Kieler Matrosenaufstand

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Denkmal für den Kieler Matrosenaufstand

Der Kieler Matrosenaufstand (auch Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand) begann – nach ausgedehnten Befehlsverweigerungen in der Flotte vor Wilhelmshaven – am 3. November 1918 in Kiel, dabei schloss sich die Kieler Arbeiterschaft dem Aufstand an.

Auslösendes Moment war der kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs gegen den Willen der Regierung erlassene Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918 der Marineführung zu einem Vorstoß auf Streitkräfte und Verkehr in der Themsemündung und an der Küste Flanderns, mit dem die britische Marine zu einer Entscheidungsschlacht herausgelockt werden sollte. Dies führte zu ausgedehnten Befehlsverweigerungen auf verschiedenen Schiffen der vor Wilhelmshaven zusammengezogenen Hochseeflotte. Das III. Geschwader wurde daraufhin nach Kiel zurückbeordert. Die Kieler Arbeiterschaft plante seit einiger Zeit einen größeren Streik für einen schnellen Friedensabschluss. Matrosen und Arbeiter verbündeten sich. Es kam zu einem allgemeinen Aufstand. Von Kiel aus wurde der Impuls zur Ausbreitung der Unruhen gegeben, die dann zur reichsweiten Novemberrevolution, zum Ende der Monarchie in Deutschland und in der Folge zur Errichtung der Weimarer Republik führten.

Vorbedingungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Vorbedingungen des Aufstands gehörten einerseits die sich zuspitzenden politischen, ökonomischen, gesellschaftlichen und militärischen Verhältnisse in Deutschland, sowie andererseits die spezifische Kieler Situation.

Die politischen Verhältnisse waren gekennzeichnet durch die Herrschaft einer Aristokratie, die sich aus ostelbisch geprägten Gutsbesitzern, aus Militär und Beamtenschaft zusammensetzte. Diese blockierten wichtige Reformanstrengungen demokratischer und linker Kräfte, die besonders auf die Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts zum preußischen Abgeordnetenhaus zielten.[1] Bei dieser Abwehr gesellschaftlich überfälliger Anpassungen an die rasante technische und wirtschaftliche Entwicklung des Kaiserreichs spielte die proto- und präfaschistische Deutsche Vaterlandspartei eine wichtige Rolle.[2] Sie wurde geführt von Großadmiral Alfred von Tirpitz und von Wolfgang Kapp. Hinter der Partei standen führende Industrielle sowie als starker Mann der führende Kopf der dritten Obersten Heeresleitung General Erich Ludendorff,[3] dem es gelungen war, sich faktisch im Verlauf des Ersten Weltkriegs als eine Art Militärdiktator zu etablieren.

Das Militär blockierte alle Friedensinitiativen, so auch die von Papst Benedikt XV., durch weitreichende Gebiets- und Hegemonieansprüche sowie durch Forderungen nach hohen Reparationen. Im Bereich der Marine hatte sich im Laufe des Krieges immer deutlicher gezeigt, dass die gigantischen Flottenbauanstrengungen des Deutschen Reichs nicht nur England ins Lager der Gegner getrieben hatten, sondern dass die Flotte letztlich strategisch nutzlos war, weil die Royal Navy nicht wie geplant zur Schlacht gestellt werden konnte.[4][5] Die spät entwickelte und kaum durchdachte Alternative des uneingeschränkten U-Bootkriegs trug dazu bei, den Kriegseintritt der USA zu provozieren.[6] Wohl zum Gutteil als Frustabbau schikanierten und demütigten besonders die jüngeren Seeoffiziere der großen Überwassereinheiten teilweise systematisch die ihnen unterstellten Matrosen und Heizer.[7]

Auch die Seeoffiziere sahen in der Vaterlandspartei ihre ideologische Heimat.[8] Ebenfalls weite Teile der evangelischen Kirche standen dieser Partei nahe und unterstützten den aggressiven Kriegskurs, meist unter Berufung auf Luther.[9]

Die materielle Lage der Bevölkerung war durch eine mangelhafte Versorgung, durch vielfach sinkende Einkommen (die Soldaten erhielten nur einen geringen Sold) und durch das Abschöpfen der Ersparnisse der Unter- und Mittelschichten durch den gesellschaftlichen Druck zum Kauf von (später wertlosen) Kriegsanleihen gekennzeichnet. Die Nahrungsmittelverteilung lag weitgehend in der Verantwortung des Militärs. Deren rückständige Organisation verschärfte die Lage erheblich.[10] Dagegen wurden besonders in der Rüstungsindustrie große Gewinne gemacht. Der Staatssekretär des Inneren Karl Helfferich widersetzte sich beharrlich einer wirkungsvollen Besteuerung dieser Vermögen.[11][12] Dies und ein ausufernder Schwarzmarkt führten dazu, dass die Reichen und die Offiziere, deren Gehälter anwuchsen,[13] nur wenig Einschränkungen erfuhren, während die weniger begüterten Schichten unter Hunger zu leiden hatten.[14][15][16]

Die Kieler Besonderheiten bestanden darin, dass durch die Verlegung der preußischen Marinestation von Danzig nach Kiel, die Aufwertung zum Reichskriegshafen und besonders durch die in der Folge angesiedelten Rüstungsbetriebe und Werften Kiel einen gewaltigen Aufschwung nahm und zu der am schnellsten wachsenden Stadt im Kaiserreich wurde. Entsprechend gab es in Kiel viele Arbeiter, deren gesellschaftliche Bindungen schwächer ausgeprägt waren und die sich der Burgfriedenspolitik der Gewerkschaften weniger verpflichtet fühlten.[17][18]

Lothar Popp wurde während des Januarstreiks 1918 in Kiel zum Vorsitzenden des ersten Arbeiterrats in Deutschland gewählt.

So kam es in Kiel zu großen Aktionen und Streiks, wobei Kiel schon bei den Januarstreiks 1918 eine reichsweite Vorreiterrolle einnahm. Eine große Zahl von Arbeitern zunächst in Österreich-Ungarn und dann auch in Deutschland protestierte dagegen, dass die OHL durch unmäßige Forderungen den Friedensabschluss im Osten gefährdete.[19][20]

Schließlich wurde doch ein Friedensabschluss nach den Vorstellungen der OHL in Brest-Litowsk durchgesetzt. Nach Wilhelm Deist führte Deutschland wegen der überzogenen Forderungen in den Augen breiter Teile der Bevölkerung keinen Verteidigungskrieg mehr.[21] Die freiwerdenden Truppenkontingente wurden nun an die Westfront verlegt. Die OHL sprach angesichts der geplanten Frühjahrsoffensive 1918 vom „letzten Hieb“, um den „nahe bevorstehenden endgültigen Sieg“ zu erringen. Nach anfänglichen Erfolgen verlagerte Ludendorff jedoch mehrfach Schwerpunkt und Richtung des Angriffs und sah sich nach einiger Zeit gezwungen, die Großoffensive abzubrechen. Er ging dann zu verschiedenen unkoordinierten kleineren Offensiven über, bis schließlich alle Reserven verbraucht waren.[22] Die OHL versuchte die ausweglose Lage lange zu verheimlichen, musste dann aber Kaiser und Regierung die Niederlage und die Notwendigkeit eines sofortigen Waffenstillstands eingestehen, ohne dass jedoch die Öffentlichkeit davon erfuhr.[23]

Friedensverhandlungsversuche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. September 1918 überredeten Hindenburg und Ludendorff den Kaiser, eine neue Regierung auf parlamentarischer Grundlage zu installieren. Ludendorff forderte dann von dieser neuen Regierung unter Max von Baden ultimativ die sofortige Aufnahme von Friedensverhandlungen. Nach einigem Zögern beugte sich die Regierung dieser Forderung und richtete ein Gesuch an den Präsidenten der USA, Wilson.[24] Dies war ein Schock für die deutsche Öffentlichkeit, doch nach wie vor wurde es ihr verheimlicht, dass die OHL die Aufnahme der Verhandlungen verlangt hatte. Die neue Regierung, die von Demokraten und Linken getragen wurde, befürchtete, andernfalls jeglichen Verhandlungsspielraum gegenüber den Alliierten zu verlieren. Dies gab den Konservativen und der Vaterlandspartei die Gelegenheit, die neue Regierungsmannschaft als die typischen „Flaumacher“ hinzustellen, die, nachdem sie an die Regierung gekommen seien, nichts Eiligeres zu tun hätten, als sich den Feinden zu unterwerfen. So schrieben die Kieler Neuesten Nachrichten am 8. Oktober 1918 von „einem Schritt deutscher Selbsterniedrigung“ jener Herren der deutschen Demokratie, die den Verzichtfrieden schon 1917 zum Programm erhoben hätten.[25]

Befehlsverweigerung vor Wilhelmshaven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fähre RMS Leinster verlässt den irischen Hafen Kingstown (heute Dún Laoghaire).

Nach der Versenkung der Fähre RMS Leinster durch das deutsche U-Boot UB-123 am 10. Oktober 1918 in der Irischen See mit etwa 500 Toten, darunter vielen Zivilisten, fühlte sich Wilson von der deutschen Regierung getäuscht und verschärfte seine Bedingungen.[26][27] Wilhelm Solf, Staatssekretär des Auswärtigen (Außenminister) äußerte den Verdacht, dass es sich um eine von der Marineführung beabsichtigte Provokation gehandelt haben könnte.[A 1]

Ludendorff und Hindenburg nahmen die verschärften Bedingungen Wilsons zum Anlass, nun öffentlich und ohne das Einverständnis der Regierung einzuholen, zum Kampf mit äußersten Kräften aufzurufen. Am selben Tag (24. Oktober 1918) fertigten die Seekriegsleitung (SKL) und das Kommando der Hochseestreitkräfte (KdH) in Abstimmung mit Ludendorff den Operationsbefehl Nr. 19 aus. Dies geschah in offener Missachtung der vom Reichskanzler an die Marineführung gerichteten Aufforderung, alles zu unterlassen, was den Friedensprozess stören könnte. Die Verantwortlichen Scheer, v. Levetzow und v. Trotha behaupteten später, ihr Vorgehen sei dadurch legitimiert gewesen, dass sie noch aus der Zeit vor der Verfassungsreform Operationsfreiheit gehabt hätten. Der Kaiser hatte jedoch im Zuge der Oktoberreformen am 15. Oktober 1918 eindeutig verordnet: "Der Obermilitärbefehlshaber trifft alle seine Anordnungen und Entscheidungen im Einverständnisse mit dem Reichskanzler oder dem von diesem bestellten Vertreter." [28]

Karte des für den 30. Oktober 1918 geplanten deutschen Vorstoßes gegen die Küste Flanderns und in die Themsemündung sowie die erhoffte Reaktion der Royal Navy

Der geplante Flottenvorstoß ist inzwischen relativ gut untersucht worden insbesondere von Deist[29], Hill[30] und Groß.[31] Die Forscher nahmen jedoch in ihren Beurteilungen unterschiedliche Gewichtungen vor. Die Palette der möglichen Motive stellte sich als durchaus breit gefächert heraus. Beispielsweise erwog die SKL zunächst eine Zusammenarbeit mit der neuen Regierung, entschied sich später aber dagegen. Welche Motive im Einzelnen tatsächlich den bestimmenden Einfluss auf das Handeln ausübten, dürfte neben individuellen Bedingungen auch von der jeweiligen Position der Offiziere abhängig gewesen sein.[A 2] So gibt es Hinweise, dass gerade auf der Ebene der Schiffseinheiten die Resignation überwog und damit der „ehrenvolle Untergang“, also der Ehrenkodex bestimmend war. Auf der Ebene von SKL und KdH dürfte dagegen die Hoffnung auf einen überzeugenden Nachweis der Daseinsberechtigung der deutschen Marine bestimmend gewesen sein, mit der daran geknüpften Positionierung für einen Revanchekrieg. Dass der Vorstoß gegenüber der Regierung verheimlicht werden sollte, ist ein starkes Indiz für Hills Ansicht, dass SKL und KdH von einem durch die Aktion provozierten Sturz der von den Seeoffizieren verachteten parlamentarisch legitimierten Regierung[32] ausgingen. Die neue Regierung wäre durch den geplanten „Angriff gegen Streitkräfte und Verkehr an der flandrischen Küste und in der Themsemündung“[33] und die damit verbundenen erneuten zivilen Opfer für Wilson wohl nicht mehr als Verhandlungspartner in Frage gekommen.[34][35] Auf der Rückfahrt hoffte man dann etwa auf der Höhe von Terschelling auf die alarmierte englische Flotte zu stoßen und sich eine Entscheidungsschlacht zu liefern. Dabei hoffte man die Royal Navy schon beim Anmarsch durch ausgelegte Minenfelder und U-Bootlinien deutlich schwächen zu können. Der Erfolg dieser Möglichkeit dürfte allerdings ebenfalls als gering einzustufen sein, da die Engländer seit einigen Jahren die deutschen Funksprüche entschlüsseln konnten.[36] Sowohl im eher unwahrscheinlichen Erfolgsfall als auch bei einer eher wahrscheinlichen heftigen Niederlage wäre die neue Regierung auch im Innern noch mehr als „Flaumacher“ erschienen, die aufgeben wollte, bevor sie alles in die Waagschale geworfen hätte.

