Wilhelm von Aquitanien

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Wilhelm von Aquitanien (auch Wilhelm von Gellone, Wilhelm der Heilige, Guillaume de Gellone, Guillaume au Court Nez, Wilhelm Kurznase, Guilhem u.a.; * um 754[1]; † 28. Mai 812[2] in Gellone, heute Saint-Guilhem-le-Désert bei Montpellier in Frankreich) aus dem nach ihm benannten Hause der Wilhelmiden war von 790 bis zum Jahr 806, als er sich in ein Kloster zurückzog, Graf von Toulouse[3].

Leben[Bearbeiten]

Siegel des Grafen von Toulouse

Wilhelm war Sohn des Grafen Theodoricus von Autun und dessen Frau Aldana, die vielleicht eine Tochter des fränkischen Hausmeiers Karl Martell war, womit er ein Cousin von Kaiser Karl dem Großen gewesen wäre[4] Karl der Große ernannte seinen Feldherrn Wilhelm 790 als Nachfolger des abgesetzten Grafen Chorso[5] zum Grafen von Toulouse. Aus seiner Aufgabe als Feldherr heraus führte er den Titel eines dux[6]. 791 unterdrückte er einen Basken-Aufstand, 793 musste er bei einem Raubüberfall der Sarazenen am Fluss Aude eine Niederlage hinnehmen[7]. 801 eroberte er gemeinsam mit Ludwig dem Frommen die Stadt Barcelona[8], übte danach für kurze Zeit die Herrschaft in Katalonien aus. Die „Vita Hludowici imperatoris“ Thegans berichtet zudem, dass ein Wilhelm im Jahr 801 bei Córdoba kämpfte, doch ist hier die Zuordnung zum Grafen von Toulouse unsicher[9]

Im Dezember 804 gründete Wilhelm die Abtei Gellone, die er mit Mönchen aus dem nahegelegenen Aniane besiedelte. Am 29. Juni 806 trat er selbst in das Kloster ein, jedoch nicht in führender Stellung, sondern blieb bis zu seinem Tod Einsiedler. Das Kloster trug anfangs den Namen St. Crucis nach einer Kreuzreliquie, die Karl der Große Wilhelm anlässlich seines Eintritts ins Kloster schenkte.

Nachleben[Bearbeiten]

Die Klosteranlage von Gellone

Wilhelm starb in Gellone und wurde hier auch bestattet. Sein Grab wurde zum Wallfahrtsort und Saint-Guilhem-le-Désert ist eine der Stationen auf der Via Tolosana, dem südlichsten der vier Jakobswege in Frankreich. Im Jahr 1066 wurde Wilhelm heiliggesprochen (er gilt als Schutzheiliger der Waffenschmiede), das Kloster wurde ab dem 12. Jahrhundert nach ihm Saint-Guilhem-le-Désert genannt. 1139 wurden die Reliquien Wilhelms transferiert, 1793, also während der Französischen Revolution zerstreut; die Überreste dieser Reliquien befinden sich heute in der Basilika St-Sernin de Toulouse.

Die Besiedlung Gellones durch Mönche aus Aniane führte im 11. Jahrhundert zum Streit zwischen den beiden Klöster um die Frage, ob Gellone selbständig sei oder Aniane unterstehe. Der Streit wurde um 1092 durch Rom zugunsten Gellones entschieden, allerdings wurde der Urteilsspruch in Aniane wohl nicht akzeptiert.

In dem Chanson de Guillaume, einem der großen Epen der Altfranzösischen Epik, wird der Held Guillaume d'Orange (oder Guillaume de courbe nez) verherrlicht, der auf Wilhelm von Aquitanien zurückgeht. Dieser Stoff wurde ca. 1210/1220 von Wolfram von Eschenbach in seinem „Willehalm“ ins Deutsche übertragen.

