Wolfgang Reitzle

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Wolfgang Reitzle

Wolfgang Reitzle (* 7. März 1949 in Neu-Ulm) ist ein deutscher Wirtschaftsmanager. Von Januar 2003 bis Mai 2014 war er Vorstandsvorsitzender der Linde AG, seit April 2014 ist er Verwaltungsratspräsident von Holcim.[1]

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Abitur 1967 in Ulm studierte Reitzle an der Technischen Universität München Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften. 1971 graduierte er mit 22 Jahren als jüngster Absolvent der Hochschule zum Diplom-Ingenieur. Bis 1974 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Werkstoff- und Verarbeitungswissenschaften, wo er 1974 im Fach Metallphysik summa cum laude promoviert wurde. Von 1972 bis 1975 absolvierte er ein Zweitstudium der Arbeits- und Wirtschaftswissenschaften zum Wirtschaftsingenieur.

1976 begann er seine berufliche Karriere beim Fahrzeughersteller BMW als Fertigungsspezialist, 1983 wurde er Forschungschef. Nach mehreren leitenden Positionen stieg er 1987 zum Entwicklungsvorstand auf. In den Folgejahren hatte er maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen Produktentwicklung und der Absatzsteigerung des BMW-Konzerns. In dieser Zeit erwarb er sich den Ruf eines erfolgreichen Automobilmanagers (Spitzname: Car Guy) und war in der Branche entsprechend begehrt. Einem Abwerbeversuch des Sportwagenherstellers Porsche widerstand er, u. a. weil er als Nachfolgekandidat des langjährigen BMW-Vorstandsvorsitzenden Eberhard von Kuenheim galt. Überraschenderweise wurde jedoch ein Weggefährte Reitzles, der spätere Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder, 1993 neuer Vorstandsvorsitzender bei BMW.

1999 ging Reitzle zum US-amerikanischen Autobauer Ford. Als Vorstandsvorsitzender der Premier Automotive Group (PAG) war er für die Konzernmarken Jaguar, Aston Martin, Volvo, Land Rover, Lincoln und Mercury verantwortlich.

2002 wechselte er in den Vorstand des deutschen Gas- und Technikkonzerns Linde und wurde 2003 dort Vorstandsvorsitzender. Als weltgrößter Hersteller von Wasserstoff-Anlagen wollte die Linde AG unter Reitzle stärker auf das Automobilgeschäft mit Wasserstoffantrieben setzen. Im Februar 2005 sorgte Reitzle für Schlagzeilen, als er die Machbarkeit eines deutschen Wasserstoff-Tankstellennetzes in naher Zukunft propagierte. Am 6. September 2006 gelang Linde unter seiner Führung die Übernahme des britischen Industriegaseherstellers BOC, bei gleichzeitiger Abspaltung der Linde Material Handling (Flurförderfahrzeug-) Sparte, die mit ihren Marken Linde, Still und OM nun als Kion Group firmiert. Mit diesem Zusammenschluss und nun neu aufgestellt konzentriert sich The Linde Group auf das Industriegasegeschäft und zählt zu den Weltmarktführern in diesem Bereich. Der Sitz der Unternehmenszentrale wurde 2007 von Wiesbaden nach München verlegt.

2005 wurde Wolfgang Reitzle, Lehrbeauftragter an der TU München seit 1985, Honorarprofessor für Unternehmensführung an der Technischen Universität München (TUM).

In der halbjährlichen Umfrage „Manager nach Noten“ der Beratungsfirma Marketing Corporation, bei der 1000 Manager befragt werden, hatte Reitzle Ende 2007 im Schnitt die beste Bewertung bekommen und war somit unter den Kollegen die Top-Führungskraft Deutschlands mit dem höchsten Ansehen.[2]

Am 9. September 2009 wurde bekannt, dass Wolfgang Reitzle - zusätzlich zu seinen Aufgaben für Linde - Aufsichtsratschef des Autozulieferers Continental wird, zu dem er offiziell am 19. Oktober 2009 berufen wurde[3] und die Aufsichtsratsmandate für die Deutsche Telekom AG[4] und die KION Group niederlegen werde. Seit 2012 ist er zudem Verwaltungsratsmitglied des Zementkonzerns Holcim Ltd., Jona/Schweiz, am 29. April 2014 übernahm er das Präsidium von Rolf Soiron[5]. Am 1. Januar 2014 wurde er Aufsichtsratsmitglied der Medical Park AG. Seit Juni 2014 ist Reitzle dort Aufsichtsratsvorsitzender. Zudem erwarb er einen Anteil von 10 Prozent am Unternehmen.[6] Zukünftig soll er den Verwaltungsrat der im Verlaufe des Jahres 2015 entstehenden Zementfirma LafargeHolcim (Fusion aus Holcim und Lafarge, Jahresumsatz knapp 35 Milliarden Euro) präsidieren[7].

Seine Gesamtvergütung als Vorstandsvorsitzender der Linde AG betrug für das Jahr 2011 6,8 Millionen Euro (die Gesamtvergütung bestand aus Festvergütung, Sach-/Nebenleistungen, variabler Vergütung und Aktienoptionen; zusätzlich erhielt er noch Pensionszusagen).[8] Sein Vertrag lief bis zur Hauptversammlung 2014; Reitzles Nachfolger wurde Wolfgang Büchele, der bis 2007 bei BASF beschäftigt war.[1] [9][10]

Privates[Bearbeiten]

Reitzle hat zwei Töchter aus erster Ehe. 2001 heiratete er die Fernsehmoderatorin Nina Ruge.[11]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Wachwechsel bei Linde: Reitzle übergibt intaktes Unternehmen. In: n-tv.de. 20. Mai 2014, abgerufen am 28. Juni 2014.
  2. Spiegel Online (vom 22. Dezember 2007)
  3. Linde-Chef Reitzle neuer Conti-Aufsichtsratschef (vom 19. Oktober 2009)
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWechsel im Telekom-Aufsichtsrat - Eon-Chef wird Kontrolleur. In: Handelszeitung Online. 5. Januar 2010, abgerufen am 5. Januar 2010.
  5. Matthias Pfander: Der Mann, der die Fäden zog. In: Tages-Anzeiger vom 12. April 2014
  6. Tegernseer Stimme: Neuer Aufsichtsratschef für Medical Park, 15. November 2013
  7. Megafusion: Zementkonzerne bilden neue Nummer eins. In: Spiegel Online vom 7. April 2014
  8. Linde Finanzbericht 2011. S. 28, abgerufen am 9. März 2012.
  9. Linde AG Jahresabschluss 2011. S. 7, abgerufen am 9. März 2012.
  10. Büchele folgt Reitzle als Linde-Chef. Süddeutsche Zeitung (online), 27. September 2013, abgerufen am 29. September 2013.
  11. Nina Ruge und Wolfgang Reitzle heiraten in aller Stille in der Toskana. Die Welt (online), 12. September 2001, abgerufen am 30. Juli 2014.
  12. Wolfgang Reitzle erhält Persönlichkeitspreis 2010. Mitteilung des ADAC, abgerufen am 14. Januar 2010.
  13. http://zeitschriftentage.vdz.de/zt-content/zt-startseite/zt-news-start/article/31/Prof-Dr-Wolfgang-Reitzle-Goldene-Victoria-als-Unternehmer-des-Jahres-2010.html

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wolfgang Reitzle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien