Walldorf (Werra)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Walldorf
Walldorf (Werra)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Walldorf hervorgehoben
50.61666666666710.383055555556290Koordinaten: 50° 37′ N, 10° 23′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Schmalkalden-Meiningen
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Wasungen-Amt Sand
Höhe: 290 m ü. NHN
Fläche: 12,16 km²
Einwohner: 2207 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 181 Einwohner je km²
Postleitzahl: 98639
Vorwahl: 03693
Kfz-Kennzeichen: SM, MGN
Gemeindeschlüssel: 16 0 66 085
Adresse der Verbandsverwaltung: Markt 7
98634 Wasungen
Webpräsenz: www.walldorf-werra.de
Bürgermeister: Matthäus Hildebrand (Die Linke)
Lage der Gemeinde Walldorf im Landkreis Schmalkalden-Meiningen
Altersbach Aschenhausen Belrieth Benshausen Bermbach Birx Breitungen Brotterode-Trusetal Christes Dillstädt Einhausen (Thüringen) Ellingshausen Erbenhausen Fambach Floh-Seligenthal Frankenheim/Rhön Friedelshausen Grabfeld (Gemeinde) Grabfeld Henneberg (Thüringen) Hümpfershausen Kaltensundheim Kaltenwestheim Kühndorf Leutersdorf Mehmels Meiningen Meiningen Melpers Metzels Neubrunn Oberhof Oberkatz Obermaßfeld-Grimmenthal Oberschönau Oberweid Oepfershausen Rhönblick Rippershausen Ritschenhausen Rohr Rosa Roßdorf (Thüringen) Rotterode Schmalkalden Schwallungen Schwarza Springstille Steinbach-Hallenberg Stepfershausen Sülzfeld Unterkatz Untermaßfeld Unterschönau Unterweid Utendorf Vachdorf Viernau Wahns Wallbach Walldorf (Werra) Wasungen Wölfershausen Zella-Mehlis ThüringenKarte
Über dieses Bild
Walldorf von Süden

Walldorf ist eine Gemeinde im Landkreis Schmalkalden-Meiningen im fränkisch geprägten Süden von Thüringen. Sie gehört der Verwaltungsgemeinschaft Wasungen-Amt Sand an, die ihren Verwaltungssitz in der Stadt Wasungen hat.

Geografie[Bearbeiten]

Walldorf liegt an der Mündung der Herpf in die Werra zwischen Rhön und Thüringer Wald, vier Kilometer nördlich der Kreisstadt Meiningen.

Geschichte[Bearbeiten]

Walldorf wurde erstmals am 1. Oktober 982 erwähnt, als Kaiser Otto II. sein Königsgut Walldorf der Kirche St. Peter und Alexander in Aschaffenburg übereignete. Am 7. Mai 1008 übergab Heinrich II. dem Hochstift Würzburg Walldorf als Lehen. Am 27. Februar 1221 bestätigte Bischof Otto I. von Würzburg der Kirche in Meiningen das Patronatsrecht über die Walldorfer Kirche.

Sittich und Wilhelm Marschalk erwarben 1410 das Walldorfer Gut. 1542 kam Walldorf im Tausch mit der Exklave Meiningen zur Grafschaft Henneberg-Schleusingen, wodurch die Würzburger Herrschaft endete. Die würzburgischen Ritterlehen über Walldorf, die in diesem Tauschvertrag nicht genannt waren, blieben nach langen Kämpfen bis 1808 beim Bistum.

Nach dem Aussterben der Grafen von Henneberg gelangte Walldorf 1583 unter die Herrschaft der Herzöge von Sachsen. 1584 siedelten sich erste Juden in Walldorf an. Sie legten im 18. Jahrhundert einen Friedhof an und schufen eine Schule und eine Synagoge.

