Greiz

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Greiz
Greiz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Greiz hervorgehoben
50.65472222222212.199722222222265Koordinaten: 50° 39′ N, 12° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Greiz
Höhe: 265 m ü. NHN
Fläche: 76,3 km²
Einwohner: 21.284 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 279 Einwohner je km²
Postleitzahl: 07973
Vorwahl: 03661
Kfz-Kennzeichen: GRZ, ZR
Gemeindeschlüssel: 16 0 76 022
Stadtgliederung: Kernstadt; 20 Stadtteile; 8 Siedlungen
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 12
07973 Greiz
Webpräsenz: www.greiz.de
Bürgermeister: Gerd Grüner (SPD)
Lage der Kreisstadt Greiz
im gleichnamigen Landkreis
Auma-Weidatal Bad Köstritz Berga/Elster Bethenhausen Bocka Brahmenau Braunichswalde Caaschwitz Crimla Endschütz Gauern Greiz Großenstein Langenwetzendorf Harth-Pöllnitz Hartmannsdorf Hilbersdorf Hirschfeld Hohenleuben Weida Hundhaupten Kauern Korbußen Kraftsdorf Kühdorf Langenwetzendorf Langenwolschendorf Lederhose Linda Lindenkreuz Langenwetzendorf Mohlsdorf-Teichwolframsdorf Münchenbernsdorf Langenwetzendorf Neumühle Paitzdorf Pölzig Reichstädt Ronneburg Rückersdorf Saara Weida Schwaara Schwarzbach Seelingstädt Weida Teichwitz Weida Weißendorf Langenwetzendorf Wünschendorf Zedlitz Zeulenroda-Triebes ThüringenKarte
Über dieses Bild
Fußgängerzone
Greiz (1838)
Blick über Teile der Stadt
Sommerpalais im Greizer Park

Greiz ist eine Stadt im Südosten Thüringens, unmittelbar an der Landesgrenze zu Sachsen gelegen. Sie ist die Kreisstadt des Landkreises Greiz und Mittelzentrum für den südlichen Teil des Landkreises. Die Stadt liegt im Tal der Weißen Elster im thüringischen Vogtland. Wegen ihrer reizvollen Lage in einem Talkessel und ihrer zahlreichen historischen Bauten trägt sie den Beinamen "Perle des Vogtlandes". Greiz war die Residenzstadt des Fürstentums Reuß älterer Linie, das bis 1918 als selbstständiger Bundesstaat im Deutschen Kaiserreich bestand und vom Haus Reuß regiert wurde.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Das Zentrum von Greiz liegt im engen Tal der Weißen Elster, unterhalb der Mündung der Göltzsch. Die wichtigsten größeren Städte in der Nähe von Greiz sind Gera, Zwickau und Plauen. Weitere nahe Städte sind Berga/Elster und Zeulenroda-Triebes sowie in Sachsen die Städte Reichenbach im Vogtland, Mylau, Netzschkau, Elsterberg und Werdau.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadtteile von Greiz sind Aubachtal, Caselwitz, Cossengrün, Dölau, Eubenberg, Gommla mit Pommeranz, Hohndorf mit Gablau, Leiningen, Pansdorf und Tremnitz, Irchwitz mit St. Adelheid, Kurtschau, Moschwitz mit ehemaligem Weiler Bucka, Obergrochlitz, Pohlitz mit Herrenreuth, Raasdorf, Reinsdorf mit Waltersdorf, Rothenthal, Sachswitz, Schönbach, Schönfeld, Thalbach und Untergrochlitz.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die nachfolgenden Gemeinden grenzen an die Stadt Greiz:

Langenwetzendorf Neumühle/Elster Mohlsdorf-Teichwolframsdorf
Zeulenroda-Triebes Nachbargemeinden Reichenbach im Vogtland
Elsterberg, Pöhl, Plauen, Rosenbach/Vogtl. Netzschkau Mylau

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits seit der jüngeren Steinzeit war der Talkessel der Weißen Elster bewohnt. Das heutige Greiz, ehemals Grewcz, ist wahrscheinlich slawischen Ursprungs (slawisch: gradec, ‚befestigter Ort‘) und wurde 1209 erstmals urkundlich erwähnt. Die eindeutige Klärung des Ursprungs des Namens geht von einer früheren Schreibweise aus, Grouts, in den verschiedenen Jahrhunderten änderte sich die Schreibweise von Zeit zu Zeit.

1359 erhielt es Stadtrecht. Zu dieser Zeit wurde auch erstmals die Burg der Ritter von Dölau genannt. Die Ritter selbst erwähnte man schon 1288. Die Ruinen der Burg Dölau, heute Stadtteil von Greiz, befinden sich auf einem Felsen rechts der Weißen Elster. Die einstigen Wassergräben sind langst verfüllt.[2]

Zunächst noch zu den Vögten von Weida gehörig, wurde die Stadt 1449 von den Grafen von Reuß, die seit 1306 in Greiz residierten, in Unter- und Obergreiz aufgeteilt. Aus diesem Grund gibt es auch zwei Residenzschlösser in der Stadt. Erst 1768 vereinigten sich die beiden Linien wieder zur Grafschaft Reuß älterer Linie, die 1778 zum Fürstentum wurde.

Greiz war 1647 von Hexenverfolgung betroffen. Barbara Kühnel geriet in einen Hexenprozess und wurde mit zwei Jahren Landesverweis bestraft.[3]

Ein großer Brand zerstörte Greiz am 6. April 1802 fast gänzlich. Insgesamt brannten etwa 430 Gebäude nieder, darunter 237 Bürgerhäuser, der Rest Nebengebäude und Scheunen. Viele weitere Gebäude hat man während des Brandes abgerissen, um das rasch anwachsende Feuer aufzuhalten.[4] 1902 kam es erneut zu einem Brand, der einige innerstädtische Quartiere um die Thomasstraße vernichtete. Beim Wiederaufbau errichtete man hier repräsentative Jugendstilbauten, die ein geschlossenes Ensemble bilden. Im 19. Jahrhundert wurde die Stadt auch zu einem bedeutenden Industriestandort, 1865 wurde die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Vor allem durch die Errichtung zahlreicher größerer Woll-Webereien wuchs die Industrie ständig. Dadurch bedingt verlagerte eines der führenden sächsischen Textil-Veredlungsunternehmen, die Reichenbacher Firma Georg Schleber, 1871 mit Errichtung eines bedeutenden Zweigwerks ihren Standortschwerpunkt nach Greiz. Seit 1920 gehört die Stadt zum Freistaat Thüringen und ist Kreisstadt des Landkreises Greiz.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden - wie überall in Deutschland - die Gegner der Nazis verfolgt; zwischen 1934 und 1943 wurden im Landeskrankenhaus Wichmannstraße 809 Personen zwangssterilisiert. Das Städtische Altersheim und das Kreispflegeheim gaben 122 Kranke zur „Euthanasie“ frei. Während des Zweiten Weltkrieges mussten hunderte Kriegsgefangene sowie Männer und Frauen aus von Deutschland besetzten Ländern im Sorgwald bei Thalbach und in anderen Wirtschaftsunternehmen Zwangsarbeit leisten. Mindestens 102 von ihnen kamen dabei um. An sie wird auf der Gedenkanlage des Alten Friedhofs erinnert. An den Wehrmachtsoffizier Kurt von Westernhagen, der im April 1945 auf die Sprengung der Brücken und damit auf die Verteidigung der Stadt verzichtete, erinnert der nach ihm benannte Platz, auf dem er von der Gestapo erschossen wurde.[5]

Greiz war von Mai 1944 bis April 1945 mehrmals Ziel US-amerikanischer Luftangriffe. 25 Todesopfer und erhebliche Wohnhausschäden waren zu beklagen. [6]

