Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

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Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
Kategorie: Forschungseinrichtung
Rechtsform des Trägers: gemeinnützige GmbH
Mitgliedschaft: Ecological Research Network (ECORNET)
Standort der Einrichtung: Wuppertal, Deutschland
Art der Forschung: Angewandte Forschung
Fachgebiete: Forschungsgruppen:
  • Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen
  • Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik
  • Stoffströme und Ressourcenmanagement
  • Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren
Grundfinanzierung: Land Nordrhein-Westfalen
Leitung:
Mitarbeiter: 170
Homepage: www.wupperinst.org

Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie erforscht und entwickelt Leitbilder, Strategien und Instrumente für Übergänge zu einer nachhaltigen Entwicklung auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Im Zentrum stehen Ressourcen-, Klima- und Energieherausforderungen in ihren Wechselwirkungen mit Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Analyse und Indizierung von Innovationen zur Entkopplung von Naturverbrauch und Wohlstandsentwicklung bilden einen Schwerpunkt seiner Forschung. Aufbauend auf der klassischen, an Disziplinen orientierten Wissenschaft, werden komplexe Nachhaltigkeitsprobleme transdisziplinär bearbeitet und zu praxisrelevanten und akteursbezogenen Lösungsbeiträgen geführt. Problem, Lösungsansatz und Netzwerke sind dabei gleichermaßen global, national sowie regional/lokal ausgerichtet.

Organisation und Netzwerke[Bearbeiten]

Das Institut arbeitet dabei mit einer Vielzahl von Universitäten und Instituten im In- und Ausland zusammen. Formelle Kooperationen bestehen mit der Universität Teheran (CEERS) im Iran, mit der Universität Osnabrück und der Bergischen Universität Wuppertal. Als Ort der wissenschaftlich-praktischen Ausbildung ergänzt das Institut die universitäre Qualifizierung und arbeitet dazu mit Hochschulen und Universitäten zusammen. So mit der Fernuniversität in Hagen und dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) in Oberhausen im Fernstudiengang „Interdisziplinäres Fernstudium Umweltwissenschaften“ (Infernum) und mit der Universität Kassel. Außerdem werden gemeinsame Forschungsvorhaben mit dem Institut für Gründungs- und Innovationsforschung (IGIF) der Bergischen Universität Wuppertal durchgeführt und Forschungsergebnisse aktueller Projekte dem Master-Studiengang Sustainability Management zur Verfügung gestellt. Mit dem japanischen Institute for Global Environmental Strategies (IGES) und dem indischen The Energy and Resources Institute (TERI) finden regelmäßige Projektkooperationen statt.

Das Institut versteht sich als Mittler zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik und arbeitet dementsprechend anwendungsorientiert. Organisiert als eine rechtlich selbständige, gemeinnützige GmbH mit Sitz in Wuppertal, erwirtschaftet das Wuppertal Institut den größten Teil seines Budgets extern durch Drittmittel-finanzierte Auftragsforschung. Die Auftraggeber sind unter anderem Ministerien auf internationaler, europäischer, Bundes- und Länderebene, Kommunen, Wirtschaftsunternehmen und -verbände, gesellschaftliche Organisationen. Zudem erhält das Institut eine Grundfinanzierung vom Land Nordrhein-Westfalen als alleinigem Eigentümer.

Am Institut arbeiten ca. 170 Mitarbeiter. Zwei Drittel hiervon macht das wissenschaftliche Personal aus mit unterschiedlichem disziplinären Hintergrund: Natur- und Umweltwissenschaften, Geographie, Systemwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Planungswissenschaften, Politik-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie Sozialwissenschaften. In der Belegschaft gibt es etwa gleich viele Frauen wie Männer.

Ein internationaler wissenschaftlicher Beirat berät das Institut in grundsätzlichen strategischen Forschungsfragen, sichert die wissenschaftliche Qualität und die Unabhängigkeit der Forschung. Das Büro Berlin fördert die Kooperation mit wissenschaftlichen Instituten in Berlin.

