Rheingau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der folgende Artikel bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Dieser Artikel behandelt die Kulturlandschaft Rheingau; zum gleichnamigen Weinbaugebiet siehe Rheingau (Weinbaugebiet).

Die Kulturlandschaft Rheingau erstreckt sich rechtsrheinisch von Walluf bis Lorchhausen und zieht sich als sanft gewelltes Hügelland von den Höhen des Taunushauptkammes hinunter bis zum Rhein, der hier für 30 Kilometer aus seiner allgemeinen Nordrichtung abgelenkt wird und bis zum Binger Loch nach Westen fließt. Dadurch ist die dominierende Geländeform im Rheingau der Südhang. Jedoch ist auch der steile Einschnitt des Rheins in den Taunushauptkamm vom Binger Loch bis Lorch noch Teil dieser Landschaft, wo der Rhein seinen Weg wieder nach Norden nimmt. Naturräumlich wird der Rheingau zum Rhein-Main-Tiefland gezählt und bildet die Haupteinheit 236. Der Rheingau als Landschaft ist Kern des gleichnamigen Weinbaugebietes Rheingau.

Der Rheingau zeichnet sich durch zahlreiche Sehenswürdigkeiten aus. Politisch gehört er zum Rheingau-Taunus-Kreis im Land Hessen.

Kartenausschnitt mit dem ehemaligen Rheingaukreis von 1905

Geographie[Bearbeiten]

Landschaft[Bearbeiten]

Weinberg Höllenberg in Assmannshausen

Die Region ist dreigeteilt:

  • Direkt am Rhein befinden sich flach abfallende, lössbedeckte Weinberge, Dörfer und Weingüter. Die alte Kulturlandschaft besitzt viele historische Burgen, Schlösser, Kirchen und Klöster, die den Rheingau auch für den Tourismus attraktiv machen.
  • Oberhalb der Weinberge geht der Rheingau in das so genannte Rheingaugebirge mit dem Hinterlandswald über. Der Quarzitrücken mit der höchsten Erhebung des Rheingaus, der Kalten Herberge (619 m), einer bewaldeten Kuppe oberhalb von Hallgarten, fällt mit vielen kleinen Bachtälern ab ins Wispertal. Diese Landschaft ist mit Schluchtwäldern, Hochmooren und Wiesenbächen bedeckt.
  • Zwischen Rüdesheim am Rhein und Lorch fließt der Rhein zwischen hohen, bewaldeten Bergrücken in Richtung Norden. Dieser Abschnitt des Mittelrheintals – Inbegriff der Rheinromantik zu Goethes Zeiten – ist geprägt durch Felsgruppen, Trockenwälder und kleinere Weinbaugebiete, die an die Ortschaften angrenzen. Hier gedeihen einige der bekanntesten Weine Deutschlands; ein berühmter Name ist der Assmannshäuser Höllenberg.

Klima[Bearbeiten]

Das Klima im Rheingau ist geprägt durch trocken-warme Sommer und milde Winter. In den Ortslagen nahe dem Rhein wachsen in den Gärten mediterrane Gehölze (Feigenbäume, Oliven, Aprikosen und Pfirsiche), an den Rhein-Steilhängen herrscht eine an die Trockenheit angepasste Vegetation vor. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen in den Sommermonaten liegen bei über 19 °C, im Winter selten unter 1 °C. Die Jahresniederschlagsmenge beträgt zwischen 450 mm in einigen Orten am Rhein und über 1000 mm auf der Kalten Herberge.

Böden[Bearbeiten]

Der Rheingau umfasst eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Böden. Man unterscheidet im Wesentlichen:

  • Böden aus Löss und Lösslehm: diese Böden sind am weitesten verbreitet - alle Lagen des östlichen und mittleren Rheingaus und die tieferen Lagen von Lorch.
  • Böden aus Quarzit („Taunusquarzit“): höhere Lagen des östlichen und mittleren Rheingaus sowie bei Lorch.
  • Böden aus Tonschiefer („Hunsrückschiefer“) und aus Phyllit: ersterer in Rüdesheim am Rüdesheimer Berg und Lorch, letzterer in Assmannshausen, Kiedrich, Martinsthal und Rauenthal.
  • Böden aus Sanden, Tonen und Tonmergeln des Tertiärs: verbreitet in allen Weinbaugemeinden zwischen Wicker und Rüdesheim.
  • Böden aus jungen Schwemmsedimenten: verbreitet in den tiefen Lagen von Rhein und Main.

Für detaillierte Informationen zu den Böden des Rheingaus: Terroir Hessen / Weinbaustandortviewer des HLUG - Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie.