Ende 1945 und Anfang 1946 wurden in Greiz vom sowjetischen Sicherheitsdienst NKWD 15 Jugendliche (15 bis 19 Jahre alt) verhaftet. Sie wurden beschuldigt, dem „Werwolf“ angehört zu haben. Im März 1946 verurteilte ein sowjetisches Militärtribunal 11 von ihnen zum Tode, die vier jüngsten wurden zu 15 bis 20 Jahren Lagerhaft begnadigt. Die restlichen vier Jugendlichen wurden zu 10 Jahren Haft verurteilt. Die Todesurteile vollstreckte der NKWD im Metschwald bei Triebes, wo auch insgeheim die Leichen verscharrt wurden. 1994 erfolgte die Rehabilitierung durch die russische Justiz, 1997 die feierliche Aufstellung eines Gedenksteins am Tatort.[7]

Während der DDR-Zeit war Greiz nach Auflösung des Landes Thüringen die Kreisstadt des Kreises Greiz im Bezirk Gera. Greiz gilt als die „Hauptstadt des Thüringer Vogtlandes“, zu dem neben ihr unter anderem auch noch die Städte Weida, Zeulenroda-Triebes und Schleiz gehören.

Aufgrund der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1209 erlebte Greiz 2009 ein Festjahr zu seiner 800-Jahr-Feier. Zeitgleich besaß Greiz seit 650 Jahren Stadtrechte. Vom 19. bis 21. Juni 2009 fand unter dem Motto Greiz hat Reiz der 12. Thüringentag statt, der 210.000 Besucher anlockte.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

1856 wurde Tannendorf und 1921 Pohlitz eingemeindet. Die größte Eingemeindungswelle erfolgte 1922: In jenem Jahr wurden Dölau (mit Sachswitz und Rothenthal), Gommla, Irchwitz (mit Aubachtal und Thalbach), Kurtschau (mit Silberloch), Obergrochlitz (mit Caselwitz, Moschwitz und Untergrochlitz), Raasdorf und Schönfeld eingemeindet. Am 30. Juni 1994 folgte Reinsdorf inklusive dessen Ortsteil Waltersdorf. Die bisher letzte Eingemeindung fand am 31. Dezember 2012 mit der Eingliederung einiger Orte der aufgelösten Gemeinde Vogtländisches Oberland statt, genauer die Ortsteile Cossengrün, Hohndorf und Schönbach sowie der Weiler Eubenberg.

Politik[Bearbeiten]

Rathaus
Westernhagenplatz

Stadtrat[Bearbeiten]

Bei den letzten Kommunalwahlen am 25. Mai 2014 erhielt die SPD 7 Sitze, die CDU 8, die Interessensgemeinschaft für Wirtschaft und Arbeit e.V. 7, Die Linke 5, die FDP 1 und die NPD 2 Sitze im Greizer Stadtrat.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei der Bürgermeisterwahl 2006 erhielt kein Bewerber im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. Bei der fälligen Stichwahl setzte sich bei einer Wahlbeteiligung von unter 50 % der bisherige 1. Beigeordnete Gerd Grüner (SPD) mit 54,7 % der Stimmen gegen Stadträtin Gunda Lämmer (CDU) durch.

Bei der Kommunalwahl am 22. April 2012 gab es eine Absprache zwischen der CDU und SPD. Für die Wahl des Landrates stellte die SPD des Landkreises Greiz keinen Kandidaten, während für die Bürgermeisterwahl in der Kreisstadt Greiz der CDU-Ortsverband keinen Kandidaten stellte. Gegen seine Mitbewerber von der Interessengemeinschaft für Wirtschaft und Arbeit (IWA) und Die Linke erhielt der Amtsinhaber diesmal im ersten Wahlgang mit 57,2 % der Stimmen die absolute Mehrheit. Dabei lag die Wahlbeteiligung der wahlberechtigten Greizer bei 49,3 %. Gegenwärtig läuft bezüglich der Wahlanfechtung des unterlegenen IWA-Kandidaten, Rechtsanwalt Detlef Zietan, das Klageverfahren beim Verwaltungsgericht Gera. Er hatte unter anderem Verstöße gegen das Neutralitätsgebot des Amtsinhabers geltend gemacht. Die Rechtsaufsichtsbehörde des Landratsamtes Greiz hatte diese mit der Begründung abgewiesen, das Einreichen von Schriftsätzen per Fax sei nicht fristwahrend. Das Landesverwaltungsamt Weimar teilt diese Auffassung nicht.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber ein von einer eintorigen Zinnenmauer in braunem Ziegelstein umgebenes Gebäude mit einem davorstehenden Turm links und einem aufgesetzten Turm rechts, braunem Mauerwerk, roten Dächern und goldenen Turm- und Dachspitzen; zwischen den Türmen schwebt ein schwarzes Schild, darin ein nach rechts steigender goldener Löwe mit roter Krone, Krallen und gespaltenem Schwanz (reußischer Löwe).“ Das Wappen erschien erstmals 1707 auf einem Stadtsiegel. Zu DDR-Zeiten wurde ab 1951 statt des reußischen Löwen ein blauer Schild mit schräggekreuztem goldenen Weberschiffchen und goldenen Hammer dargestellt, um die ansässige Industrie zu symbolisieren.[8]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater, Musik und Museen[Bearbeiten]