Walldorf war 1597–1660 von Hexenverfolgung betroffen. 37 Frauen und drei Männer gerieten in Hexenprozesse, 29 Frauen und ein Mann wurden verbrannt, eine Frau starb im Kerker, einem Mann gelang die Flucht. Der Ausgang von acht Prozessen ist unbekannt. Erstes Opfer war Anna, Klaus Krafts Frau. Trotz Kerker und Folter konnte der Scharfrichter kein Geständnis von ihr erfoltern. „Der Mann wollte sie nicht zurückhaben“. Sie wurde 1597 mit Landesverweis bestraft.[2]

Am 17. Oktober 1634 wurden die Kirche und Teile des Dorfes infolge des Dreißigjährigen Krieges niedergebrannt. Im Siebenjährigen Krieg (1757–1763) wurden in Walldorf über 7500 Soldaten und 2300 Pferde einquartiert. Im Ort waren zeitweise drei adlige Familien sesshaft: die von Ostheim, die von Bibra zu Irmelshausen und die zu Walldorf.[3] Das Dorf Walldorf gehörte seit dem 17. Jahrhundert der Reichsritterschaft an und kam nach deren Auflösung an das Großherzogtum Würzburg. In einem Tauschvertrag von 1808 wurde es von Sachsen-Meiningen zurückerworben und gehörte seitdem wieder zum Amt Meiningen.[4]

Während der Napoleonischen Kriege (1805–1814) mussten die Einwohner für insgesamt 34.000 Einquartierungen aufkommen, was für den Ort eine erhebliche Belastung bedeutete. 1809 erhielt der Herzog Bernhard II. von Sachsen-Meiningen unter Vormundschaft seiner Mutter Louise Eleonore die Hoheitsrechte über Walldorf.

Ab 1867 führte das Gesetz über Freizügigkeit zum verstärkten Wegzug von Juden aus Walldorf, die noch 1849 eine Höchstzahl von 562 Personen bei insgesamt 1637 Einwohnern aufwiesen.

Von den Walldorfer Männern fielen im Ersten Weltkrieg 43 und im Zweiten Weltkrieg 115 dem Krieg zum Opfer. Die Brücken über die Werra und die Herpf werden gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört. Im April 1945 rückten US-amerikanische Truppen in Walldorf ein und errichteten ein Zeltlager am Wehr. Auf der Basis der Beschlüsse der Alliierten übernahmen im Juli 1945 sowjetische Truppen die Verwaltung, die Amerikaner verließen Thüringen. Walldorf wurde Bestandteil der Sowjetischen Besatzungszone und später der DDR. Im Zuge der Bodenreform werden die Besitzungen des Freiherrn von Bibra 1946 entschädigungslos enteignet und an landarme Bauern übergeben.[5] Von 1950 bis 1990 lag Walldorf im Kreis Meiningen des Bezirkes Suhl der DDR, seit 1994 gehört es zum Landkreis Schmalkalden-Meiningen.

Die im 16. Jahrhundert errichtete Kirchenburg Walldorf wurde durch einen Brand am 3. April 2012 schwer beschädigt. Das Schloss Walldorf, ein im 18. Jahrhundert erbautes Herrenhaus, stand unter Denkmalschutz und wurde dennoch im Oktober 2013 abgebrochen.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[6][7]
Wbt.: 59,7 % (2004: 62,1 %)
 %
50
40
30
20
10
0
45,8 %
34,0 %
20,2 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-16
-15,1 %p
+13,1 %p
+2,0 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
a 2004: PDS

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat aus Walldorf setzt sich aus 14 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

  • LINKE: 6 Sitze (–2)
  • CDU: 5 Sitze (+2)
  • SPD: 3 Sitze (±0)

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Matthäus Hildebrand wurde am 27. Juni 2004 gewählt.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Die Kirchenburg mit Kirche aus dem 16. Jahrhundert wurde am 3. April 2012 durch einen Brand schwer beschädigt.

Baudenkmal[Bearbeiten]

  • Sandstein- und Märchenhöhle Walldorf, ein unterirdisches Labyrinth auf einer Fläche von 65.000 Quadratmetern, das von 2.500 Säulen getragen wird. Das ehemalige Bergwerk, aus dem Scheuersand gewonnen wurde, hat sich zu einem Besuchermagneten entwickelt.

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten]

Walldorf (Werra), Synagoge, Federzeichnung A. Metz, 1936
  • Walldorfs Synagoge, von der heute nur noch das Kellergeschoss erhalten ist, war ehemals eine Scheune mit Unterkellerung des von Marschalkschen Gutes. Ein völlig verwitterter Stein, auf dem heute kaum noch das Wappen der Familie von Marschalk und die Jahreszahl 1593 zu erkennen sind, befindet sich über der rundbogigen Kellertür. Der Umbau der Scheune erfolgte in den Jahren 1789 bis 1791. Den Platz zur Synagoge überließ der jüdischen Gemeinde Oberforstmeister Chr. E. Freiherr Marschalk von Ostheim. Es handelte sich um einen kunstlosen Fachwerkbau. Reicher ausgestattet war die heilige Lade, im Aufbau ähnlich manchen christlichen Altären Ende des 18. Jahrhunderts. In der Mitte stand der Schrein für die Thorarollen. Dieser Schrein war an beiden Seiten eingefasst von zwei Säulen und zwei Pilastern, die ein Gesims trugen. Dieses wurde gekrönt von zwei Adlern, welche die Gesetzestafeln halten, daneben zwei Blumenvasen aus Stuck. Der große Hauptleuchter für acht Kerzen entstammte der Zeit um 1789. Die acht Kerzen waren bestimmt für die acht Tage der Chanukkafestes. Drei aus Blech getriebene Kronleuchter, ebenfalls von 1789, hingen auf der Frauenempore. Auch alte Decken und Behänge, Gewebe des 18. Jahrhunderts, zum Teil gute Goldbrokatseide sowie ein Behang aus farbig bedrucktem Samt waren vorhanden.[8] Heute erinnert eine Gedenktafel an die Schändung der Synagoge am Tanzberg beim Novemberpogrom 1938, dem der erzwungene Verkauf und 1949 der schließliche Abriss wegen Einsturzgefahr folgten. Die zu Beginn der nationalsozialistischen Verfolgung noch zehn im Ort ansässigen jüdischen Familien wurden bis spätestens zum Jahr 1941 in die Emigration getrieben bzw. im Jahr 1942 in zwei Deportationsschüben ihrer Vernichtung preisgegeben; eine einzige Person überlebte.[9]
  • Schloss Walldorf: Bestimmte das Ortsbild von Walldorf mit, bis es im Oktober 2013 abgerissen wurde. Es war das ehemalige Marschalksche Schloss aus dem 18. Jahrhundert, welches seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1997 als Alters- und Pflegeheim gedient hatte. Der Abriss erfolgte gegen den Widerstand des Landesamtes für Denkmalschutz.[10]
  • Berufsschüler des Ausbildungszentrums Walldorf beteiligten sich am Bau von mehreren Objekten im Nationaldenkmal Skulpturenpark Deutsche Einheit.

Sport[Bearbeiten]

Walldorf liegt am Rhön-Rennsteig-Wanderweg und am Werratal-Radweg.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Blick auf Walldorf

Verkehr[Bearbeiten]

Walldorf liegt an der Bundesstraße 19 (EisenachMeiningen) und der Werrabahn (Bahnlinie Eisenach – Meiningen – Eisfeld).

Personen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Kai Lehmann: Unschuldig. Hexenverfolgung südlich des Thüringer Waldes, über 500 recherchierte Fälle aus dem 16. und 17. Jahrhundert, Untermaßfeld 2012, S. 400f.; Kai Lehmann: Ausstellung „Luther und die Hexen“, Bereich Walldorf, Bibliothek Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, 2012; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 236 und 240.
  3. Historische Beschreibung der Grafschaft Henneberg Teil 3
  4. Gebietsaustausch 1808 im Rhönlexikon
  5. Offizielle Zeittafel der Gemeinde Walldorf(Werra)
  6. wahlen.thueringen.de
  7. wahlen.thueringen.de
  8. Lehfeldt, Voss: Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens, Herzogthum Sachsen-Meiningen I. Band 1. Abteilung Kreis Meiningen. Amtsgerichtsbezirke Meiningen (Die Stadt Meiningen und die Landorte). Verlag von Gustav Fischer, Jena 1909, S. 570.
  9. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945: Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 262.
  10. Wolfgang Hirsch: Abrissbagger schaffen endgültige Lösungen. Zwei Herrenhäuser verschwinden von der Denkmalliste. Thüringische Landeszeitung, 7. Februar 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Walldorf (Werra) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien