Worfelden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

49.9288888888898.548611111111196Koordinaten: 49° 55′ 44″ N, 8° 32′ 55″ O

Worfelden
Gemeinde Büttelborn
Wappen von Worfelden
Höhe: 96 m ü. NN
Fläche: 9,6 km²
Einwohner: 4283 (31. Dez. 2002)
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64572
Vorwahl: 06152

Worfelden ist ein Teil der Gemeinde Büttelborn, die im Städtedreieck Frankfurt am Main, Mainz/Wiesbaden und Darmstadt, inmitten des Rhein-Main-Gebietes liegt.

Geographie[Bearbeiten]

Die Worfelder Gemarkung liegt vollständig im sogenannten Hegbach-Apfelbach-Grund in der Westlichen Untermainebene.[1] Diesbezüglich unterscheidet es sich von der Lage Büttelborns, das mit seinem südwestlichen Gemarkungsteil bereits im hessischen Ried liegt.

Im Norden grenzt Worfelden an Mörfelden, im Osten an Schneppenhausen (Darmstadt-Dieburg), im Südosten an Braunshardt (Darmstadt-Dieburg) im Südwesten an Büttelborn und im Westen an Klein-Gerau.

Geschichte[Bearbeiten]

Worfelden altes Rathaus 20110414.jpg
Das alte Rathaus
Worfelden Fachwerkkirche 20110414.jpg
Die Worfelder Fachwerkkirche von 1696

Worfelden wird als „Wormuelden“ erstmals im Jahre 1211 urkundlich erwähnt, und zwar im Oculus Memorie einem Güterverzeichnis des Klosters Eberbach im Rheingau. Dies hat Bürgermeister Horst Gölzenleuchter im Jahre 2007 durch eigene Recherchen herausgefunden. Zuvor galt das Jahr 1225 als Ersterwähnung Worfeldens, wonach Heinrich von Worfelden als Zeuge in einer beurkundeten Grundstücksteilung zwischen dem eberbachschen Hof Gehaborn und dem Dorf Arheilgen genannt wird. Basierend auf dieser Urkunde feierte Worfelden 1975 seine 750-Jahr-Feier.

Weitere Schreibweisen, die im Laufe der Jahre für Worfelden auftauchen, sind z. B. Urfelt, Würfelt, Worveldin und Wohrfelden. Dem hessischen Ortsnamensbuch ist die mögliche Bedeutung des Namens zu entnehmen: „ur“ für feucht, feuchtes Feld, „wara“ für Obhut, Schutz.

Auch Worfelder Adel wurde erwähnt, etwa ein „Heinrich von Worfelden“, Bürge für Graf Eberhard von Katzenelnbogen im Jahre 1297 oder ein „Clas Ernst von Worfelden, Sänger zu Oppenheim, Angrenzer in Erfelden“.

Ihre Bede zahlten die Worfelder anfänglich an die Herren von Dornberg, später den Grafen von Katzenelnbogen (bis 1479), danach dem Landgrafen von Darmstadt. 1791 hatte der Ort 2.002 Morgen, meist Sandfeld, 157 Morgen Wiesen, weder Wald noch Weide. Den Wald hatte man um 1670 an Klein-Gerau verkauft.

Das Siegel Worfeldens bestand 1622 aus einem Reichsapfel im Schild. 1647 erscheint das Siegel bereits in seiner noch heute gültigen Form mit einem veränderten Kreuz. Das für ein kleines Dorf ungewöhnliche Privileg, den Reichsapfel im Wappen zu haben, kann inzwischen erklärt werden. Im Jahre 1420 erhielten die Herren von Wallbrunn den kleinen Zehnt von Worfelden. Die Wallbrunner stiegen zunächst in die Dienste der Katzenelnbogener auf, später setzten sie ihren Aufstieg bei den Hessen fort und vertraten u. a. die Kurfürsten von der Pfalz als Truchsessen. Hans V. von Wallbrunn wurde 1462 noch vor der Schlacht bei Seckenheim durch Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz zum Reichsritter geschlagen was ihm und den nachfolgenden Wallbrunnern das Recht gab den Reichsapfel im Wappen führen zu dürfen.

