Westercelle

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52.60166666666710.07111111111140Koordinaten: 52° 36′ 6″ N, 10° 4′ 16″ O

Westercelle
Stadt Celle
Wappen von Westercelle
Höhe: 40 m ü. NN
Fläche: 7,97 km²
Einwohner: 6987 (1. Jan. 2011)
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 29227
Vorwahl: 05141

Westercelle ist ein Ortsteil der Kreisstadt Celle in Niedersachsen, der etwa 3 km südlich der Innenstadt am Fluss Fuhse liegt.

Geschichte[Bearbeiten]

Christuskirche

Der Ort erhielt seinen Namen durch die westliche Lage der Siedlung zum ursprünglichen Ort Celles, jetzt Altencelle. Erste Behausungen wurden am Ufer der Fuhse errichtet. Westercelle ist altes Siedlungsgebiet. Erste Siedlungsspuren sind aus der Steinzeit. Es sind mehrere tausend Steinwerkzeuge gefunden worden. An der Straße zum Ortsteil Bennebostel befinden sich Gräber aus der Bronzezeit. Die erste Urkundliche Erwähnung im Jahre 1013 in einer Kaiserurkunde von Heinrich dem II. Westercelle entwickelte sich zu einem rein landwirtschaftlich geprägten, relativ großen Dorf mit Bauernhöfen auf beiden Seiten der von Celle nach Süden nach Hannover führenden Straße, aus der später die Bundesstraße 3 wurde. Einzelne Bauernhöfe sind noch vorhanden.

Eine Feuersbrunst von größerer Ausdehnung wütete 1852 in Westercelle. In der Nacht vom 26. zum 27. Juli 1852 war ein Brand ausgebrochen, der sich mit unheimlicher Eile über den ganzen Ort ausdehnte. In wenigen Stunden waren die Wohnhäuser, Nebengebäude und Wirtschaftsräume auf 9 Vollhöfner-, 4 Halbhöfner-, 2 Kötner- und 2 Abbauerstellen gänzlich zerstört, ebenfalls das Schulhaus. Insgesamt fielen 28 Wohnhäuser und 30 Wirtschaftsgebäude den Flammen zum Opfer. 40 Familien mit 151 Personen waren obdachlos geworden. Nicht nur viel Vieh verbrannte, sondern die ganze erste Heuernte des Jahres und ein großer Teil der Roggenernte wurden vernichtet. Es kam allerdings auch eine Familie in den Flammen um, nämlich der Hofbesitzer Friedrich Krüger zusammen mit seiner Ehefrau und zwei Töchtern, wie ein Eisengrabkreuz auf dem Westerceller Friedhof kundtut.Nur das letzte Glied der Familie, ein elfjähriger Knabe, bleibt unversehrt berichtet das Tagblatt der Stadt Bamberg. In den folgenden Monaten wurden die Höfe vorwiegend weiter entfernt wieder errichtet, allerdings mit großen Abständen untereinander.[1]

Mit Wirkung vom 1. Januar 1973 wurde die Gemeinde aufgelöst und großenteils in die Stadt Celle eingemeindet. Die Gebiete südlich des Fuhsekanals wurden der Gemeinde Adelheidsdorf und somit der Samtgemeinde Wathlingen zugeschlagen.[2]

Religionen[Bearbeiten]

Die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Westercelle ist in der Christuskirche beheimatet.

Politik[Bearbeiten]

Ortsbürgermeister ist seit dem 16. November 2011 Reinhold Wilhelms (SPD). Sein Vorgänger war 10 Jahre lang Michael Schwarz (CDU). Stellvertreter sind Dagmar Bedford (Bündnis 90/Die Grünen) und Torsten Schoeps (WG).

Wappen[Bearbeiten]

Der grüne Wappenschild wird schräg von rechts unten nach links oben durch eine weiße Wellenlinie geteilt, die den Fluss Fuhse symbolisiert. Oberhalb befindet sich ein weißer Pferdekopf, unterhalb ein weißes Lindenblatt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Seit den 1970er Jahren siedelten sich Industrie- und Gewerbebetriebe in den geschaffenen Gewerbegebieten an, wobei die verkehrsgünstige Lage zur Bundesstraße 3 ausgenutzt wird. In Westerceller Gewerbegebieten ist u. a. „Street One“ und „trispel“ ansässig. Nach Fertigstellung des zweiten Abschnitts der Ostumgehung 2013 soll Westercelle erheblich vom Durchgangsverkehr entlastet werden.

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Durch diesen Stadtteil von Celle verläuft im Westen die S-Bahn-Strecke Celle-BurgdorfLehrte–Hannover der Deutschen Bahn (DB). Der nächste Bahnhof ist Celle mit Anschlüssen an Intercityexpress, InterCity, ME in richtung Hannover und Hamburg sowie S-Bahn in richtung Hannover.

Bis zum 26. September 1981 besaß Westercelle einen Haltepunkt an der inzwischen weitestgehend abgebauten Kursbuchstrecke 158 (Allertalbahn, Abschnitt Celle–Gifhorn Stadt).

Stadtverkehr (öffentliche Verkehrsmittel)[Bearbeiten]

Die Buslinie 665 und 775 des Verkehrsbetriebs CeBus halten in Westercelle und sind an den Zentralen Umstiegsplatz in der Celler Altstadt angebunden von wo aus Anschlussmöglichkeiten in das Stadtgebiet, den Hauptbahnhof und den Landkreis Celle bestehen. An Schultagen verkehren in den Morgenstunden und am Nachmittag Schulbusse am Haltepunkt Westercelle/Nadelberg. Die Linie 1 und 115 fahren durch Westercelle bedienen dort aber keine Haltestelle. [Stand 03/13]

Bildung[Bearbeiten]

Westercelle hat drei allgemeinbildende Schulen: zwei Grundschulen (Grundschule Bruchhagen und Grundschule Nadelberg) und seit dem 1. August 2012 mit Verfügung der Landesschulbehörde Lüneburg vom 10. Februar 2012 die Oberschule III (ehm. Realschule Westercelle) mit einer Außenstelle im nahgelegenen Stadtteil Heese (Heese-Süd-Schule). Für die Jugendarbeit ist das „Jugenddorf Westercelle“ von Bedeutung.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Westercelle verfügt über ein eigenes Freibad, das inzwischen nicht mehr von der Stadt, sondern von einem Verein (Förderverein Freibad Westercelle) betrieben wird.
  • Die Flussauen der Fuhse sind sehenswert.

Sport[Bearbeiten]

Die Schützengesellschaft Westercelle wurde bereits 1644 gegründet. Seit 1950 gibt es den Sportverein Vfl Westercelle. Er ist zweitgrösster Sportverein innerhalb der Stadt Celle mit zur Zeit 14 Sparten. Vorsitzender ist seit 2001 Reinhold Wilhelms. Der Reit- und Fahrverein am Triftweg sowie die Voltigier- und Reitgemeinschaft Westercelle bieten weiteren Freizeitwert.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Artur Müller-Davidi: Westercelle: Hinweise für die Erforschung der Geschichte des Dorfes. Celle 1981
  • Horst Bolle: Chronik des Dorfes Westercelle. Celle 1951
  • Oskar Ansull: Himmel, welch ein Land! Eine Sichtung. Celle 2010 (darin: „Westercelle in der Literatur“, S. 43–59)
  • Gemeinde Westercelle (Hrsg.): Die Gemeinde Westercelle. Ihre geschichtliche Entwicklung und das Ringen um die weitere Selbstständigkeit. Westercelle 1972

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ausführlich: Blazek, Matthias: Das Löschwesen im Bereich des ehemaligen Fürstentums Lüneburg von den Anfängen bis 1900, Adelheidsdorf 2006, S. 206–208, ISBN 978-3-00-019837-3.
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 221.