Veitsdom

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Der Veitsdom auf der Prager Burg
Blick in das Mittelschiff des Langhauses
Die Krönung von König Ferdinand V. im Veitsdom 1836

Der Veitsdom (auch St.-Veits-Dom, tschechisch Katedrála oder chrám sv. Víta, voller Name Katedrála svatého Víta, Václava a Vojtěcha) auf der Prager Burg ist die Kathedrale des Erzbistums Prag und das größte Kirchengebäude Tschechiens.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebäude in seiner heutigen Form als Kathedrale im gotischen Stil wurde ab dem Jahr 1344 auf Anweisung Karls IV. erbaut, als auch Prag zum Erzbistum erhoben wurde, doch reicht die Geschichte des Baus bis in das 10. Jahrhundert zurück. Der Bau erfolgte anstelle einer 925 unter dem Hl. Wenzel errichteten Rotunde und der unter Spytihněv II. begonnenen dreischiffigen romanischen Basilika (ab 1060). Spytihnew starb allerdings bereits 1061; der eigentliche Bauherr der neuen Kirche war sein Bruder und Nachfolger Vratislav II. Die doppelchörige Basilika war wesentlich kleiner als der heutige Bau. Teile der Rotunde mit den Gräbern der Heiligen wurden in den Neubau integriert, so etwa die Südapsis mit dem Wenzelsgrab.

Zu Beginn leitete der französische Baumeister Matthias von Arras den gotischen Neubau. Nach seinem Tod 1352 führte der aus Schwäbisch Gmünd stammende Peter Parler und im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts dessen Söhne Wenzel Parler und Johann Parler der Jüngere die Arbeiten fort, später übernahm der 1418 erstmals erwähnte Meister Petrlík (Peterchen) den Weiterbau. Bis zum Beginn der Hussitenkriege 1420 waren der Chor und der Grundstock des Hauptturms fertiggestellt. Durch den immer langsameren Weiterbau wurden nur noch das zweite und dritte Geschoss im spätgotischen Stil errichtet. Der Turmaufsatz wurde in den Jahren 1560–62 von Bonifaz Wolmut und Hans von Tirol geschaffen und im 18. Jahrhundert im Stil der Renaissance verändert, blieb jedoch unvollendet. Im Zeitalter der Reformation war der Dom eine signifikante Schnittstelle der Konfessionen. Eine Zeit lang diente er den Calvinisten als Pfarrkirche. Ein Großteil der kostbaren, gotischen Ausstattung des Domes, wie zahlreiche Heiligenskulpturen und geweihte Altarbilder wurden von den protestantischen Ikonoklasten zerstört.

Die Kirche wurde als Krönungskirche der böhmischen Könige genutzt, hier befindet sich auch die Grablege der böhmischen Herrscher. In der Kronkammer des Doms werden die Krönungsinsignien (Wenzelskrone) aufbewahrt.

Václav Michal Pešina (1782–1859), Kanoniker am Dom, wirkte als Initiator des Weiterbaus im 19. Jahrhundert. Im Jahr 1859 wurde der Prager Dombauverein gegründet und 1861 begannen die Arbeiten.[1] Erster Dombaumeister dieser zweiten Bauphase war Joseph Kranner. 1873 wurde Josef Mocker mit der Fertigstellung des Veitsdoms beauftragt. Auf seinen Entwurf hin wurde umstrittenerweise die klassische Westfassade mit zwei Türmen errichtet, die die ursprüngliche Süd-Ausrichtung des Baus etwas relativiert. Der südliche, zur Stadt zugewandte Hauptturm wurde deswegen auch nicht mehr in seiner ursprünglich geplanten Form weitergeführt. Die endgültige Fertigstellung der Kirche nach einer Bauunterbrechung im 15. Jahrhundert dauerte bis zur Vollendung des Baus im Jahr 1929 durch Mockers Nachfolger Kamil Hilbert. Am 29 September dieses Jahres wurde der Dom zum tausendjährigen Todestag des Hl. Wenzel eingeweiht.[1]

Aufsicht[Bearbeiten]

Ein 14 Jahre dauernder Rechtsstreit zwischen dem tschechischen Staat und der katholischen Kirche in Tschechien um das Eigentumsrecht an der 1954[2] enteigneten Kathedrale wurde im Januar 2007 vom Obersten Gericht zugunsten des Staates entschieden, nachdem ein untergeordnetes Gericht sie zunächst der Kirche zugesprochen hatte. Die Erzdiözese Prag hatte gegen das Urteil Einspruch eingelegt.[3] Der tschechische Staat, vertreten durch Staatspräsident Václav Klaus, und die katholische Kirche, vertreten durch den Prager Erzbischof Dominik Duka, konnten sich einigen. Die Unterhaltung und Nutzung des Doms wird durch staatliche Gelder sichergestellt, die die Kirche verwaltet. Die Aufsicht über den Veitsdom wird an einen Rat von sieben Persönlichkeiten (u.a. Staatspräsident, der Erzbischof, der Prager Oberbürgermeister und die Vorsitzenden der beiden Kammern des tschechischen Parlaments) delegiert, die auch als Einzige jeweils einen Schlüssel zur Kammer mit den tschechischen Krönungsinsignien besitzen.[4]

Kaiser- und Königsgräber[Bearbeiten]

  1. Ottokar I. Přemysl, König von Böhmen (1155 – 15. Dezember 1230)
  2. Ottokar II. Přemysl, König von Böhmen (1232 – 26. August 1278)
  3. Rudolf II., Herzog von Österreich (1271 – 10. Mai 1290)
  4. Jutta von Habsburg, Königin von Böhmen (13. März 1271 – 18. Juni 1296), Gemahlin von König Wenzel II.
  5. Wenzel II., König von Böhmen (17. September 1271 – 21. Juni 1305)
  6. Rudolf I., König von Böhmen (1282 – 4. Juli 1307)
  7. Blanca Margarete von Valois, römisch-deutsche Kaiserin (1317 – 1. August 1348), Gemahlin von Kaiser Karl IV.
  8. Kaiser Karl IV. (14. Mai 1316 – 29. November 1378)
  9. Wenzel IV., römisch-deutscher König, König von Böhmen (26. Februar 1361 – 16. August 1419)
  10. Georg Podiebrad, König von Böhmen (6. April 1420 – 22. März 1471)
  11. Anna von Böhmen und Ungarn, römisch-deutsche Königin (23. Juli 1503 – 27. Januar 1547), Gemahlin des römisch-deutschen Königs und späteren Kaisers Ferdinand I.
  12. Ladislaus Postumus, König von Böhmen (22. Februar 1440 – 23. November 1457)
  13. Kaiser Ferdinand I. (10. März 1503 – 25. Juli 1564)
  14. Kaiser Maximilian II. (31. Juli 1527 – 12. Oktober 1576)
  15. Erzherzogin Eleonore (4. November 1568 – 12. März 1580), Tochter von Kaiser Maximilian II.
  16. Kaiser Rudolf II. (18. Juli 1552 – 20. Januar 1612)
  17. Maria Amalia von Österreich, Herzogin von Parma (26. Februar 1746 – 18. Juni 1804), Gemahlin von Herzog Ferdinand II. von Parma

Siehe auch: Grabstätten europäischer Monarchen

Maße des Doms[Bearbeiten]

Der mächtige dreischiffige Dom wurde im Stil der Gotik erbaut. Er ist die größte Kathedrale Tschechiens.

  • Länge Hauptschiff: 124 Meter
  • Breite Querschiff: 60 Meter
  • Höhe innen: 33 Meter
  • Höhe Hauptturm: 99 Meter

Ausstattung[Bearbeiten]

Mucha-Fenster

Im Inneren des Doms findet sich eine überaus reiche Ausstattung. Die bedeutendsten noch von Parler stammenden Arbeiten befinden sich in der mit Halbedelsteinen und vergoldetem Stuck ausgekleideten Wenzelskapelle. Aus dem 16. Jahrhundert stammt das in der Mitte des Chores errichtete Mausoleum der Habsburger. Von der barocken Ausstattung ist vor allem auf das 1733–36 nach Entwürfen Joseph Emanuel Fischer von Erlachs, nach dem Modell des Bildhauers Antonio Corradini und vom Silberschmied Johann Joseph Würth gestaltete Hochgrab des heiligen Johannes von Nepomuk hinzuweisen. Im 20. Jahrhundert wurden der neugotische Hochaltar und die von Alfons Mucha (1931) und Max Švabinský (1934) gestalteten Glasfenster ergänzt.

Seit 1355 wird das Haupt des Heiligen Veit im Veitsdom als Reliquie aufbewahrt, außer dem die Hunde des Heiligen Adalbert, die Hunde des Heiligen Wenzel, das Schwert des Heiligen Stefan, ein Zahn der Heiligen Margarete, ein Teil des Schienbeins des Heiligen Vitale, eine Rippe der Heiligen Sophie, die Kinnlade des Heiligen Eoban, ein Splitter aus dem Kreuz Jesu, das Tischtuch des Heiligen Abendmahls, ein Kleid der Jungfrau Maria sowie der Stab des Mose.[5]

Orgel[Bearbeiten]

Blick auf die beiden Orgelprospekte

Der Veitsdom besitzt zwei Orgelprospekte. Der obere Prospekt gehörte zu einer Barockorgel, die 1765 von Antonín Gartner erbaut wurde. Sie hatte 40 Register auf 3 Manualen und Pedal. Dieser Prospekt ist nur noch Dekor. Das dazugehörige Werk wurde um 1909 abtransportiert und ging verloren.

Der untere neoklassizistische Prospekt enthält die heutige Domorgel. Sie wurde von Josef Melzel in den Jahren 1929–31 gebaut. Eine Generalüberholung wurde durch die Orgelbaufirma Brachtl a Kánský (1999–2001) durchgeführt. [6] Das im Verhältnis zum großen Kirchenraum eher bescheidene Instrument hat 58 Register auf 3 Manualen und Pedal, 4.475 Pfeifen insgesamt. Die Traktur ist rein pneumatisch. Mit einer großen Anzahl von Grundstimmen (Flöten und Prinzipale) und wenig Zungenstimmen (Trompeten) besitzt das Instrument einen eher sanften Ton – eine typische Eigenschaft postromantischer Orgeln.[7]

I. Manual C–g3
Bourdon 16’
Principál 8’
Oktáva 8’
Viola 8’
Roh 8’
Dolce 8’
Flét. duta 8’
Flét. jemn. 8’
Kryt hr. 8’
Tromba 8’
Clairon 4’
Préstant 4’
Flét. rour 4’
Kvint. šust 22/3
Mixtura 22/3
II. Manual C–g3
Diaposon 8’
Violon 8’
Kryt dvoj 8’
Portunál 8’
Amabilis 8’
Tibia 8’
Salicional 8’
Salicet 16’
Principál 16’
Dulciana 8’
Roh franc 8’
Aeolus 8’
Copula 4’
Fugara 4’
Kvinta 42/3
Kvinta 22/3
Picola 2’
Tercie 13/5
Mixtura 22/3
III. Schwellwerk C–g3
Kvintaton 16’
Principál 8’
Princ flét 8’
Gamba 8’
Aeolina 8’
Voix celest 8’
Roh lesní 8’
Kryt jemn 8’
Flét. solo 8’
Klarinet 8’
Hoboe 8’
Violino 4’
Flétna travers 4’
Oktáva 4’
Kvinta 22/3
Flageolet 2’
Tercie 13/5
Pedalwerk C–g1
Bombard 16’
Violon bas 16’
Subbas 16’
Kryt tichý 16’
Bas flét. 8’
Bas oktav 8’
Čello 8’

František Xaver Brixi (1732–71) wurde 1750 Organist am Veitsdom in Prag. Wegen seiner außergewöhnlichen musikalischen Begabung wurde er am 1. Januar 1759 zum Regens chori am Veitsdom berufen. Dieses bedeutendste Amt im Prager Musikleben bekleidete er bis zu seinem Tod.[8]

Robert Führer (1807–61) wurde am 11. Januar 1831 erster Organist am Veitsdom. Josef Foerster (1833–1907) war ab 1887 Chorleiter am Veitsdom.

Glocken[Bearbeiten]

Sigismundglocke von 1549

Das Geläut des Veitsdoms umfasst sieben Glocken. Die Sigismundglocke ist die größte Glocke des Domes und darüber hinaus die größte Glocke Tschechiens. Im Jahr 2012 wurden die drei fehlenden Glocken ergänzt.[9] Bis heute wird diese Glocke durch vier Personen von Hand geläutet. Die übrigen sechs Glocken werden von je einer Person geläutet.[10][11]

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer
 
Durchmesser
(mm, ca.)
Masse
(kg, ca.)
Schlagton
 
1 Sigismund 1549 Thomas Jarosch (Brünn) 2.560 13.500 ges0
2 Wenzel 1542 Meister Andreas und Matthias von Prag 1.760 4.500 c1
3 Johannes Baptist 1546 Meister Stanislav von Prag 1.580 3.500 es1
4 Dominik 2012 Leticie Vránová-Dytrychová, Brodek g1
5 Josef 1602 Martin Hilger 820 300 h1
6 Maria 2012 Leticie Vránová-Dytrychová, Brodek es2
7 Jesus 2012 Leticie Vránová-Dytrychová, Brodek g2

Literatur[Bearbeiten]

  • Jiří Burian: Der Veitsdom auf der Prager Burg. Gondrom, Bayreuth 1979, ISBN 3-8112-0115-8.
  • Ivo Hlobil: Der Prager Veitsdom. Geschichte in Bildern, Krönungskleinodien, Domschatz, Farbige Glasfenster. Aus d. Tschechischen v. Sonja Schürmann. London, Opus Publishing 2006, ISBN 978-3-7845-5350-4.
  • Jakub Pavel: Der Veitsdom zu Prag. Union-Verl., Berlin 1962 (Das christliche Jahrhundert; Bd. 39–40).
  • Marc C. Schurr: Die Baukunst Peter Parlers. Der Prager Veitsdom, das Heiliggeistmünster in Schwäbisch Gmünd und die Bartholomäuskirche zu Kolin im Spannungsfeld von Kunst und Geschichte. Thorbecke, Stuttgart 2003, ISBN 3-7995-0127-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Veitsdom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Der Veitsdom in Prag - Baugeschichte und Baubeschreibung 2012, S.12f
  2. http://www.radio.cz/de/artikel/72094
  3. Radio Vatikan: Tschechische Republik: Kirche übergibt Veitsdom 17. April 2007
  4. Radio Vatikan: Tschechien: Kirche zieht Klage zurück 9. Juni 2010
  5. Umberto Eco: Die unendliche Liste. dtv, München 2011, S. 173.
  6. Praha - Katedrála sv. Víta, Václava a Vojtěcha, siehe auch Homepage
  7. Informationen zur Hauptorgel
  8. Webseite Stifts-Chor Bonn Komponistenportrait Franz Xaver Brixi
  9. Radio Prag: Die Glocken des Veitsdoms - nach 100 Jahren sind sie wieder komplett
  10. Video aus der oberen Glockenstube
  11. Video von der Sigismundglocke

50.09111111111114.400555555556Koordinaten: 50° 5′ 28″ N, 14° 24′ 2″ O