Diese für die parlamentarisch legitimierte Regierung kritische Situation erreichte den Höhepunkt, als für die vor Wilhelmshaven versammelte Flotte am 29. Oktober 1918 der Befehl zum Auslaufen am folgenden Tag gegeben wurde. Doch noch am 29. gegen 22 Uhr trafen Meldungen von „Ausschreitungen“ auf den Schiffen des III. Geschwaders KÖNIG, MARKGRAF und KRONPRINZ WILHELM, auf den Kleinen Kreuzern REGENSBURG und STRAßBURG sowie auf dem Linienschiff NASSAU ein. Der Stabschef beim KdH v. Trotha schlug daraufhin dem Flottenchef Ritter von Hipper vor, die geplante Operation aufzugeben. Kurz nach Mitternacht um 2 Uhr (30. Oktober 1918) ging ein entsprechender Befehl hinaus. Stattdessen wurde jetzt am Morgen ein Evolutionieren (Formationsänderungen beim Verbandsfahren) in der Helgoländer Bucht geplant. Doch dies musste wegen Nebels verschoben werde. Um 12 Uhr wurde auch dieser Versuch wegen weiterer Unruhen im I. Geschwader und in der I. Aufklärungsgruppe aufgegeben. Nun plante das KdH einen Torpedobootsvorstoß in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November gegen die englische Ostküste, bei dem es mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls zu zivilen Opfern gekommen wäre, mit den entsprechenden Problemen für die neue Regierung bei den Waffenstillstandsverhandlungen. Das I. Geschwader sollte dabei Deckungsaufgaben übernehmen. Die übrigen Geschwader sollten zum Evolutionieren auslaufen. Bei dem Seeklarbefehl am 30. Oktober um 22 Uhr kam es auf den Schiffen des I. Geschwaders SMS Thüringen und SMS Helgoland zu Befehlsverweigerungen und Sabotageakten. Diese dauerten bis zum 31. Oktober. Dann gelang es mit Torpedobooten und einem U-Boot unter der Drohung, die Schiffe zu beschießen, die Besatzungen zur Aufgabe zu zwingen. [37] Mehrere hundert Mann wurden verhaftet und nach Bremen-Oslebshausen gebracht.[38]

Einzelne Arrestanten wurden vom Marinegerichtsrat Dr. Loesch verhört, und der Reichstagsabgeordnete Wilhelm Dittmann (USPD) zitierte später im Untersuchungsausschuss der Weimarer Republik aus den Verhörprotokollen.[39] Die von Dittmann wiedergegebenen Aussagen von vierzehn Besatzungsmitgliedern beinhalteten keine eigenen Ansichten, sondern führten auf, was in ihrem Umfeld oder im ganzen Schiff diskutiert wurde. Vermutlich wollten die Aussagenden so möglichst geringe Angriffsflächen für eventuelle spätere Anklagen liefern.

  • Ein Flottenvorstoß auf die englische Küste wäre geplant worden. Dies wurde aus Reden von Offizieren (Munition in Ehren verschießen, Heldentod) sowie aus verschiedenen Vorbereitungsmaßnahmen geschlossen (u.  a. bereit gelegtes Kartenmaterial).
  • Insgesamt neun Mal wurde berichtet, dass im Schiff die Meinung geherrscht habe, dass die Offiziere den Heldentod sterben wollten, statt ein Leben in Schande zu führen. Als Belege wurden z.  B. von Messeläufern belauschte Reden, Gespräche und Ansprachen höherer Offiziere erwähnt.
  • Acht Mal wurde davon gesprochen, dass die Offiziere keine Erlaubnis von der Regierung für ihren geplanten Flottenvorstoß eingeholt hätten, und zwei von diesen Aussagen gaben außerdem an, dass die Offiziere damit die Regierung (Volksregierung) hätten stürzen wollen.
  • Ebenfalls acht Mal wurde von Diskussionen berichtet, dass mit der Aktion die Friedensverhandlungen verhindert bzw. zum Scheitern gebracht werden sollten.

Ähnlich äußerten sich später Vertrauensleute des III. Geschwaders bei einer Unterredung im Reichsmarineamt (RMA).[40] Damit hatten die Mannschaften die Situation im Wesentlichen richtig eingeschätzt und die Autorität der neuen Regierung bewahrt.

Modell der SMS Markgraf

Das III. Geschwader galt als Hauptunruheherd. Es wurde nun auf Wunsch des Geschwaderchefs Vizeadmiral Hugo Kraft - nach einer erfolgreich absolvierten Übung in der Helgoländer Bucht - in den Heimathafen Kiel zurückgeschickt. Kraft, ein nur wenig erfahrener Geschwaderchef,[41] ließ während der Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal 47 Matrosen der SMS Markgraf als vermutete Haupträdelsführer verhaften.[42]

Revolution in Kiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kiel suchten die Besatzungen Kontakt mit den Arbeitern und den Landmarineeinheiten um eine Befreiung der Verhafteten durchzusetzen. Eine große Demonstration zur Arrestanstalt wurde mit Waffengewalt gestoppt. Daraufhin wuchsen die Unruhen so stark an, dass schließlich Soldatenräte gebildet wurden, die die politische und militärische Macht in Kiel übernahmen. Der Gouverneur musste verhandeln. Die angeforderten Infanterieverbände erreichten Kiel zu spät und die älteren Soldaten konnten nicht mehr dazu gebracht werden, gewaltsam gegen die Marineangehörigen vorzugehen. Die Arbeiter traten in einen Generalstreik, um einen schnellen Friedensschluss durchzusetzen und um die Matrosen zu unterstützen. Sie gründeten einen Arbeitrat, der die Behörden und die politischen Gremien kontrollierte. Noske scheiterte mit seinem Versuch die Aufständischen zum Abbruch der Erhebung zu überreden. Diese schufen daraufhin eine effektivere Räteorganisation. Vorsitzender des Obersten Soldatenrats wurde zunächst Lothar Popp, später Karl Artelt. Noske ersetzte den Gouverneur Souchon.

Freitag, 1. November[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraft ließ den Kieler Gouverneur Admiral Wilhelm Souchon, der erst kurz zuvor, am 30. Oktober 1918 den Vorgänger Gustav Bachmann ersetzt hatte, durch einen seiner Stabsoffiziere von der bevorstehenden Ankunft des Geschwaders und von den Vorkommnissen unterrichten.[43] Deutschland war in Militärbezirke aufgeteilt, deren kommandierende Offiziere nur dem Kaiser verantwortlich waren (immediat gestellt). Einer dieser Bezirke war Kiel mit dem Reichskriegshafen. Der Chef der Marinestation der Ostsee war gleichzeitig der Gouverneur von Kiel und hatte in Kriegszeiten auch die zivile Gewalt inne. Ende 1916 wurde eine die Bezirke koordinierende Instanz geschaffen, die erst im Oktober 1918 die Rolle des "Obermilitärbefehlshabers" erhielt. Mit diesem Amt wurde der preußische Kriegsminister General der Infanterie Heinrich Schëuch betraut.[44]

In der Nacht gegen 1 Uhr erreichten die Schiffe des III. Geschwaders Kiel und fuhren durch die Holtenauer Schleuse. Von dort wurden die Verhafteten in die Arrestanstalt in der Feldstraße und in das Fort Herwarth im Norden Kiels gebracht. Es wurde auch bereits Landurlaub für einige Besatzungsmitglieder erteilt, ohne dass dies mit dem Gouverneur abgestimmt worden wäre.[45]

Um 10 Uhr morgens fand dann eine Besprechung zwischen Gouverneur Souchon und dem Chef des III. Geschwaders Kraft statt. Souchon wies eindringlich darauf hin, dass man in Kiel seit einigen Tagen mit einem Generalstreik der über 100.000 Arbeiter rechnete. Zusätzlich agitierten Vertrauensleute für einen Demonstrationsstreik zur Durchsetzung des Friedens. Es müsse alles getan werden, eine Verbindung der potentiell aufrührerischen Besatzungen mit den kampferprobten Kieler Arbeitern zu verhindern. Kiel sei außerdem überfüllt mit Soldaten, u. a. wegen des Rückzugs von der flandrischen Küste. Kraft solle Kiel sofort wieder verlassen. Doch dieser blieb bei seiner Ansicht, dass sich die Besatzungen durch den Urlaub beruhigen würden, und er schickte außerdem die SMS König ins Dock der Kaiserlichen Werft, so dass dieses Schiff auf längere Zeit in der Förde bleiben musste. Immerhin einigte man sich auf eine intensive Überwachung der Landgänger durch Deckoffiziere und die politische Polizei.[46]

Die Besatzungen nutzten den großzügig erteilten Landgang, um alle Hebel in Bewegung zu setzen, ein erneutes Auslaufen zu verhindern und die Freilassung ihrer Kameraden zu erreichen. Die Erfahrungen aus den Marineunruhen im Sommer 1917 waren noch präsent: Max Reichpietsch und Albin Köbis waren damals erschossen worden und allen war bewusst, dass den Verhafteten ebenfalls die Todesstrafe drohte. Vertrauensleute des III. Geschwaders sagten später, sie hätten erklärt: "Werden die Leute bestraft, gibt es eine große Erregung unter den Mannschaften, weil die Einzelnen bei der Gehorsamsverweigerung herausgegriffen worden sind. Deswegen haben wir gesagt, es darf nicht dazu kommen, dass die Leute bestraft werden, weil wir alle dabei gewesen sind."[47]

Das Kieler Gewerkschaftshaus in der damaligen Fährstraße (heute Legienstraße) ca. 1910

Etwa 250 Matrosen, Heizer und Unteroffiziere trafen sich noch am selben Abend (1. November 1918) im Gewerkschaftshaus. Sie vereinbarten, das erneute Auslaufen der Flotte mit allen Mitteln zu verhindern, und beschlossen, Delegationen zu den Offizieren zu schicken, um die Freilassung ihrer Kameraden zu erreichen. Doch die Kommandanten wiesen die Delegierten ab. Für den nächsten Abend wurde ein weiteres Treffen im Gewerkschaftshaus vereinbart. Die Matrosen suchten verstärkt den Kontakt mit den Gewerkschaften, der USPD und der SPD.

Sonnabend, 2. November[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Eindruck der geheimen Berichte vom Treffen kamen die verantwortlichen Offiziere einschließlich des Militärpolizeimeisters am 2. November um 9:00 Uhr vormittags zusammen, um die nächsten Schritte zu erörtern. Kraft hielt immer noch daran fest, den Besatzungen vom III. Geschwader Landgang zu ermöglichen. Jedoch wurden vermehrt Patrouillen ausgeschickt und eine Einsatzreserve des Seebataillons wurde in der nahe am Gewerkschaftshaus gelegenen Maschinenbauschule bereit gehalten. Das Betreten des Gewerkschaftshauses sowie Versammlungen in Gastwirtschaften wurden Marineangehörigen untersagt. Damit wollte Souchon gemeinsame Aktionen von Arbeitern und Besatzungsmitgliedern unterbinden.[48]

Als sich die Marineangehörigen gegen 18 Uhr wieder im Gewerkschaftshaus treffen wollten, wurden sie von Posten abgewiesen. Nachdem ihnen auch von dem Wirt der „Harmonie“ in der Faulstraße der Einlass verwehrt wurde, gingen sie auf getrennten Wegen in kleineren Gruppen zum abgelegenen Großen Exerzierplatz im Vieburger Gehölz. Dort versammelten sich nach und nach etwa 600 Menschen. Dazu gehörten inzwischen auch Mitglieder an Land stationierter Marineeinheiten, von denen einige zur Arbeit auf den Werften abkommandiert waren.[49]

Ein Besatzungsmitglied des III. Geschwaders eröffnete die Versammlung und betonte nochmals, wie wichtig es sei, die Verhafteten zu befreien. Je ein Redner von der Werft-Division und von der Kaiserlichen Werft berichteten, dass ihre Truppenteile die Sache unterstützen würden. Als sechster Redner forderte der Oberheizer Karl Artelt von der Torpedo-Division dazu auf, durch Dienstverweigerung den sofortigen Friedensschluss und die Verhinderung des Flottenvorstoßes durchzusetzen. Außerdem müssten die Militaristen und die herrschende Klasse entmachtet werden – notfalls mit Gewalt. Der nächste Redner berichtete von den Streikvorbereitungen der Werftarbeiter. Ein anderer informierte darüber, dass ein Sicherheitsdienst in der Werft-Division aufgestellt worden sei, der den Streik niederschlagen solle. Es wurden dann verschiedene Fragen aufgeworfen und diskutiert, u. a. wie man sich verhalten solle, wenn befohlen würde, auf Kameraden zu schießen. Man solle stattdessen in die Luft schießen und den kommandierenden Offizier durch Kolbenschläge unschädlich machen. Das schütze vor Entdeckung und mache die Kameraden nicht nervös. Auf die Frage nach dem Verhalten bei einer Urlaubssperre wurde geantwortet, man solle diese einfach ignorieren. Die Teilnehmer waren sich einig, dass keine Zeit zu versäumen sei und dass am nächsten Tag eine große Protestversammlung stattfinden solle. Es waren noch drei zivile USPD Angehörige, darunter Lothar Popp, dazugestoßen. Diese erklärten, sie würden die Bewegung mit allen Kräften unterstützen.[50][A 3]

Als die Teilnehmer sich in der Dunkelheit bereits zerstreuten, traf eine Kompanie Seesoldaten ein, denen es gelang, etwa 70 Personen festzunehmen, obwohl es Warnrufe aus ihren Reihen gab. Doch die Soldaten ließen sie anschließend wieder entkommen und zeigten so deutlich ihre Solidarität mit der Bewegung.

