Kataphrakt

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Reenactor, der einen sassanidischen Kataphrakten des 3. Jahrhunderts n. Chr mit Pferdepanzerung (bar-gustuwān) darstellt

Kataphrakt (griechisch Κατάφρακτος Kataphraktos „Gepanzerter“ oder „in Eisen gekleideter“) bezeichnet einen schwer gepanzerten Reiter der antiken und frühmittelalterlichen Kavallerie, der hauptsächlich in iranischen, spätrömischen und byzantinischen Armeen eingesetzt wurde.

Diese Truppengattung gelangte erst in der Spätantike zu einer gewissen Bedeutung und hebt vor allem den Einfluss der Parther auf die Entwicklung des römischen Kriegswesens deutlich hervor. Der Kataphrakt gilt in militärischer, taktischer, logistischer und – in einem gewissen Grade – auch in sozialer Hinsicht als Vorläufer des mittelalterlichen Panzerreiters.

Historischer Hintergrund[Bearbeiten]

Parther und Sarmaten[Bearbeiten]

Relief eines parthischen Kataphrakten, der gegen einen Löwen kämpft (British Museum)

Kataphrakten werden in antiken Quellen erstmals in Zusammenhang mit den Sarmaten und Parthern erwähnt. Ihr Name ist eine Ableitung von der griechischen Bezeichnung für Körperpanzer und wird erstmals auf einem Papyrus aus Ägypten erwähnt, welcher aus dem dritten vorchristlichen Jahrhundert stammt.[1][2] Die Parther setzten Panzerreiter spätestens seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. ein. Mit deren schwerer Kavallerie bekamen es die Römer in den Partherkriegen des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. zu tun. Die erste große – und für die Römer verheerende – Konfrontation mit östlichen Panzerreitern erfolgte in der Schlacht bei Carrhae 53 v. Chr. Neben den leichten berittenen Bogenschützen trugen dort vor allem die schweren Panzerreiter entscheidend zur vernichtenden Niederlage der Römer bei. Auch die Sarmaten an der östlichen Donau, die Palmyrener im Mittleren Osten und die sassanidischen Perser in Kleinasien (die Nachfolger der Parther) setzten diese Art von schwerer Reiterei häufig ein. Eine Beschreibung sarmatischer Panzerreiter, ihrer sozialen Stellung, ihrer Ausrüstung und ihrer – begrenzten – Tauglichkeit bei Einsätzen liefert uns Tacitus in seiner Historia, die von einem Kampf zwischen dem 69 n. Chr. in Moesien eingefallenen sarmatischen Stamm der Roxolanen und den Römern berichtet, der den Verteidigern eine herbe Niederlage eingetragen hatte.[3] Unerwartet einsetzendes Tauwetter hatte die Römer jedoch gerade noch gerettet, da die Pferde der sarmatischen Panzerreiter im Morast nur schwer vorwärts kamen und schließlich unter dem Gewicht ihrer Panzerung zusammenbrachen.

Kataphrakten in der römischen Armee[Bearbeiten]

Die ersten römischen Kataphrakt-Einheiten wurden, nach Konflikten mit sarmatischen Stämmen an der pannonisch-dakischen Grenze zu Sarmatien, während der Regierungszeit Kaiser Hadrians (76–138 n. Chr.) aufgestellt. Die früheste – inschriftlich – belegte Einheit der römischen Armee ist eine Ala Gallorum et Pannoniorum catafractata, die allerdings nicht im Osten rekrutiert wurde.[4] Da die Reihe der Inschriften über Kataphrakten erst mit der Herrschaft des Septimius Severus einsetzt und Severus Alexander im Zusammenhang mit gepanzerten Reitern erwähnt wird, dürfte mit ihrer Aufstellung in severischer Zeit begonnen worden sein.[5][6] Aufgrund der kostspieligen Ausrüstung und ihres aufwendigen Trainings waren sie wohl nicht sehr zahlreich vertreten. Trotz dieser Umstände ist jedoch die Anzahl an erhaltenen Steindenkmälern (ein Altar und zwölf Grabsteine) relativ hoch. Das römische Heer hat sich bis ins 3. Jahrhundert noch stark an der schweren Linieninfanterie orientiert. Um 258 n. Chr. schuf der Militärreformer Kaiser Gallienus aber schließlich eine schwere Reiterei nach persischem Vorbild, die nach ihrer Panzerung cataphractarii oder clibanarii genannt wurden und in der Spätantike das Rückgrat der römischen Armee bildete. Diese Spezialeinheiten befanden sich meist in den Reihen der Feldarmeen.

Es existierten auch mehr Kataphrakten- und Clibanarierverbände in den oströmischen Provinzarmeen als in den westlichen, da man im Osten des Reiches mit der gut gedrillten, ebenso schwer bewaffneten und gepanzerten Panzerreiterei der Sassaniden konfrontiert war. Vom 4. Jahrhundert bis zum 6. Jahrhundert stellten solche Panzerreiter aber auch in der römischen Armee des Westens die Mehrheit der schweren Kavallerie.

Interpretiert man einige Quellen richtig, so haben sich die Kataphrakten in der Schlacht jedoch nur bedingt bewährt.[7] Im Gegenzug dürften sie aber bei Aufmärschen und Paraden umso stärker Eindruck auf die Zuschauer gemacht haben. Hier boten sie ein eindrucksvolles Schauspiel, das bei den Zuschauern ein Gefühl des Vertrauens und der Sicherheit hervorrief, sowie Dichter, Redner und Historiker zur Verfassung von Lobeshymnen veranlasste.

Zuordnung[Bearbeiten]

Die Panzerreitereinheiten zählten ausnahmslos zu den Comitatenses. Dies führte auch zu der Ansicht, dass die später eingeführten Clibinarii eventuell eine modernere, weiterentwickeltere Panzerung im Gegensatz zu den Kataphrakten hatten.

Ausrüstung[Bearbeiten]

Römischer Kataphrakt im Osten, Ende 3. Jahrhundert

Die Bewaffnung eines Kataphrakten bestand im Wesentlichen aus der Contus-Lanze, die im Grunde ein Schwert an einem drei bis fünf Meter langen, beidhändig geführten Lanzenschaft war. An dessen unterem Ende befand sich ein spitzer Lanzenschuh, mit dem schon am Boden liegende Gegner aufgespießt werden konnten. Zusätzlich wurde ein langes zweischneidiges Schwert (das sogenannte sarmatische Langschwert bzw. Spatha-Schwert) mitgetragen. In der Spätantike war, als Reaktion auf die hunnischen Reitervölker aus dem Osten, auch die zusätzliche Ausstattung mit Bögen verbreitet. Als Kopfschutz wurde entweder ein Spangenhelm, Bügelhelm oder Maskenhelm getragen. Östliche Kataphrakten führten anstelle von Schwertern oftmals auch Streitkolben oder Keulen mit sich, außerdem waren (hier bereits seit der klassischen Antike) weitreichende und durchschlagskräftige Reflex-Bögen fester Bestandteil der Ausrüstung. Eher selten kamen dagegen, vor allem in Baktrien auch Streitäxte oder Schleudern zum Einsatz.

Definition Kataphrakt bzw. Clibanarier[Bearbeiten]

Relief auf der Trajanssäule, Rom: Sarmatische Kataphrakten fliehen vor anstürmender römischer Kavallerie

Die Unterscheidung zwischen schweren und leichten antiken Panzerreiter wurde durch Bemerkungen in Texten des 4. Jahrhunderts erschwert, in denen neben dem catafractarius plötzlich auch vom clibanarius die Rede ist. Die Reiter schützten sich vor allem mit Schuppen-, Ketten- oder Lamellenpanzer, wobei einige Teile aus gemischten Segmenten bestanden. Die schwerer gepanzerte Version eines Kataphrakts wurde möglicherweise als Clibanarius bezeichnet – es ist aber bis heute umstritten, worin genau der Unterschied zwischen clibanarii und cataphracti bestand. Wenn auch der persische Ursprung der Bezeichnung Clibanarier als weitgehend gesichert gelten kann, so ist unklar, ob innerhalb der römischen Armee Kataphrakten und Clibanarier als zur selben Gattung der schweren Kavallerie zugehörig galten, oder ob sie sehr wohl voneinander unterschieden wurden.

Wie es scheint, handelt es sich beim älteren Terminus Kataphrakt offenbar anfangs um den Überbegriff für schwere Panzerreiter und beim späteren Clibanarier nur um eine Spezialtruppe, vielleicht vollständig gepanzerte, hauptsächlich im Osten rekrutierte Truppen. Da man also mit Kataphrakt wohl den allgemeinen und mit Clibananarier eine spezielle Form von Panzerreiter meinte, nahm man an, dass die letzteren sich anhand ihrer Ausrüstung unterschieden, während es bei den Kataphrakten im Laufe der Zeit in diesem Punkt wohl mehrere Auswahlmöglichkeiten gegeben habe.

Das mag auch Häufigkeit und Qualität in puncto Pferdepanzerung betroffen haben. Man muss auch damit rechnen, dass sich die Bezeichnungen Kataphrakt und Clibanarier im Laufe der Zeit von ihrer ursprünglichen Bedeutung entfernt haben können. Die Römer, so scheint es oberflächlich betrachtet, dürften also unter Kataphrakten und Clibanariern nicht unbedingt dasselbe verstanden haben. Anhand der Inschrift einer im kleinasiatischen Klaudiopolis aufgefundenen Stele nimmt M. P. Speidel sogar an, dass auch die Pferde der Kataphraktier später eine Panzerung getragen haben, wodurch ihre Reiter automatisch zu Clibanariern geworden wären.[8]

Laut Marius Mielczarek unterscheiden sie sich nicht durch ihre Bewaffnung sondern durch ihre spezielle Kampfweise.[9] Beide seien zwar schwer gepanzert und auch mit dem contus bewaffnet gewesen, die Clibanarier wurden aber zusammen mit berittenen Bogenschützen in gemischten Verbänden eingesetzt während die Kataphrakten in geschlossenen – das heißt unvermischten – Einheiten operierten. Diese unterschiedlichen Vorgangsweisen waren immer exakt auf den jeweiligen Gegner abgestimmt: Kataphraktier wurden gegen Infanterie eingesetzt, Clibanarier gegen die Kavallerie.[10] Es handelt sich also gewissermaßen immer um herkömmliche Kataphrakten, die eine Spezialausbildung zum Clibanarier befähigte, in der Schlacht Seite an Seite mit den Bogenschützen zu operieren. Damit wäre auch erklärt, warum sich in den antiken Bildquellen keine extra ausgewiesenen Clibanarier befinden. Dies lässt sich auch bildlich nicht festhalten, sehr wohl aber in den Inschriften anführen, wie die Stele des Valerius Fuscianus aus Klaudiopolis zeigt.

Die Reiterrüstung[Bearbeiten]

Rüstung, Befestigungsschema für Metallschuppen

Die von Ammianus und Heliodor angeführten Maskenhelme konnten für die Zeit nach der Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. archäologisch noch nicht bewiesen werden, ganz gewiss waren sie nicht mehr wie noch im 2. Jahrhundert n. Chr. aus einem Stück geschmiedet, sondern vermutlich schon Spangen- oder Kammhelme. Obwohl es hier sicher auch Ausnahmen gab. 2004 wurde beispielsweise im Gemeindegebiet von Biberwier am Fernpass in Tirol ein Kammhelm entdeckt, dessen Kalotte aus einem Stück getrieben war. Auch die Wangenklappen waren, wie bei römischen Helmen des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr., mit Scharnieren an der Kalotte befestigt. Die Beschreibung der Panzerteile in Heliodors Werk dürfte für Schuppen- oder Lamellenpanzer gelten, die angegebene Seitenlänge von etwa 20 cm würde aber besser zu einem Segmentpanzer passen.