Geschichte[Bearbeiten]

In diesem Gebäude (Dürer-Haus) ist das Institut untergebracht

Die Gründung des Instituts erfolgte 1990. Unter der Leitung von Ernst Ulrich von Weizsäcker nahm es 1991 seine Arbeit auf. An erster Stelle in seinem im Gesellschaftervertrag festgelegten Auftrag stand „Die Förderung von Maßnahmen und Initiativen zur Sicherung der Klimasituation, zur Verbesserung der Umwelt und zur Energieeinsparung als Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher Erkenntnissuche und praktischer Umsetzung“. Von Weizsäckers Ansatz war eine Ressourcenstrategie, die auf eine Minderung des Umweltverbrauchs durch eine „Effizienzrevolution“ setzte und dabei den Weg in „neue Wohlstandsmodelle“ aufzeigte. Der Grundpfeiler Effizienz spielt die entscheidende Rolle im Buch „Faktor Vier. Doppelter Wohlstand – halbierter Naturverbrauch“ von Ernst Ulrich von Weizsäcker, Amory und Hunter Lovins (Rocky Mountain Institute, USA). Sie trugen fünfzig Beispiele für komfortable Produkte mit halbiertem Naturverbrauch zusammen wie Hyperauto, Passivhaus, Superfenster, langlebige Möbel oder ein Sommerurlaub in den österreichischen Alpen. Das Buch wurde als „Bericht an den Club of Rome“ akzeptiert und blieb mehrere Monate auf den Bestsellerlisten. Es ist inzwischen in mehr als zehn Sprachen übersetzt worden.

Peter Hennicke, der bereits zuvor an der Nutzung von Effizienzpotenzialen bei der Energienutzung arbeitete, intensivierte seine Forschungsarbeiten als Direktor der Abteilung Energie. Große Resonanz fand das Konzept des damaligen Vizepräsidenten Friedrich Schmidt-Bleeks der „Materialintensität pro Serviceeinheit (MIPS)“ und die Bestimmung der „Ökologischen Rucksäcke“, welche Waren und Dienstleistungen mit sich tragen, wenn sie beim Konsumenten ankommen. Er erkannte, dass sich die seinerzeitige Umweltpolitik zu wenig um die großen Stoffströme gekümmert hatte, dass zusätzlich zu den durchaus erfolgreichen gesetzlichen Emissionsbegrenzungen für Schadstoffe die Stoffströme reduziert werden müssten, um die endlichen Material-, Energie- und Naturressourcen zu schonen. Mit dem Konzept des „Ökologischen Rucksacks“ brachte er diesen Gedanken in die wissenschaftliche und politische Diskussion ein.

In der Folge des Erdgipfels in Rio de Janeiro stand in vielen Nationen die Frage der Umsetzung der beschlossenen Agenda 21 auf der (umwelt-)politischen Tagesordnung. Die ersten Ansätze waren sehr zaghaft und von der Unerfahrenheit in der Anwendung des neuen Leitbildes der „Nachhaltigen Entwicklung“ geprägt. Der 1995 herausgekommene Bericht Zukunftsfähiges Deutschland sollte hier Abhilfe schaffen: In dieser von BUND und MISEREOR in Auftrag gegebenen Studie betrat das Team des Instituts unter der Leitung von Reinhard Loske und Raimund Bleischwitz methodisches Neuland. Ausgehend von einer Abschätzung der Tragekapazität der Erde bzw. des Umweltraumes, entwickelte diese Studie Leitbilder, „nach welchen eine Übernutzung des uns Deutschen zustehenden Umweltraumes vermieden werden kann. Diese stützten sich auf Effizienz und Suffizienz“.

Einer der bekanntesten Mitarbeiter ist Wolfgang Sachs, Mitglied des Club of Rome und Lead Autor beim Weltklimarat. Unter seiner Leitung entstand zehn Jahre später die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“; das Buch erschien im Oktober 2008. Die Herausgeber BUND, EED und Brot für die Welt wollen mit der Studie einen Anstoß geben, um die gesellschaftliche Debatte über eine global nachhaltige Entwicklung voranzubringen.

Der Globalität der Probleme wurde in der Klimapolitik durch die Verabschiedung des Kyoto-Protokolls von 1997 zumindest in Ansätzen Rechnung getragen, auch wenn die Ratifizierung erst viele Jahre später erfolgte. In diesem völkerrechtlichen Vertrag wurden zum ersten Mal mengenmäßige Begrenzungen der Treibhausgasemissionen festgeschrieben. Dieser Meilenstein in der internationalen Klimadebatte wurde durch die Abteilung „Klimapolitik“ des Wuppertal Instituts intensiv begleitet.