Bibliothek (ehemals Lyzeum) und Gymnasium (heute Lessingschule)

Greiz verfügt als ehemalige Residenzstadt über mehrere Museen und eine umfangreiche Bibliothek. Das 1899 erbaute Theater der Stadt wurde 2010 geschlossen und brannte 2011 nach einer Brandstiftung ab.[9] Theateraufführungen finden neben anderen Veranstaltungen seither in der 2011 eröffneten Vogtlandhalle statt.

Zu DDR-Zeiten wurde das Leben der Stadt durch einen Pionierchor bereichert, der den Namen Paul Dessaus trug. Dem Chor wurde von dem Komponisten eigens sein Lied "An einen jungen Künstler" gewidmet.[10]

Der 1964 gegründete Fanfarenzug Greiz hat sich über die Grenzen Thüringens hinaus großes Renommee erarbeitet.

Im Greizer Park befindet sich das Sommerpalais, das zwischen 1779 und 1789 entstand und im frühklassizistischen Stil erbaut wurde. Maison de belle retraite, Haus des angenehmen Zurückgezogenseins, nannte der Bauherr Fürst Heinrich XI. (1722-1800) in einer Giebelinschrift seine Sommerresidenz. Das Palais wurde jüngst umfassend nach historischen Befunden restauriert und ist zu besichtigen.

Seit 1922 beherbergt es die Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung, die Stiftung der Älteren Linie des Hauses Reuß und das Satiricum. Diese fürstliche Büchersammlung umfasst Bestände des Grafen Heinrich XI. zu Obergreiz (1722–1800) aus der Zeit um 1747. Die Bibliothek hat einen umfangreichen Bestand an theologischen, historischen und naturwissenschaftlichen Werken, Enzyklopädien und Reisebeschreibungen. Illustrierte Bücher, Publikationen über Architektur und Gartenkunst, aber auch Sammlungen von Werken der französischen Aufklärung sind Bestandteil der Bibliothek. Im späten 18. Jahrhundert kamen Schriften zur Französischen Revolution hinzu. Heute umfasst der Bestand der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung etwa 40.000 Exemplare des 16. bis 21. Jahrhunderts.

Bauwerke[Bearbeiten]

Die Innenstadt gliedert sich in zwei Teile: östlich der Elster, zwischen Schlossberg und den Talhängen der Elster liegt die kleine Altstadt und westlich der Elster die Neustadt mit der repräsentativen Carolinenstraße als Hauptstraße. Sie entstand im späten 19. Jahrhundert und stellt ein geschlossenes Gründerzeitensemble dar.

Stadtprägend ist der Schlossberg mit dem Oberen Schloss. Es ist im Kern mittelalterlich, musste aber nach einem Brand im Jahre 1540 wiedererrichtet werden (im Stil der Renaissance) und wurde im 18. Jahrhundert weiter ausgebaut. Ein bekanntes Fotomotiv ergibt sich vom Bahnhof aus; durch den Schlossberg wurde ein Tunnel für die Bahnstrecke nach Gera gegraben. In dem Oberen Schloss befand sich ein bedeutender Teil des Thüringer Staatsarchivs. Nach dem Umzug des Archivs auf das unterhalb des Schlossbergs liegende Gelände des ehemaligen VEB Herdas werden die ehemaligen Archivräume auf dem Oberen Schloss restauriert.

