau wurde in den Eisenwerken Oberdonau (42) und Böhler in Kapfenberg (10) hergestellt. Gesamtverantwortlich für die Produktion waren die österreichischen Firmen Saurer und Simmering-Graz-Pauker[2]. Eine Quelle[3] berichtet dabei, dass in diesem Zeitraum 60 Fahrzeuge hergestellt wurden, davon 52 aus neuen Panzerkampfwagen IV Ausf. G und acht aus wiederhergestellten Panzerkampfwagen IV Ausf. E und F.

Das erste Serienmodell wurde am 14. Mai 1943 von Hitler begutachtet. Überzeugt von dem Bedarf der Truppe an diesen Fahrzeugen, ordnete er eine Untersuchung an, ob und wie zerstörte und beschädigte Panzerkampfwagen IV umgewandelt werden könnten.

Bei den ersten Versuchen ergab sich ein Gewicht von 28,2 Tonnen (inkl. 5 Mann Besatzung, Aufbau und 38 Schuss Munition für das 15-cm-sIG 33), daher waren Motor und Fahrgestell stark überlastet. Aufgrund der ersten erfolgreichen Fronteinsätze wurde eine Serie von monatlich zehn Fahrzeugen von Dezember 1943 an beschlossen.

Produzierte Stückzahlen:

  • April 1943: 20
  • Mai 1943 : 40
  • Dezember 1943 : 10
  • Januar 1944 : 20 (Bestand am 1. Januar : 31 Stück)
  • Februar 1944 : 15
  • März 1944 : 16
  • April 1944 : 12
  • Mai 1944 : 3
  • Juni 1944 : 40
  • Juli 1944 : 30 (Bestand am 1. Juli : 163 Stück)
  • August 1944 : 20
  • September 1944 : 19
  • Oktober 1944 : 14
  • November 1944 : 3
  • Dezember 1944 : 23 (Bestand am 1. Dezember : 184 Stück)
  • Januar 1945 : 1
  • Februar 1945 : 13
  • Gesamtproduktion : 299

Ausführungen[Bearbeiten]

Eine Unterscheidung der Ausführungen durch fortlaufenden Buchstaben gab es bei diesem Fahrzeugtyp nicht. Die Ausführungen werden in die folgenden drei Baulose gegliedert:

  • Sturmpanzer 43 – Frühe Produktion
    • 60 Stück, ab April 1943 hergestellt (siehe Produktion)
    • 15-cm-Sturmhaubitze 43 L/12
  • Sturmpanzer 43 – Mittlere Produktion
    • Fahrgestell des Pz.Kpfw.IV Ausf.H
    • 15-cm-Sturmhaubitze 43/1 L/12
    • modifizierter Fahrererker (Winkelspiegel statt Fahrersichtklappe)
    • verlängerte Panzerung der Kugelblende
    • beide Ventilatoren an der Aufbaurückwand entfielen
    • nur noch ein Antennenfuß
    • die Richtschützenluke entfiel
    • neue Halterungen für die Ersatzlaufrollen an der Rückseite der Motorraumpanzerung
    • Schutzplatte oberhalb des Auspuffes
  • Sturmpanzer 43 – Späte Produktion
    • ab Juni 1944 auf Fahrgestell des Pz.Kpfw.IV Ausf.J
    • komplett überarbeiteter Aufbau (rechteckige Form)
    • ein MG 34 in Kugellafette oberhalb des Fahrererkers
    • neue Kommandantenluke (identisch mit StuG III Ausf.G)
    • neue Auspuffanlage
    • zwei neue Ventilatoren im vorderen Dachbereich zur besseren Entlüftung des Kampfraumes
    • kleiner Anbau an der Aufbaurückwand mit Einstiegsluke
    • die Mehrzahl der Fahrzeuge mit acht Stahllaufrollen pro Seite, aber auch Fahrzeuge mit nur den ersten oder ersten beiden Laufrollenwagen mit Stahllaufrollen

Des Weiteren gab es Unterschiede beim Äußeren des Kanonenrohrs. Die frühe Ausführung hatte ein konisch zulaufendes Rohr, während die Abschlussausführung der Waffe ein abgestuftes, vorne jedoch gerades Rohr hatte.