Eine mit Heliodors Text ungefähr zusammenpassende bildliche Darstellung eines parthisch-persischen (oder römischen?) clibanarius findet man auf einer Ritzzeichnung in der Festungsstadt Dura-Europos. Sie zeigt eine Mischung aus Segmentpanzer, Schuppen- und/oder Kettenpanzer. Während die horizontal geschobenen, reifenartig die Extremitäten umfassenden Schienen den üblichen manica (Arm- und Beinschutz) entsprechen, wie man sie auch von anderen Abbildungen kennen, ist die Anordnung von zwei Reihen vertikal aneinandergefügter langer Schienen rund um den Rumpf von der Taille bis zum unteren Teil der Brust eher untypisch. Sie ähnelt einem Mix aus Plattengürtel mit Panzerhemd, die es bei den östlichen Panzertypen bis weit in die Neuzeit hinein gegeben hat. Man hat Parallelen zu ähnlichen Panzern aus Indien gezogen, in denen sich die parthische Art der Clibanarierrüstung bis ins 19. Jahrhundert bewahrt hat. Ortwin Gamber hält ihn für ein Gemisch aus iranischer, altpersischer und griechischer Waffentechnik.

Ausgelöst wurde diese Entwicklung wohl durch die Feldzüge Alexanders des Großen, dessen Kavallerie die Völker des Orients mit der Kataphraktenrüstung, die aus Xenophons Schilderung bekannt ist, vertraut gemacht haben dürfte. Das griechische Wort „Bedeckte“, hat ursprünglich nur den westlichen Panzerreiter gemeint. Die Schutzausrüstung eines solchen Reiters mit einem, wahrscheinlich metallunterfütterten Klappenpanzer, Maskenhelm und geschobenem Armschutz ist zusammen mit Teilen der Panzerung des Pferdes auch auf einem Fries im anatolischen Pergamon zu sehen. Unter Aufgreifen östlicher Traditionen haben dann die Parther als Antwort auf den hellenistischen Kataphrakten wohl ihren Clibanarier entwickelt, für den die Mischpanzerung aus Ketten-, Schuppen-, Lamellen- und Segmentpanzer auch typisch ist.

Feldzeichen[Bearbeiten]

Der Feldzeichenträger einer Kataphrakten-Einheit führte meist eine Draco-Standarte mit sich und wurde daher Draconarius genannt. Auch diese „Drachen“-Standarte mit einem oder mehreren Wind-Bändern wurde von sarmatischen Reitervölkern übernommen.

Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. wurden die traditionellen Feldzeichen (vexillum) der römischen Reiterei allmählich von sogenannten Drachenstandarten abgelöst. Der drago besteht aus einem offenen zylindrischen Metallkörper, dessen vorderes Endstück als Drachenkopf gearbeitet ist. Am hinteren Ende war ein langer Luftsack aus leichtem, gefärbten Stoff befestigt, der sich bei Gegenwind aufbläht. Ein gut erhaltener Drachenkopf wurde im Kastell Niederbieber gefunden. Er besteht aus versilbertem und zum Teil auch vergoldetem Kupferblech. Ammianus Marcellinus beschreibt eine Szene, in der Constantius II. von mit Purpurfäden durchwirkten Drachenstandarten umgeben ist, die auf vergoldeten und mit Edelsteinen (wahrscheinlich aber nur Steine aus Glas) dekorierten Lanzenspitzen stecken. Wurden die Drachenköpfe direkt in den Wind gehalten, sollen sie, nach antiken Berichten, auch zischende Geräusche von sich gegeben haben. Diese Geräusche könnten durch metallene Lamellen oder Drähte innerhalb des Drachenmauls hervorgerufen worden sein und sollten den Feind einschüchtern.

Die Pferdepanzerung[Bearbeiten]

Grabstein eines Kataphrakten der alae firmae catafractariae aus Stuttgart/Bad Cannstatt

Die Praxis Pferde zu panzern ist sehr alt. Schon im 2. Jahrtausend v. Chr. wurden die im Kampf besonders exponierten Zugtiere der Streitwagen mit Schutzdecken versehen. In den Armeen der Diadochen gab es Lamellenpanzer zumindest für den vor dem Sattel gelegenen Teil des Pferderumpfes.

In der jüngeren Forschung nahm man oft an, dass erst mit Auftauchen der Clibanarii des 4. Jahrhunderts gepanzerte Pferde auch bei den Römern aufgekommen seien, doch wäre es unlogisch gewesen, eine neue Bezeichnung für eine Waffengattung zu kreieren, die es ohnehin schon lange in der römischen Armee gab. Der Irrtum kam dadurch zustande, dass man noch bis vor wenigen Jahren annahm, die auf Soldatengrabsteinen des 1. Jahrhunderts n. Chr. und auf der Trajanssäule abgebildeten Reiter trügen lederne Panzer. Im Bericht des Ammianus Marcellinus über die Schlacht bei Straßburg 357 steht, dass der Kataphrakt zwar durch seinen Panzer geschützt sei, aber, wenn er im Kampfgetümmel nicht auf der Hut sei, durch einen Stich in die Seite des Pferdes rasch zu Fall gebracht werden könne.[11][12] Diese Textpassage könnte man auch so auslegen, dass der Reiter eine Rüstung trug, sein Pferd jedoch nicht.[13] In der Regel fehlen die Pferdepanzer auch auf den Grabsteinabbildungen.

Man darf aber mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass auch römische Kataphrakten wie ihre hellenistischen und orientalischen Vorgänger auf gepanzerten Pferden ritten. In diesem Sinne vermeldet auch Arrian in seinem Werk von der Kriegskunst, dass bei den Kataphrakten sowohl Ross als auch Reiter geschützt waren, die Männer mit Kettengeflecht, Leinen oder Horn und Oberschenkelpanzerung, die Pferde mit Stirnblechen und Schutzdecken. Im Gegensatz zu griechischen Rossstirnen und Bugpanzern, die nur die exponiertesten Teile des Pferdes abschirmten, waren die Reittiere der Kataphrakten fast gänzlich mit Metall-, Leder- oder Hornschuppen, lamellen- oder kettenpanzerverstärkten Decken abgeschirmt.

Das aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. stammende, schon oben erwähnte Graffito aus Dura-Europos, dass einen mit eingelegter Lanze herangaloppierenden Kataphrakten auf einem gepanzertem Pferd zeigt, gilt allgemein als Abbildung eines parthischen bzw. persischen Reiters, es könnte sich aber durchaus auch um einen Römer handeln, zumal in Dura-Europos auch hervorragend erhaltene römische Schutzdecken gefunden wurden (s. u.). Ganz ähnlich sahen die von Nazarius beschriebenen Panzerreiter des Maxentius in der Schlacht von Turin 312 n. Chr. aus:

„Welch ein schrecklicher, furchteinflößender Anblick! Die Pferde wie die Reiter in gleicher Weise mit einer Eisenhülle bedeckt! Clibanarier nennt man sie im Heer.“[14]

Der Text ist jedoch lediglich als panegyrisch zu verstehen und nicht wörtlich zu nehmen. Bei Nazarius steht dem gutgerüsteten aber tyrannischen Maxentius der gottesfürchtige Konstantin gegenüber. Wenig später nennt er auch dieselben Panzerreiter wieder Kataphrakten.[15] Den raren Bild- und Schriftquellen steht jedoch eine beachtliche Menge von ausgegrabenen Exemplaren gegenüber. In Kurganen (Grabhügel) der Skythen fand man zahlreiche Überreste von Pferdepanzern, hier vor allem Stirnplatten. Auch griechische Rossstirnen und Brustplatten für Pferde aus Bronze haben sich aus vorrömischer Zeit in großen Mengen erhalten. Der größte Teil stammt aus Griechenland, Süditalien und Sizilien, ein weiterer Beweis dafür, dass Kavalleriekontingente in der Kriegsführung der Westgriechen eine größere Rolle spielte als im Stammland selbst. Diese Rossstirnen schützten den Kopf des Pferdes von vorn, nicht aber die Seiten und Augen. Möglich ist auch eine rein dekorative Rolle.

Maßgebliches Vorbild für die Römer waren auch hierbei wieder die Sarmaten. Ihre Pferde waren manchmal gepanzert manchmal nicht. Pferdepanzer werden unter anderem auch in der Literatur erwähnt. Die Abbildungen auf den Triumphalmonumenten des 1. Jahrhunderts n. Chr. sind hingegen nur sehr schematisch und ungenau:

Auf der Trajanssäule werden Sarmaten auf ihren gepanzerten Pferden dargestellt, während spätere Grabstelen Angehörige der

  • Equites Cataphractarii Pictavenses und der
  • Equites Cataphractarii Ambianses

wiederum gepanzerte Reiter auf ungepanzerten Pferden zeigen.

Die Pferdepanzer aus Dura[Bearbeiten]

Skizzen der Pferdepanzerdecken aus Dura-Europos
Eisenschuppen eines römischen Panzers aus Enns (Schlossmuseum Linz)

Da römische Bildquellen – im Gegensatz zu den sassanidischen – kaum Hinweise geben, ist es ein außerordentlicher archäologischer Glücksfall, dass in Dura-Europos in Syrien drei fast vollständige Pferdepanzerdecken (eine davon war von einer Schleuderkugel durchlöchert) aus dem frühen 3. Jahrhundert n. Chr. ausgegraben wurden. Zwei von ihnen sind auf der nebenstehenden Skizze abgebildet. Die linke misst 122 cm × 169 cm, die rechte 148 cm × 110 cm, abzüglich der beiden Fortsätze die die Brust des Pferdes umfangen sollten. Sie bestehen aus grobem Leinen, auf denen (links) Bronze- bzw. (rechts) Eisenschuppen aufgenäht wurden. Die Eisenschuppen sind relativ groß, 25 × 35 mm. Durch seitliche Löcher wurden sie zusätzlich mit Bronzedraht zusammengehalten. Die Schutzdecken werden an den Rändern und entlang des Rückgrates von Streifen aus roten Leder gesäumt. Für den Sattel ist eine ovale Aussparung freigelassen. Da die Panzerung unterhalb der Sattelaussparung sonst ohne Unterbrechung durchläuft, kann der Reiter mit seinen Schenkeln nur schwach spürbar auf die Flanken des Pferdes gedrückt haben. Ziemlich sicher wurden die Decken noch durch einen gepanzerten Hals- und Kopfschutz ergänzt. Die Panzerdecken waren für mittelgroße und sehr kräftig gebaute Pferde bestimmt. Viele Kataphrakten werden sich wohl auch mit einfacheren Leder-, Rohhaut-, Filz- oder Leinendecken begnügt haben.[16]

Fundumstände[Bearbeiten]

Ob es sich bei diesen Funden tatsächlich um römische oder nicht doch um persische Ausrüstungsteile handelt, wird vonseiten Ortolf Harls bestritten.[17] Fundort war Turm 19, der während der Belagerung der Stadt durch die Sassaniden unterminiert und so teilweise zum Einsturz gebracht werden konnte, wobei auch das Dach und die Zwischendecken zerstört wurden. Die gegenständlichen Pferdepanzer wurden mit einem Sammelsurium anderer Schutz- und Angriffswaffen (Teile von anderen Pferdepanzern, drei gefiederte Pfeilschäfte, einige Geschossspitzen, ein bemalter Schild etc.) aufgefunden.