Das Untere Schloss ist neueren Datums: im 16. Jahrhundert erbaut und nach dem Brand von 1802 in den Jahren danach bis 1809 im klassizistischen Stil neu aufgebaut. Das Untere Schloss beherbergt heute die Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz, Musikschule und die Tourist-Information Greiz.

Turm der Stadtkirche

Die evangelische Stadtkirche St. Marien wurde 1225 das erste Mal urkundlich erwähnt. Sie wurde nach dem Stadtbrand von 1802, der auch eine der größeren Silbermann-Orgeln mit zerstörte, im klassizistischen Stil wiederaufgebaut. Architekt war Christian Friedrich Schuricht, der die Kirche und das Untere Schloss direkt aneinanderbaute. Dabei befindet sich der Turm nicht an der Westfassade, sondern an der Ostfassade über dem Chor. Erst 1881, nachdem jahrzehntelang eine Interimsorgel benutzt wurde, konnte eine angemessene Orgel durch Urban Kreutzbach aus Borna eingebaut werden, die 1919 durch die Firma Jehmlich aus Dresden umgebaut und erweitert und damit die größte Kirchenorgel Ost-Thüringens wurde. Das klassizistische Innenbild der Kirche blieb bis heute weitestgehend erhalten. Unter der Kirche liegt die zugemauerte Gruft der Fürsten und Grafen von Reuß älterer Linie.

Neben dem Unteren Schloss und der Stadtkirche liegt die Hauptwache, ein klassizistischer Bau, der heute als Touristinformation dient. Vervollständigt wird die klassizistische Stadtsilhouette am Ufer der Elster durch das Lyzeum östlich des Unteren Schlosses. Es wurde 1875 errichtet und ist eine dreigeschossige, dreiflügelige Anlage.

In Greiz gibt es eine große Anzahl von Wohngebäuden im historistischen Stil und im Jugendstil. Letztere findet man insbesondere in der Thomasstraße, Burgstraße, Marktstraße, Waldstraße und Leonhardtstraße. In der Prof.-Dr.-Friedrich-Schneider-Straße 4 gibt es ein besonders frühes Beispiel von Art-Déco-Architektur (erbaut 1911).

Parks[Bearbeiten]

Der Binsenteich im Greizer Park
Die Blumenuhr im Greizer Park

Der Greizer Park, zu DDR-Zeiten in „Leninpark“ umbenannt, zählt zu den schönsten Landschaftsparks Thüringens. Er entstand bereits um 1650 als Küchengarten und wurde später mehrmals umgestaltet. Seine heutige Gestalt erhielt der Greizer Park in den Jahren 1873 bis 1876. Wie bei anderen höfischen Parkanlagen dieser Zeit ist er im englischen Stil angelegt. In diesem Park befinden sich das Sommerpalais und das Küchenhaus.[11] Es gibt weiterhin noch:

  • den Stadtpark, eine Parklandschaft in der Nähe des Greizer Krankenhauses
  • den Park um den Hirschteich, am Ortsausgang in Richtung Mohlsdorf
  • den Goethepark in der Nähe das Bahnhofes

Greiz trägt daher auch den Beinamen Park- und Schlossstadt.

Sport[Bearbeiten]

Sportliches Aushängeschild der Stadt ist der RSV Rotation Greiz (Ringen). Der 1931 gegründete Verein stieg im Jahre 2000 in die 1. Ringer-Bundesliga auf und schaffte 2002 mit dem Erreichen des Playoff-Halbfinales um die deutsche Meisterschaft den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Nach dem Rückzug in die Drittklassigkeit aus finanziellen Gründen ist der Verein seit Herbst 2006 wieder in der 2. Bundesliga zu finden.

Weitere größere Vereine sind der aktuell in der Landesklasse Ost spielende 1. FC Greiz (Fußball), der VfB Greiz (Tischtennis und Badminton), der 1.SSV Greiz (Basketball), der Tauchclub TC Chemie Greiz sowie der 1.Schwimmklub Greiz.