Geschichte[Bearbeiten]

Ausdehnung des Rheingaus in seinen ursprünglichen Grenzen bis in den Odenwald, hier im Jahr 1000 im Herzogtum Westfranken

Im alten Frankenreich war der Rheingau ein Gau, der im Auftrag des Königs von den Rheingrafen verwaltet wurde. In seiner ursprünglichen Ausdehnung umfasste er den späteren Unterrheingau (der in der Folge den Namen Rheingau behielt), den Königssondergau (heute in etwa das Gebiet der Landeshauptstadt Wiesbaden und des westlichen Main-Taunus-Kreises) sowie den Oberrheingau südlich des Untermains. Östlich lagen der Niddagau und der Maingau und nördlich der Lahngau.

Bereits in der karolingischen Zeit geriet der Rheingau zunehmend unter Einfluss des Erzbistums Mainz. So lässt die Gründung der Abtei Bleidenstadt im Taunus durch Erzbischof Lullus bereits auf einen erheblichen Einfluss schließen. Mit Rabanus Maurus ist 850 erstmals ein Mainzer Erzbischof erwähnt, der im Rheingau über eine Residenz verfügte. Im Jahr 983 nahm Erzbischof Willigis am Reichstag Ottos II. in Verona teil, wo ihm dieser am 13. Juni die sogenannte „Veroneser Schenkung“ machte. Die Schenkung sprach dem Erzbistum Gebiete von Ingelheim bis nach Heimbach und Kaub, das Gebiet beiderseits der unteren Nahe sowie den rechtsrheinischen Rheingau als Lehen zu. Sie war Grundlage für einen großen Teil des späteren Kurstaates (Kurmainz), über den der Erzbischof als Landesherr regierte. Er drängte den Einfluss des Rheingrafen nach und nach zurück. Die Erzbischöfe brachten die lokalen Adligen zunehmend in ihre Abhängigkeit. Unter Erzbischof Adalbert I. besaß Kurmainz ab 1130 die uneingeschränkte Herrschaft über den Rheingau. Als Verwaltungseinheit bestand in Kurmainz das Vizedomamt Rheingau. Ein wichtiges Instrument der Durchsetzung Mainzer Politik im Rheingau war die Gründung von Klöstern. Die ersten der rund ein Dutzend waren Johannisberg (zwischen 1106 und 1108), Eberbach (erstmals 1116) und Mittelheim (1158). Die unter Erzbischof Balduin begonnene Kurfürstliche Burg Eltville entwickelte sich zu einer wichtigen Residenz der Erzbischöfe.

Der Rheingau war 600 Jahre lang bis zum Ende des 18. Jahrhunderts vom Rheingauer Gebück, einer aus „gebückten“ Buchen bestehenden natürlichen Grenzbefestigung, umschlossen.

Im Jahr 1525 erreichte der Deutsche Bauernkrieg den Rheingau[1]. Die Bauern lagerten auf der Wacholder Heide vor dem Kloster Eberbach. Von dort aus plünderten sie Vorräte des Klosters. Sie forderten unter anderem die Auflösung der Klöster im Rheingau. Die aufständischen Bauern erzwangen eine Erklärung, der zufolge die Rheingauer Klöster keine Mönche mehr aufnehmen durften. Nach dem Herannahen der Truppen des schwäbischen Bundes ergaben sich die Bauern. Die Erklärung wurde gegenstandslos. Neun Rädelsführer der Bauern wurden enthauptet. Die bisherigen Privilegien des Rheingaus (Rheingauer Weistum) wurden aufgehoben und das Volk zur Zahlung von fünfzehntausend Gulden Sondersteuern verpflichtet.

Nach Auflösung des Kurstaates ging der Rheingau 1803 an Nassau-Usingen und war zur Zeit des Herzogtums Nassau in die Ämter Eltville und Rüdesheim gegliedert. Nach der Annexion des Herzogtums durch das Königreich Preußen wurde 1867 der Rheingaukreis als Landkreis im Regierungsbezirk Wiesbaden der preußischen Provinz Hessen-Nassau geschaffen. Nach einer Teilung des ursprünglichen Großkreises im Jahr 1886 war das verbliebene Gebiet des Rheingaukreises identisch mit dem Rheingau zu kurmainzischer Zeit. Nach der Auflösung des Rheingaukreises im Rheingau-Taunus-Kreis am 1. Januar 1977 ist der Rheingau kein Begriff mehr für eine politische Verwaltungseinheit. Der Rheingau ist jedoch nach wie vor Name einer einzigartigen Kulturlandschaft, deren Bewohner eine besondere historisch gewachsene Verbundenheit bewahrt haben und sich gegenüber Außenstehenden oft als Rheingauer bezeichnen.

Weinbau[Bearbeiten]

Der Spätlesereiter im Hof von Schloss Johannisberg, Geisenheim
Hauptartikel: Rheingau (Weinbaugebiet)

Die klimatischen Bedingungen begünstigen den Weinbau, der in der Region schon zur Zeit Karls des Großen betrieben wurde. Rheingauer Weine, insbesondere der Rheingauer Riesling, genießen einen Spitzenruf in aller Welt.

