Walter Dexel

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Walter Dexel (* 7. Februar 1890 in München; † 8. Juni 1973 in Braunschweig) war ein deutscher Maler, Werbegrafiker, Designer und Verkehrsplaner. Er wirkte auch als Kunsthistoriker und leitete während des Zweiten Weltkriegs ein Museum in Braunschweig.

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Leben und Werk[Bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten]

Walter Dexel studierte 1914 bis 1919 Kunstgeschichte an der Universität München bei Heinrich Wölfflin und Fritz Burger. Er besuchte nebenbei die Zeichenschule Gröber in München, unternahm eine Studienreise nach Italien und malte – noch beeinflusst von Paul Cézanne – erste Bilder [1]. Kurz vor Kriegsausbruch hielt er sich zu einem Studienaufenthalt in Paris auf.

Nach dem Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

1919 wurde er zum Kriegsarchiv in Jena abgestellt und an der Universität Jena bei Botho Graef promoviert. Zwischen 1916 und 1928 war Dexel Ausstellungsleiter des Jenaer Kunstvereins. Er baute die von Graef begonnene Sammlung des Kunstvereins aus, die schließlich Arbeiten von unter anderem Alexander Archipenko, Alberto Giacometti, Erich Heckel, Paul Klee, Oskar Kokoschka und Emil Nolde umfasste. Er organisierte Dada-Abende genauso wie Ausstellungen von Expressionisten, Bauhaus-Künstlern, Realisten und Konstruktivisten. Dem Bauhaus blieb er bis 1925 verbunden. Am 26.Januar 1924 hielt Paul Klee im Prinzessinnenschlösschen, dem Sitz des Jenaer Kunstvereins, seinen „Jenaer Vortrag“ über die moderne Kunst.

1921 lernte Dexel Theo van Doesburg kennen. 1923 organisierte er zusammen mit Willi Baumeister und Erich Buchholz eine Konstruktivisten-Ausstellung in Jena.

Im Oktober 1922 forderte Dexel neue Ausstellungsräume für den Kunstverein, auch weil jetzt „Architektur, Raumgestaltung, Kunstgewerbe, vorbildliche industrielle und handwerkliche Erzeugnisse“ im Vordergrund des Interesses ständen und Bilderausstellungen nur noch „Teil eines Ganzen“ seien. Schließlich erwuchs aus diesen Überlegungen ein gemeinsam mit dem Leiter der Volkshochschule Jena, Adolf Reichwein, entworfener „Plan zur Nutzbarmachung des Kunstvereins für Volksbildungszwecke“. Für Dexel hatte sich bestätigt, „daß der Schwerpunkt des Interesses heute nicht mehr dem Bilde an der Wand, sondern der Durchformung unserer Umgebung gehört“. Er konzentrierte sich deshalb zunehmend auf „Ausstellungen guter Typographie und Reklame, sachlicher Möbel und Gebrauchsgegenstände, über Wohnung, Siedlung und Städtebau.“ Die auf rein typografischer Gestaltung beruhenden Reklamearbeiten Dexels – eine angesichts der Besucherzahlen unzweifelhaft notwendige Stärkung der Öffentlichkeitsarbeit – wurden aus der finanziellen Not des Kunstvereins als Selbsthilfe des Geschäftsführers geboren.

Für ihn war die Souveränität der Verbraucher Konzeptionsvoraussetzung: Der Mensch von heute hat das Recht zu fordern, daß ihm die Mitteilungen, die er braucht, knapp und klar dargeboten werden und vor allem kann er verlangen, daß ihm die Fülle nicht gewünschter Mitteilung, worunter die Reklame in fast allen ihren Spielarten fallen dürfte, nur ein Mindestmaß von Zeitverlust verursache. Dabei gelang es Dexel, seine „bildimmanente Syntax“ aus den Bereichen der Sammler- und Museumskunst in die Funktionsbereiche des urbanen Alltags zu übertragen. Dexels Verständnis von (guter) Werbung war dabei ein durchaus eingeschränktes, für ihn fielen „Typografie“ und „Reklame“ so gut wie zusammen. Insofern war Reklame für ihn „Gebrauchskunst“ ohne alles genialische Künstlertum. Während zeitgenössische Werbepädagogen zu begründen suchten, dass „der große Lärm der Straße, der ständige Wechsel der Passanten in ihrer Eile“ zur Folge hat, dass die „intensivere(n) Mittel, um sich zu Gehör zu bringen … nicht unbedingt in den Grenzen des Geschmacks“ zu halten wären, hat sich Dexel auch später für ästhetische Prinzipien in der Alltagsgestaltung eingesetzt. Er gehörte 1923 - 1927 zu den Künstlern der Novembergruppe, an deren Ausstellungen er bis 1929 teilnahm.

1926 ließ sich Walter Dexel in Frankfurt am Main nieder, wo er freiberuflich tätig war. Er entwarf bis 1928 zahlreiche Transparente, Reklameuhren, Lichtreklamen und sogar Telefonzellen. Ernst May engagierte Dexel auch als Grafiker für das Projekt Neues Frankfurt. Dexel übertrug seine "bildimmanente Syntax" auf Funktionsbereiche des urbanen Alltags. Es ist anzunehmen, dass die WMF-Produkte aus dem Projekt von Dexel entworfen wurden. Jedenfalls nach dem Ende des Projekts engagierte die WMF Dexel als Designer.

1927 war er in El Lissitzkys Kabinett der Abstrakten in Hannover vertreten. 1928 schloss er sich dem "Ring neue Werbegestalter" von Kurt Schwitters an. Von 1928 an bis 1935 unterrichtete er "Gebrauchsgraphik und Kulturgeschichte" an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg.

Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Am 1. Mai 1933 trat Dexel in die NSDAP ein.[2] 1937 wurden zwei seiner in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigten Arbeiten nach seinem Protest daraus entfernt.[3] 1936 bis 1942 war Dexel Professor für Theoretischen Kunst- und Formunterricht an der Staatlichen Hochschule für Kunsterziehung in Berlin-Schöneberg. 1942 ging Dexel an das neugegründete Institut für handwerkliche und industrielle Formgebung Braunschweig und veröffentlichte in Zusammenarbeit mit der Ahnenerbe-Stiftung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

1945 wurde Dexel entlassen und 1946 wiedereingestellt. Er wirkte bis 1955 in Braunschweig.

Beleuchtungen[Bearbeiten]

Lichtobjektkunst von Dexel: Farbige Lichtsäule (1926) im Gustav-Mahler-Park, Hamburg

Dexel schuf in den zwanziger Jahren in Jena als einer der ersten Gaslaternen zu Werbezwecken. Formal entwickelte Dexel diese „dreidimensionale(n), beleuchtete(n) Plakate“ aus seiner Malerei und Gebrauchsgrafik. 1926 ging Walter Dexel als freiberuflicher Berater für Reklamegestaltung nach Frankfurt am Main. Hauptziel einer von ihm für Frankfurt entworfenen Reklameordnung war die Vereinheitlichung der Fassaden, ein Gleichklang zwischen Reklame und Architektur. In Frankfurt entwarf Dexel 1927/28 außer zahlreichen Transparenten und Reklameuhren auch größere Lichtreklamegestaltungen an Häuserfronten und auf Hausdächern. Hinzu kamen beleuchtete Telefonzellen und Leuchtsäulen für Normaluhren. Dabei setzte sich Dexel – wie mit seiner Apothekenreklame bereits 1926 praktiziert – auch für die umfassende Einführung des Branchenzeichens ein, „das heute zu Unrecht fast völlig ausgestorben ist. […] Der Arzt, die Hebamme, die Autoreparaturwerkstatt, die Autoausfahrt, Postämter, Fernsprechzellen u. v. a. sollten uns durch Zeichen geläufig werden. Im Geschäftsleben haben sich aus der Vergangenheit fast nur die Brezel des Bäckers, das Messingbecken des Frisörs und das Kreuz der Apotheken erhalten.“

Verkehrszeichen[Bearbeiten]

Im September 1925 hatte Dexel den weltweit ersten beleuchteten Richtungsweiser für den Straßenverkehr auf dem Jenaer Holzmarkt entworfen. Hatte Dexel 1925 bei der farblichen Gestaltung der Richtungsweiser für Jena und Umgebung noch experimentiert, so schlug er im Folgejahr vor, „daß man sich von Anfang an für bestimmte Himmelsrichtungen auf bestimmte Farben festlegte, also etwa Norden: weiße Schrift auf schwarzem Grund; Süden: weiße Schrift auf rotem Grund; Osten: schwarze Schrift auf gelbem Grund; Westen: weiße Schrift auf blauem Grund.“ Zwar berichtet das Jenaer Gas- und Wasserwerk 1925, dass es die Verkehrsleuchten als Reichspatent angemeldet habe, durch die Normierung nach DIN setzten sich jedoch die bis heute bekannten gelben Schilder mit schwarzer Schrift durch. Zudem setzte sich Dexel für eine grafisch und semantisch logische sowie visuell schnell erfassbare Gestaltung der Verkehrszeichen ein. Dexel machte zukunftsweisende Vorschläge zur Strukturierung städtischer Straßennetze: „Bei der wachsenden Bedeutung des Automobils als Reisemittel wären in den Großstädten zu markieren erstens: geeignete Wege von Vororten ins Geschäftszentrum, zweitens: Ausfallstraßen nach den Hauptstrecken, die für Hauptverkehrsrichtungen infrage kommen (diese wären erst in zweiter Linie vielleicht in verkleinertem Maßstabe mit den Namen der Zwischenorte von mehr lokaler Bedeutung zu versehen) und drittens: Straßen, die den Durchgangsreiseverkehr vom Zentrum der Großstadt fernhalten.“ Die wohl „weltweit ersten beleuchteten, farbigen Glasplastiken, die in Reihen auf dem Markt in Jena aufgestellt als Festdekoration dienten“, entwarf Walter Dexel im Jahr 1926.

Ausstellungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Der Bauhausstil: ein Mythos. Texte 1921–1965. Mit 4 Aufsätzen von Grete Dexel. Hrsg. und kommentiert von Walter Vitt. Keller, Starnberg 1976, ISBN 3-7808-0113-2.

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Novembergruppe. Teil 1. Die Maler. Katalog zur 15. Europäischen Kunstausstellung. Berlin 1977.
  • Ruth Wöbkemeier, Walter Vitt (Hrsg.): Walter Dexel Werkverzeichnis. Umschau, Frankfurt am Main 1994 ISBN 978-3-89466-106-9.
  • Maria Schmid (Hrsg.): Dexel in Jena. Glaux Verlag Christine Jäger, Jena 2002.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walter Dexel, Apenninbrücke, 1913, Feder und Aquarell, 12 x 12 cm
  2. Entnazifizierungsakte Walter Dexel, Niedersächsisches Staatsarchiv.
  3. Kat. der 15. Europäischen Kunstausstellung Berlin 1977, S.39