Auch der Schachsport hat Greiz eine lange Tradition und brachte unter anderem den internationalen Großmeister Lutz Espig hervor.

Greiz liegt am Elster-Radweg.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Im Gartensaal des Sommerpalais' gibt es in den Sommermonaten zahlreiche Ausstellungen und Konzerte. Ausgehend von einer Sammlung mit über 10.000 DDR-Karikaturen fanden im Sommerpalais seit 1975 Biennalen der Karikatur statt, die seit 1994 als Triennale veranstaltet werden und in ihrer Form einzigartig im deutschen Sprachraum sind.

Zu den jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen zählen ferner:

  • Mai: Greizer Jazzwerk - Internationales Jazzfestival; Mittelalterspektakel auf dem Oberen Schloss
  • Juni: Park- und Schlossfest
  • August: Pappe Open Air - Alte Papierfabrik Greiz e.V., Kultur- und Museumsnacht
  • September: Greizer Theaterherbst
  • Oktober: Greizer Treffen; Greizer Neustadtfest; Musik- und Bibeltage in der Stadtkirche
  • November: Greizer Herbstlauf; Großer Herbstmarkt zum Buß- und Bettag
  • Dezember: Greizer Weihnachtsmarkt im Schlossgarten; Winterzauber im Sommerpalais; Greizer Fürstenweihnacht im Unteren Schloss; Silvesterkonzert der Vogtland-Philharmonie und in der Stadtkirche

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Greiz erlebte sein schnellstes Wachstum während der Industrialisierung im Deutschen Kaiserreich

1865 wurde eine Eisenbahnstrecke von Greiz-Aubachtal nach Brunn in Sachsen eröffnet, die 1879 zum Bahnhof Greiz an der Elstertalbahn verlängert wurde. Diese Strecke wurde 1999 stillgelegt, nachdem schon seit dem 1. Juni 1997 kein planmäßiger Personenverkehr mehr stattfand. Die Elstertalbahn von Gera über Greiz nach Plauen unterer Bahnhof und Weischlitz wurde 1875 eröffnet. Sie durchquert den Greizer Schlossberg und den Bahnhof Greiz-Dölau. Heute verkehren auf dieser Linie die Vogtlandbahn und die Deutsche Bahn. Das Bahnhofsgebäude ist zurzeit geschlossen.

Der nächstgelegene Fernbahnhof liegt an der Sachsen-Franken-Magistrale in Reichenbach. Diese Bahnstrecke wurde durch die Göltzschtalbrücke, die größte Ziegelsteinbrücke Europas, und durch deren „kleinere Schwester“, die Elstertalbrücke bei Jocketa, bekannt. Die Göltzschtalbrücke befindet sich in unmittelbarer Nähe an der Landesgrenze im sächsischen Netzschkau und ist vom Greizer Ortsteil Reinsdorf aus sichtbar.

Der Stadtverkehr Greiz, der seit 1925 besteht, wird heute von der „Personen- und Reiseverkehrs-GmbH Greiz“ bedient. Von 1945 bis 1969 war auch eine Oberleitungsbuslinie in Betrieb. Geschäftsführer ist Andreas Rieß, Aufsichtsratsvorsitzende Martina Schweinsburg.

In Greiz kreuzen sich die Bundesstraßen 92 von Gera nach Plauen und 94 von Schleiz nach Reichenbach. Ferner existieren Landesstraßen nach Werdau (in Richtung Zwickau), Mylau und Neumühle. Die nächstgelegene Autobahnanschlussstelle liegt an der A 72 bei Reichenbach im Vogtland. Wenn man von Greiz nach Mylau entlang der Göltzsch fährt, durchquert man die Göltzschtalbrücke, bevor man später nach Reichenbach und dort auf die Bundesstraße 94 und die A 72 fahren kann.