Popp und Artelt trafen sich anschließend im Parteibüro der USPD in der Preußerstraße und erstellten tausende kleiner Handzettel mit der Aufschrift: „Kameraden schießt nicht auf eure Brüder! Arbeiter demonstriert in Massen, lasst die Soldaten nicht im Stich!“[51]

Noch am späten Abend trafen sich wichtige Offiziere in der Wohnung des Stabchefs Konteradmiral Hans Küsel, analysierten die Polizeiberichte und berieten über notwendige Maßnahmen. Die Information, in welchem Umfang sich die Seesoldaten und auch eine Kompanie der I. Matrosen-Division mit der Bewegung solidarisch gezeigt hatten, gelangte jedoch nicht in diese Runde. Die kommandierenden Offiziere versuchten das Versagen ihrer Einheiten zu vertuschen. Dies war offenbar ein wichtiger Grund, dass Küsel und Souchon sich dagegen entschieden, Infanterie von außerhalb heranzuziehen.[52][53]

Sonntag, 3. November[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Morgen um 9:30 Uhr ließ der Kommandant der MARKGRAF weitere 57 Besatzungsmitglieder verhaften. Diese sollten in das Fort Herwarth abgeführt werden, doch die vom Stadtkommandanten Heine abkommandierten Einheiten des Seebataillons weigerten sich zunächst, den Gefangenentransport durchzuführen. Erst nach längerem Zureden konnten die Verhafteten abgeführt werden.[54]

Ebenfalls um 9:30 Uhr trafen sich erneut die Spitzen der Marine in Kiel, die für den Nachmittag die Ausrufung eines Stadtalarms beschlossen, um die geplante Versammlung auf dem Großen Exerzierplatz zu unterbinden. Außerdem wurden vermehrt Patrouillen ausgesandt. Doch Stadtkommandant Kapitän zur See Wilhelm Heine verschwieg auch in dieser Besprechung die erneute Befehlsverweigerung des Seebataillons, und andere Kommandeure behaupteten, ihre Verbände seien loyal, so dass der wirkliche Ernst der Situation den Versammelten nicht bewusst wurde.[55]

Nach der Besprechung informierte Souchon die Marineführung per Fernschreiben. In diesem kritisierte er indirekt, dass das III. Geschwader nach Kiel geschickt worden war, und dass Kraft sich mehrere Tage geweigert hatte, es wieder abzuziehen. Souchon bezeichnete die Situation als „äußerst gefährlich“ und bat darum, einen "hervorragenden sozialdemokratischen Abgeordneten hierherzuschicken, um im Sinne der Vermeidung von Revolution und Revolte zu sprechen."[56]

Um 12 Uhr mittags begann eine Veranstaltung im Gewerkschaftshaus, an der mehr als 5.000 Personen teilnahmen und auf der der SPD-Reichstagsabgeordnete Heinrich Stubbe den Alldeutschen vorwarf, sie wollten den Krieg bis zur völligen Vernichtung Deutschlands fortsetzen. Indirekt rief Stubbe zum Streik auf.[57] USPD Mitglieder nutzten die Versammlung, um die kleinen Handzettel zu verteilen und Mundpropaganda für die am Nachmittag geplante Versammlung zu machen.

Um 15:30 Uhr löste Heine den Stadtalarm aus. Trompeter und Trommler zogen durch die Straßen und forderten alle Militärangehörigen zur Rückkehr auf ihre Schiffe und in ihre Kasernen auf. Doch viele ignorierten den Befehl, etliche wussten mit dem selten genutzten Signal nichts anzufangen und andere wurden erst durch den Alarm auf die geplante Versammlung aufmerksam. Die Menschen strömten zum Vieburger Gehölz und gegen 17:30 Uhr hatten sich dort etwa 5.000 bis 6.000 Soldaten und Arbeiter, darunter auch Frauen versammelt.

Reichsadler in ca. sechs Metern Höhe auf einer 150 bis 200 Jahre alten Rotbuche in der Nähe zum Großen Exerzierplatz im Vieburger Gehölz. Es wird vermutet, dass diese während des Matrosenaufstands eingeritzt worden sind.[58]

Mehrere Redner traten auf, darunter der Kieler Gewerkschaftsführer Gustav Garbe und Karl Artelt. Werftarbeiter erklärten ihre Unterstützung. Rufe, die Verhafteten zu befreien, wurden laut. Garbe, der sich dafür einsetzte, noch einige Tage zu warten, fand kein Gehör. Die Menschenmenge zog zunächst zum nahegelegenen Lokal "Waldwiese" in dem eine Kompanie der I. Matrosen-Division untergebracht war. Zwischen 18:15 und 18:30 Uhr wurde das Gebäude gestürmt. Der kommandierende Offizier verzichtete angesichts der erdrückenden Übermacht und des Eindringens von allen Seiten darauf, Schießen zu lassen. Er war sich außerdem nicht sicher, ob die Mannschaften den Befehl befolgt hätten (schon am Vortag war es zu Befehlsverweigerungen in seiner Einheit gekommen). Arrestanten wurden freigesetzt, Waffen erbeutet und mitgenommen. [59]

Die Demonstranten zogen nun weiter in Richtung Innenstadt. Dabei stieß der Zug offenbar auf Sicherheitskräfte des Gouvernements. Allerdings gibt es darüber sehr unterschiedliche Berichte, was auch damit zusammenhängen könnte, dass es dunkel war und der riesige Zug kaum zu überblicken war. So schreiben Popp und Artelt, dass man an der Hummelwiese (etwa 300 Meter vor dem Bahnhof) auf eine Postenkette gestoßen sei, die aber ohne jeglichen Widerstand gesprengt worden sei. Dann sei man am Bahnhof auf eine Unteroffizierspatrouille gestoßen, die man entwaffnet habe.[60] Letzteres wurde auch in einem Bericht der Kieler Zeitung bestätigt.[61] In einem Polizeibericht wurde dagegen behauptet, die Patrouille sei "königstreu" weitermarschiert.[62]

Am Bahnhof geriet die 57-jährige Krankenpflegerin Maria Schneider im Gedränge unter eine Straßenbahn und starb.[63] Die Demonstranten zogen weiter durch die Innenstadt. Die Arbeitermarseillaise wurde gesungen, man ließ die Internationale und die Republik hochleben. Rufe "Weg mit dem Kaiser!" lösten große Zustimmung aus. Schließlich marschierten die Demonstranten die Brunswiker Straße hoch. Als sie in die Karlstraße einbogen, um von dort in die Feldstraße zu gelangen, trafen sie auf ernsthaften Widerstand.

Was nun geschah, ist immer noch nicht abschließend geklärt. Klaus Kuhl hat alle bisher vorliegenden Dokumente, die zu teilweise völlig gegensätzlichen Aussagen kommen, sorgfältig analysiert und seine Ergebnisse in einem Werkstattbericht zusammengefasst.[64] Demnach ist der folgende Ablauf als wahrscheinlich anzusehen: Die Demonstranten trafen um 19 Uhr in der Karlstraße kurz hinter der Kreuzung mit der Brunswiker Straße auf eine Polizeikette aus wenigen Schutzpolizisten unter der Führung von Polizeiwachtmeister Hermann Gittel. Nach kurzem Handgemenge flohen diese in die Straße Langer Segen hinein. Kurz hinter der nun aufgelösten Polizeilinie befand sich aber eine weitere Postenkette aus 30 Rekruten und Unteroffizieren, kommandiert vom Leutnant der Reserve Oskar Steinhäuser (I. Torpedo-Division); vermutlich mit Gewehren ausgerüstet. Steinhäuser ermahnte die Demonstranten zurückzubleiben. Als diese jedoch weiter vordrangen, gab er Feuerbefehl. Die Soldaten schossen jedoch, entgegen der Erwartung Steinhäusers, hauptsächlich in die Luft. Doch wurde bereits ein Matrose auf Seiten der Demonstranten durch einen Schuss in den Arm verletzt. Steinhäuser wurde von hinten, eventuell von einem seiner Unteroffiziere, niedergeschlagen, konnte aber wieder aufstehen.

Eine Gedenktafel an der Ecke Feldstraße Langer Segen, gestaltet von dem Flensburger Bildhauer Hilger Schmitz, erinnert an die Ereignisse. Aufnahme 2007.

Nach dem ersten Zurückschrecken drangen die Demonstranten wieder vor. Die Rekruten schossen nun nach erneutem Feuerbefehl in Panik direkt in die Menge und flohen. Auch die Demonstranten wichen zurück, drangen jedoch bald wieder vor. Steinhäuser wurde von ihnen erneut niedergeschlagen, erhielt einen Pistolenschuss in die Brust, und es wurde weiter auf ihn eingeschlagen. Gittel kam ihm zu Hilfe sowie der Leutnant z.S. Karl Weiß, der in der Nähe auf Urlaub war. Weiß erhielt einen Pistolenschuss in den Kopf. Alle drei wurden weiter misshandelt bis eine Krankenschwester energisch einschritt. Daraufhin wurden sie von den Demonstranten zu den anderen Toten und Verletzten in das wenige Schritte entfernte Etablissement „Hoffnung“ gebracht.

Eine Feuerwehrspritze fuhr mit hohem Tempo durch die Demonstration und sprengte die Menge auseinander. Als sich wieder einige Demonstranten sammelten, erschien eine Einheit der Deckoffiziersschule und schoss auf Füße und Beine. Kurz danach kam eine Einheit des Marine-Bataillons. Die noch vor Ort verbliebenen Demonstranten, die erneut eine drohende Haltung einnahmen, zerstreuten sich endgültig, als der kommandierende Offizier das Laden der Waffen anordnete. Für den Rest der Nacht wurden keine weiteren Auseinandersetzungen bekannt, obwohl weiterhin von Schüssen berichtet wurde. Dieser Zusammenstoß gilt als der Beginn des Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstands, der dann zur Novemberrevolution führte.

Bei diesen Auseinandersetzungen starben sieben Personen und etwa 30[A 4] wurden zum Teil schwer verletzt, so dass zwei von ihnen später starben. Steinhäuser, Weiß und Gittel wurden nach längerem Lazarettaufenthalt als geheilt entlassen. Unter den Toten und Verletzten waren keine Frauen oder Kinder.