Turm 19 deswegen gleich zur Waffenkammer einer Kataphrakteneinheit zu erklären ist allerdings – nach Ansicht Ortolf Harls – aufgrund der Befunde problematisch, da er außerhalb des Geländes des Hilfstruppenlagers lag und auch die ihn umgebenden Häuser keiner militärischen Funktion zuzuordnen waren. Hinzu kommt, dass die Fundstücke auffallend heterogen sind und bei jedem von ihnen ein wichtiger Bestandteil fehlt. Nach Ansicht der Ausgräber waren die Teile beschädigt worden und warteten dort auf ihre Reparatur. Der Turm war während der Belagerung offensichtlich heiß umkämpft und es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass die Ausrüstung im Zuge dieser Kampfhandlungen beschädigt wurde. Dadurch wäre auch das Vorhandensein der drei Panzerdecken im Turm erklärbar.

Nach Ansicht Harls verwendeten die Römer überhaupt keine Pferdepanzer, da auf den bislang bekannt gewordenen bildlichen Darstellungen (Grabsteine) römischer Kataphrakten keinerlei Hinweise darauf zu erkennen seien. Es scheint, dass sie in Wirklichkeit Beutestücke waren und die Verteidiger sich mit ihnen auf der Turmkrone nur gegen die Geschosse der Angreifer geschützt haben.[18] Als der Turm wegen der akuten Einsturzgefahr – wohl in letzter Minute – geräumt wurde, nahm die Besatzung sicher nur brauchbares Material mit und ließ die „Reparaturstücke“ zurück.

Nachteile einer Pferdepanzerung[Bearbeiten]

Ein derart geschütztes Pferd war natürlich weit weniger durch Waffeneinwirkungen, vor allem dem im Osten häufigen Pfeilbeschuss, verletzlich als ein ungepanzertes. Der Nachteil lag aber in der großen Behinderung der Beweglichkeit des Tieres. Weniger wegen mechanischer Art, da die Panzerung elastisch der Laufbewegung nachgab. Unangenehmer war hier schon das Gewicht, das zu dem des vollarmierten Reiters noch hinzukam.

Legt man alle Abmessungen und Materialien des bronzenen Pferdeschuppenpanzers aus Dura zusammen und ergänzt fehlende Teile für Brust und Hals, kommt man auf ein Gesamtgewicht von immerhin 40 kg, zusammen mit der metallenen Rossstirn sogar auf 45 kg.

Das Schlimmste für das Tier war aber zweifellos der Mangel an Frischluft- und Wasserzufuhr. Bedenkt man zudem, dass Kataphrakten vorwiegend im Orient eingesetzt wurden, müssen ihre Pferde bald nach dem Antrab heftig zu schwitzen begonnen haben. Ein hoher Feuchtigkeitsverlust ist, wenn er nicht sofort kompensiert wird, für ein erschöpftes Pferd jedoch sehr gefährlich.

Der große Nachteil der Kataphraktenreiterei bestand im logistischen Aufwand, d.h. Rösser und Reiter überhaupt erst einmal an den Einsatzort zu bringen. Die Perser züchteten deswegen auch besonders kräftige Kampfpferde. Wie ein Ritter im Mittelalter brauchte sein antiker Kollege also sicher mehrere Pferde, um überhaupt kämpfen zu können:

  • ein Reitpferd,
  • mindestens ein Packpferd (oder Maultier) und
  • zwei oder mehr Kampfpferde.

Solche günstigen Bedingungen waren bei weitem nicht immer vor Ort vorhanden, das dürfte auch zum Teil erklären, weshalb die Leistungen der römischen Kataphrakten (und wohl auch die anderer Völker) häufig hinter den in sie gestellten Erwartungen zurückblieben.

Taktik[Bearbeiten]

Kataphrakt der britischen Comitatenses am Ende des 4. Jahrhunderts n.Chr.

Einmal aber auf dem Schlachtfeld angekommen und dort auch taktisch richtig eingesetzt, waren Kataphrakten von verheerender Wirkung. Die vorrangige Aufgabe der Panzerreiter bestand darin, die Kampflinie des Feindes als Schockkavallerie, die nach der Einführung des Steigbügels um 600 n. Chr. noch schlagkräftiger wurde, zu durchbrechen. Die Angriffswucht einer heranstürmenden Kataphraktenformation war stark genug, jede andere Art von Reiteraufstellungen zu brechen, auf die sie trafen. Heliodor führt hierzu aus:

„[…] Kommt es zum Kampfe, lässt er dem Pferde die Zügel frei, gibt ihm die Sporen und braust wie ein Mann aus Eisen oder eine lebende eherne Statue klirrend gegen den Feind. Die Lanze ragt, waagrecht eingelegt, mit ihrer Spitze weit voraus und wird von einer Schlaufe am Pferdehals gehalten. Das Schaftende hängt in einer Schlinge am Schenkel des Pferdes und gibt dadurch beim Aufprall nicht nach, sondern unterstützt die Hand des Reiters, der den Stoß nur zu lenken braucht. Wenn er sich in die Lanze legt und mit der ganzen Wucht seines Ansturms einstemmt, durchbohrt er alles, was ihm in den Weg kommt und hebt mit einem Stoß bisweilen zwei Leute empor.“