Während des dreißigjährigen Krieges leiden die Worfelder mehrfach unter Einquartierungen und Requisitionen fremder Truppen. Ein Kriegsschadensverzeichnis der Obergrafschaft Katzenelnbogen berichtet über die Mansfeldischen Greueltaten beim Einmarsch in die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt im Juni 1622. Dabei übertrafen die körperlichen und seelischen Grausamkeiten durch Folter erzwungener Kontributionen die infolge Requisitionen entstandenen Schäden bei weitem.

1696 wurde die Fachwerkkirche der Gemeinde fertiggestellt. Sie ist heute das Zentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Worfelden und enthält eine der ältesten Orgeln Hessens. Die Worfelder Orgel stammt von dem Bamberger Orgelbaumeister Adam Knauth aus dem Jahr 1623/24. Seit 1970 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.[2]

1912 wird Worfelden an das Stromnetz angeschlossen. Zur Kirchweih 1929 wird erstmals Wasser aus dem Leitungsnetz gezapft. Die ehemals landwirtschaftliche Prägung verliert sich, wie überall in der Umgebung, nach dem Zweiten Weltkrieg immer mehr. Viele Worfelder finden bei Opel in Rüsselsheim ihr Auskommen. Wie die Nachbargemeinde Klein-Gerau, so war auch Worfelden bis 1976 eine selbständige Gemeinde. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden die Gemeinden Büttelborn, Klein-Gerau und Worfelden am 1. Januar 1977 unter dem Namen Büttelborn zu einer Gemeinde zusammengeschlossen.[3] Eigenständigkeit gegenüber Büttelborn zeigt sich seitdem noch in einem eigenen Ortsgericht und Schiedsamt.[4]

Kirche und Religion[Bearbeiten]

Der erste Beleg für das Vorhandensein einer Kirche stammt aus dem Jahr 1557 als eine Kapelle erwähnt wird. Das Kirchenpatronat hatten ab 1259 Grafen von Katzenelnbogen, und vorher Herren von Dornberg inne. [5]

Die heutige evangelische Fachwerkkirche wurde an Stelle einer im 13. Jahrhundert gebauten Kapelle errichtet. Im Dreißigjährigen Krieg wurde diese zerstört. Im Jahre 1696 wurde dann eine erste Kirche errichtet. Mehrfach stand dieses Gebäude wegen aufgetretener Baumängel vor dem Abriss bis eine gründlichen Renovierung in den Jahren 1970 bis 1974 sie wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzte. [6]

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war Worfelden rein evangelisch, erst 1946 mit der Aufnahme von Heimatvertriebenen aus den Deutschen Ostgebieten kommt eine größere Anzahl Bürger katholischen Glaubens nach Worfelden, welche seitdem von der Katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer in Weiterstadt betreut werden.

Als kirchliche Verwaltungen sind heute das katholische Dekanat Darmstadt des Bistums Mainz und das evangelische Dekanat Groß-Gerau der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zuständig.

Verwaltung und Gerichte[Bearbeiten]

Verwaltungsgeschichtlich gehörte Worfelden bis 1820 zum „Amt Rüsselheim“, das seit 1806 zur „Provinz Starkenburg“ des „Großherzogtums Hessen“ gehörte, welches unter dem Druck Napoleons gegründet wurde. Danach wurde es durch den „Landratsbezirk Dornberg“ verwaltet, der durch die Verwaltungsreform 1821 geschaffen wurde. 1832 wurden die Landratsbezirke und verbliebenen standesherrschaftlichen Ämter in der Provinz Starkenburg in Kreise aufgeteilt und Worfelden wurde dem Kreis Groß-Gerau zugeteilt. 1842 wurde das Steuersystem im Großherzogtum reformiert und der Zehnte und die Grundrenten (Einnahmen aus Grundbesitz) wurden durch ein Steuersystem ersetzt, wie es in den Grundzügen heute noch existiert.