In der Marinestation der Ostsee verfolgten Souchon und Küsel die Ereignisse. Nach dem Sturm der "Waldwiese" entzogen sie dem Militärpolizeimeister Walter v. Brüning, der gleichzeitig Kieler Polizeipräsident war, die Leitung der Maßnahmen und übertrugen sie dem Stadtkommandanten Heine. Als sich um 19 Uhr die Lage zuspitzte, forderten sie telefonisch vom Hauptquartier des Nachbarmilitärbezirks, dem IX. Reserve-Armee-Korps in Altona, Infanterieeinheiten an. Doch nachdem die Demonstration aufgelöst wurde, nahmen sie die Anforderung zurück. Sie glaubten, die Situation wieder zu beherrschen, weil wiederum die Information, dass Steinhäuser eventuell von einem seiner Unteroffiziere niedergeschlagen wurde, und dass die Rekruten in Panik geflohen waren, von den kommandierenden Offizieren nicht weitergegeben wurde. Außerdem hatte Kraft inzwischen nachgegeben und sich bereit erklärt, am nächsten Morgen das III. Geschwader aus Kiel abzuziehen. Zusätzlich liefen verschiedene Schiffe in die Förde ein, darunter die II. Torpedobootflottille. Auf den Torpedobooten, wie auch auf den U-Booten herrschte häufig ein besseres Verhältnis zwischen Offizieren und Mannschaften. Souchon requirierte die Einheiten deshalb für den Schutz der Arrestanstalt, des Stationsgebäudes und des Offizierskasinos. Er ließ das USPD-Büro durchsuchen und befahl dort angetroffene Personen festzunehmen. Die Aktion blieb jedoch ohne Ergebnis.[65]

Dennoch wurde die Lage als nach wie vor ernst angesehen. In einem weiteren Fernschreiben formulierte Souchon, es sei notwendig Kiel zu entlasten. Entsprechend hatte man sich in Altona zusichern lassen, dass man im Nachbarbezirk Infanterie in Bereitschaft halten würde, so in Lübeck, Neumünster und Rendsburg, falls sich die Situation wieder verschlechtern sollte. Andererseits aber schrieb Souchon, er sei zuversichtlich, Herr der Lage zu bleiben.[66]

Montag, 4. November[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doch schon in der Nacht um 2:00 Uhr gab es Unruhen unter den Marineangehörigen auf den Werften.[67] Ab 4:00 Uhr gab es Berichte von Unruhen in verschiedenen Truppenunterkünften. Die Garnison wurde deshalb am frühen Morgen in Alarmbereitschaft versetzt und das Gouvernement erneuerte die Anforderung von Infanterie, dabei behielt man sich den Oberbefehl über die einzusetzenden Einheiten vor. Doch obwohl laut Küsel das Versprechen gegeben worden war, Einheiten bereit zu halten, erreichte nur die Rendsburger Infanterie Kiel zu einem Zeitpunkt, an dem noch eine gewisse Aussicht auf einen erfolgreichen Eingriff vorhanden gewesen wäre.[68]

Im Laufe des Vormittags hatten sich die Unruhen weiter ausgebreitet. Um 10 Uhr traten die Arbeiter der Germaniawerft in Gaarden und der Torpedowerkstatt in Friedrichsort in den Streik. Der Marineführung gelang es noch, Verhaftungen durchzusetzen und die Verhafteten in das Militärgefängnis in der Wik bringen zu lassen. Doch damit eskalierten auch die Ereignisse in der großen Kasernenanlage in diesem im Kieler Norden gelegenen Stadtteil. Die Angehörigen der I. Torpedodivision wollten um 15 Uhr die Kasernen verlassen und demonstrieren. Die Arresthauswache wurde verstärkt, Teile der benachbarten I. Werftdivision und der U-Bootdivision wurden bewaffnet. Der Kommandant der Torpedodivision ließ antreten und ermahnte seine Untergebenen, dass sie zu gehorchen hätten. Doch damit steigerte sich die Erregung weiter. Die Marineangehörigen demonstrierten durch das Kasernengelände. Die Offiziere zogen sich zurück, die Arresthauswache wurde abgezogen, später schlossen sich auch die I. Werftdivision und die U-Bootdivision an. Die Aufständischen bewaffneten sich, legten dem Kommandanten ihre Forderungen vor und wählten Soldatenräte. Die Forderungen lauteten:

  1. Abdankung des Hohenzollernhauses.
  2. Die Aufhebung des Belagerungszustandes.
  3. Freilassung unserer gemaßregelten Kameraden vom 3. Geschwader.
  4. Freilassung aller im Zuchthaus zu Celle [im Original „Zelle“] sitzenden Kameraden von der Matrosenerhebung im Jahre 1917.
  5. Freilassung sämtlicher politischer Gefangenen.
  6. Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter.
Karl Artelt wurde Vorsitzender des ersten in Deutschland gebildeten Soldatenrats (Foto 1914 in Kiel-Wik)

Die Soldatenräte etablierten sich als direkte Machtorgane der Soldaten anstelle der Offiziere. Erster Vorsitzender wurde Karl Artelt.[69]

Die Rendsburger Infanterie befand sich noch wenige Kilometer entfernt von der Kasernenanlage. Die 180 Mann kamen zu spät. Sie hätten keine Chance gegen die inzwischen auf mehrere tausend Mann angewachsenen bewaffneten Aufständischen gehabt.[70] Stadtkommandant Heine musste um 13:45 Uhr feststellen, dass die noch verfügbaren Machtmittel völlig unzureichend gegenüber den ständig weiter Zulauf erhaltenden Aufständischen waren. Um kurz nach 14 Uhr entschloss sich Souchon zu verhandeln. Er untersagte den Schusswaffengebrauch und ließ eine Delegation aus der Wik in die Marinestation kommen. Artelt und weitere Mitglieder des Soldatenrats fuhren mit einer großen roten Fahne am Auto zum Gouverneur.[71]

Zu diesem Zeitpunkt verließ das III. Geschwader Kiel; ohne die im Dock liegende KÖNIG. Am Morgen hatte Souchon Kraft nochmals eindringlich gebeten, die Schiffe abzuziehen. Doch obwohl Kraft dies bereits zugesagt hatte, war immer noch Urlaub gewährt worden und die Kessel mussten erst geheizt werden. So verzögerte sich die Abfahrt nochmals. Etwa tausend Mann blieben an Land. Die Matrosen auf den Schiffen weigerten sich, die Leinen loszuwerfen. Das mussten Fähnriche und Deckoffiziere besorgen. Das Geschwader fuhr nach Travemünde, wo es bis zum 9. November blieb.[72] Auf der Rückfahrt nach Kiel durften die Offiziere die Schiffe nicht mehr führen, das Kommando hatten jetzt die Soldatenräte.[73]

Souchon sicherte der Delegation aus der Wik zu, keine weiteren Truppen von auswärts heranzuziehen und die auf dem Weg befindlichen Einheiten zurückzuschicken. Außerdem willigte er ein, die Verhafteten aus dem III. Geschwader freizulassen. Auf dem Weg zurück in die Wik traf Artelt auf die Rendsburger Infanterie, hielt eine Ansprache und beschwor sie, nicht auf Kameraden zu schießen. Die Truppe zog sich daraufhin, aber wohl auch weil sie inzwischen der Rückzugsbefehl erreicht hatte, in Richtung Innenstadt zurück. In der Wik verkündete die Delegation die Ergebnisse. Eine riesige Demonstration setzte sich in Bewegung, um die bevorstehende Freilassung mitzuerleben und um eine große Versammlung auf dem Wilhelmplatz abzuhalten.[74]

Um 17 Uhr fand eine weitere Verhandlungsrunde in der Station satt. Souchon traf sich mit Vertretern der Arbeiterbewegung, die gerade an einer großen Versammlung im Gewerkschaftshaus teilnahmen. Popp und Classen für die USPD, Rausch und Poller für die MSPD sowie erneut Vertreter der Matrosen, darunter wieder Karl Artelt, kamen in die Station und trugen ihre Forderungen vor. Souchon erklärte sich bereit, diese Forderungen allen Truppenteilen bekannt zu machen. Des Weiteren wurde eine erneute Verhandlungsrunde anberaumt, an der die aus Berlin erwarteten Vertreter der Regierung und der SPD, Conrad Haußmann und Gustav Noske teilnehmen sollten.[75][76]

Danach begaben sich Karl Artelt und der Kriegsgerichtsrat Eichheim in die nahegelegene Militärarrestanstalt in der Feldstraße und ließen gemeinsam die Verhafteten des III. Geschwaders frei. Diese wurden von den inzwischen dort angelangten Marineangehörigen aus der Wik begeistert begrüßt. Anschließend zog man weiter auf den Wilhelmplatz. Artelt holte Noske um 19:30 Uhr vom Bahnhof ab, wo dieser ebenfalls von einer großen Menschenmenge begeistert begrüßt wurde, und brachte ihn zum Wilhelmplatz. Dort rief Noske in einer kurzen Rede dazu auf, Ordnung zu bewahren. Kurz danach fiel ein Schuss, die Menge löste sich schnell auf und eine allgemeine Schießerei setzte ein. Es handelte sich aber offenbar nur um Freudenschüsse.[77][78]

Um 21 Uhr fand dann die dritte Verhandlungsrunde im Gouvernement statt. Dazu liegen ein Protokoll der Kieler Marinebehörden und eine Zusammenfassung von Popp und Artelt vor; letztere wurde noch im Dezember 1918 verfasst.[79] Die gesamte militärische Führung in Kiel saß den Führern der Matrosen- und Arbeiterbewegung gegenüber. Außerdem waren Haußmann als Vertreter der Regierung und Noske als Gesandter der SPD-Führung in Berlin anwesend. Die Militärs verfügten über keine Machtmittel mehr. Sie hatten nochmals bestätigen müssen, dass alle von auswärts entsandten Militäreinheiten zurückgezogen wurden. Die im Keller der Marinestation untergebrachte Infanterieeinheit aus Neumünster hatte sich laut zeitnahen Aufzeichnungen des Vizeadmirals Wurmbach und Lothar Popps mit den Aufständischen solidarisiert.[80] Noske und Haußmann versprachen, die nicht in Kiel zu klärenden Forderungen nach Berlin zu übermitteln. Lothar Popp stellte nach einer späteren Aussage abschließend fest: "Sie reden immer von einer Matrosenrevolte. Das war es vielleicht gestern und vorgestern noch, aber heute nicht mehr. Wir befinden uns jetzt hier am Anfang der deutschen Revolution."[81]

Souchons Verhalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der erwähnten Einheit aus Rendsburg kamen weitere Infanteristen nach Kiel, die aber noch deutlich später eintrafen. Eine Einheit von 16 Offizieren und 420 Mann, ausgerüstet mit Maschinengewehren und Minenwerfern erreichte den Kieler Bahnhof um ca. 15 Uhr als Souchon bereits alle militärischen Maßnahmen gegen die Aufständischen zurückgenommen hatte. Der kommandierende Offizier, Hauptmann Erich Trowitz ließ eine kleine Gruppe zum Schutz des Bahnhofs zurück und zog dann zur Marinearrestanstalt, wurde aber wenig später in die Oberrealschule in der Waitzstraße verlegt, wo auch bald die Gruppe aus Rendsburg eintraf. Später fand sich auch Oberstleutnant v. Raven ein, der die Maßnahmen in Kiel in Zusammenarbeit mit zwei vom Gouverneur zur Verfügung gestellten Seeoffizieren hätte befehligen sollen. Wie oben erwähnt wurden hundert Mann der Neumünsteraner unter Oberleutnant Otto Trotta genannt v. Treyden zum Schutz der nahegelegenen Station in den dortigen Keller verlegt. Einheiten aus Lübeck und Schleswig erschienen erst am Abend in Kiel und gaben im oder vor dem Bahnhof ihre Waffen ab und fuhren dann großteils wieder zurück.

Trowitz behauptete in einem Artikel, der im Jahr 1936 veröffentlicht werden sollte, der aber auf Verlangen des Reichskriegsministers Werner von Blomberg eingestampft werden musste, dass er damals den Aufstand leicht hätte niederschlagen können, wenn Souchon ihm nicht verboten hätte, Waffengewalt anzuwenden. Im Jahr 1978 erneuerte Ernst-Heinrich Schmidt in seiner Dissertation[82] diese These, wobei er sich ganz wesentlich auf Trowitz stützte, ohne dass eine kritische Bewertung dieser Quelle in seiner Arbeit deutlich wurde. Trowitz’ Behauptung, dass seine Truppe einen Schießbefehl gegen die Aufständischen durchgeführt hätte, muss jedoch aufgrund einer Vielzahl von Indizien und aufgrund der damaligen weitreichenden Demoralisierung der Truppen als unglaubwürdig angesehen werden. Ähnlich verhält es sich mit der Behauptung, dass ein massierter Einsatz von außerhalb den Aufstand hätte niederwerfen können.[83][84]

Nach Dähnhardt hatten die Schüsse in der Karlstraße gezeigt, dass sich die lange angestaute, tiefsitzende Unzufriedenheit nicht mehr mit Gewalt unterdrücken ließ und dass diese Gewalt vielmehr den Solidarisierungsprozess der Matrosen untereinander und auch mit den Kieler Arbeitern verstärkte. Damit hätte Souchon in Kiel vor kaum lösbaren Aufgaben gestanden. Er musste sich auf seine Untergebenen verlassen, die die Lage viel zu optimistisch einschätzten oder nicht den Mut hatten, eigene Versäumnisse einzugestehen. Zum anderen breitete sich der Aufstand so schnell aus, dass die Offiziere resignierten. Souchon bewies jedoch Verantwortungsbewußtsein, denn rücksichtslose Gewaltanwendung hätte den Aufstand nicht mehr unterdrücken können, hätte aber ein Chaos mit unabsehbaren Folgen heraufbeschworen.[85] Ähnlich urteilen auch Wette[86] und Rackwitz[87].

Soldatenrat an Bord des Linienschiffs Prinzregent Luitpold Das Schiff befand sich in dieser Zeit in Wilhelmshaven.[88]

Am Abend des 4. November war Kiel damit fest in der Hand der Aufständischen. Überall wurden Soldatenräte gebildet. Eine Versammlung von Vertrauensleuten hatte für den folgenden Tag den Generalstreik beschlossen.