Sie waren mit den damals verwendeten Fernwaffen nur sehr schwer außer Gefecht zu setzen. Man musste sie vorher aber ausreichend mit leichten Truppen, hier insbesondere berittene Bogenschützen und anderen Plänklern (Lanciarii), umgeben. Deren erste Attacke diente dazu, den Angriff der Panzerreiter vorzuarbeiten, wie es Parther und Perser den Römern mehrmals mit Erfolg vorgeführt hatten. Die Attacke wurde ähnlich den mittelalterlichen Rittern im Trott in enger Formation durchgeführt und war oft nur ein Täuschungsmanöver, um die feindliche Infanterie in eine enge Verteidigungsformationen zu zwingen, um anschließend den nachrückenden Bogenschützen ein leichtes Ziel zu bieten. Die parthische Taktik bestand darin, den vorrückenden Feind durch die leichten Bogenschützen mit einer Unmenge von Pfeilsalven einzudecken, um ihn so mürbe und verwundbar für eine Attacke der schweren Kavallerie zu machen. Der Gegner hatte also die Wahl, seine Formation entweder zu öffnen, um den Bogenschützen weniger Ziele zu bieten, dafür aber eine leichte Beute der Kataphrakten zu werden oder weiter im Geschosshagel auszuharren. So geschehen in der Schlacht von Carrhae, 53 v. Chr.:

„Dann ging der Feind ans Werk. Seine leichte Kavallerie ritt in Kreisen die römischen Flanken ab und verschoß ihre Pfeile, während die Panzerreiter im Zentrum die langen Speere gebrauchten und die Römer auf immer dichterem Raum zusammentrieben, nur einige nicht, die beschlossen, dem Tod durch die Pfeilschüsse zu entgehen, indem sie verzweifelt aus der Formation ausbrachen und den Feind angriffen. Sie bewirkten jedoch wenig und fanden nur einen schnelleren Tod durch große, schreckliche Wunden. Die parthische Lanze, die sie in die Pferde stießen, ist ja schwer mit Stahl bekleidet und hatte oft genug die Wucht, um zwei Männer auf einmal glatt zu durchbohren.“

Plutarch: Leben des Crassus, 27

Ein Elitekrieger der Kataphrakten war in der Handhabung von Lanze und Bogen versiert, so wie es z. B. im Strategikon des byzantinischen Kaisers Maurikios beschrieben wird:

„In vollem Galopp soll der Reiter ein oder zwei Pfeile abschießen und dann den bespannten Bogen in die Scheide stecken […] und nun soll er seine Lanze ergreifen, die er auf dem Rücken getragen hat.“

Maurikios: Strategikon, 1.1

Ähnlich auch Julians Bericht über die Schlacht bei Mursa im Jahre 351 n. Chr:

„Unterstützt von den anderen Reitern, die den Pferden die Sporen gaben und zur Attacke ansetzten, begannen die Kataphrakten mit ihrem Pfeilbeschuß dem Feind alsbald schwere Verluste beizubringen.“

Iulianus Imperator: Orationes, 1.30

Aufgrund ihres Gewichts eigneten sich Panzerreiter aber weniger oder kaum für die traditionelle Aufgabe der Kavallerie, fliehende Feinde zu verfolgen und zu vernichten. Berichten, dass diese Panzerreiter trotzdem relativ leicht außer Gefecht zu setzen waren, indem man ihnen einfach auswich, anschließend den schon ermatteten Pferden von unten die ungeschützten Bäuche aufschlitzte und dann die am Boden liegenden hilflosen Reiter mit Keulenschlägen tötete, sind allerdings mit erheblicher Vorsicht zu begegnen. Auch über die Ritter des Mittelalters werden ähnliche Geschichten verbreitet, man habe sie erst mit Kränen auf das Pferd hieven müssen und, seien sie erst einmal am Boden gewesen, hätten sie nicht mehr aus eigener Kraft aufstehen können, geschweige denn laufen. Sicher nicht umsonst hat der anerkannte Historiker und Offizier Ammianus Marcellinus von einem formidabile genus armorum, einer furchterregenden Waffe, gesprochen (16, 12, 7). War die Infanterie gut geführt, so ließ sich eine Kataphraktenattacke dennoch stoppen, so wie es den Römern in der Schlacht am Taurusgebirge 39 v. Chr. gelang. Allerdings benötigte man dafür elf Legionen.[19] Oft bediente man sich auch einer List, um heransstürmende Kataphrakten auszuschalten. In der Schlacht bei Nisibis 217 gelang es der römischen Infanterie, die parthischen Panzerreiter auf ein dafür speziell präpariertes Gelände zu locken:

„Die Barbaren richteten mit der großen Menge ihrer Geschosse und ihren überlangen Speeren der Panzerreiter, die von ihren Kamelen und Pferden herab kämpften großen Schaden in den römischen Linien an. Im Nahkampf waren ihnen jedoch die Römer überlegen; als aber die zahlreiche Reiterei und Kamelreiter sie immer mehr belästigten, täuschten sie einen schnellen Rückzug vor und warfen Fußangeln (Lilien) und andere scharfe Krampen hinter sich. Da sie sofort im lockeren Sand verschwanden konnten sie von den nachrückenden Feinden nicht gesehen werden was ihr Verderben sein sollte. Denn sobald die Pferde und vor allem die Kamele mit ihren empfindlichen Hufen auf diese Stacheln traten, lahmten sie und brachen in die Knie, sodass ihre Reiter abgeworfen wurden.“

Herodian, 4.15. 1–3

Panzerreitereinheiten im spätrömischen Heer[Bearbeiten]

Sarmatische Söldner wurden nach Ableistung ihres Militärdienstes unter anderem in Gallien oder Britannien angesiedelt, die von ihnen gestellten Einheiten der Cataphractarii tragen deshalb gallische oder keltisch klingende Einheitsbezeichnungen:

  • Biturigenses,
  • Ambianenses und
  • Albigenses.

In der römischen Armee war die Anzahl der Kataphrakten- und Clibanariereinheiten allerdings nie besonders hoch. Ähnlich wie bei den berittenen Bogenschützen ist auch bei den schweren Panzerreitern anzunehmen, dass es mehrere kleinere Kompanien gab, die den regulären Kavallerieeinheiten nur für Spezialaufgaben zugeteilt wurden und sich deswegen nicht im Namen ihrer Verbände niederschlug. Bei weitem nicht alle Kataphrakten und Clibanarier kamen auch aus dem Osten. Die Namen ihrer Angehörigen, die man auf Grabsteinen gefunden hat, lassen auf umfangreiche Rekrutierungen im Westteil des Reiches schließen.

Kataphrakten und Clibanariereinheiten im spätrömischen Heer (West- und Ostreich)
Befehlshabender
Offizier
Garnison
bzw. Kommandantur
Name Anzahl der
Einheiten
Mannschaftsstärke
(Höchststand)
Comes domesticorum equitum Konstantinopel Schola scutariorum clibanariorum* 01 0500
Magister militum praesentialis I Nicea Comites clibanarii*
Equites cataphractarii Biturigenses
Equites I clibanarii Parthi
03 1500
Magister militum praesentialis II Adrianopel Equites Persae clibanarii*
Equites cataphractarii
Equites cataphractarii Ambianenses
Equites II clibanarii Parthi
04 2000
Magister militum per Orientem Antiochia (Syrien) Comites cataphractarii Bucellarii iuniores
Equites promoti clibanarii
Equites IV clibanarii Parthi
Cuneus equitum II clibanariorum Palmirenorum
04 1750
Magister militum per Thracias Marcianopel Equites cataphractarii Albigenses 01 0500
Dux Thebaidos Pambane Ala I Iovia cataphractariorum 01 0250
Dux Scythiae Arubio Cuneus equitum cataphractariorum 01 0250
Ostreich gesamt 15 6750
Magister equitum praesentalis Mediolanum Comites Alani*
Equites sagitarii clibanarii
02 1000
Comes Africae Carthago Equites clibanarii 01 0500
Comes Britanniarum Londinium Equites cataphractarii iuniores 01 0500
Westreich gesamt 04 2000
Gardeeinheiten sind mit * gekennzeichnet.

Byzanz[Bearbeiten]

Chronik des Johannes Skylitzes, Codex Graecus Matritensis, byzantinische Kataphrakten greifen die Bulgaren an (Biblioteca Nacional de España, Madrid)

Kaiser Nikephoros II. Phokas (960–969) versuchte, die schwere Reiterei der Spätantike wieder zu beleben, indem er die Kataphraktoi auch bei den Tagmata-Regimentern einführte. Diese waren professionelle Soldaten, die direkt in der Hauptstadt Konstantinopel stationiert waren. Nikephoros II. führte während seiner kurzen Regierungszeit viele Kriege und war damit in den östlichen Themen auch besonders erfolgreich, die ihm auch neue Rekrutierungsgebiete für Reiter erschlossen (sie wurden überwiegend in südöstlichem Europa, Kleinasien und im mittleren Osten ausgehoben), Byzanz war hierbei noch bis 1071 sehr aktiv.

In der Schlacht von Manzikert wurden aber möglicherweise die meisten Panzerreiter vernichtet oder zum guten Teil zerstreut und waren damit für das Reich verloren; die Unkosten für eine Neuaufstellung der gepanzerten Reiterei waren vermutlich nach dieser katastrophalen Niederlage zu groß geworden, um von dem nun erheblich geschwächten Byzanz noch getragen werden zu können.

Kaiser Manuel I. Komnenos wird unter anderem die Einführung fränkischer Kavalleriekampfmethoden in der byzantinischen Armee zugeschrieben. Der höhere europäische Sattel wurde ebenfalls, zusammen mit anderen westlichen Kavallerieausrüstungsgegenständen eingeführt, überwog aber nicht vor dem 13. Jahrhundert.

Ausrüstung[Bearbeiten]

Der Kataphraktoi trug jeweils ein Schwert und einen Dolch. Das Standardschwert, das auch vom Rest der byzantinischen Kavallerie benutzt wurde, war das Spathion. Speere oder Lanzen waren aber die Hauptwaffe.

Als Panzerung diente eine Kombination von Ketten-, Schuppen- oder Lamellenpanzerung, ergänzt durch einen kleinen, runden, mit Eisenbändern verstärkten Schild aus Holz, der an den Unterarm gegurtet werden oder von der Taille herabhing. Um das Ganze besser abzurunden, trug man zusätzlich noch einen Unterarmschutz, Kettenhandschuhe und einen Eisenhelm mit Nackenschutz aus Kettengeflecht. Der Helm war für gewöhnlich dasselbe Modell, das auch bei der Infanterie verwendet wurde. Die Lanzenreiter trugen ein 24-Zoll-Rundschild, die Bogenschützen nur ein 12-Zoll-Rundschild.

Kopf und Brust der Pferde, sowie die der Offiziere und Reiter in den vordersten Rängen wurden zusätzlich mit Stirnschilden und Eisenplatten gepanzert. Die Pferde waren aber ansonsten meistens ungepanzert. Im Sommer trug man eine Leinentunika, im Winter eine aus Wolle. Über der Tunika wurde ein Kettenhemd und darüber meist noch ein Brustpanzer aus Lamellen angelegt. Als Schutz vor Kälte und Nässe diente ein bräunlicher Fellmantel. Ab dem 5. bis zum 9. Jahrhundert gab es beim Pferdezaumzeug massive Änderungen, die meistens Vorbildern aus Zentralasien folgten. Sie brachten vor allem neue Sättel, Hufeisen und das wichtigste, den Steigbügel mit sich.