Familie[Bearbeiten]

Wilhelms Eltern sind aus mehreren Quellen bekannt. Über seine Geschwister und Kinder wird hingegen in den Urkunden Auskunft gegeben, die sich mit der Gründung der Abtei Gellone befassen. Diese Urkunden existieren in zwei Ausführungen, sind zum 14. bzw. 15. Dezember 804 datiert, stammen aber tatsächlich aus dem 11. Jahrhundert und haben den Streit zwischen den Klöstern Gellone und Aniane zum Hintergrund; die Dokumente gehen wohl auf die (verlorene) Originalurkunde zurück, sind jedoch anscheinend so verfälscht, dass der ursprüngliche Inhalt kaum mehr feststellbar ist[10].

Nach diesen Urkunden waren seine Brüder [11] Theudoinus, Graf von Autun, Theodoricus und Adalhelm. Seine Schwestern hießen Albana und Bertana[12]. Seine Ehefrauen waren Kunigunde und Guitburge oder Witburg und Kunigunde[13], so dass die Reihenfolge der Ehen hier nicht mehr feststellbar ist. Als seine Kinder werden nur Bernhard, Witcher, Gaucelm und Helinbruch angegeben[14].

Von der Forschung werden ihm aber elf Kinder zugeordnet[15]. Vermutlich von Kunigunde stammen:

  • Berà Graf von Rasès, † vor 814; ∞ Romilla
  • Witcher, 804 bezeugt, † wohl vor 824
  • Hildehelm, 804 bezeugt, † wohl vor 824
  • Helinbruch, 804 bezeugt, † wohl vor 824
  • Herbert, 803 mit dem Vater vor Barcelona, 803/43 bezeugt
  • Bernhard, 804/44 bezeugt, bis 830 Graf von Autun, bis 831 Markgraf von Septimanien, 834 in Burgund, 844 enteignet; ∞ 24. Juni 824 in Aachen Dhuoda, † nach 2. Februar 843, Schwester von Aribert
  • Gerberga (Gariberga), vermutlich identisch mit der Nonne aus Châlon, die 834 in Chalon-sur-Saône wegen Zauberei mit ihrem Bruder ertränkt wurde

Aus der zweiten Ehe stammen wohl:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wilhelm von Aquitanien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. BBKL
  2. Lexikon des Mittelalters, bei Schwennicke: 28. Mai wohl 812/13, jedenfalls vor 21. Mai 815
  3. Sein Nachfolger in Toulouse wurde Beggo I., dem 811 dann die Grafschaft Paris anvertraut wurde
  4. “Pater eius [Wilhelms] fuit Theodericus, mater Aldana“, (Jean Mabillon, saeculum IV, pars 1, S. 68); „Willelmus de praeclara Francorum progenie, ex patro videlicet nobili magnoque consule Theoderico nomine; cuius mater aeque generosa et nobilissima comitissa dicta est Aldana.“ (Vita Sancti Willelmi, Mai 6, S. 801)
  5. In der Vita Hludovici des sogenannten Astronomus wird er als Chorso dux Tholosanus bezeichnet.
  6. BBKL nennt ihn Herzog von Aquitanien
  7. “Selbst die Sarazenen im fernen Spanien sollen von der fortdauernden Ablenkung Karls durch die Awaren dazu verlockt worden sein, über die Pyrenäen hinweg in das Küstenland Septimanien einzudringen, wo sie 793 auch durch heftige Gegenwehr des Grafen Wilhelms von Toulouse nicht an Raub und Plünderung gehindert werden können.“ (Schieffer, S. 87)
  8. Schieffer, S. 88
  9. Vita Hludowici Imperatoris 13, S. 612
  10. Hlawitschka, Nr. 61, Wilhelm von Gellone
  11. „fratribus meis Theudoino et Adalelmo“ (Version 14.12.), „fratre meo Teodoino et Teoderico et Adalelmo“ (Version 15.12.)
  12. „sororibus meis Albana et Bertana“
  13. „uxoribus meis Cunegunde et Guitburge“ (Version 14. Dezember) und „Witburg et Cunegunde“ (Version 15. Dezember)
  14. „filiabus meis et filiis Barnardo, Witchario, Gotcelmo, Helimbruch“ (Version 14. Dezember) bzw. „filios meos et filias Witcario, Hildehelmo et Helinbruch“ (Version 15. Dezember)
  15. s. Schwennicke
  16. Dhuido/Dhuoda war die Schwiegertochter Wilhelms