Die Zugehörigkeit zu Kreis Groß-Gerau wurde nur zwischen 1848 und 1852 unterbrochen als die Provinz Starkenburg durch Regierungsbezirke verwaltet wurde und Worfelden zum Regierungsbezirk Darmstadt gehörte. Die zuständige Gerichtsbarkeit war von 1821 bis 1879 das Landgericht Großgerau und ist seit 1879 das daraus hervorgegangene Amtsgericht Groß-Gerau.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind[5]:

  • 1629: 45 Hausgesessene
  • 1829: 456 Einwohner
  • 1939: 1209 Einwohner
  • 1961: 1650 Einwohner
  • 1970: 2451 Einwohner
Worfelden: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
485
1840
  
520
1846
  
585
1852
  
574
1858
  
474
1864
  
629
1871
  
666
1875
  
703
1885
  
801
1895
  
848
1905
  
906
1910
  
977
1925
  
1.011
1939
  
1.209
1946
  
1.552
1950
  
1.579
1956
  
1.522
1961
  
1.650
1967
  
2.153
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Statistische Angaben (Stand: 31. Dezember 2002):

  • Bevölkerung: 4283 Einwohner

Klimadaten[Bearbeiten]

(gemittelt über die Jahre 1991–2000)

  • Tagesmitteltemperatur: 10,5 °C
  • Niederschlagshöhe: 620 mm
  • Sonnenscheindauer: 1670 h

Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Kerb (Kirchweihe; am Bartholomäustag (24. August) oder den darauf folgenden Sonntag).
  • Hausgråwefest (am Himmelfahrtstag)
  • Saukopfessen (erster oder zweiter Sonntag im Januar)
  • RC03 Worfelden, Abteilung Karneval
    • Prunksitzung (eine Woche vor Fastnachtssamstag)
    • Kindersitzung
    • Narrenmarkt (Fastnachtssamstag)
    • Kinderfastnachtstreiben
  • viele weitere, vereinsgeprägte Feste und Veranstaltungen

Vereine[Bearbeiten]

Sportvereine[Bearbeiten]

  • Turn- und Sportgemeinde 88/46 Worfelden (TSG) mit Fußball, Handball, Leichtathletik, Musik, Tennis, Tischtennis und Turnen (mit Gymnastik und Jazztanz).
  • Radfahrer-Club 1903 Worfelden (RC 03) mit Radball, Kunstradfahren, Radwandern, Karneval und Gardetanz.
  • Angelsportverein 1980 Worfelden
  • Volleyballgemeinschaft 1986 Worfelden
  • Dartclub Bullkiller
  • Golfclub Bachgrund

Kulturvereine[Bearbeiten]

  • Gesangverein „Frohsinn“ 1880 Worfelden
  • Spielmannszug Worfelden (traditionelle Spielmannsmusik und Blasorchester)
  • Heimat- und Geschichtsverein (gegr. 1990)
  • Fun Time Big Band „Swing & Jazz made in Worfelden“

Weitere Vereine[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Emil Hieke: Die Geschichte Worfeldens. Herausgegeben von der Gemeindeverwaltung, 1959
  • Otto Klausing: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 151 Darmstadt. Bad Godesberg, 1967
  • Festschrift 750 Jahre Worfelden, 1975

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Worfelden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Otto Klausing: Die Naturräume Hessens. Hessische Landesanstalt für Umwelt, Wiesbaden, 1988, ISBN 3-89026-066-7.
  2. Worfelder Kirche mit historischer Orgel. Abgerufen am 6. Februar 2011.
  3. Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Groß-Gerau. Vom 26. Juni 1974.
  4. Büttelborn: Ortsgerichte und Schiedsämter in den Ortsteilen.
  5. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWorfelden, Landkreis Groß-Gerau. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 23. Juli 2012, abgerufen am 17. November 2012.
  6. Geschichte der ev. Kirche. Abgerufen im Nov. 2012.