Taktik[Bearbeiten]

Die vorderen vier Reihen verwendeten eine Kombinationsbewaffnung aus Pfeil und Bogen zusammen mit Schwertern und Lanzen, andere, leichter ausgerüstete Reiter, trugen einen Kompositbogen. In einer Einheit von 300 Lanzenträgern konnte es bis zu 80 berittene Bogenschützen geben. Sie waren die Elite der byzantinischen Armee und ihre Aufgabe war es, durch die feindliche schwere Kavallerie oder Infanterie zu brechen, sie entweder massiv zu stören, oder ihre Schlachtordnungen aufzubrechen. Zusätzlich sollten die zu Fall gekommenen Reiter- und Fußsoldaten weitgehend ausgeschaltet werden. Die Kataphraktoi der Milizverbände wurden durch Einheiten ähnlich bewaffneter regulärer Einheiten und der schwer gepanzerten, aus Germanensöldnern bestehenden Schlachtkavallerie der Palastarmee des Kaisers unterstützt. Zusätzlich wurden Wehrbauern, die im Gebrauch des durchschlagskräftigen hunnischen Reflexbogens ausgebildet waren, eingesetzt.

Armenien[Bearbeiten]

Auch im Reich von Hayasdan (Armenien) gab es Kataphrakten. Hier gehörten sie meist dem Adel an, entweder den Nahrharar- oder den weniger mächtigen Azat-Familien. Sie besaßen hohen gesellschaftlichen und politischen Einfluss und wurden bis ins Mittelalter eingesetzt; die Byzantiner, Sassaniden und Türken warben sie häufig als Söldner für ihre Eliteeinheiten an.

Andere Bedeutungen von Kataphrakt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ross Cowan, Angus McBride: Römische Legionäre. Republik (58 v. – 69 n. Chr.) und Kaiserreich (161 – 244 n. Chr.). Siegler, Königswinter 2007, ISBN 978-3-87748-658-0, S. 88.
  • Ortwin Gamber: Kataphrakten, Clibanarier, Normannenreiter. In: Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen in Wien. 64, 1968, ISSN 0075-2312, S. 7–44.
  • Ortolf Harl: Die Kataphraktarier im Römischen Heer – Panegyrik und Realität. In: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums. Jg. 43, Teil 2, 1996, ISSN 0076-2741, S. 601–627.
  • Ian Heath, Angus McBride: Byzantine Armies, 886–1118. London, Osprey Publishing 2002, ISBN 0-85045-306-2 (Men at Arms 89).
  • Marcus Junkelmann: Die Reiter Roms. Band 3: Zubehör, Reitweise, Bewaffnung. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1992, ISBN 3-8053-1288-1 (Kulturgeschichte der Antiken Welt 53), (4. Auflage. ebenda 2008, ISBN 978-3-8053-1006-2).
  • Taxiarchis G. Kolias: Byzantinische Waffen. Ein Beitrag zur byzantinischen Waffenkunde von den Anfängen bis zur lateinischen Eroberung. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1988, ISBN 3-7001-1471-0 (Byzantina Vindobonensia 17).
  • Mariusz Mielczarek: Cataphracti and Clibanarii. Studies on the heavy armoured cavalry of the ancient world. Oficyna Naukowa MS, Lodz 1993, ISBN 83-85874-00-3 (Studies on the history of ancient and medieval art of warfare 1).
  • Philip Matyszak: Legionär in der römischen Armee. Aus dem Englischen von Jörg Fündling. Primus Verlag, Darmstadt 2010, ISBN 978-3-89678-822-1, S. 121 f.
  • Johannes Preiser-Kapeller: Die Panzer des Kaisers. Schwere gepanzerte Kavallerie im späten Rom und in Byzanz. In: Karfunkel-Combat. Nr. 2, Sonderheft, 2006, ISSN 0944-2677, S. 36–39 (Überblick mit Quellenzitaten und weiterer Literatur).
  • David Soria Molina: Cataphractii y clibanarii. La caballería pesada del ejército romano, de Severo Alejandro a Justiniano. In: Aquila legionis. Cuadernos de estudios sobre el ejército romano. 15, 2012, S. 117–163.
  • Franz Altheim: Niedergang der Alten Welt, eine Untersuchung der Ursachen, Band 1, Die Ausserromische Welt, Verlag V. Klostermann, Frankfurt am Main 1952, S. 137-142.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  H. G. Lidell, R. Scott: A Greek-English Lexicon. Oxford 1930, S. 920.
  2.  O. Guevaud: Enteuxeis, Requetes et plaintes adressees au roi d’Egypte au Ille siecle avant. Nr. 32 und 45, Kairo 1931.
  3. Historia 1, 79.
  4. CIL 11, 5632 = ILS 2735, Ehreninschrift für M. Maenius C. f. Cor. Agrippa L. Tusidius Campester, der zur Zeit des Hadrian diese ala während seines Kommandos über die cohors I Hispanorum equ. und die classis Britannica befehligte.
  5. Historia Augusta Vita Alexander Severus 56, 5.
  6. Hoffmann II 110 Anm. 602, F. Rundgren, Orientalia Sucena 6, 1957–1958, S. 31–52, J. Becker, Grabinschrift eines römischen Panzerreiteroffiziers, Neujahrsblätter Ver. Gesch., Frankfurt am Main 1868, S. 23
  7. Junkelmann S. 216.
  8. Speidel 1984, S. 15–156, Taf. 15 f.
  9. Mielczarek S. 193
  10. Mielczarek S. 48–50 Anm. 33.
  11. tegminibus ferreis abscondito bellatori
  12. latere forato iumenti incautum rectorem praecipitem agere
  13. Ortolf Harl S. 605.
  14. Panegyrici Latini 10, 22, 4.
  15. Panegyrici Latini 10, 23, 4.
  16. .Junkelmann S. 214.
  17. Ortolf Harl 1998, S. 624 ff.
  18. Ortolf Harl 1998, S. 625.
  19. Matysak 2009, S. 121 f.