0-Euro-Schein

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Vorderseite 0-Euro-Schein (2017)

Der 0-Euro-Schein ist ein von Richard Faille entwickelter Souvenir-Schein.

Er hat einen Nominalwert von Null Euro, wird von der französischen Wertpapierdruckerei Oberthur Technologies auf Sicherheitspapier gedruckt und hat einige für Banknoten typische Sicherheitsmerkmale. Sie können jedoch nicht mit echtem Papiergeld verwechselt werden; so erkennen sie einschlägige Testgeräte nicht als authentisches Zahlungsmittel.

Die einzelnen Serien sind auf der Vorderseite mit typischen Motiven von Sehenswürdigkeiten, Museen oder Freizeitparks des jeweiligen Herausgebers bzw. Auftraggebers versehen und dienen im Wesentlichen als Werbemittel. In der Regel werden sie trotz ihres Nominalwertes von Null Euro nicht kostenlos abgegeben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1996 entwickelte der französische Geschäftsmann Richard Faille ein Konzept für Gedenkmedaillen von Sehenswürdigkeiten und historischen Bauten.[1] Mit inzwischen über 1500 verschiedenen Motiven verkauften sich hiervon über 60 Millionen Stück. Als Weiterentwicklung folgten Euro-Souvenir-Scheine mit einem Nennwert von null Euro, die in Frankreich produziert und seit April 2015 von zahlreichen Museumsläden und Touristenzentren über das Land verteilt in Frankreich und Monaco verkauft werden.[1]

Aufgrund der verblüffenden Ähnlichkeit mit echten Banknoten sind die in kleineren Serien aufgelegten Scheine sowohl als Souvenir als auch als Sammlerstücke beliebt. 2016 wurde das Verbreitungsgebiet der 0-Euro-Scheine auf andere Länder wie Deutschland, Belgien und Spanien, sowie die Überseegebiete Guadeloupe und Französisch-Guayana ausgedehnt.[2] Dabei änderte sich auch die Rückseite der Scheine, auf der seit 2016 nicht nur französische Motive, sondern Motive aus verschiedenen Ländern Europas abgebildet sind.[3] Ab 2017 kamen weitere 0-Euro-Scheine im bisherigen Verbreitungsgebiet hinzu, aber auch in neuen Ländern wie Österreich, den Niederlanden, Portugal, Luxemburg, der Schweiz, Italien, Griechenland, Finnland und San Marino wurden 0-Euro-Scheine ausgegeben.[3]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der in Violett gehaltene 0-Euro-Schein ist nicht auf dem gleichen Papier wie die Euro-Banknoten gedruckt und mit 135 mm × 74 mm etwas größer als eine 20-Euro-Note. Jeder Schein enthält folgende Sicherheitsmerkmale: Wasserzeichen, Kupferstreifen, Simultouch, Hologramm, Durchsichtsregister, Gelddruckerei-Sicherheitshintergrund, fluoreszierend unsichtbare Tinte und eine individuelle Seriennummer.

Personalisierung und Seriennummer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Vorderseite des Scheins enthält der zentrale Bereich das Motiv (z. B. eine Sehenswürdigkeit oder eine Abbildung aus einem Zoo, einem Museum oder einem Freizeitpark). In der linken oberen Ecke ist der Titel wiedergegeben. Rechts neben der Europaflagge stehen das Jahr und die Nummer der Ausgabe. Die Seriennummer unten rechts ist innerhalb einer Ausgabe einmalig, erlaubt aber nur in Zusammenhang mit Jahr und Versionsnummer eine eindeutige Identifizierung.

Der erste Buchstabe der Seriennummer gibt den alten Eurobanknoten-Ländercode wieder (z. B. „U“ für Frankreich oder „X“ für Deutschland). Der zweite Buchstabe ist bei allen 0-Euro-Scheinen ein E und steht für die französische Druckerei Oberthur Technologies, in der alle Scheine gedruckt werden. Die nächsten beiden Buchstaben stehen für das Kurzzeichen des Kunden, der die Serie in Auftrag gegeben hat. Die sechsstellige Zahl wird innerhalb einer Serie fortlaufend durchnummeriert.[4]

Rückseite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprüngliche Serie von 2015 hatte auf der Rückseite rein französische Motive.[3] Abgebildet waren der Eiffelturm, die Kathedrale Notre-Dame de Paris, die Abtei Mont-Saint-Michel in der Normandie und das römische Aquädukt Pont du Gard im Süden Frankreichs.

Mit der Verbreitung auf andere Länder wurde die Rückseite der Scheine seit 2016 auf Motive aus Europa angepasst. Vor dem weiterhin in der Mitte befindlichen Eiffelturm ist jetzt das Kolosseum in Rom dargestellt. Links davon sind der Uhrturm am Palace of Westminster in London (Big Ben) und das Brandenburger Tor in Berlin zu finden. Auf der rechten Seite sind die Basilika Sagrada Família in Barcelona (Spanien) und die Brunnenfigur Manneken Pis in Brüssel zu sehen.[3]

2017 ist das Motiv auf der Rückseite erneut angepasst worden, wobei der Big Ben durch den Torre de Belém in Lissabon ersetzt worden ist. Dies ist vornehmlich auf den baldigen Austritt Englands aus der Europäischen Union zurückzuführen.[5]

Hintergründe und öffentliche Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Frankreich erlangte der 0-Euro-Schein bei Touristen und Sammlern große Beliebtheit. Die Scheine werden meist für zwei bis drei Euro verkauft, aber zum Teil auch für wesentlich höhere Beträge an Sammler angeboten.

