Stift Quedlinburg

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Die ehemaligen Stiftsgebäude
Blick von Süden. Im Vordergrund die Schlossmühle Quedlinburg (heute Hotel)
Schlossansicht von 956 (Recognitionszeichen MGH DD O. I, 184)

Das Stift Quedlinburg wurde 936 auf Fürsprache Mathildes, der Gemahlin des ostfränkisch-deutschen Königs Heinrich I., von ihrem Sohn Otto I. auf dem Burgberg von Quedlinburg gegründet. Es war seinem Charakter nach ein königliches Familienstift und kam nach seiner Gründung durch reiche Beschenkung zu baldiger Blüte. Die Hauptaufgabe bestand in der Memoria, also im Totengedenken für den am 2. Juli 936 verstorbenen ostfränkisch-deutschen Herrscher Heinrich I.

Geschichte[Bearbeiten]

Das „Kaiserlich freie weltliche Reichsstift Quedlinburg“, wie es bis zu seiner Auflösung 1802 offiziell genannt wurde, war eine Gemeinschaft unverheirateter Töchter hochadliger Familien, die in diesem Frauenstift ein gottgefälliges Leben führen wollten. Der Begriff „weltlich“ im Namen ist dabei als Gegensatz zu „klösterlich“ zu verstehen.

Die größten und berühmtesten Frauenstifte dieser Art waren die Stifte in Essen, Gandersheim, Gernrode, Köln und Herford. In dem letztgenannten Stift wurde die junge Königin Mathilde von ihrer Großmutter, die dort Äbtissin war, erzogen. Mathilde hatte 936 vergeblich versucht, den Konvent des Klosters Wendhusen vollständig nach Quedlinburg zu verlegen. Im Laufe der Zeit gestaltete sich die Verbindung der beiden Stifte aber so, dass die Pröpstinnen von Wendhusen aus dem Quedlinburger Stiftskapitel gewählt wurden.

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit waren die Frauenstifte wichtige Zentren, um unverheiratete adlige Frauen und Witwen zu versorgen. Die Stiftsdamen waren häufig gelehrt und verrichteten kunstfertige Handarbeiten.

Nach Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Quedlinburg und dem Bischof von Halberstadt einerseits und Äbtissin Hedwig von Sachsen und ihren Brüdern Ernst und Albrecht von Sachsen andererseits wurde 1477/79 die kursächsische Vogtei über das Reichsstift festgeschrieben. Diese wurde 1697 an Kurbrandenburg verkauft, was am 30. Januar 1698 zur Besetzung des Stiftsgebietes durch Brandenburg-Preußen führte.

Nach der Säkularisation 1802 und 1803 wurde das Reichsstift als Fürstentum Quedlinburg von Preußen in Besitz genommen. Es gehörte zwischen 1807 und 1814 zum Königreich Westfalen.

Kirchenbau[Bearbeiten]

Die Stiftskirche St. Servatius, auch St. Servatii, oft auch als Quedlinburger Dom bezeichnet, ist eine den Heiligen Dionysios und Servatius geweihte Kirche und ein Denkmal hochromanischer Baukunst. Die flachgedeckte dreischiffige Basilika wurde vor 997 auf den Überresten dreier Vorgängerbauten begonnen und im Jahre 1021 beendet. Dem niedersächsischen Stützenwechsel folgend wechseln je zwei Säulen mit einem Pfeiler ab.

Äbtissinnen[Bearbeiten]

Königin Mathilde gründete und leitete das Stift von 936 bis 966, war aber keine Äbtissin. Erste Äbtissin war Mathilde, Tochter Kaiser Ottos I., eine Liudolfingerin. Anna II., Gräfin zu Stolberg war als 28. zugleich die letzte katholische Äbtissin. 1540 wurde das Stift evangelisch. Letzte Äbtissin war Sophie Albertine, Prinzessin von Schweden.

Siehe: Liste der Äbtissinnen von Quedlinburg

Schenkungen an das Damenstift[Bearbeiten]

In den ersten Jahrzehnten nach Gründung des Damenstiftes werden zahlreiche Schenkungen, insbesondere durch das sächsische Königshaus, verzeichnet. Alle später beschriebenen Wüstungen aus der unmittelbaren Umgebung gehören dazu, aber auch weit entfernte Orte, wie das 170 km entfernte Soltau, das Otto I. 936 schenkte. Hier eine chronologisch sortierte Auswahl:

  • Die dem heiligen Michael geweihte Kirche neben der Klause Volkmarskeller bei Blankenburg im Harz wurde 956 von Otto I. dem Stift Quedlinburg geschenkt.
  • 974 kam der Ort Duderstadt im südöstlichen Niedersachsen an das Stift Quedlinburg, das ihn 262 Jahre verwaltete. Das Dorf Breitenfeld/-berg bei Duderstadt gehörte bis zur Auflösung des Damenstiftes zu Quedlinburg.[1]
  • Die erste urkundliche Erwähnung von Potsdam erfolgte in der Schenkungsurkunde König Otto III. am 3. Juli 993. Das Diplom markiert einen Wendepunkt in der Wiedergewinnung ostelbischer Gebiete, denn aufgrund des Slawenaufstandes von 983 war die deutsche Herrschaft wieder bis an die Elbe zurückgedrängt worden.
  • Im Jahre 999 kam die provincia Gera in den Besitz des Stiftes Quedlinburg, dessen Äbtissin 1209 die Vögte von Weida als Verwalter des Gebietes einsetzte.
  • Otto I. schenkte 936 25 Orte, 937 zwei Orte, 944 einen Ort, 946 zwei Orte, 954 einen Ort, 956 elf Orte und 961 sieben Orte. Otto II. schenkte 974 fünf Orte, 979 einen Ort sowie 985 fünf Orte. Otto III. schenkte 992 drei Orte, 993 zwei Orte, 995 vier Orte und 999 einen Ort. Später kamen insgesamt noch über 150 Orte hinzu.[2]

Siehe auch: Domschatzkammer Quedlinburg

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Erich Weirauch: Die Güterpolitik des Stiftes Quedlinburg im Mittelalter. In: Sachsen und Anhalt, 13; Magdeburg 1937, S. 117–181.
  • Hans-Erich Weirauch: Der Grundbesitz des Stiftes Quedlinburg im Mittelalter. In: Sachsen und Anhalt, 14; Magdeburg 1938; S. 203–295.
  • Jan Gerchow (Hrsg.): Essen und die sächsischen Frauenstifte im Frühmittelalter. Essener Forschungen zum Frauenstift 2; Essen 2003.
  • Barbara Pätzold: Stift und Stadt Quedlinburg. Zum Verhältnis von Klerus und Bürgertum im Spätmittelalter. In: Hansische Studien Bd. 8 (1989), S. S. 171–192.
  • Walter Breywisch: Quedlinburgs Säkularisation und seine ersten Jahre unter preußischer Herrschaft 1802–1806. In: Sachsen und Anhalt, 4; Magdeburg 1928; S. 207–249.
  • Klaus Voigtländer: Die Stiftskirche St. Servatii zu Quedlinburg. Geschichte ihrer Restaurierung und Ausstattung. Berlin 1989.
  • Bernd Feicke: Zur politischen Vorgeschichte des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 und seine Ergebnisse für Kursachsen und Preußen im Ostharz unter besonderer Beachtung der 1780 einverleibten Grafschaft Mansfeld, der Reichsstadt und des Reichsstiftes Nordhausen sowie des Reichsstiftes Quedlinburg. In: Beiträge zur Regional- und Landeskultur Sachsen-Anhalts, 29; Halle 2004; S. 4–29.
  • Bernd Feicke: Glockengeläut für Prinz Eugen 1704. Zur Diplomatie der Aurora von Königsmarck; in: Harz-Zs. 48/49 (1996/1997) 1998, S. 211–217; ders.: Zwei Aktenstücke des Reichsstiftes Quedlinburg aus dem 18. Jahrhundert. In: Harz-Zeitschrift 54/55 (2002/2003) 2004, S. 187–200; (Veröffentlichung und Kommentar von drei Verordnungen des Stifts aus den Jahren 1704, 1740 und 1801).
  • Clemens Bley (Hrsg.): Kayserlich - frey - weltlich. Das Reichsstift Quedlinburg im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit (= Studien zur Landesgeschichte. Bd. 21). Halle 2009 ISBN 978-3-89812-628-1 (Einführung und zehn Beiträge der Tagung vom 16./17. September 2006 in Quedlinburg; Anhänge: Prosopographie des Quedlinburger Kapitels in nachreformatorischer Zeit [S. 45–104] und Leitende Beamte der Abtei 1575–1750 [S. 227]).
  • Clemens Bley: Tradition - Reformation - Legitimation. Zur Einführung der Reformation im Reichsstift Quedlinburg. In: Frauenkonvente im Zeitalter der Konfessionalisierung. Klartext Verlag, Essen 2010, ISBN 978-3-8375-0436-1.
  • Christian Marlow: So ist mir ... das Stift Quedlinburg in secularisirtem Zustand als nun vollständige erbliche Besitzung bestimmt und zugesichert worden - Die Säkularisierung des Reichsstift Quedlinburg. In: Quedlinburger Annalen 14 (2011), S. 72–86.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stift Quedlinburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. die Lehnsurkunden im digitalisierten Stadtarchiv von Duderstadt unter: http://www.archive.geschichte.mpg.de/duderstadt/
  2. Vgl. die Aufstellung bei Manfred Mehl: Die Münzen des Stiftes Quedlinburg. Hamburg 2006, S. 42–49.

51.78594444444411.136805555556Koordinaten: 51° 47′ 9″ N, 11° 8′ 13″ O