Trajanssäule

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Trajanssäule von Südost (2008)

Die Trajanssäule (italienisch Colonna Traiana, lateinisch Columna Traiana) ist eine römische Siegessäule für den Kaiser Trajan (98–117 n. Chr.) auf dessen Prachtforum in Rom. Die dorische Säule befindet sich noch heute an ihrer ursprünglichen Stelle und stellt weit sichtbar den eindrucksvollsten und bekanntesten Rest des Trajansforum dar. Sie hat in ihrer Geschichte vielen weiteren Siegessäulen, antiken wie modernen, als Vorbild gedient.

Relief[Bearbeiten]

Reliefdarstellung einer mobilen Feldartillerie der Römer, carroballista genannt
Piedestal der Trajanssäule um 1860
Gipsabdrücke der Trajanssäule, ausgestellt im Museo della Civiltà Romana (Museum der römischen Zivilisation) in Rom

Die Einweihung der ohne Sockel 29,78 Meter (mit Sockel 39,83 Meter) hohen Säule fand am 12. Mai 113 n. Chr. statt.[1] Trajan ließ seine monumentale Siegessäule zwischen zwei Bibliothekstrakte setzen, so dass man von den dortigen Fenstern aus eine gute Aussicht auf die zahlreichen Bilddarstellungen seiner Säule hatte. Auf dem spiralförmig aufsteigenden Fries, der mit 23 Windungen eine Gesamtlänge von 200 Meter erreicht, ließ Trajan Szenen aus seinen erfolgreichen Kriegen gegen die Daker in den Jahren 101/102 und 105/106 darstellen. Insgesamt sind 2500 menschliche Figuren von etwa 60–75 Zentimeter Höhe abgebildet. Den Kaiser selbst kann man rund sechzigmal identifizieren. Die Darstellungen liefern insgesamt interessante Auskünfte über die Kleidung und Waffen im 2. Jahrhundert. So zeigt sie unter anderem Bogenschützen aus dem Osten des römischen Reiches, Kataphrakte, Sarmaten, Daker. Man findet auch die Darstellung der Donau-Überquerung und der Tötung des Daker-Königs Decebalus. Die Wände weisen Spuren von Enkaustikmalerei auf, was auf eine ursprünglich farbige Fassung der Reliefs schließen lässt.

Mittlerweile sind zahlreiche der Reliefdarstellungen von den Autoabgasen der Millionenstadt Rom so sehr zerfressen, dass man nur noch wenig erkennen kann. Trotzdem gilt die Säule als eines der am besten erhaltenen antiken Monumente. Im Museo della Civiltà Romana im Stadtviertel E.U.R. befinden sich 125 Gipsabdrücke des Reliefs, die zur Zeit Napoleons III. angefertigt wurden und die Reliefs in einem besseren Erhaltungszustand zeigen. Die daraus entstandene Kopie der Säule steht im Londoner Victoria and Albert Museum. Viele der Motive des Reliefs sind hier deutlicher zu erkennen als am beschädigten Original.

Oben auf der Plattform befand sich ursprüngliche eine kolossale, vergoldete Statue des Kaisers. Diese ging im Laufe des Mittelalters verloren. Papst Sixtus V. ließ im Jahr 1587 die bis heute erhaltene Statue des Apostels Petrus dort aufstellen.

Die aufeinandergesetzten Blöcke wurden mit Bleidübeln gegen Verschieben gesichert. Dazu dienten Hohlräume in dem jeweils oberen und unteren Block, die beim Aufeinandersetzen einen einzigen Hohlraum bildeten. Dieser wurde über kleine Löcher von außen her mit Blei ausgegossen. Im Mittelalter erweiterten Bleiräuber die Öffnungen gewaltsam, um an das Blei zu gelangen. Zurück blieben große, oft kegelförmige Löcher, die in neuerer Zeit zugemauert wurden (auch die Mark-Aurel-Säule erlitt den gleichen Schaden). Eines dieser Löcher ist auf der nebenstehenden Abbildung unten rechts zu erkennen.

Das vierseitige Piedestal, welches mit Trophäen geschmückt ist, trägt eine beachtenswerte Weihinschrift, die besagt, dass die Trajanssäule genau dieselbe Höhe hat wie der Hügelausläufer, den Trajan für sein Forum abtragen ließ. Dieser Sockel bewahrte auch die Urne mit der Asche des Kaisers auf.

Inschrift[Bearbeiten]

Inschrift der Trajanssäule
Die Inschriftenplatte über dem Eingang ins Innere (obere Abbildung)

Die Inschrift auf dem Sockel ist in der römischen Schrift Capitalis monumentalis ausgeführt. Die Buchstaben (Römische Majuskel) wurden mit einem Pinsel aufgezeichnet und anschließend – so wird aufgrund der manuellen Ausarbeitung angenommen – mit einem Meißel markiert und v-förmig ausgehauen (nach Edward Catich).

Text der Inschrift:

SENATVS·POPVLVSQVE·ROMANVS
IMP·CAESARI·DIVI·NERVAE·F·NERVAE
TRAIANO·AVG·GERM·DACICO·PONTIF
MAXIMO·TRIB·POT·XVII·IMP·VI·COS·VI·P·P
AD·DECLARANDVM·QVANTAE·ALTITVDINIS
MONS·ET·LOCVS·TANT<IS·OPER>IBVS·SIT·EGESTVS
Senat und Volk von Rom [haben dieses Monument] dem Imperator Caesar Nerva Traianus Augustus, Sohn des vergöttlichten Nerva, dem Bezwinger der Germanen, dem Bezwinger der Daker, dem obersten Staatspriester (= Pontifex Maximus), dem Inhaber der tribunizischen Amtsgewalt zum siebzehnten Mal, dem siegreichen Feldherrn zum sechsten Mal, dem Consul zum sechsten Mal, dem Vater des Vaterlandes [geweiht], um zu zeigen, wie hoch der Hügel und das Gelände [war, das] für diese umfangreichen Baumaßnahmen entfernt wurde.

Die Nennung der Titel und Ämter des Kaisers Trajan datiert die Inschrift auf das Jahr 112/113, in dem die Baumaßnahmen am Trajansforum zum Abschluss kamen; die Einweihung erfolgte am 12. Mai 113.

Die Säule diente als Vorbild für die gegen Ende des 2. Jahrhunderts auf dem Marsfeld in Rom errichtete Mark-Aurel-Säule. Napoleon I. diente sie als Vorbild für den Bau seiner Siegessäule auf der Place Vendôme in Paris, auf der die napoleonischen Feldzüge verherrlicht werden.

Wendeltreppe[Bearbeiten]

Trajanssäule um 1896
Aufgeschnittene Isometrie des Säulensockels mit Treppenaufgang

Die Trajanssäule ist im Inneren hohl. Über einen kleinen Zugang an einer Seite des Piedestals erreichbar führt eine Wendeltreppe 185 Stufen zur Plattform hinauf, wo sich dem antiken Besucher ein prächtiger Ausblick über das umliegende Trajansforum bot. Beim Aufstieg sorgen 43 schmale Schlitze im Säulenmantel für die Ausleuchtung des Wegs.[2]

Die Trajanssäule erreicht eine Höhe von 38,4 m gemessen vom Boden bis zum oberen Abschluss des Statuensockels.[3] Nicht zuletzt durch die unmittelbare Nachbarschaft zur riesigen Basilica Ulpia bedingt war eine derartige Säulenhöhe erforderlich, um als Aussichtspunkt zu fungieren und dem Forum eine eigene visuelle Note verleihen zu können.[4] Die eigentliche Säule, also der Schaft ohne den Sockel, die Statue und ihr Podest, bemisst sich auf 29,76 m Höhe; die spiralförmige Struktur der Treppe setzt leicht oberhalb des Sockelbodens an und misst so 8 cm weniger.[5] Einer Theorie zufolge stellte die innovative Wendeltreppe, deren Höhe fast genau einhundert römischen Fuß entspricht, für die römischen Architekten den eigentlichen Ausgangspunkt für die Bestimmung der Säulenproportionen dar.[6]

