Stykkishólmur

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Stykkishólmur
(Stykkishólmsbær)
Basisdaten
Staat: Island
Region: Vesturland
Wahlkreis: Norðvesturkjördæmi
Sýsla: Snæfells- og Hnappadalssýsla
Einwohnerzahl: 1111 (1. Januar 2009)
Fläche: 10 km²
Bevölkerungsdichte: 111 Einwohner/km²
Postleitzahl: 340
Politik
Gemeindenummer 3711
Bürgermeister: Erla Friðriksdóttir
Kontakt
Adresse der Gemeindeverwaltung: Ráðhúsinu
Hafnargötu 3
340 Stykkishólmi
Webpräsenz: www.stykkisholmur.is
Karte
Lage von Stykkishólmur

65.072672222222-22.733544444444Koordinaten: 65° 4′ N, 22° 44′ W

Hafen von Stykkishólmur
Die Schäre Stykkið mit Booten, dahinter die Insel Súgandisey
Die neue Kirche
Denkmal zur Wetterbeobachtungsstation
Im Wassermuseum

Die Stadtgemeinde Stykkishólmur (isl. Stykkishólmsbær) liegt im Westen Islands in der Region Vesturland an der Nordseite der Halbinsel Snæfellsnes.

Am 1. Januar 2009 hatte die Gemeinde 1111 Einwohner und ist damit für isländische Verhältnisse einer der größeren Orte außerhalb der Hauptstadtregion rund um Reykjavík. Bis zum Jahre 1892 gehörte die Gemeinde zur Gemeinde Helgafellssveit. Das Marktrecht (isl. kaupstaðurréttindi) erhielt der Ort 1987.

Name[Bearbeiten]

Seinen Namen verdankt das Städtchen der großteils in die Hafenmauer eingebauten Schäre Stykkið.

Lage[Bearbeiten]

Stykkishólmur liegt am südlichen Breiðafjörður auf der Halbinsel Þorsnes und ist damit Ausgangspunkt für die Fähre Baldur, wenn man in die Westfjorde möchte (sie legt in Brjánslækur an) oder auf die kleine Insel Flatey.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Hauptwirtschaftsfaktoren sind heutzutage Fischerei (nicht zuletzt Schellfisch und Krabben) und Tourismus.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge[Bearbeiten]

Man erkannte schon früh die günstige Lage und daher wurde 1550 hier ein Handelsplatz begründet, zunächst von deutschen Kaufleuten aus Bremen und Oldenburg.

Der Ort ist besonders gut für die Anlage eines Hafens geeignet, da die kleine Insel Súgandisey mit ihren Lavasäulen die Einfahrt schützt, was schon früh zum Anlegen von Booten genützt wurde. Belegt ist ein Streit aus dem Jahre 1596 zwischen dem Hansekaufmann Carsten Bache aus Bremen und Johann, dem Grafen von Oldenburg, weil der dänische König Frederik III. angeblich die Handelsrechte der Gegend beiden verkauft hätte.

Nachdem 1602 der dänische König ein Handelsmonopol für seine Landsleute eingeführt hatte, übernahmen die Dänen, d.h. eigentlich die Kaufleute aus Malmö, das zu der Zeit dänisch war. Das Land war zu der Zeit in Bereiche unterteilt, die jeweils zu einem Handelsplatz gehörten. Und zum hiesigen Gebiet gehörte der gesamte Breiðafjörður, ein reicher Bezirk damals wegen der Nebeneinkünfte aus der Eiderdaunennutzung, aus Fischfang und Jagd. Dazu kam die nördliche Küste von Snæfellsnes über den Bezirk Dalir bis zum Þorskafjörður in den südlichen Westfjorden sowie der Bereich des Berserkjahraun. Ab dem Anfang des 18. Jahrhunderts unterstand der Handel hier direkt dem dänischen König.

Als am Ende des 18. Jahrhunderts der Monopolhandel abgeschafft wurde, übernahm der letzte königliche Handelsbeauftragte, Diðrik Hölter, zunächst selbst den Handel, um die Rechte bald darauf im Jahre 1806 an Ólafur Thorlacius, einen Kaufmann aus Bíldudalur zu verkaufen.

Außerdem ließ sich auch der Isländer Jón Kolbeinsson (1764–1836) als Kaufmann in Stykkishólmur nieder. Dieser stand z. B. in Geschäftsbeziehungen zu Jörundur, dem Hundstagekönig von Island.

Der Ort wuchs im 19. Jahrhundert rasch. B. Jakobsen gründete im Jahre 1838 eine Apotheke, die erst die dritte in Island war.

Die ersten Fischerboote hatte der reiche Kaufmann Árni Thorlacius (1802–1891), der seine Leute von hier aus bis zum Jahre 1845 auf Fischfang schickte, und auch mit seinen Kaufmannsgeschäften und im Kulturbereich den Ort entscheidend prägte.

Dann war im Fischfang eine Pause, bis im Jahre 1890 Niels Gram ein Fischereiunternehmen schuf. Hjálmur Sigurðsson (1871–1918) gründete ebenfalls ein Handelsunternehmen, das später vom Kaupfélag übernommen wurde. Er war übrigens mit der Schwester des bekannten isländischen Schriftstellers Gunnar Gunnarsson verheiratet.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Der bedeutendste Mann am Orte war zu Beginn des 20. Jahrhunderts Sæmundur Halldórsson (1861–1940). Er hatte ein Fischereiunternehmen mit fünf Schiffen und beherrschte den Handel mit Fisch im Westen Islands. Er war auch Bezirksamtmann (isl. sýslumaður) der Gegend.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts (1909) wurde auch der Hafen ausgebaut, wobei man die Schäre Stykkið als Grundlage benutzte.

Im Jahre 1928 kam das erste Auto nach Stykkishólmur, genau 24 Jahre, nachdem ein reicher Kaufmann aus Reykjavík das erste Auto überhaupt nach Island importiert hatte. Im gleichen Jahr landete auch das erste Flugzeug in Stykkishólmur.

Franziskanerinnen aus den Niederlanden gründeten in den 1930er Jahren Kloster und Krankenhaus am Ort, später folgte ein Kindergarten. Heutzutage ist neben der Fischerei der größte Arbeitgeber das katholische Nonnenkloster, in dem derzeit 9 Schwestern leben, die vor allem im Krankenhaus arbeiten.

Bauwerke, Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Ort verfügt über viele erhaltene historische Häuser.

Im ältesten Haus des Ortes, Norska Húsið, befindet sich das Heimatmuseum. Árni Thorlacius ließ das Haus im 19. Jahrhundert errichten. Ein typisches altes dänisches Handelshaus ist Frúarhúsið. Einige alte Häuser entsprechen dem sog. Schweizer Stil mit Schnitzereien am Dachbalken.

Die alte Kirche stammt aus dem Jahre 1878. Vorher mussten die Leute zur Messe nach Helgafell reiten oder laufen. Die neue Kirche aus Beton sieht man schon von weitem wegen ihrer auffallenden Form. Sie wurde von dem Architekten Jón Haraldsson (1930–1989) entworfen und 1990 eingeweiht.

Wetterstation[Bearbeiten]

Die Wetterstation in Stykkishólmur ist für hiesige Verhältnisse schon recht alt. Der oben erwähnte Árni Thorlacius begann hier im Jahre 1845 als einer der ersten in Island regelmäßige Wetterbeobachtungen.

Heute steht hier eine computergesteuerte Beobachtungsstation.[1]

Wassermuseum[Bearbeiten]

Die amerikanische Künstlerin Roni Horn gründete hier das Wassermuseum, worin sie Säulen mit dem Wasser aus allen wichtigen Gletschern Islands und Erklärungen dazu aufstellte.

Politik[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Stykkishólmur verbindet eine Städtepartnerschaft mit der dänischen Stadt Kolding. Weil man sich wegen der Geschichte als Handelskontor den Dänen verbunden fühlt, wird jedes Jahr im August ein dänisches Festival abgehalten (Danskir dagar). Dabei wird sonntags nach alter Sitte (offiziell) nur dänisch im Ort gesprochen.

Außerdem existieren Städtepartnerschaften mit folgenden Orten:

Töchter und Söhne der Stadt[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Auch in Stykkishólmur kann man eine – allerdings nur leichte – Abnahme der Einwohnerzahl feststellen wie bei sehr vielen Gemeinden in Island auf dem Land (Landflucht).

Datum Einwohner
1. Dez. 1981 1.233
1. Dez. 1988 1.253
1. Dez. 1997 1.263
1. Dez. 2003 1.161
1. Dez. 2006 1.149
1. Dez. 2007 1.107
1. Dez. 2008 1.101

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stykkishólmur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wetterstation Stykkishólmur