Tübinger Stocherkahn

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Hölderlinturm mit Stocherkähnen

Tübinger Stocherkähne sind Flachboote, die auf dem Neckar in Tübingen durch Stocherstangen oder Staken, hier Stochern genannt, fortbewegt werden. Vom Bautyp her handelt es sich um eine Zille. Von venezianischen Gondeln, mit denen sie oft verglichen werden, unterscheiden sie sich grundlegend durch den symmetrischen Aufbau der Kähne und die Art der Fortbewegung.

Aufbau[Bearbeiten]

Stocherkahnexpedition Tübingen-Rottenburg 1994
Stocherkahnrennen 1977 nach dem Start

Der Tübinger Stocherkahn ist sechs bis zwölf Meter lang, etwa 400 kg schwer und wird aus Hartholz, bevorzugt Eiche, hergestellt. Der Stocherer steht an einem Ende des Bootes und stößt es mit einer bis zu sieben Meter langen Stange vom Grund des flachen Neckars ab. Auf einem Kahn können dabei 1 bis 26 Mitfahrer Platz finden. Zum Sitzen werden Sitzbretter mitgenommen, die flach in den Stocherkahn eingesetzt oder als Rückenlehne verwendet werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprünglich fuhren Neckarfischer mit dem Tübinger Stocherkahn. Das Stocherkahnfahren ist jedoch seit langem ein fester Bestandteil der studentischen Kultur Tübingens. In Tübingen gibt es 130 Stocherkähne, die auf dem Neckar zugelassen sind. Die meisten gehören Studentenverbindungen oder studentischen Gruppen und Fachschaften. Nicht studentische Vereine und Körperschaften verfügen mittlerweile auch über Stocherkähne. Stocherkahnfahren gehört auch zu den touristischen Angeboten der Stadt. Stocherkahnfahren wird von zertifizierten Stocherern mittlerweile gewerbsmäßig angeboten, so dass auch Bürger und Besucher der Stadt Tübingen in den Genuss kommen können.

An Fronleichnam findet in jedem Jahr das überregional bekannte Stocherkahnrennen um die Neckarinsel statt.

Tübinger Stocherkähne außerhalb Tübingens[Bearbeiten]

Gelegentlich sieht man Tübinger Stocherkähne auch außerhalb Tübingens: „…am 1. August 1994, machte sich eine multikulturelle, interdisziplinäre, private Expedition Richtung Rottenburg auf. Die Crew bestand aus einigen Naturwissenschaftlern, einem Japanologen, einem Sinologen, einer Lehrerin und zwei Studenten, darunter einem Vietnamesen, einem Chinesen und einer Mexikanerin. Morgens um halb sechs mit dem Kahn „Eurasia“ gestartet, …“[1]

1982 wurde ein Stocherkahn von einer Studentengemeinschaft in 45 Tagen über Neckar, Rhein, Mittellandkanal und Weser zum Deutschen Schiffahrtsmuseum nach Bremerhaven gebracht.[2]

2008 wurde ein Stocherkahn anlässlich der bevorstehenden Landesgartenschau 2012 in Nagold testweise nach Nagold überführt, um die 'Stocherkahnbarkeit' der Nagold zu testen. Dieser Test verlief positiv.[3]

2011 wurden für die Gartenschau „Neckarblühen“ in Horb am Neckar für die Fahrt auf dem Neckar drei Stocherkähne angeschafft.[4]

Das englische Äquivalent zum Stocherkahn ist die deutlich breitere, aber sonst sehr ähnlich gebaute Punt. Besonders in den Universitätsstädten Oxford und Cambridge erfreut sich das Punting großer Beliebtheit.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Hug, Jörg Mielke: „Die Stange bleibt am Mann“. Der Stocherkahn und das Stocherkahnrennen in Tübingen. Universitas-Verlag, Tübingen 2000, ISBN 3-924898-30-8.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weidling (Boot)

Quellen[Bearbeiten]

  1. Stefan Hug, Jörg Mielke: „Die Stange bleibt am Mann“. Der Stocherkahn und das Stocherkahnrennen in Tübingen. Universitas-Verlag, Tübingen 2000, ISBN 3-924898-30-8, S. ?
  2. Deutsches Schiffahrtsmuseum, Jahresbericht 1982 (PDF; 736 kB)
  3. Tagblatt Anzeiger vom 13. August 2008
  4. Schwarzwälder Bote vom 20. Juni 2011

Weblinks[Bearbeiten]