Rebfläche, Rebsorten und Weinstile[Bearbeiten]

So herausragend der Rheingau unter dem Gesichtspunkt der Qualität auch ist, hinsichtlich seiner Größe gehört er mit seinen 3100 Hektar Rebfläche zu den kleinsten deutschen Anbaugebieten und rangiert an siebter Stelle. Knapp 2,5 % der deutschen Weinernte werden hier erzeugt -insgesamt etwa 20 Millionen Liter Wein pro Jahr, davon 85 % Weißwein. Der Durchschnittsertrag liegt bei 6700 Litern pro Hektar, das ist deutlich weniger als der deutsche Durchschnitt von rund 9500 Litern.

Unter den Rebsorten nimmt der Riesling mit knapp 80 % die unangefochtene Spitzenstellung ein, während auf den Spätburgunder rund 12,5 % und auf den Müller-Thurgau lediglich zwei Prozent entfallen. Die Rieslinge aus dem östlichen und mittleren Rheingau sind, sofern sie von den tiefer gelegenen Lagen auf sandigen Lehmböden stammen, stets voller, kräftiger und im Alter erdiger als jene, die in Rüdesheim auf Schieferverwitterung wachsen. Diese sind eleganter und schillernder. Eine Ausnahme bilden die Weine aus Lorch.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Schrein mit den Gebeinen der heiligen Hildegard von Bingen in der Pfarrkirche von Eibingen

Der Rheingau zeichnet sich als Kulturland durch zahlreiche Sehenswürdigkeiten aus, darunter das Niederwalddenkmal, das Kloster Eberbach, die Schlösser Reinhartshausen, Reichartshausen, Johannisberg und Vollrads, der Oestricher Kran sowie die Altstädte von Rüdesheim (Drosselgasse), Eltville mit der kurfürstlichen Burg und Kiedrich. Bei Rüdesheim beginnt das UNESCO-Weltkulturerbe Mittelrheintal.

Daneben gibt es noch weitere sehenswerte Schlösser und Burgen sowie Klöster und Kirchen.

Kultur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Karl Rolf Seufert: Die geistigen Ströme sind nie versiegt. In: Der Hessische Minister für Landwirtschaft und Forsten, Freundeskreis Kloster Eberbach e.V. (Hrsg.): Eberbach im Rheingau. Zisterzienser – Kultur – Wein. Der Hessische Minister für Landwirtschaft und Forsten, Wiesbaden/Eltville 1986, S. 9–40.

Literatur[Bearbeiten]

 Karl Rolf Seufert: Die geistigen Ströme sind nie versiegt. In: Der Hessische Minister für Landwirtschaft und Forsten, Freundeskreis Kloster Eberbach e.V. (Hrsg.): Eberbach im Rheingau. Zisterzienser – Kultur – Wein. Der Hessische Minister für Landwirtschaft und Forsten, Wiesbaden/Eltville 1986, S. 9–40.

  • Dirk M. Becker: vivat Wiesbaden und Rheingau - Spaziergänge zwischen Tradition und Moderne, Universum Verlag 2006, ISBN 389869141-1
  • Karl Baedeker GmbH: Baedeker Wiesbaden Rheingau, Ostfildern-Kemnat 2001, ISBN 3-8795-4076-4
  • Oliver Bock: Rheingau von A bis Z, Societäts Verlag, ISBN 3-7973-0921-X
  • Oliver Bock: Rheingauer Weinschmecker, Societäts Verlag
  • Oliver Bock: Der Rheingau - Des Stromes Goldene Mitte, Societäts Verlag
  • Alfred Zirwes: Im Rheingau unterwegs, Societäts Verlag
  • Hans Ambrosi, Wolfgang Blum: Rheingau pur, Verlagsgruppe Rhein Main
  • Herbert Michel: Rheingauer Dialekt, Gesellschaft zur Förderung der Forschungsanstalt Geisenheim anlässlich deren 125-jährigen Bestehens, ISBN 3-9805-265-1-8
  • Magazin für Kultur und Lebensart - vivat Wiesbaden und Rheingau, Universum Verlag Wiesbaden
  • C. u. F. Lange: Das Weinlexikon, Fischer Verlag 2003, ISBN 3-596-15867-2
  • Richard Henk: Rheingau, Brausdruck GmbH, Heidelberg, ISBN 3-921524-90-3
  • Martin Mosebach: Der Rheingau (ein Essay in Deutsche Landschaften), S. Fischer Verlag 2003, ISBN 3-10-070404-5
  • Alfred Zirwes: Im Rheingau-Gebirge unterwegs, Societäts Verlag, ISBN 3-7973-0839-6
  • Alfred Zirwes: Auf Kur in den Rheingau, Selbstverlag, ISBN 3-00-015910-X
  • Walter Hell: Vom Mainzer Rad zum Hessischen Löwen. Sutton Verlag, Eltville 2008, ISBN 978-3-86680-356-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rheingau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Rheingau – Reiseführer