Zehn Jahre nach der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro wurden auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg im September 2002 die internationalen Vereinbarungen zu nachhaltiger Entwicklung mit neuen Zeitzielen und Handlungsprioritäten fortgeschrieben. In seinem „Plan of Implementation“ formulierte der Weltgipfel auch ein integriertes Wissenschafts- und Politikverständnis. Mit der Neukonzipierung des Wuppertaler Forschungsprogramms 2003 wurde dies methodisch und inhaltlich unter dem Stichwort „Sustainability Research“ in der Forschungsagenda des Instituts umgesetzt. Damit orientierte man sich am integrierten Wissenschafts- und Politikverständnis des Weltgipfels.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und das Institut haben am 1. August 2005 das „UNEP/Wuppertal Institute Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production“ (CSCP) als Mitglied in der internationalen Gemeinschaft der weltweit kooperierenden UNEP Centres gegründet. Seine Aufgabe ist es, lösungsorientierte Beiträge zu dem 10-Jahres-Programm für „Sustainable Consumption and Production“ zu leisten, das auf dem Johannesburg-Gipfel für Nachhaltige Entwicklung im Jahre 2002 verabschiedet wurde.

Am 1. März 2010 wurde Uwe Schneidewind neuer Präsident des Instituts.[1][2] Er übernimmt die Leitung als Nachfolger von Peter Hennicke nachdem er vor mehr als zwei Jahren verabschiedet worden war. Schneidewind hat eine Professur an der Bergischen Universität Wuppertal inne.

Forschungsstruktur[Bearbeiten]

Die Schwerpunkte der vier Forschungsgruppen sind:

Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen
Die Forschungsgruppe 1 befasst sich aus systemanalytischer Sicht mit Technologie- und Infrastruktur fragen. Sie untersucht in den Bereichen Energie und Mobilität, mit welchen technischen und gesellschaftlichen Innovationen der Übergang in zukunftsfähige Strukturen erfolgen kann und welche Implikationen und Chancen mit dem Transformationsprozess verbunden sind. Neben dynamischen Potenzialanalysen zielt die Arbeit auf Technologiebewertungen und das Aufzeigen konsistenter Entwicklungspfade.
Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik
Die Forschungsgruppe 2 konzentriert ihre Arbeit auf Strategien und Instrumente für eine effektive und integrierte Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Im Mittelpunkt stehen dabei die Synergieeffekte von Politikstrategien, die eine nachhaltige Entwicklung der Energie- und Verkehrssysteme sowie den Klimaschutz insgesamt fördern. Politikinstrumente im Bereich Endenergieeffizienz bilden einen weiteren Schwerpunkt.
Stoffströme und Ressourcenmanagement
Die Forschungsgruppe 3 untersucht Stoffströme vom Rohstoffabbau bis zur Abfallentsorgung unter Einbeziehung des globalen „Ökologischen Rucksacks“ und der Flächennutzung. Sie entwickelt Konzepte, Strategien und Instrumente zur Erhöhung der Ressourcenproduktivität und eines nachhaltigen Ressourcenmanagements von der regionalen und sektoralen bis zur internationalen Ebene.
Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren
Die Forschungsgruppe 4 entwickelt Instrumente, Konzepte und Strategien für den Übergang zu nachhaltigeren Produktions- und Konsummustern. Im Zentrum stehen insbesondere die Entwicklung und Markteinführung von, über den gesamten Lebenszyklus betrachtet, nachhaltigen Produkten und über die Wertschöpfungskette optimierten Produktionsprozessen.

Nachhaltigkeit kommunizieren[Bearbeiten]

Seit der Gründung wird auf die zielgruppengerechte Aufbereitung der Forschungsergebnisse besonderen Wert gelegt. Sie werden daher aktiv kommuniziert: in der Wissenschaft mit zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen und Vorträgen, auf Tagungen, Workshops und Kongressen und in der Vernetzung mit wissenschaftlichen Partnern im In- und Ausland; bei den Anwendern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft durch projektförmige wissenschaftliche Beratung und Auftragsforschung, durch die Umsetzung von Innovationsprojekten (Modellvorhaben, Pilotprojekte), Dialoge mit Praxispartnern und anwenderorientierte Publikationen; in der breiten Öffentlichkeit mit populärwissenschaftlichen Publikationen (Sachbücher) und Veranstaltungen und durch zahlreiche Beiträge in Presse, Funk und Fernsehen; im Bildungsbereich durch Projekte und Kooperationen mit Schulen und Weiterbildungseinrichtungen, mit der Qualifizierung von Wissenschaftsnachwuchs in Kooperation mit Hochschulen und Universitäten und durch Lehrveranstaltungen und Lehrmaterialien. Viele der zahlreichen Publikationen und Forschungsberichte des Instituts sind auf seiner Homepage verfügbar.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wuppertal-Institut: Neuer Präsident“ in: Wuppertaler Rundschau vom 17. Februar 2010
  2. Neuer Präsident für das Wuppertal Institut Westdeutsche Zeitung (online) vom 17. Februar 2010

51.2552777777787.1525Koordinaten: 51° 15′ 19″ N, 7° 9′ 9″ O