Vögte von Weida

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Stammwappen (um 1279)
Wappen der Vögte von Weida
Die Osterburg zu Weida, Sitz der Vögte von Weida

Die Vögte von Weida, Gera und Plauen waren eine bedeutende mittelalterliche Adelsfamilie im Gebiet der heutigen Länder Thüringen, Sachsen, Bayern und Tschechien. Nach ihnen ist das Vogtland zwischen oberer Saale, Pleiße und Regnitz benannt.

Die Ministerialenfamilie siedelte wohl von Thüringen wahrscheinlich schon vor der Mitte des 12. Jahrhunderts in das Gebiet der mittleren und oberen Weißen Elster über. Hier bauten sie mit Rodung und Siedlung und in Wahrnehmung von Reichsaufgaben eine größere Herrschaft auf. Den seit 1209 geführten Vogttitel darf man wohl auf die Vogteirechte des umfangreichen Besitzes des Stifts Quedlinburg in und um Gera zurückführen. Die Vögte stiegen rasch in den Herrenstand auf, Kaiser Ludwig der Bayer bestätigte ihnen 1329 fürstengleichen Rang. Mehrfach waren sie als Reichslandrichter im Egerland und Pleißenland tätig. Stammsitz der Vögte war lange Zeit die Osterburg in Weida.

Vor allem unter Kaiser Karl IV. setzte der Machtverfall der Vögte ein (u.a. als Folge des Vogtländischen Kriegs von 1354 bis 1357). Hauptgewinner waren die Wettiner. Die Linie der Vögte von Weida endete 1531, die der von Gera 1550. Die ältere Linie der Vögte von Plauen endete 1572, die jüngere regierte in den späteren ostthüringischen Herrschaftsgebieten als Grafen, später als Fürsten von Reuß bis 1918. Dieser Teil der Familie der einstigen Vögte von Weida existiert noch heute.

Wappen[Bearbeiten]

Am 15. Dezember 1294 erteilte im Feldlager zu Borna Pfalzgraf Rudolf bei Rhein und Herzog von Bayern den Vögten Heinrich dem Älteren und Heinrich dem Jüngeren von Plauen, sowie den Vögten von Weida und Gera einen förmlichen Wappenbrief, worin er sagt, dass die Vorfahren der Vögte Schild und Banner von seinen, des Herzogs Vorfahren erhalten hätten. Der pfalzgräfliche Löwe ist seit 1230 nachweisbar, seit ca. 1240 gekrönt. Das erste Wappensiegel der Vögte von Weida ist von ca. 1240-44, alle früheren Siegel sind Gemmen. Die Verleihung von Wappen und Banner müsste also in diese Zeit fallen. Den eigentlichen Ursprung dürfte der Löwe von den Grafen von Everstein haben, die das gleiche Wappenbild (auch gleiche Helmzier) führten, nur in anderen Tinkturen (silbern-blau): Die Herrschaft Plauen gehörte 1122 den Grafen Everstein, 1236 erscheint Plauen zum ersten Mal im Besitz der Vögte von Weida. Eine Linie nannte sich danach Vögte von Plauen, mit Blauen als eversteinischgem Lehen. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass das eversteinische Wappenbild (der Reussen) die pfalzgräflichen Tinkturen erhielt, vielleicht um 1261, als die Vögte von Weida, Gera und Plauen mit dem Vater des Pfalzgrafen Rudolf ein Kriegsbündnis abgeschlossen hatten. Erst 1370 wechselt die Helmzier der Linie Gera zum Brackenhaupt, das sie evtl. dem Haus Zollern verdankt, das Recht zu dieser Helmzier 1317 erkauft hatte (die silbern-schwarze Tinktur würde dafür sprechen). Um die Mitte des 15. Jahrhunderts wurde das Brackenhaupt von den Linien Reuss und Plauen ebenfalls übernommen.[1]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Hauptartikel: Stammliste von Reuß

Literatur[Bearbeiten]

  • Julius Alberti: Die ältesten Herren von Weida. Beitrag zur Geschichte des Vogtlands. Griesbach, Gera 1880 (Digitalisat)
  • Gerhard Billig: Pleißenland - Vogtland. Das Reich und die Vögte. Untersuchungen zu Herrschaftsorganisation und Landesverfassung während des Mittelalters unter dem Aspekt der Periodisierung. Plauen : Vogtland-Verlag 2002, ISBN 3-9288-28-22-3
  • Karlheinz Blaschke: Geschichte Sachsens im Mittelalter. - München : Beck, 1990, ISBN 3-406-31722-7 (S. 289)
  • Herbert Helbig: Der wettinische Ständestaat : Untersuchungen des Ständewesens und der landständischen Verfassung in Mitteldeutschland bis 1485. - Köln : Böhlau, 1980, ISBN 3-412-02178-4 (S. 311–319)
  • Hans Patze (Hrsg.): Geschichte Thüringens. - Köln : Böhlau,
    • Bd. 2,1 Hohes und spätes Mittelalter, 1974 (S. 98–102, 162–179, 300–303)
  • Johannes Richter: Die Vögte von Weida, Gera, Plauen und Plauen-Reuß. In: Vogtländische Heimatblätter 17 H. 2 (Plauen 1997) 18–21.
  • Johannes Richter: Wie das Vogtland kursächsisch wurde.
    • Teil 1. In: Vogtländische Heimatblätter Jg. 17 H. 4 (Plauen 1997) 11–13.
    • Teil 2. In: Vogtländische Heimatblätter Jg. 17 H. 5 (Plauen 1997) 4–6.
    • Teil 3. In: Vogtländische Heimatblätter Jg. 17 H. 6 (Plauen 1997) 12–14.
  • Werner Querfeld: Forschungen zur Geschichte des ehemaligen Reussenlandes - in: Michael Gockel (Hrsg.): Thüringische Forschungen : Festschrift für Hans Eberhard zum 85. Geburtstag am 25. September 1993. - Weimar : Böhlau, 1993, ISBN 3-412-01993-3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, verlegt bei Julius Hoffmann, Stuttgart 1897, S. 9

Weblinks[Bearbeiten]