Walter Flex

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Walter Flex, ca. 1915

Walter Flex (* 6. Juli 1887 in Eisenach; † 16. Oktober 1917 bei Pöide (Peude) auf der estnischen Insel Saaremaa (Ösel)) war ein deutscher Schriftsteller und Lyriker.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Walter Flex wurde als Sohn des politisch und kulturell vielfach engagierten nationalliberalen Gymnasialprofessors Rudolf Flex und seiner Ehefrau Margarete geb. Pollack geboren. Er besuchte das Karl-Friedrich-Gymnasium (heute: Martin-Luther-Gymnasium) in Eisenach und verfasste bereits als Schüler poetische und dramatische Texte (z. B. Die Bauernführer). 1906 legte er sein Abitur ab.

Studium und schriftstellerische Anfänge[Bearbeiten]

Gedenktafel am Haus Friedrichstraße 16 in Erlangen

1906 begann Flex ein Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität Erlangen und wurde gleichzeitig Mitglied der Burschenschaft der Bubenreuther. 1908 setzte er sein Studium in Straßburg fort und veröffentlichte nebenher Erzählungen, Novellen und Gedichte. Sein ursprüngliches Vorhaben, wie sein Vater das Staatsexamen zu machen und danach als Gymnasiallehrer tätig zu werden, gab Flex auf. Ein erstes Dissertationsprojekt an der Universität Straßburg wurde nicht abgeschlossen. Stattdessen ging Flex 1910 nach Erlangen zurück und wurde hier 1911 zum Thema Die Entwicklung des tragischen Problems in den deutschen Demetriusdramen von Schiller bis in die Gegenwart promoviert.

Die Bekanntschaft mit der Familie des verstorbenen Reichsgründers Otto von Bismarck, bei der er in den Jahren 1910 bis 1913 als Hauslehrer, zunächst in Varzin (Hinterpommern) und dann in Friedrichsruh bei Hamburg tätig war, beeinflusste sein literarisches Schaffen. 1913 kam es zu einem – nach außen sorgfältig kaschierten – Bruch mit seinen Arbeitgebern, da für Flex die international zusammengesetzte Adelsfamilie von Bismarck zu „undeutsch“ war. Flex blieb jedoch bemüht, sich in den Fußstapfen seines Vaters Rudolf Flex als literarischer Vertreter des nationalistischen Bismarck-Kultes der Kaiserzeit zu etablieren. Es entstanden die Bismarck-Novellen und das Drama Klaus von Bismarck, das 1913 am Hoftheater in Coburg uraufgeführt wurde. Vom Militärdienst wurde der Dichter wegen einer Sehnenverletzung an der rechten Hand befreit. Die anderthalb Jahre bis zum Kriegsausbruch im August 1914 verbrachte Flex als Hauslehrer einer Landadelsfamilie von Leesen bei Rawitsch in der Provinz Posen.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Kirche von Pöide mit aufgelassenem Friedhof

Flex meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger in Posen und diente im 3. Niederschlesischen Infanterie-Regiment Nr. 50. Im selben Jahr starb sein jüngster Bruder Otto in der Marneschlacht. Im Oktober 1914 zog sein Regiment nach Lothringen. Gleichzeitig beteiligte sich Flex an der Schwemme nationalistischer Kriegslyrik, die im August und September 1914 in Deutschland veröffentlicht wurde. Seine in der Täglichen Rundschau (DVP), damals eine der auflagenstarken deutschen Tageszeitungen, veröffentlichten Kriegsgedichte machten ihn erstmals einem breiteren Publikum bekannt. Sie wurden daraufhin auch mit großem Erfolg in Anthologien veröffentlicht.

Im März 1915 wurde Flex zu einer Offiziersausbildung in das Warthelager bei Posen beordert. Zum Leutnant befördert, diente er seit Mai 1915 zumeist an der Ostfront, vor allem in Nordostpolen und im Baltikum. In diesem Zusammenhang lernte er den kriegsfreiwilligen Studenten der Theologie Ernst Wurche (24. November 1894 – 23. August 1915) kennen.[1] Mit ihm verband Flex bald eine innige Beziehung. Der Tod Wurches während eines Patrouillengangs bei Simnen war für Flex ein einschneidendes Erlebnis. Der Versuch, dieses Trauma zu verarbeiten, fand seinen literarischen Niederschlag in der autobiografisch orientierten Erzählung Der Wanderer zwischen beiden Welten. Sie erschien im Oktober 1916 und wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem sensationellen Erfolg. Es wurde das erfolgreichste Buch eines deutschen Schriftstellers im Ersten Weltkrieg und eines der sechs erfolgreichsten deutschen Bücher im 20. Jahrhundert überhaupt. Darin verbinden sich völkischer Nationalismus mit passagenweiser Darstellung inniger Homoerotik, lautmalerisches expressionistisches Stakkato mit jugendbewegter Naturpoesie. Für mindestens zwei Generationen deutscher Jugendlicher wurde Der Wanderer zwischen beiden Welten zum Kultbuch schlechthin und Walter Flex bis 1945 zum – auch literaturwissenschaftlich hoch geschätzten – Klassiker der Moderne. Genregeschichtlich steht sein Werk am Beginn einer ganzen Serie ähnlich gelagerter autobiografisch orientierter Kriegserzählungen, von denen Ernst Jüngers In Stahlgewittern, Ludwig Renns Krieg und Erich Maria Remarques Im Westen nichts Neues nur die bekanntesten und auflagenstärksten waren.

Das im Wanderer enthaltene Gedicht Wildgänse rauschen durch die Nacht ... wurde bald mehrmals vertont und zu einem der bekanntesten deutschen Gedichte überhaupt. Ebenso avancierten der Titel des Buches und einige Aphorismen aus seinem Inhalt zu populären Schlagwörtern.

1917 wurde Flex wegen seines literarischen Ruhms nach Berlin abkommandiert, um im Auftrag des Generalstabs an der Publikation Der Krieg in Einzeldarstellungen mitzuwirken. Obwohl die Publikation von Flex auftragsgemäß fertiggestellt wurde, blieb der Aufenthalt in der Etappe Episode. Auf eigenen Wunsch wieder an die Ostfront versetzt, wurde Flex im Unternehmen Albion mit der Führung einer Kompanie Infanterie betraut. Dabei erlitt er während eines militärisch bedeutungslosen Scharmützels in der Nähe des Peudehofs eine Verwundung, der er einen Tag später im Lazarett von Peudehof erlag.

Gräber[Bearbeiten]

Begraben wurde Flex auf dem Dorffriedhof von Pöide, wo das Holzkreuz bald verfiel. An seine Stelle kam eine Gedenktafel, die nach Kriegsende entfernt wurde; als namenloses Grab blieb die Stätte aber erhalten. Die Nationalsozialisten ließen die sterblichen Überreste Flex’ 1940 auf den Friedhof der Garnison Königsberg i. Pr. umbetten.[2][3] Ostpreußens Hauptstadt war leichter zu erreichen und eignete sich daher auch besser zur propagandistischen Flex-Verehrung. Der dortige Grabstein wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

An der ursprünglichen Grabstätte in Pöide schichteten unbekannte Besucher in der Zeit der Perestroika zwei kleine Steinhügel auf. Eine deutsche Jugendgruppe brachte 1995 ein schlichtes Birkenkreuz an.[2]

Die 1987 gegründete Öselsche Gesellschaft für Denkmalpflege initiierte einen Gedenkstein. Der Historiker Raul Salumäe (heute Direktor des Museums in Kuressaare), eine studentische Landsmannschaft und eine Untergliederung der Sudetendeutschen Landsmannschaft ermöglichten die Verwirklichung der Idee. Durch Vermittlung eines Stuttgarter Pfarrerehepaars recherchierte Salumäe im Deutschen Literaturarchiv Marbach (DLA). Das Ergebnis erschien im Jahrbuch des DLA. Von Salumäe entworfen und vom einheimischen Steinmetz Markus Vaher ausgeführt, wurde der Gedenkstein am 6. Juli 1997, dem 110. Geburtstag von Flex, mit einem kleinen Festakt vor 60 überwiegend estnischen Gästen eingeweiht. Er befindet sich an derselben Stelle wie der erste Grabstein.[2]

In Flex’ Heimatstadt Eisenach gibt es außerdem ein symbolisches Grab. Von der Errichtung dieser Gedenkstätte machte der ehemalige Freundeskreis Walter Flex die Schenkung des Nachlasses des Dichters an die Stadt Eisenach abhängig. Der Bestand wird im Stadtarchiv aufbewahrt.

Ehrungen[Bearbeiten]

In Landsberg an der Warthe war die „Walter-Flex-Kaserne“ der Wehrmacht nach Walter Flex benannt.[4] In zahlreichen deutschen Städten sind Straßen und Plätze nach ihm benannt.

Werke[Bearbeiten]

Zitat von Walter Flex als Inschrift in der Langemarckhalle Berlin
  • Demetrius (Drama), 1909
  • Der Schwarmgeist (Novelle), 1910
  • Im Wechsel (Gedichte), 1910
  • Lothar (Drama), 1912
  • Zwölf Bismarcks (Novellen), 1913
  • Klaus von Bismarck (Drama), 1913
  • Das Volk in Eisen (Gedichte), 1914
  • Weihnachtsmärchen des 50. Regiments (Märchen), (vermutl. 1914)
  • Sonne und Schild (Gedichte), 1915
  • Vom großen Abendmahl (Verse und Gedanken), 1915
  • Im Felde zwischen Nacht und Tag (Gedichte), 1917
  • Der Wanderer zwischen beiden Welten (Novelle), 1916, zuletzt neu aufgelegt im Orion-Heimreiter-Verlag, Kiel 1998, ISBN 3-89093-300-9
  • Wallensteins Antlitz (Novelle), 1918
  • Die russische Frühjahrsoffensive 1916, 1919
  • Wolf Eschenlohr (Novelle), 1919
  • Die evangelische Frauenrevolte von Löwenberg
  • Novellen (6 Stück), geschrieben 1907–1914, Beck, München 1926

Vergleichbare Autoren[Bearbeiten]

Literatursoziologisch gesehen nahm Walter Flex nach 1918 die soziale Position des „Nachkriegsdichters“ ein, die Theodor Körner nach den Freiheitskriegen gegen Napoleon und Wolfgang Borchert nach dem Zweiten Weltkrieg innehatten: Jung gefallen oder gestorben, jugendlichen Lesern wiedererkennbare Emotionalität und Trotz, gegen Sentimentalitäten nicht gefeite Trauer, eher lyrischer als prosaischer Stil.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Beinert: Walter-Flex-Gedächtnisfeier zu Arensburg auf Oesel am 16. Oktober 1918. Berlin 1920.
  • Rosa Kaulitz-Niedeck: Das Dichtergrab auf Ösel: Ein Buch für Freunde und Verehrer von Walter Flex. Hapsal/Estland 1925.
  • Bernita-Maria Moebis: Wer Gottes Fahrt gewagt: Bilder und Schicksale aus dem Hause Flex. Ernte-Verlag, Hamburg, 1926.
  • Johannes Klein: Walter Flex, ein Deuter des Weltkrieges. Ein Beitrag zur literaturgeschichtlichen Wertung deutscher Kriegsdichtung. Marburg a. L. 1929.
  • Erich von Tschischwitz: Blaujacken und Feldgraue gen Oesel: Walter Flex’ Heldentod. Berlin 1934 (Beispiel für Flex-Kult im Nationalsozialismus).
  • Konrad Flex: Walter Flex: Ein Lebensbild. Stuttgart 1937.
  • Christoph Petzsch: Flex, Walter. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 243 f. (Digitalisat).
  • Justus H. Ulbricht: Der Mythos vom Heldentod: Entstehung und Wirkung von Walter Flex’ „Der Wanderer zwischen beiden Welten“. In: Jahrbuch des Archivs der deutschen Jugendbewegung. 16 (1986/87), S. 111–156.
  • Raimund Neuss: Anmerkungen zu Walter Flex. Die „Ideen von 1914“ in der deutschen Literatur: Ein Fallbeispiel. SH-Verlag, Schernfeld 1992.
  • Die Nachlässe und Sammlungen zum Dichter Walter Flex und seiner Familie. Bearbeitet von Bernd Jeschonnek. Stadt Eisenach, Eisenach 1999.
  • Bernd Spiekermann: „Willfährigkeit gegen das Göttliche und Wehrhaftigkeit gegen das Menschliche“. Religion und Nation im Werk von Walter Flex. Schüling, Münster 2000.
  • Markus Henkel: Walter Flex und Erich Maria Remarque – ein Vergleich. Kriegsbild und Kriegsverarbeitung in Walter Flex’ „Der Wanderer zwischen beiden Welten“ (1916) und Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ (1929). In: Heinrich Mann-Jahrbuch. 19 (2001), S. 177–213.
  • Hans-Rudolf Wahl: Die Religion des deutschen Nationalismus. Eine mentalitätsgeschichtliche Studie zur Literatur des Kaiserreichs: Felix Dahn, Ernst von Wildenbruch, Walter Flex. Winter, Heidelberg 2002.
  • Hans Wagener: Wandervogel und Flammenengel. Walter Flex: Der Wanderer zwischen beiden Welten. Ein Kriegserlebnis (1916). In: Thomas F. Schneider (Hrsg.): Von Richthofen bis Remarque. Amsterdam u. a. 2003, S. 17–30. (= Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik; 5).
  • Lars Koch: Der Erste Weltkrieg als Medium der Gegenmoderne: Zu den Werken von Walter Flex und Ernst Jünger. Königshausen & Neumann, Würzburg 2006, ISBN 3-8260-3168-7.
  • Jürgen Reulecke: Eine junge Generation im Schützengraben, „Der Wanderer zwischen beiden Welten“ von Walter Flex. In: Dirk van Laak (Hrsg.): Literatur, die Geschichte schrieb. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-30015-2, S. 151–164.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Walter Flex – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Walter Flex – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsches Literaturarchiv Marbach.
  2. a b c R. L.: Walter-Flex-Stein in Estland. In: Studenten-Kurier, 4/2013, S. 18
  3. Fritz Gause: Königsberg in Preußen. Gräfe und Unzer, 1968, S. 226 (GoogleBooks).
  4. Holm Kirsten: Das sowjetische Speziallager Nr. 4 Landsberg/Warthe, S. 27.