Die Säule wurde aus 29 Blöcken aus lunensischen Marmor (später Carrara-Marmor genannt) zusammengesetzt und wiegt insgesamt mehr als 1100 t.[3] Die Wendeltreppe selbst wurde aus 19 Blöcken herausgeschnitten und vollzieht alle vierzehn Stufen eine volle Drehung. Dieser Anordnung lag eine komplexere geometrische Berechnung zugrunde als den sonst üblichen Alternativen von zwölf oder sechzehn Stufen.[7] Die hohe Qualität der Steinverarbeitung erweist sich daran, dass der Treppenaufgang praktisch ebenmäßig ist und die Fugen der gewaltigen Blöcke auch heute noch genau aufeinander passen.[8] Trotz zahlreicher Erdbeben in der Vergangenheit neigt sich die Trajanssäule heutzutage weniger als einen halben Grad aus dem Lot.[8]

Die Trajanssäule und insbesondere ihre gewendelte Treppenform übten einen beträchtlichen Einfluss auf die nachfolgende römische Architektur aus. Waren Wendeltreppen bis dato ein seltener Anblick in römischen Bauten, fand der platzsparende Treppentypus fortan eine immer größere Verbreitung im Reich.[9]

Errichtung[Bearbeiten]

Aufrichtung des Vatikanischen Obelisken 1586. Ein solcher Hebeturm diente vermutlich auch dazu, die tonnenschweren Säulentrommeln der Trajanssäule aufeinander zu platzieren.

Man nimmt an, dass die einzelnen Säulentrommeln durch Krane an ihren Platz gehievt wurden.[10][11] Antike Schriftzeugnisse sowie zahlreiche archäologische Indizien zeigen, dass römische Ingenieure technisch dazu in der Lage waren, Schwerlasten vertikal in die Höhe zu befördern. Eine durchschnittliche Trommel der Trajanssäule wiegt ca. 32 t;[12] das Kapitell, der schwerste Block oberhalb des Sockels, besitzt sogar ein Gewicht von 53,3 t, das 34 m hochgehievt werden musste.[10] Um die zu bewältigende Last so gering wie möglich zu halten, wurden die Treppenstufen wahrscheinlich schon vorher im Steinbruch oder vor Ort aus dem Stein geschnitten, was eine Gewichtsersparnis von bis zu 30 % bedeutete.[8][13]

Gleichwohl war für solche Lasten der typische römische Tretradkran, der überdies nur eine maximale Höhe von 15 bis 18 m erreichen konnte, nicht geeignet.[10] Stattdessen wurde um den Bauplatz eine turmgleiche Holzkonstruktion errichtet, in deren Mitte die Marmorblöcke mittels eines System von Flaschenzügen, Seilen und Ankerwinden hochgezogen wurden; die notwendige Muskelkraft wurde durch Zugmannschaften und möglicherweise auch Zugtiere, die ringsum am Boden verteilt waren, bereitgestellt.[14] Modernen Berechnungen zufolge benötigte man acht Ankerwinden, um den 55 t schweren Basisblock emporzuheben, während die Seillänge für die obersten Säulentrommeln bei der Verwendung von 2-Rollen-Zügen ungefähr 210 m betragen hätte.[15]

Ein solcher Hebeturm wurde später in der Renaissance vom Architekten Domenico Fontana sehr wirkungsvoll eingesetzt, um Obelisken in Rom zu translozieren. Seinem Bericht lässt sich entnehmen, dass die Koordination zwischen den einzelnen Zugmannschaften ein erhebliches Maß an Konzentration und Disziplin erforderte, da bei ungleich ausgeübten Zugkräften die Seile durch die ausgesprochen starke Belastung gerissen wären.[16] Im Falle der Trajanssäule wurden die Schwierigkeiten noch zusätzlich durch die gleichzeitige Arbeit an der benachbarten Basilica Ulpia vergrößert, die den vorhandenen Platz so einschränkte, dass die Mannschaften an den Ankerwinden nur an einer Seite einen geeigneten Zugang besaßen.[17]

Abmessungen[Bearbeiten]

  • Höhe der Basis: 1,7 m[18]
  • + Höhe des Säulenschafts: 26,92 m
    • Typische Höhe der Säulentrommeln: 1,521 m
    • Durchmesser des Säulenschafts: 3,695 m
  • + Höhe des Kapitells: 1,16 m
  • = Höhe der eigentlichen Säule: 29,78 m
    • Höhe der Wendeltreppe: 29,68 m (~ 100 römische Fuß)
  • Höhe der Säule, ohne Plinthe: 28,91 m
  • + Höhe des Piedestals, mit Plinthe: 6,16 m
  • = Höhe der Säulenspitze über Grund: 35,07 m

Siehe auch[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Conrad Cichorius: Die Reliefs der Traianssäule, Berlin 1896–1900
  • Julian Bennett: „Trajan. Optimus Princeps“, Routledge, 1997, ISBN 978-0-415-16524-2
  • Karl Lehmann-Hartleben: Die Trajanssäule. Ein römisches Kunstwerk zu Beginn der Spätantike. De Gruyter, Berlin u. a. 1926
  • Lynne Lancaster: „Building Trajan’s Column“, in: American Journal of Archaeology, Bd. 103, Nr. 3. (1999), S. 419–439
  • Mark Wilson Jones: „One Hundred Feet and a Spiral Stair: The Problem of Designing Trajan's Column“, in: Journal of Roman Archaeology, Bd. 6 (1993), S. 23–38
  • Mark Wilson Jones: Principles of Roman Architecture, Yale University Press, New Haven 2000, ISBN 0-300-08138-3
  • Martin Beckmann: „The 'Columnae Coc(h)lides' of Trajan and Marcus Aurelius“, in: Phoenix, Bd. 56, Nr. 3/4, (2002), S. 348–357
  • Salvatore Settis (Hrsg.): La Colonna Traiana. Einaudi, Torino 1988, ISBN 88-06-59889-9
  • Frank Lepper, Sheppard Frere: Trajan's Column. A new edition of the Cichorius plates.Sutton, Gloucester 1988, ISBN 0-86299-467-5
  • Filippo Coarelli: La Colonna Traiana. Ed. Colombo, Rom 1999, ISBN 88-86359-34-9
  • Ritchie Pogorzelski: Die Traianssäule in Rom. Dokumentation eines Krieges in Farbe. Nünnerich-Asmus Verlag, Mainz 2012, ISBN 978-3-943904-00-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Trajanssäule – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts, Band 88, 1973, S. 345, ISBN 978-3-11-004931-2, abgefragt am 11. Mai 2011; Holger Komnick: Die Restitutionsmünzen der frühen Kaiserzeit, S. 163, ISBN 978-3-11-017067-2, abgefragt am 11. Mai 2011.
  2. Bennett (1997), S. 158.
  3. a b Lancaster (1999), S. 419.
  4. Jones (1993), S. 27.
  5. Jones (1993), S. 28.
  6. Jones (1993), S. 37-38.
  7. Jones (1993), S. 31–32 Abb. 9.
  8. a b c Jones (1993), S. 31.
  9. Beckmann (2002), S. 353–356.
  10. a b c Lancaster (1999), S. 426–428.
  11. Jones (1993), S. 34–36.
  12. Jones (1993), S. 32.
  13. Lancaster (1999), S. 424.
  14. Lancaster (1999), S. 428–437.
  15. Lancaster (1999), S. 435.
  16. Lancaster (1999), S. 436–437.
  17. Lancaster (1999), S. 430–431, Abb. 9–10; Jones (1993), S. 35.
  18. Alle Angaben aus: Jones (2000), S. 220.

41.89583333333312.484166666667Koordinaten: 41° 53′ 45″ N, 12° 29′ 3″ O