Greiz liegt auf dem Radfernweg Euregio Egrensis.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

VEB Chemiewerk Greiz-Dölau 1979
Alte Papierfabrik

Greiz war ein bedeutender Standort der Textilindustrie mit Webereien (z.B. Firma Arnold) und der Textilveredelung (Firma Georg Schleber AG). In der DDR war Greiz ein wichtiger Industriestandort. Von Bedeutung waren Textilindustrie (Greika), die Druckerei und Buchbinderei Tischendorf (seit 1878), der Maschinen- und Fahrzeugbau sowie die chemische Industrie. Bedingt durch die Tallage der Stadt hatte diese vor der Wiedervereinigung und der laschen Umweltgesetzgebung der DDR eine sehr schlechte Luftqualität. Diese verbesserte sich in der Folge aufgrund neuer Umweltstandards, allerdings auch durch Fabriksschließungen und durch Downsizing.

Bildung[Bearbeiten]

In Greiz gibt es die Goetheschule, die staatlichen Regelschulen Gotthold Ephraim Lessing und Greiz-Pohlitz, das staatliche Gymnasium (seit 2010 Ulf-Merbold-Gymnasium), zwei staatliche Berufsschulen, die Kreisvolkshochschule, die Musikschule Bernhard Stavenhagen, einen privaten Bildungsträger sowie ein privates Bildungsinstitut.

Seit 2002 gibt es die Ganztagsschule "Freie Schule Elstertal", die im Juli 2009 als staatliche Ersatzschule anerkannt wurde.

Religionen[Bearbeiten]

Folgende Konfessionen unterhalten in Greiz eine Gemeinde:

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):

1800 bis 1971

  • 1800: 4.000
  • 1833: 5.600
  • 1885: 17.288
  • 1905: 23.114
  • 1931: 39.281
  • 1946: 45.410 a
  • 1950: 42.520 b
  • 1960: 39.097
  • 1971: 38.608

1981 bis 2000

  • 1981: 36.684
  • 1984: 35.822
  • 1994: 30.206
  • 1995: 29.402
  • 1996: 28.610
  • 1997: 27.992
  • 1998: 27.324
  • 1999: 26.706
  • 2000: 26.177

2001 bis 2009

  • 2001: 25.605
  • 2002: 25.037
  • 2003: 24.591
  • 2004: 24.199
  • 2005: 23.764
  • 2006: 23.368
  • 2007: 22.936
  • 2008: 22.548
  • 2009: 22.150

2010 bis 2018

  • 2010: 21.792
  • 2011: 21.310
  • 2012: 21.580
  • 2013: 21.284

Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

a Volkszählungsergebnis vom 29. Oktober
b Volkszählungsergebnis vom 31. August

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Personen, die in Greiz geboren wurden[Bearbeiten]