Dienstag, 5. November[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch in der Nacht vom 4. auf den 5. November fanden mehrere bewaffnete Auseinandersetzungen statt. So nahmen Matrosen das Hansa-Hotel und ein Lastauto in der Ringstraße unter Feuer, weil sie den Eindruck hatten, dass sie von Offizieren beschossen würden.[89] Neben weiteren Schießereien auf der Werft kam es zu einer "wahnsinnigen Schießerei" beim Seekadettenschulschiff SMS Elsass.[90]

Immer wieder kamen Gerüchte auf, dass die Wandsbeker Husaren im Anmarsch wären. Zur Abwehr wurden Einheiten formiert und ein Kriegsschiff in die Hörn verlegt. Lothar Popp nahm den Gouverneur als Geisel und setzte ihn im Bahnhof fest. Als sich herausstellte, dass die Gerüchte nicht stimmten, wurde Souchon zurück in sein Hotel gebracht.[91][92]

Gegen 7:30 Uhr setzten die Schiffe im Kieler Hafen die rote Fahne. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen auf einigen Schiffen und zur Flucht der SMS Schlesien, sowie eines Torpedoboots und eines U-Boots. Auf dem im Dock liegenden Schlachtschiff SMS König hatte der Kommandant schon früher die Kriegsflagge setzen lassen. Er befahl zwei Offizieren die Fahne zu verteidigen. In einem längeren Schusswechsel wurden diese und der Kommandant selbst schwer verwundet; danach wurde auch hier die rote Fahne gesetzt. Ein Matrose und die Offiziere starben, der Kommandant überlebte.[93]

Diese Vorgänge zeigen, dass sich handlungsfähige führende Gruppen der Aufständischen gebildet hatten. Die Soldatenräte waren spontan entstanden und vielfach wohl einfach auf Zuruf gewählt worden. Schon seit dem 4. November ab 13 Uhr saß eine große Zahl von Abordnungen im großen Saal des Gewerkschaftshauses zusammen, versuchte Ziele und Programm der Bewegung zu formulieren, Strukturen aufzubauen und die Aktionen zu koordinieren. Als dann die Nachricht von der Bewaffnung der Aufständischen und wohl auch von der Bildung der Räte in der Wik eintraf, stieß dies auf Begeisterung bei den Anwesenden.[94][95] Dies dürfte zu einer weiteren Festigung der Strukturen beigetragen haben. So berichtete Popp als er am frühen Morgen des 5. November von der Verhandlung beim Gouverneur ins Gewerkschaftshaus zurückkam, "… es gelang schnell eine gewisse Einteilung und ein bestimmtes Kommando zu schaffen. In einigen der Zimmer und Bureaus hatte sich der Soldatenrat niedergelassen, der unverzüglich seine Arbeit begann." [96] Nikolaus Goßrau beginnt im Auftrag der Räte mit dem Aufbau eines Sicherheitsdienstes.[97]

Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er Jahren.

Zwei Stunden nach der oben erwähnten Matrosenversammlung trafen sich Obleute und Vertrauensleute in demselben Saal im Gewerkschaftshaus und beschlossen den Generalstreik zur Unterstützung der Bewegung. Am frühen Morgen gegen 5 Uhr bildete sich auch ein Arbeiterrat. Er bestand im Wesentlichen aus Vertretern beider sozialdemokratischer Parteien, aus Gewerkschaftsfunktionären und Vertrauensleuten. Vorsitzender des Arbeiterrats wurde der Vorsitzende des Kieler Gewerkschaftskartells Gustav Garbe.

Vertreter der Marineangehörigen und der Arbeiter einigten sich vermutlich ebenfalls am frühen Morgen des 5. November auf die 14 Kieler Punkte, die dann in den nächsten Tagen von vielen weiteren Räten in ganz Deutschland übernommen wurden:

Die 14 Kieler Punkte in der Schleswig-Holsteinische Volkszeitung
  1. Freilassung sämtlicher Inhaftierten und politischen Gefangenen.
  2. Vollständige Rede- und Pressefreiheit.
  3. Aufhebung der Briefzensur.
  4. Sachgemäße Behandlung der Mannschaften durch Vorgesetzte.
  5. Straffreie Rückkehr sämtlicher Kameraden an Bord und in die Kasernen.
  6. Die Ausfahrt der Flotte hat unter allen Umständen zu unterbleiben.
  7. Jegliche Schutzmaßnahmen mit Blutvergießen haben zu unterbleiben.
  8. Zurückziehung sämtlicher nicht zur Garnison gehöriger Truppen.
  9. Alle Maßnahmen zum Schutze des Privateigentums werden sofort vom Soldatenrat festgesetzt.
  10. Es gibt außer Dienst keine Vorgesetzten mehr.
  11. Unbeschränkte persönliche Freiheit jedes Mannes von Beendigung des Dienstes bis zum Beginn des nächsten Dienstes.
  12. Offiziere, die sich mit den Maßnahmen des jetzt bestehenden Soldatenrates einverstanden erklären, begrüßen wir in unserer Mitte. Alles Übrige hat ohne Anspruch auf Versorgung den Dienst zu quittieren.
  13. Jeder Angehörige des Soldatenrates ist von jeglichem Dienste zu befreien.
  14. Sämtliche in Zukunft zu treffenden Maßnahmen sind nur mit Zustimmung des Soldatenrates zu treffen.

Der Katalog beschrieb die sofort zu treffenden Maßnahmen und zementierte die bestimmende Rolle des Soldatenrats in Kiel. Er verzichtete aber auf eine längerfristige politische Programmatik und setzte vorerst auf das Weiterarbeiten der bestehenden Institutionen. Lediglich in Punkt 12 wurden Ansätze für eine tiefergehende Militärreform angedeutet, indem nur noch solche Offiziere akzeptiert werden sollten, die von den Mannschaften anerkannt wurden. Mit diesem Katalog, so urteilt Kollex, gelang es, Geschlossenheit herzustellen und die damit die Macht zu sichern.[98] Die fehlende Weitsicht führte Dähnhardt unter anderem auf die heterogene Zusammensetzung der Gremien zurück – so gab es im III. Geschwader starke Tendenzen, sich mit der Regierung zu arrangieren[99]. In der politischen Kurzsichtigkeit sieht er eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder aufgelöst werden konnten.[100]

In Kiel schufen die Aufständischen jetzt Fakten und nahmen den Offizieren Waffen, Säbel, Kokarden und Rangabzeichen ab. Gegen 10 Uhr setzte der Arbeiterrat Beigeordnete für die zivilen Einrichtungen ein, denen alle wichtigen Vorgänge vorgelegt werden mussten, und die in die Entscheidungen eingreifen konnten. Vielfach wird dabei auf politisch erfahrene Stadtverordnete zurückgegriffen, denen der Zugang zu hauptamtlichen Stellen bisher durch das undemokratische Zensuswahlrecht verwehrt war.[101] Das Ernährungsamt wurde direkt übernommen. Auch auf dem Rathaus wurde die rote Fahne gesetzt.

Beschlüsse des Soldatenrats vom 5. November 1918

Etwa um 13 Uhr wurde erneut eine große Versammlung auf dem Wilhelmplatz abgehalten. U. a. hielten Popp und Noske Reden, die aber wegen des schlechten Wetters nur kurz ausfielen. Noske erklärte, dass es eine straffe Führung brauche, und er bot an, dass er sich der Bewegung annehmen könne. Daraufhin wurde er zum vorläufigen Vorsitzenden des Soldatenrats gewählt. Noske behauptete in seiner 1920 erschienen Rechtfertigungsschrift "Von Kiel bis Kapp", er habe am Vormittag trotz intensiver Suche keine Führung der Bewegung finden können, und deshalb sei ihm von Artelt oder Garbe vorgeschlagen worden, diese Führung selbst vorläufig zu übernehmen.[102] Dass er keine Führung habe finden können, wirkt unglaubwürdig, denn er schreibt selbst, dass er in einem Dutzend Zimmern des Gewerkschaftshauses diskutierende Gruppen angetroffen habe. Dabei dürfte es sich um die von Popp erwähnten Zusammenschlüsse von Abordnungen und Räten gehandelt haben, die die Verteidigung der Stadt und den Sicherheitsdienst organisiert hatten. Vermutlich hatte Noske eher auf die Verwaltungsdetails abgehoben, wie das Auszahlen der Löhnung und den Lebensmitteltransport. Dies würde das Entgegenkommen der USPDler Artelt und Popp erklären, die nichts dagegen hatten, dass Noske diese Dinge in die Hand nahm, die aber nicht erlaubten, dass politische Entscheidungen getroffen wurden, bis nicht ein vergleichbares politisches Schwergewicht der USPD aus Berlin, wie etwa Haase oder Ledebour, eingetroffen war.[103] Das am Folgetag vom Soldatenrat veröffentlichte Plakat, beschrieb dann auch eher organisatorische Fragen und war sowohl von Noske als auch von Artelt unterzeichnet. Noske ließ sich dann ein Büro in der Marinestation einrichten, von wo diese Dinge wohl einfacher zu erledigen waren und wo sich wohl auch Artelt öfters aufhielt.

Zu diesem Zeitpunkt kurz nach 13 Uhr setzte in großen Teilen der Stadt eine intensive Schießerei ein, die bis etwa 15 Uhr andauerte. Die Matrosen hatten den Eindruck, dass Offiziere auf sie schössen, besonders aus Fenstern höherer Stockwerke. Es liegen bisher nur wenige und unsichere Nachweise dafür vor. Dagegen gibt es ebenfalls wenige aber gut untersuchte Fälle, in denen sich die Unschuld der Beschuldigten herausgestellt hatte.[104] Es gab 10 Tote und wenigstens 21 durch Schusswunden Verletzte.[105]

Aufruf des Gouverneurs um die Lage zu beruhigen

Vermutlich in dieser Zeit wurden Insassen des Gefängnisses an der Ringstraße, von denen einige am 3. November von der Arrestanstalt verlegt worden waren, nach MG-Einsatz befreit. In den späten Abendstunden des 5. November wurde der Stadtkommandant, Kapitän z. S. Heine, in seiner Wohnung von einer Patrouille erschossen, als er sich der beabsichtigten Festnahme widersetzte. Der Militärpolizeimeister, der gleichzeitig Polizeipräsident war, Dr. von Brüning (er hatte kurz vor der Umwälzung seinen Vorgänger v. Schrötter ersetzt), hatte sich bereits durch Flucht nach Rügen einer möglichen Verhaftung entzogen.[106] Auch auf dem Kieler Schloss wehte inzwischen eine rote Fahne, Abends floh der Hohenzoller Prinz Heinrich, der Bruder Kaiser Wilhelms, der dort residierte, getarnt mit einer roten Fahne am Auto auf sein Gut nördlich von Eckernförde. Dabei kam ein Matrose ums Leben, der auf dem Trittbrett nach Eckernförde mitfahren wollte.[107]

Überregionale Planungen zur Niederwerfung des Aufstands[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am frühen Abend traf Haußmann wieder in Berlin ein. Im Kabinett setzte er sich für die Forderungen der Matrosen ein und betonte, die Sache könne nur durch die Sozialdemokraten und Gewerkschaften gehalten werden. Der Staatsekretär des Reichsmarineamts, Ritter v. Mann und der Oberbefehlshaber Schëuch sprachen sich dagegen für härteste Maßnahmen und ein Abriegeln Kiels aus, um ein Exempel zu statuieren. Die Entscheidung wurde vertagt. Abends telefonierte Noske mit Vizekanzler v. Payer: Die 40.000 Mann in Kiel könnten nicht überwältigt werden und der Versuch würde jede Verständigung unmöglich machen. In einem weiteren Gespräch mit Ritter v. Mann wiederholte Noske die Forderungen nach Amnestie für die Matrosen und Rücktritt oder Abdankung des Kaisers.

Die Seekriegsleitung (SKL) wartete die Entscheidung des Kabinetts nicht ab und schickte ein Telegramm an das Kommando der Hochseestreitkräfte, in dem sie vorgeblich im Einvernehmen mit der Regierung befahl: Jeder Widerstand sei sofort zu brechen, das IX. Armeekorps solle Kiel zu Lande und das Hochseekommando zur Seeseite absperren. Der Chef der SKL Scheer schlug dem Kaiser vor, dass Admiral v. Schröder den Kieler Gouverneur Souchon ersetzen und an der Spitze einer Brigade nach Kiel verlegt werden solle. Der Kaiser war einverstanden und erließ ohne Rücksprache mit der Regierung die entsprechenden Befehle.

Am nächsten Tag nahm das Kabinett Haußmanns Vorschlag einstimmig an und lehnte auch die Kommandierung Schröders nach Kiel entschieden ab. Die SKL setzte sich dagegen wieder über die Regierung hinweg und bestätigte die Befehle vom Vortag. Doch schließlich empfahl auch Scheer dem Kaiser die Rücknahme des Befehls, da inzwischen allen Beteiligten klar geworden war, dass keine ausreichenden Truppen mehr zur Verfügung standen.[A 5][108][109]

Mittwoch, 6. November[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den am vorigen Nachmittag beschlossenen und dann veröffentlichten Maßnahmen – darunter, dass nur die vom Soldatenrat autorisierten Patrouillen bewaffnet Streife gehen durften – beruhigte sich die Lage in Kiel zusehends. Die Banken und erste Geschäfte öffneten wieder.[110]

Doch es machte sich eine gewisse Resignation breit. Es gab keine Nachrichten von der erhofften Ausbreitung der Bewegung abgesehen von Eckernförde, Lübeck und Brunsbüttel. Noske versuchte dies auszunutzen. Er setzte sich stark dafür ein, die Matrosen zum Abbruch des Aufstands zu bewegen.[111] Am Nachmittag fand eine große Massenversammlung von etwa tausend Matrosen, an der auch Vertreter der Arbeiterschaft teilnahmen, im "Schloßhof", dem heutigen metro-Kino statt. Noske hielt seine sorgfältig vorbereitete Rede und beschrieb die großen Schwierigkeiten vor der die Bewegung stehe. Die Heranschaffung von Lebensmitteln und Geld machte große Probleme. Zu der Zeit war Kiel isoliert, der Eisenbahnverkehr war eingestellt. Dann gab er bekannt, was die Regierung anbieten würde, wenn der Aufstand abgebrochen würde:

  1. Straffreiheit für alle an der Bewegung Beteiligten.
  2. Amnestie für die wegen der vorjährigen Bewegung in der Flotte Verurteilten.
  3. Beschleunigte Herbeiführung des Waffenstillstandes.
  4. Beschleunigung der Abdankungsfrage.
  5. Weitere Reformen und Demokratisierung des Staates.

Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe (MSPD) und Popp (USPD) sprachen dagegen und führten aus, dass noch Zeit sei zu warten und dass im Gegenteil versucht werden müsse, die Bewegung auszuweiten.[112] Auch der Redakteur der Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung (SHVZ) Bernhard Rausch (MSPD) argumentierte dagegen: Die Bewegung dürfte "nie in dem Sinne abgebaut werden […], daß etwas von dem aufgegeben würde, was durch sie politisch erreichbar war."[113] In dem Bericht der SHVZ[114] über die Versammlung wurde dies näher erläutert: "Die gegenwärtige schicksalsschwere politische Situation gebietet, dass die entstandenen Machtverhältnisse restlos ausgenützt werden für den politischen und sozialen Fortschritt des Deutschen Reiches. Es gilt das, was im glorreichen Ansturm errungen ist, dauernd zu befestigen."

Das Flugblatt der Regierung

Der geplante Flottenvorstoß hatte deutlich gemacht, auf wie schwachen Füßen die Demokratie stand. Weder Haußmann noch Noske hatten bei den Verhandlungen am 4. November ernsthafte Anstrengungen erkennen lassen, die Marineführung zur Verantwortung zu ziehen. Im Gegenteil: SKL und KdH hatten die Operationsbefehle vernichten lassen, sie stritten jede Angriffsabsicht ab und die Regierung brachte ein Flugblatt heraus, in dem sie wahrheitswidrig verbreitete, dass die Offiziere der Kriegsflotte der Regierung Gehorsam leisteten. Dieses Flugblatt war auch bei der Verhandlung am 4. November besprochen worden.[115] Die Besatzungen standen damit als Dienstverweigerer da.[116]

Noskes Erscheinen in Kiel war von den Aufständischen als Unterstützung interpretiert worden. Seine Rede machte den Versammelten nun aber deutlich, dass die Regierung sich von ihnen distanzierte. Das Angebot wurde nach Aussagen Popps einstimmig abgelehnt. Mit einer Annahme des Angebots hätten sich die Marineangehörigen wieder den Offizieren unterordnen müssen. So hielten sie die Option offen, die Militäraristokratie dauerhaft zu entmachten.[117]

Noske jedoch behauptete in seinen Erinnerungen, dass die Versammlung in einem Chaos geendet habe.[118] Der oben angeführte Bericht der SHVZ aber erläuterte, dass die Versammlung im Gegenteil noch einige wichtige Beschlüsse gefasst habe, u. a. den, dass Lothar Popp zum gleichberechtigten Vorsitzenden des Soldatenrats gewählt wurde, weil die erhoffte Ankunft eines hochrangigen Berliner USPD Mitglieds immer noch auf sich warten ließ.[119][120]

Dennoch deutete auch Rausch an, dass die Versammlung teilweise chaotisch verlief. Dies hing offenbar mit einer mangelnden Legitimierung der Teilnehmer zusammen. Popp organisierte daraufhin über Nacht oder am nächsten Tag Wahlen von Vertrauensmännern in allen Einheiten, die dann einen "Großen Soldatenrat" wählten, der dann wiederum als Aktionsausschuss am folgenden Tag den "Obersten Soldatenrat" wählte.[121][122]

Donnerstag, 7. November[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verhältnisse in Kiel normalisierten sich weiter. Die Straßenbahnen fuhren wieder und die ersten Kleinbahnzüge nahmen den Verkehr auf. Es trafen jetzt auch Nachrichten von der raschen Ausbreitung der Revolution ein.[123]

Gustav Noske (Foto 1919 oder früher).

Noske kam zu der Überzeugung, dass nun "ein Lavieren nicht mehr am Platze sei, sondern es hieß die Zügel fest in die Hand zu nehmen."[124] In einer kleinen Runde vereinbarte er mit einigen Kieler MSPD-Führern die Ausrufung des Arbeiterrats als provisorische Regierung Schleswig-Holsteins. Der ebenfalls gewünschten Ausrufung der Republik widersetzte er sich. In der am Nachmittag stattfindenden Versammlung des Großen Soldatenrats sollte dann vorgeschlagen werden, dass Noske das Gouverneursamt übernehmen sollte.

Die Versammlung, an der etwa 800 gewählte Vertreter der Marineeinheiten teilnahmen, begann um 15 Uhr. Lothar Popp schlug gemäß einer vorherigen Absprache vor, dass Noske den Gouverneur Souchon ersetzen solle, damit der Verwaltungsapparat endlich in Bewegung komme. Noske wurde einstimmig gewählt.[125] Danach wählte die Versammlung den Obersten Soldatenrat (OSR) und dieser bestimmte Lothar Popp zum alleinigen Vorsitzenden. Der OSR, dem auch Artelt angehörte, schickte dann jeweils einen Vertrauensmann in alle wichtigen militärischen Stellen. Hierbei handelte es sich meistens um Feldwebel.[126]

Noske informierte Souchon, der seinen Posten ohne Widerstand räumte. Die anderen Offiziere wurden von Noske nochmals aufgefordert, auf ihren Posten zu verbleiben. Die Regierung in Berlin und das RMA bestätigten Noske als neuen Gouverneur.[127]

Während Popp den Gouverneur als ausführendes Organ des Soldatenrats ansah, mit dem dieser "den Verwaltungsapparat in Bewegung bringen" könne, sah Noske selbst den Soldatenrat eher als Kontrollgremium an. In seinem ersten Tagesbefehl, den er zusammen mit dem OSR noch am selben Abend erstellte, hieß es: "Ich bin […] zum Gouverneur gewählt worden […]. Mir zur Seite steht der ‚Oberste Soldatenrat des Befehlsbereichs der Ostseestation’."[128] Am Vortag war er mit dem Versuch gescheitert, den Abbruch des Aufstands durchzusetzen, jetzt aber hatte er die Aufständischen überreden können, ihre revolutionäre Machtposition mit einer regierungsamtlichen Institution zu teilen. Wette sah darin "den Versuch, die Macht von einem revolutionären Gremium auf eine traditionelle Instanz zurückzuverlagern."[129] Dass sich die Räte dieser Entwicklung nicht widersetzten, erklärte Dähnhardt damit, dass ihnen Noske das Gefühl gab, die Offiziere, von denen sie einen bewaffneten Gegenstoß befürchteten, unter Kontrolle zu haben.[130]

Es könnte auch eine wichtige Rolle gespielt haben, dass Noske als er nach Kiel kam, bereits 50 Jahre alt war, dass er sich als Oppositionspolitiker gerade im militärischen Bereich einen Namen gemacht hatte, dass er überzeugend reden konnte, eine imposante Figur war, und insgesamt eine große Autorität ausstrahlte. Popp und Artelt dagegen waren noch relativ jung (31 bzw. 28 Jahre) und politisch wenig erfahren. Sie hatten gehofft, von der USPD-Leitung in Berlin Unterstützung zu bekommen, und tatsächlich erschien an diesem Tag der frühere SPD- und jetzige USPD-Vorsitzende Hugo Haase in Kiel. Er hatte aufgrund der Schwierigkeiten im Bahnverkehr oder wegen eines zurückgehaltenen Telegramms Kiel nicht früher erreichen können. Um 18 Uhr trafen sich Haase, Noske und Popp zu einem Gespräch. Popp fasste dies folgendermaßen zusammen: "… [es] wurde eine völlig einheitliche Auffassung über die Stellungnahme zur Revolution herbeigeführt."[131] Auch Haase entpuppte sich damit nicht als Gegengewicht zu Noske, urteilt Kuhl.[132][A 6]

Gemeinsamer Aufruf des Arbeiter- und des Soldatenrats am 7. November 1918.

Ebenfalls um 18 Uhr wurde der am Morgen entworfene Aufruf verteilt. Er wurde sowohl vom Arbeiter- als auch vom Soldatenrat unterzeichnet und begann mit dem Satz: "Die politische Macht ist in unserer Hand." Es wurde dazu aufgefordert, überall Räte zu bilden, mit den bestehenden Behörden zusammenzuarbeiten, die neue Volksregierung zu unterstützen und eine freie, soziale Volksrepublik zu errichten.

Freitag, 8. November[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Polizei war mehrere Tage nicht zu sehen. Jetzt konnte sie unter der Aufsicht der Beigeordneten des Arbeiterrats Wilhelm Schweizer (USPD)[A 7] und Friedrich Brodthuhn (MSPD) den Dienst wieder aufnehmen, ein weiterer Schritt zur Normalisierung.[133]

Die Revolution hatte inzwischen auch die wichtigen Zentren des Deutschen Reichs erfasst, so etwa Hamburg, Bremen, Hannover, und Köln. Am 7. November wurde von Kurt Eisner in Bayern die Republik als Freistaat proklamiert. Am 8. November erreichte die Revolution Frankfurt am Main und das Ruhrgebiet. Dabei spielten Kieler Matrosen häufig eine zentrale Rolle. Mit dem erfolgreichen Aufstand hatte eine ungeregelte Ausreise der Marineangehörigen aus Kiel begonnen. Da der Bahnverkehr unterbrochen war, gingen sie in den ersten Tagen teilweise zu Fuß nach Neumünster. Ein Teil der Matrosen reiste nach Hause, ein Teil verließ Kiel auch um die Revolution weiterzutragen und damit die Kieler Erfolge zu sichern. Dies wurde durch die im ersten Gouvernementstagesbefehl vom Vortag erlassene Urlaubsregelung verstärkt. Danach konnten die militärischen Dienststellen selbstständig Garnisonsurlaub aussprechen.[134]

Bei dieser Ausweitung der Revolution durch die Matrosen ergab sich ein typisches Schema: Sie kamen meist mit dem Zug, entwaffneten Offiziere, marschierten mit roten Fahnen zu den örtlichen Kasernen, deren Soldaten sich meist anschlossen. Man zog an Fabriken vorbei, deren Beschäftigte sich ebenfalls meist anschlossen. Überall trafen die Marineangehörigen auf revolutionsbereite Menschen. Zusammen marschierte man weiter ins Stadtzentrum, wo man wichtige Verwaltungszentren besetzte, politische Gefangene entließ und Räte wählte. [135]

Arbeiterräte übernahmen auch in den Betrieben das Kommando. Auf der Kaiserlichen Werft wurde ein Werftausschuss gebildet.[136] Ähnliches vollzog sich auf der Germaniawerft. Der Generalstreik wurde am 13. November beendet.[137]

In Kiel trafen sich am Abend Vertreter des Soldatenrats und der Offiziere, um über das zukünftige Verhältnis zu diskutieren. Man kam zu keiner Einigung und beschloss, sich am nächsten Tag erneut zusammenzusetzen.