Der erste 0-Euro-Schein Deutschlands wurde am 30. März 2016 vom Zoo Duisburg für jeweils drei Euro herausgegeben.[6] Abgebildet sind auf der ersten Ausgabe mit einer Auflage von 5000 Stück der Giraffenbulle Kiringo, Tiger Elroy und das Koalamännchen Thalera.[6] In der zweiten Serie mit einer Auflage in gleicher Höhe wurde das Motiv abgeändert und der Giraffenbulle Kiringo durch den Brillenbären Pablo ersetzt.[7] Weitere Ausgaben sind in Planung.[3][7]

Der Förderverein Berliner Schloss e.V. gab einen Schein mit einer Auflage von 5000 Stück heraus, wobei jeweils ein Euro für den Wiederaufbau der historischen Fassade des Berliner Schlosses gespendet wird.[8] Nachdem dieser und auch die 2. Auflage von 5000 Stück mit etwas anderem Motiv ausverkauft sind, ist eine dritte Auflage mit 10.000 Stück geplant.[3]

Die Stadt Kiel gab einen derartigen Schein mit dem Motiv Gorch Fock mit einer Auflage von 5.000 Stück heraus. [9] 2017 wurde eine zweite Auflage angeboten, die als Souvenir für 2,50 EUR/Stück angeboten wurde.

Die Museumslandschaft Hessen Kassel gab einen Souvenirschein zum 300. Errichtungstag des Kasseler Wahrzeichens Herkules heraus. Nachdem dieser kurze Zeit später vergriffen war, wurden weitere 5000 Stück mit gleichem Motiv nachgedruckt.[10]

Der erste 0-Euro-Schein Österreichs wurde vom Alpenzoo Innsbruck herausgegeben. Mit dem Erlös soll ein neues Gehege für Zwergmäuse finanziert werden.[11]

Große mediale Aufmerksamkeit erreichte eine Ausgabe zum Kirchentag 2017 mit dem Titel „Gottes Gnade gibt es umsonst“, deren 1. Auflage auf 10.000 Scheine limitiert war. Dieser vom überkonfessionellen Verein Gott.net anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 zum Gedenken an den 500. Reformationstag herausgegebene Schein führte im Mai 2017 zu Artikeln in mehreren größeren Zeitungen in Deutschland und Österreich.[12][13]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Geschichte. EuroSchein-Souvenir GmbH; abgerufen am 25. Mai 2017.
  2. Carte des billets (Karte mit bereits erschienenen 0-Euro-Scheinen). www.billets-touristiques.com; abgerufen am 25. Mai 2017 (französisch).
  3. a b c d e f Liste des billets (Liste bereits erschienener 0-Euro-Scheine). www.billets-touristiques.com; abgerufen am 25. Mai 2017 (französisch).
  4. Personalisierung. EuroSchein-Souvenir GmbH; abgerufen am 25. Mai 2017.
  5. numismatiqueargenteuil: Nouveau revers 2017 des billets touristiques: le Brexit est acté! In: BLOG du CNA. 28. Februar 2017; abgerufen am 25. Mai 2017 (französisch).
  6. a b Friedhelm Thelen: Zoo Duisburg ist jetzt Motiv auf "Null"-Euro-Schein. Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 12. Juli 2016; abgerufen am 27. Mai 2017.
  7. a b Friedhelm Thelen: Dritter Null-Euro-Schein mit Zoo-Motiv ist schon in Planung. Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 27. Dezember 2016; abgerufen am 27. Mai 2017.
  8. Dirk Jericho: Null-Euro-Geldschein „Berliner Schloss“: Förderverein sammelt Geld für Fassaden. Berliner Wochenblatt Verlag GmbH, 31. Januar 2017; abgerufen am 27. Mai 2017.
  9. https://www.kiel-sailing-city.de/service/ueber-kiel/news/news/archive/2017/06/20/kieler-null-euro-schein.html
  10. Victor Deutsch: 5000 sind weg: Herkules-„Geldscheine“ werden nachgedruckt. EXTRA TIP Werbegesellschaft mbH, 5. Februar 2017; abgerufen am 27. Mai 2017.
  11. Erster Euro Souvenir Schein Österreichs – Alpenzoo Innsbruck. ORF Tirol Fernsehen Nachrichten; abgerufen am 27. Mai 2017 (Video).
  12. Fälschung? - Was es mit dem Null-Euro-Schein auf sich hat. BILD GmbH & Co. KG, 23. Mai 2017; abgerufen am 27. Mai 2017.
  13. Jasmin Pospiech: Schnell zugreifen: So wertvoll ist der Null-Euro-Schein. Münchener Zeitungs-Verlag GmbH & Co.KG, 23. Mai 2017; abgerufen am 27. Mai 2017.