Personen, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Christian Leonhard Leucht (1645–1716), Jurist, reußischer Hofrat in Greiz
  • Johann Friedrich Fasch (1688–1758), Musiker und Komponist, von 1719-1721 Kantor in Greiz
  • Leo Fürbringer (1843–1923), zeitweise Stadtschreiber von Greiz
  • Gustav Schreck (1849–1918), Musikpädagoge, besuchte von 1863 bis 1867 das Greizer Lehrerseminar
  • Gottfried Doehler (1863–1943), ab 1921 erster Verwalter der Staatlichen Kupferstichsammlung in Greiz
  • Walter Ackermann (1889–1978), Pädagoge, Studienrat an der Aufbauschule in Greiz
  • Kurt von Westernhagen (1891–1945), Offizier, wurde nach dem Versuch, die Greizer Brücken zu retten, von den Nazis erschossen
  • Karen Fredersdorf (1892–1985), Schauspielerin, von 1917 bis 1922 am Theater in Greiz
  • Hans Tiessler (1905–1951), Jurist und Politiker, besuchte in Greiz das Gymnasium
  • Erich Baumgarten (1905–?), Friseurmeister, Politiker (NDPD)
  • Richard Groschopp (1906–1996), Regisseur, ging in Greiz zur Schule
  • Erich Rother (1908–1983), Kunstmaler, starb in Greiz
  • Käthe Reichel (1926–2012), Schauspielerin, war unter anderem am Greizer Theater tätig
  • Alfred Struwe (1927–1998), Schauspieler, war unter anderem am Greizer Theater tätig
  • Barbara Adolph (* 1931), Schauspielerin, war unter anderem am Greizer Theater
  • Reiner Kunze (* 1933), Schriftsteller, lebte zeitweise in Greiz, seit 1995 Ehrenbürger
  • Dietrich Alexander (1934–1999), Philosoph, ging in Greiz zur Schule
  • Dieter Franke (1934–1982), Schauspieler, war unter anderem am Greizer Theater tätig
  • Horst Seemann (1937–2000), Schauspieler, war unter anderem am Greizer Theater tätig, ging in Greiz zur Schule
  • Ibrahim Böhme (1944–1999), Politiker (SED, SPD), von 1968 bis 1976 Leiter des Kulturbunds in Greiz
  • Gunther von Hagens (* 1945), Anatom, wuchs in Greiz auf
  • Erhard Schmelzer (* 1948), in Mohlsdorf, Bedeutender Vertreter des Greizer und internationalen Ringersports, wirkt bis heute im Greizer Ringersport
  • Arnold Vaatz (* 1955), Politiker (CDU), legte in Greiz das Abitur ab
  • Dieter Hausold (* 1955), Politiker (Linkspartei), ging in Greiz zur Schule und absolvierte dort seine Lehre zum Monteur und Lagerist
  • Ulrich Junghanns (* 1956), Politiker (CDU), stellvertretender Ministerpräsident von Brandenburg, von 1979 bis 1982 Kreistagsmitglied in Greiz
  • Michael Rudolf (1961–2007), Autor, lebte und starb in Greiz
  • Matthias Grünert (* 1973), Kantor der Dresdner Frauenkirche, zwischen 2000 und 2004 Kantor der Stadtkirche in Greiz

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Werner: Die Ersterwähnung von Greiz im Jahre 1209 : "pars nemoris prope Graitz" ; die Anfänge von Greiz und die älteste Geschichte der Vögte von Weida. Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Frankfurt am Main, 2009.
  • Volkmar Schneider, Karsten Schaarschmidt: Greizer Standpunkte : Greiz 800 Jahre, 1209 - 2009. Buchhandlung Bücherwurm, Greiz, 2009.
  • Hannelore Kuna, Edwin Kuna: Historisches Stadtlexikon von Greiz. ISBN 978-3-942916-84-4, Haff Verlag, Grambin, 2013.
  • Volkmar Schneider: 800 Jahre Greiz : 1209 - 2009 ; Stadt Greiz im Vogtland. Stadt Greiz, Greiz, 2008.
  • Das nördliche Vogtland um Greiz (= Werte der deutschen Heimat. Band 68). 1. Auflage. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2006, ISBN 3-412-09003-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Greiz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Greiz – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2.  Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 84/85.
  3. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 253.
  4. Ulrich Jugel: Der große Greizer Stadtbrand vom 6. April des Jahres 1802, in: Vogtländisches Jahrbuch, 10. Jahrgang, Plauen 1993, S. 39–42.
  5. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 111ff., ISBN 3-88864-343-0
  6. Günter Sagan: Ostthüringen im Bombenkrieg 1939-1945. Michael-Imhof-Verlag, Petersberg 2013. S. 184. ISBN 978-3-86568-636-7
  7. Anne Kaminsky (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Ch. Links-Verlag Berlin, 2007, ISBN 978-3-86153-443-3, S. 494.
  8.  Manfred Bensing, Karlheinz Blaschke, Karl Czok, Gerhard Kehrer, Heinz Machatscheck, Heinz Göschel (Hrsg.): Lexikon Städte und Wappen der DDR. 2. neubearb. und erw. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig Juli 1984, S. 167–168.
  9. Brand im Greizer Theater durch zündelnde Kinder verursacht. In: LocalXXL. 9. August 2011, abgerufen am 9. September 2012.
  10. Neue Lieder erklingen, Berlin 1983, S. 14
  11.  Ilse von Holbek: Der Park von Greiz. In: Das Thüringer Fähnlein. 8, Verlag Gustav Neuenhahn, Jena 1939, S. 397–406.