Bewaffnung / Munition / Zielvorrichtung[Bearbeiten]

Bewaffnung

Die 60 Fahrzeuge der Frühen Produktion waren mit der von Škoda hergestellten 15-cm-Sturmhaubitze 43 L/12 ausgerüstet. Ab Dezember 1944 kam die 15-cm-Sturmhaubitze 43/1 L/12 zum Einsatz. Diese war im Vergleich zum Vormodell leichter gepanzert, da von Škoda eine Gewichtsreduzierung gefordert wurde. Ab der Späten Ausführung wurde ein MG 34 in die Front des Aufbaus eingebaut.

Munition

Im Sturmpanzer IV kamen folgende zwei Munitionsarten zur Verwendung:

  • Igr 38 FES – ein 38 kg schweres Sprenggeschoss zur Bekämpfung von Gebäuden, Bunkern und Feldstellungen
  • Igr 39 HI/A – ein 25 kg schweres Hohlladungsgeschoss zur Bekämpfung gepanzerter Fahrzeuge

Bei beiden Typen waren Geschoss und Treibladung voneinander getrennt.

Zielvorrichtung

Alle Sturmpanzer IV waren mit dem Selbstfahrlafetten-Zielfernrohr 1a (Sfl.Zf 1a) ausgerüstet. Zudem verfügte der Kommandant über ein Scherenfernrohr.

Einsatz[Bearbeiten]

Seinen ersten Einsatz hatte der Sturmpanzer beim „Unternehmen Zitadelle“ im Juli 1943, wo er in der neuaufgestellten Sturmpanzer-Abteilung 216 eingesetzt wurde.

Die gewichtsmäßige Überbelastung des Pz.Kpfw.IV-Fahrgestells führte immer wieder zu Beschädigungen im Laufwerks- und Vorgelegebereich. Dieser Mangel konnte auch durch die Einführung der Stahllaufrollen nicht behoben werden.

Seine Panzerung war mit 100 mm an der Front und 50 mm seitlich ein wirkungsvoller Schutz. Gegen feindliche Panzer wurde er dennoch selten absichtlich eingesetzt.

Zwei der letzten vollständigen Sturmpanzer IV stehen im Panzermuseum in Kubinka. Eines der Fahrzeuge bewies während eines Festivals War & Peace 2003 in England seine nach über 60 Jahren noch immer bestehende Fahr- und Einsatztüchtigkeit.

Technische Daten[Bearbeiten]

Sturmpanzer IV „Brummbär“ (ausgestellt im Panzermuseum Munster)
Gewicht: 28,2 t
Länge: 5,93 m
Breite: 2,88 m (mit Ostkette 3,19 m)
Höhe: 2,52 m
Panzerung: vorn: 100 mm (bei 40° Neigung)
seitlich: 50 mm (bei 18° Neigung)
hinten: 30 mm (bei 26° Neigung)
oben: 20 mm (bei 84° Neigung)
Bewaffnung: 15-cm-StuH 43 L/12
7,92-mm-MG 34
Munition: 38 Granaten 150 mm
600 Patronen 7,92 mm
7,92-mm-MG 34
Motor: Maybach HL 120TRM − 12 Zylinder, 11,9 l Hubraum, 300 PS
Geschwindigkeit: Straße 40 km/h
Gelände 24 km/h
Besatzung: 5 Mann
Fahrgestell-Nr.: 80801–84400
86601–87100
89101–?

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Chamberlain, Hilary L. Doyle, Thomas L. Jentz: Encyclopedia of German Tanks of World War Two. A Complete Illustrated Directory of German Battle Tanks, Armoured Cars, Self-propelled Guns, and Semi-tracked Vehicles, 1933–1945. Arms and Armour Press, London 1978 (Neuauflage 1993), ISBN 978-1-85409-214-4.
  • Thomas Jentz: Sturmgeschuetz: s.Pak to Sturmmoerser. (Panzer Tracts 8), Darlington Productions, 1999 ISBN 978-1-892848-04-8.
  • Markus Jaugitz: Waffen-Arsenal Band 160 – Der Sturmpanzer IV „Brummbär“. Podzun-Pallas Verlag, 1996, ISBN 3-7909-0567-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sturmpanzer IV – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Brief Nr. 548/41 gKdos 9. Juni 1941, in Spielberger, S. 101
  2. Spielberger S. 102
  3. Engelmann S. 30