Sonnabend, 9. November[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das III. Geschwader kam aus Travemünde zurück und setzte beim Einlaufen in die Kieler Förde die rote Flagge. Die Seeoffiziere durften sich nicht an der Schiffsführung beteiligen. Sie waren durch die Entwicklung in tiefe Verzweiflung gestürzt worden. Doch die Aufforderung des Geschwaderchefs sich für eine eventuelle Änderung der Verhältnisse bereitzuhalten, sowie eine Rede Noskes nach ihrem Eintreffen in Kiel, bewegte viele Offiziere dazu, eine Verpflichtung zu unterschreiben, nichts gegen den Soldatenrat zu unternehmen und sich diesem zu unterstellen.[138]

Am Vormittag trafen sich der OSR und Vertreter der Offiziere zu erneuten Verhandlungen. Man einigte sich auf einen schriftlich festgehalten Kompromiss. Dieser sah vor, dass diejenigen Offiziere, die sich dem Soldatenrat unterstellten, im Amt bleiben durften. Wenn sie jedoch ein Kommando ausüben wollten, mussten sie das Vertrauen ihrer Untergebenen haben. Von den Mannschaften abgelehnte Offiziere mussten sich in der Station zur Verfügung halten.[139] Die große Mehrheit der Offiziere ließ sich darauf ein, wobei die Mitteilung, der Kaiser habe sie von ihrem Eid entbunden, eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Ein personeller Neuanfang war damit jedoch vom Tisch.[140]

Um die Mittagszeit erschienen Beauftragte des Arbeiterrats beim Oberpräsidenten der preußischen Provinz Schleswig-Holstein Friedrich von Moltke, der in Kiel im Schwanenweg 24 residierte und setzten ihn in Kenntnis, dass er jetzt unter der Aufsicht der neuen provisorischen Regierung zu arbeiten habe. Dazu wurde ihm der MSPD-Bezirksparteisekretär Heinrich Kürbis als Beigeordneter zugeteilt. Moltke erklärt sich dazu bereit und wies auch die ihm untergebenen Ebenen, wie etwa den Regierungspräsidenten in Schleswig entsprechend an.[141]

In einer späteren Betrachtung sah der Vorsitzende des Volksrats in Schleswig-Holstein, wie sich die provisorische Regierung nannte, Peter Hillbrecht, ein großes Versäumnis im Bereich der Justiz: Hätte man damals auch der Justiz Beigeordnete vorgesetzt, wäre "unendlich viel an reaktionären Bestrebungen hintangehalten worden."[142]

Auch in Berlin spielten die Kieler Matrosen, von denen erste Trupps bereits am 6. November ankamen, die Rolle eines Katalysators. Am 9. November war dann die Revolution in der Hauptstadt erfolgreich. Reichskanzler Max von Baden gab unter dem Druck der Ereignisse die Abdankung Kaiser Wilhelms II. bekannt, dessen Thronverzicht die SPD-Führung gefordert hatte. Anschließend übergab er die Regierungsgeschäfte an den SPD-Vorsitzenden Friedrich Ebert. Philipp Scheidemann rief daraufhin vom Balkon des Reichstags die erste Deutsche Republik aus, während Karl Liebknecht am Stadtschloss die Freie Sozialistische Republik proklamierte. Am folgenden Tag übernahm der Rat der Volksbeauftragten aus MSPD und USPD die Regierungsgeschäfte.[143]

Kiel verlor damit seine Vorreiterrolle und Berlin rückte in den Fokus der weiteren Entwicklung.

Sonntag, 10. November und Montag, 11. November[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Opfer wurden am 10. November unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Parkfriedhof Eichhof bestattet. Garbe und Popp hielten die Grabreden. Die Militärangehörigen wurden einen Tag später auf dem Nordfriedhof bestattet. Hier hielt Noske die Grabrede.[A 8]

Am 11. November wurde der Waffenstillstand abgeschlossen.

Novemberrevolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Novemberrevolution
„Roter Matrose“ von Hans Kies in Strausberg

Ihren Ausgang hatte die Revolution mit der Gehorsamsverweigerung der Matrosen in Kiel genommen. Soldatenräte sollten ihren Forderungen Ausdruck verleihen. Eine spontane Bewegung erfasste weitere Hafenstädte und auch Mittel- und Süddeutschland. Beauftragte der Arbeiterparteien und Gewerkschaften übernahmen als Arbeiterräte vor Ort die politischen Funktionen.

Die Beendigung der Aufstandsbewegung in Kiel gelang nicht zuletzt deshalb, weil die meisten Matrosen ohnehin die Stadt verließen. Sie marschierten, da die Bahnlinie außer Betrieb war, nach Neumünster und schwärmten von dort in alle größeren Städte des Deutschen Reichs aus, um auch dort Arbeiter- und Soldatenräte nach Kieler Vorbild zu gründen. Damit erfasste die Novemberrevolution ganz Deutschland.

Bereits am 6. November war Nordwestdeutschland unter Kontrolle der Räte. Am 7. November wurde von Kurt Eisner in Bayern die Republik proklamiert. Am 8. November erreichte die Revolution Sachsen, Hessen, Franken und Württemberg. Die dortigen Fürsten dankten ab. Am 9. November gab Reichskanzler Max von Baden unter dem Druck der Ereignisse die Abdankung Kaiser Wilhelms II. bekannt, dessen Thronverzicht die SPD-Führung gefordert hatte.

Anschließend übergab er die Regierungsgeschäfte an den SPD-Vorsitzenden Friedrich Ebert. Philipp Scheidemann rief daraufhin vom Balkon des Reichstags die erste Deutsche Republik aus, während Karl Liebknecht am Stadtschloss die „Freie Sozialistische Republik“ proklamierte.

Gedenken in Kiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute erinnert in Kiel ein 1982 errichtetes Denkmal im Ratsdienergarten an den Matrosenaufstand. An der DGB-Zentrale in der Legienstraße weist eine Tafel auf den Arbeiter- und Soldatenrat hin, der in jenem Gebäude seinen Sitz hatte. In der Feldstraße markiert eine Gedenktafel den Ort, an dem die ersten Toten zu beklagen waren. Die Gefallenen des Matrosenaufstands sind auf dem Parkfriedhof Eichhof und dem Nordfriedhof beigesetzt. Dokumentiert sind die Ereignisse auch im Kieler Schifffahrtsmuseum.[144]Am Iltisbunker in Kiel wurde 1989 ein Gemälde zur Revolution, im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme unter Leitung des Künstler Shahin Charmi, geschaffen. Es wurde 2018 wegen einer Fassadensanierung entfernt.

Am 7. November 2009 fand zum ersten Mal ein Gedenkmarsch statt, der von der Stadt Kiel selbst organisiert wurde.[145] Es wurde geplant, dem Bahnhofsvorplatz einen Namen zu geben, der an die Geschehnisse von damals erinnert.[146] Am 17. Juni 2011 wurde der Bahnhofsvorplatz offiziell durch Oberbürgermeister Torsten Albig in „Platz der Kieler Matrosen“ umbenannt.[147] Im Jahre 2018 wurde ein so genannter 0-Euro-Schein mit einem Motiv von damals herausgegeben.

Umstrittene Fotografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Irrtümlich Kiel zugeordnet, tatsächlich Beisetzung getöteter Arbeiter und Soldaten in Berlin am 20. November 1918; Matrosen im Trauerzug am Halleschen Tor.

Das nebenstehende Foto galt lange Zeit als wichtiges Dokument der Kieler Ereignisse im Revolutionsjahr 1918. Im Jahr 2009 gab es eine intensive Diskussion in der Tageszeitung Kieler Nachrichten. Im Ergebnis wurde davon ausgegangen, dass das Bild mit großer Wahrscheinlichkeit im Rahmen der Beerdigungsfeierlichkeiten in Kiel an der Ecke Brunswiker-/Karlstraße aufgenommen wurde.[148]

Originales Bild

Im Februar 2015 gelang es dem Kieler Stadtarchiv mit Hilfe eines Archivnutzers, den Namen des Fotografen Robert Sennecke festzustellen und seine Fotoserien im Bundesarchiv ausfindig zu machen.[149] Demnach zeigt das Foto die Beisetzung getöteter Arbeiter und Soldaten in Berlin am 20. November 1918, mit Matrosen im Trauerzug am Halleschen Tor.[150]

Geschichtswissenschaftliche Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dirk Dähnhardt: Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19. Karl Wachholtz Verlag, Neumünster, 1978, ISBN 3-529-02636-0, (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte 64), (Zugleich: Kiel, Univ., Diss., 1977).
  • Wilhelm Deist: Die Politik der Seekriegsleitung und die Rebellion der Flotte Ende Oktober 1918. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 14, 1966, 4, ISSN 0042-5702, S. 341–369, online (PDF; 6,2 MB).
  • Rolf Fischer (Hrsg.): Revolution und Revolutionsforschung – Beiträge aus dem Kieler Initiativkreis 1918/19. Reihe: Sonderveröffentlichungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte (Band 67), Ludwig Verlag, Kiel 2011, ISBN 978-3-86935-059-2.
  • Sonja Kinzler, Doris Tillmann (Hgg.): Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918. Darmstadt 2018, ISBN 978-3-8062-3698-9.
  • Klaus Kuhl: Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse. Berlin 2018 (Kieler Werkstücke Bd. 51), ISBN 978-3-631-75857-1.
  • Christian Lübcke: Revolution in Kiel! Das geschah im November 1918. Eltville 2017, ISBN 978-3-944988-10-8.
  • Martin Rackwitz: Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik. Kiel 2018 (Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte Band 87). ISBN 978-3-529-05174-6.
  • Werner Rahn: Von Gehorsamsverweigerungen zur Revolution. Der Zusammenbruch der Kaiserlichen Marine 1918. In: Militärgeschichte Heft 3/2008, ISSN 0940-4163, S. 8–13, online (PDF; 8,54 MB).
  • Wolfram Wette: Gustav Noske – eine politische Biographie. Droste Verlag, Düsseldorf 1987, ISBN 3-7700-0728-X.
  • Wolfram Wette: Gustav Noske und die Revolution in Kiel 1918. Boyens Buchverlag, Heide 2010, ISBN 978-3-8042-1322-7; erschienen als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, herausgegeben von Jürgen Jensen, Band 64

Romane und Essays[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volker Griese: Meuterei, Revolte, Revolution. Der Aufstand der Matrosen, Kiel November 1918. In: Schleswig-Holstein. Denkwürdigkeiten der Geschichte. Historische Miniaturen, Norderstedt 2012, ISBN 978-3-8448-1283-1.
  • Sebastian Haffner: Die deutsche Revolution 1918/1919. Rowohlt, Reinbek 2004, ISBN 3-499-61622-X, (früher mit dem Titel „Der Verrat“ veröffentlicht).
  • Klaus Kordon: Die roten Matrosen oder ein vergessener Winter. Süddeutsche Zeitung, München 2005, ISBN 3-86615-110-1, (Junge Bibliothek 9).
  • Theodor Plievier: Des Kaisers Kulis. Roman der deutschen Kriegsflotte. Dtv, München 1984, ISBN 3-423-10237-3.
  • Joachim Ringelnatz: Als Mariner im Krieg. Diogenes Verlag, Zürich 2004, ISBN 3-257-23441-4.
  • Ernst Toller: Feuer aus den Kesseln. In: Herbert A. Frenzel, Elisabeth Frenzel: Daten deutscher Dichtung - Chronologischer Abriss der deutschen Literaturgeschichte. Band 2: Vom Biedermeier bis zur Gegenwart. 6. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag 1970, ISBN 3-423-03102-6, (dtv 3102).
  • Adrian Vogt: Das Signal veränderte Deutschland. In: Kieler Nachrichten vom 8. November 2003.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • WDR (gesendet 5. Januar 1975): „War Opa revolutionär?“ von Stefan Bartmann und Karl Mertes, wiss. Beratung Imanuel Geiss. Sendung zum Schülerwettbewerb im Rahmen des Gustav-Heinemann Preises. Enthält u. a. Interviews mit Lothar Popp und Gertrud Völcker.
  • WDR (gesendet 1986): Augenzeugen berichten über die Marineunruhen 1917/18 von Wolfgang Semmelroth und Claus-Ferdinand Siegfried (Regie), ca. 44 Min. Enthält viele interessante Interviews mit wichtigen Zeitzeugen
  • NDR (gesendet 1. November 1978): Matrosen, Räte, Republiken von Hartmut Idzko und Jörg Knickrehm, ca. 23 Minuten. Enthält mehrere Schilderungen u. a. von Lothar Popp
  • DEFA (1958): Das Lied der Matrosen, Regie Kurt Maetzig, 126 Min., sw. In der DDR produzierter Film Übersicht (Memento vom 26. Dezember 2007 im Internet Archive)
  • 1968: November-Verbrecher, 85 Min., Lichtton, sw, D; dieser Film kann in der Regel über Stadtbildstellen ausgeliehen werden. In einer reportagehaften, fiktiven Befragung historischer Personen will der Film die Vorgänge jener Novembertage erhellen. Ihre Diskussionen und Verhandlungen werden meist in Form von Interviews mit Vertretern der Regierung, des Reichstags, der obersten Heeresleitung, mit Soldaten und Journalisten nachvollzogen. Deren Aussagen stützen sich auf historische Akten, Protokolle, Reden, Tagebücher und anderes Material.
  • Kai Zimmer (Nov. 2012): "Revolution 18", 25 Min., 16:9, Farbe und s/w. Ein eher künstlerisch ausgerichteter experimenteller Dokumentarfilm, der die Zeit vom August 1917 bis zum November 1918 aus der Perspektive der Tagebuchaufzeichnungen des Ingenieurs Nicolaus Andersen[151] schildert. Andersen arbeitete auf der Kieler Germaniawerft. Der Film wurde am 22. November 2012 in der Kieler Stadtgalerie uraufgeführt.
  • Kay Gerdes und Klaus Kuhl (2018): "In Kiel ist Revolution!" Herausgegeben von der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte e.V. als "Historische Filmdokumente Nr. 9". Spieldauer 53 Minuten, DVD. Text, Quellen und Hinweise für Lehrkräfte: [16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kieler Matrosenaufstand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Er notierte am 17. Oktober 1918: "Ich habe aus guter Quelle gehört, dass ungefähr vor 14 Tagen ein Befehl zur Verschärfung des U-Boot-Krieges an die Marine ergangen sei!" Siehe: Auswärtiges Amt und Reichsministerium des Inneren (Hrsg.): Amtliche Urkunden zur Vorgeschichte des Waffenstillstandes 1918. Berlin 1927, S. 180.
  2. Afflerbach schreibt dazu: "Die unterschiedlichen Deutungen können natürlich schwer auf einen Nenner gebracht werden, da letztlich jeder der an den Planungen beteiligten Marineoffiziere andere Prioritäten setzte." (Holger Afflerbach: „Mit wehender Fahne untergehen“. Kapitulationsverweigerungen in der deutschen Marine. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Jahrgang 49, Heft 4, 2001, S. 595–612, hier S. 606. Online zugänglich unter (aufgerufen 20. Februar 2018): [1].)
  3. Über die Versammlung wird außerdem kurz berichtet in: Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand. Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. III 1–30, hier S. III 11.
  4. Dähnhardt kommt in seiner Auswertung der Lazarett- und Standesamtlisten auf eine Zahl von 29 Verletzten (Dähnhardt, Revolution, S. 65 f.). Im Jahr 2017 wurden in einem von Dähnhardt nicht ausgewerteten Lazarettbuch noch zwei weitere durch Bauchschüsse verletzte Matrosen entdeckt (Operationsliste der 2. Abt. Festungs-Lazarett Kiel, Feldstraße, BArch RM 30/3264. Kuhl, Werkstattbericht, S. 68.). Allerdings dürfte die Zahl der Verletzten wenig belastbar sein, da vermutlich eine Reihe von Verletzten nicht aktenkundig geworden sind.
  5. Der Kommandierende General des stellvertretenden Generalkommandos des IX. Armee-Korps in Altona Falk schrieb 1936 an Trowitz: "Ich selbst war seit dem Sonntag, den 3. November, an dessen Abend mich der Hilfeschrei des ratlosen Gouvernements Kiel in Altona erreichte, hier unabkömmlich; im Versuch zusammenzuraffen, was noch an Truppenbrocken im Korpsbezirk und dessen Nachbarschaft zu sammeln war; im Dauerverkehr mit dem Kriegsministerium; mobile Truppen (1 Korps) heischend, um damit die Aufrührer zu Paaren zu treiben. Der schnelle Entschluss – vom Kriegsministerium genehmigt – der verheissenen Truppe entgegen zu eilen, blieb ohne Erfolg. Die Ereignisse waren schneller als ich." (Brief an Trowitz vom 12. November 1936; BArch (Bundesarchiv) RM 8/1025 Bl 53-54).
  6. Am nächsten Tag hielten Haase und Otto Baumgarten Reden im Gewerkschaftshaus auf einer Veranstaltung der Deutschen Friedensgesellschaft. Danach fuhr Haase zurück nach Berlin.
  7. Schweizer trat später wieder der MSPD bei, wurde zum Stadtverordneten gewählt und war eine Zeit lang Fraktionsvorsitzender sowie Vorsitzender der Kieler SPD. Später wurde er auch Chef der städtischen Polizei. Siehe: Anonym: Wilhelm Schweizer 65 Jahre. In: SHVZ 25. Juni 1965.
  8. Eine Liste der Opfer findet sich in: Klaus Kuhl: Liste der Opfer: Matrosen Aufstand, Februarereignisse 1919 und Kapp-Putsch in Kiel. 2018. Online zugänglich (aufgerufen am 12. Juli 2018) unter: [2].

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Brandt: Der historische Ort der deutschen Revolution von 1918/19. In: Rolf Fischer (Hrsg.): Revolution und Revolutionsforschung – Beiträge aus dem Kieler Initiativkreis 1918/19 (Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte Band 67). Kiel 2011, S. 11 f. ISBN 978-3-86935-059-2.
  2. Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1866–1918. Bd. 2: Machtstaat vor der Demokratie. München 2. Aufl. 1993, S. 843 f.
  3. Gottfried Mehnert: Evangelische Kirche und Politik 1917-19. Die politischen Strömungen im deutschen Protestantismus von der Julikrise 1917 bis zum Herbst 1919 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 16). Düsseldorf 1959, S. 57.
  4. Michael Salewski: Die Wilhelminischen Flottengesetze. Realität und Illusion. In: Salewski, Michael: Die Deutschen und die See. Studien zur deutschen Marinegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Stuttgart 1998, S. 119–125, hier S. 120, 125.
  5. Werner Rahn: Strategische Optionen und Erfahrungen der deutschen Marineführung 1914 bis 1944: Zu den Chancen und Grenzen einer mitteleuropäischen Kontinentalmacht gegen Seemächte. In: Werner Rahn (Hrsg.): Deutsche Marinen im Wandel. München 2005, S. 197–233, hier S. 200–202.
  6. Rahn, Strategische Optionen, S. 203 f.
  7. Daniel Horn (Ed.): War, Mutiny and Revolution in the German Navy – The World War I Diary of Seaman Richard Stumpf. New Brunswick, New Jersey (USA) 1967, pp. 9-12. (Rutgers University Press, DNB 578170930.)
  8. Gerhard Granier: Magnus von Levetzow: Seeoffizier, Monarchist und Wegbereiter Hitlers – Lebensweg und ausgewählte Dokumente (Schriften des Bundesarchivs 31). Boppard am Rhein 1982, S. 117–120.
  9. Mehnert: Evangelische Kirche, S. 33, 47, 57.
  10. Jean-Jacques Becker/Gerd Krumeich: Der große Krieg. Deutschland und Frankreich im Ersten Weltkrieg 1914–1918. Essen 2010, S. 92 und 118.
  11. Nipperdey: Deutsche Geschichte, S. 788 f.
  12. Wolfram Wette: Gustav Noske. Eine politische Biographie. Düsseldorf 2. Aufl. 1988, S. 158, 179 ff.
  13. Horn, Diary Stumpf, S. 148 f., 175 f., 346.
  14. Martin Rackwitz: Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik. Kiel 2018 (Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte Bd. 87), S. 17 f.
  15. Volker Ullrich, Der Januarstreik in Hamburg, Kiel und Bremen: Eine vergleichende Studie zur Geschichte der Streikbewegungen im Ersten Weltkrieg. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 71 (1985), S. 45–74, hier S. 51 f. Online zugänglich unter (aufgerufen 36. Mai 2018): [3].
  16. Ursula Büttner: Weimar – die überforderte Republik 1918–1933. In: Gebhardt (Hrsg.): Handbuch der deutschen Geschichte, Stuttgart 10. Aufl. 2001 (Band 18), S. 173–714, hier S. 259.
  17. Martin Rackwitz: Kriegszeiten in Kiel. Alltag und Politik an der Heimatfront 1914/18. Kiel 2013 (Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte Band 72), S. 18–22.
  18. Ullrich, Januarstreik, S. 53.
  19. Ullrich, Januarstreik, S. 55 f., 61.
  20. Rackwitz, Kiel 1918, S. 19–22.
  21. Wilhelm Deist: Die Ursachen der Revolution von 1918/19 unter militärgeschichtlicher Perspektive. In: Wilhelmshavener Museumsgespräche, Texte zur Geschichte der Stadt, Band 2, Die Revolution 1918/19 – 70 Jahre danach, Vortragsveranstaltung der Stadt Wilhelmshaven am 28. und 29. Oktober 1988, bearbeitet und herausgegeben von Norbert Credé im Auftrag der Stadt Wilhelmshaven. Wilhelmshaven 1991, S. 7–22, hier S. 13.
  22. Becker/Krumeich, Der große Krieg, S. 278–281.
  23. Becker/Krumeich, Der große Krieg, S. 290 ff.
  24. Becker/Krumeich, Der große Krieg, S. 291 f.
  25. Anonym: Das neue Friedensangebot. In: Kieler Neueste Nachrichten, 8. Oktober 1918 (24 Jg., Nr. 236), S. 1.
  26. Sides, Ann B.: When submarine UB-123 attacked the ferry Leinster, it torpedoed Germany's last hope for a 'soft peace' in 1918. In: Military History. Herndon, Oct., Vol. 15, Issue 4, 1998, pp. 24–28. Der Artikel ist auch online zugänglich (Stand 30. Mai 2018): [4].
  27. Rackwitz, Kiel 1918, S. 25 f.
  28. Wolfdieter Bihl (Hrsg.): Deutsche Quellen zur Geschichte des Ersten Weltkrieges. Darmstadt 1991, S. 478 f.
  29. Wilhelm Deist: Die Politik der Seekriegsleitung und die Rebellion der Flotte Ende Oktober 1918. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 4. Heft, 1966, S. 341–368. Online zugänglich (aufgerufen am 30. Mai 2018): [5].
  30. Leonidas Hill: Signal zur Konterrevolution? – Der Plan zum letzten Vorstoß der deutschen Hochseeflotte am 30. Oktober 1918. Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 1. Heft, 1988, S. 113–130. Online zugänglich unter: [6].
  31. Gerhard P. Groß: Eine Frage der Ehre? Die Marineführung und der letzte Flottenvorstoß 1918. In: Groß, Gerhard P. (Hrsg.): Kriegsende 1918. München, 1999. Derselbe Aufsatz wurde außerdem 2005 veröffentlicht in: Groß, Gerhard P.: Eine Frage der Ehre? Die Marineführung und der letzte Flottenvorstoß 1918. In: Rahn, Wolfgang (Hrsg.): Deutsche Marinen im Wandel. München, 2005.
  32. Siehe Granier: Levetzow, S. 57.
  33. Der Plan ist dokumentiert bei Gerhard Granier (Hrsg.): Die deutsche Seekriegsleitung im Ersten Weltkrieg. Dokumentation. (Materialien aus dem Bundesarchiv, Heft 9) Koblenz 2000, S. 193 ff.
  34. Hill, Signal, S. 113, 128 f.
  35. Mark Jones: Der Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918. Untergang oder Startschuss für den Endkampf. In: Sonja Kinzler/Doris Tillmann (Hrsg.): Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918. Darmstadt 2018, S. 92.
  36. Wie die Planungen zum Flottenvorstoß auf englischer Seite wahrgenommen wurden, dazu siehe: Patrick Beesly: Room 40. British naval intelligence, 1914-1918. San Diego 1982, S. 294–297.
  37. Rolf Güth: Marineführung und Meuterei 1918. In: Schiff und Zeit Nr. 7, 1978, S. 1–8.
  38. Dirk Dähnhardt: Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19 (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte Bd. 64). Neumünster 1978, S. 109.
  39. Albrecht Philipp (Hrsg.) unter Mitwirkung von Eugen Fischer/Walter Bloch im Auftrage des Vierten Unterausschusses: Das Werk des Untersuchungsausschusses [WUA] der Verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung und des Deutschen Reichstags 1919-1930. Hier: Vierte Reihe (umfasst die Bände 1–12), 1925–29; davon 2. Abteilung: Der innere Zusammenbruch (Bände 4–12), hier Band 9, Teilband 1: Entschließung und Verhandlungsbericht: Marine und Zusammenbruch. 1928, S. 110–125.
  40. Bericht über die Verhandlungen des Reichsmarineamts mit den Vertrauensleuten des III. Geschwaders, am Donnerstag, den 7. November [1918] nachm. 3 Uhr. BArch (Bundesarchiv) 3/2612 Bl. 194-245. In Auszügen wiedergegeben in: Klaus Kuhl: Die Rolle der deutschen Seeoffiziere während der Ereignisse im Oktober/November 1918. Kiel 2018, S. 29–38. Online zugänglich (aufgerufen am 30. Mai 2018): [7].
  41. Christian Lübcke: Revolution in Kiel! Das geschah im November 1918. Eltville 2017, S. 15 f.
  42. Dähnhardt, Revolution, S. 54.
  43. Rackwitz, Kiel 1918, S. 33 f.
  44. Becker/Krumeich, Der große Krieg, S. 92.
  45. Rackwitz, Kiel 1918, S. 33 f.
  46. Rackwitz, Kiel 1918, S. 46–50.
  47. Bericht über die Verhandlungen des Reichsmarineamts mit den Vertrauensleuten des III. Geschwaders, S. 35.
  48. Rackwitz, Kiel 1918, S. 53 f.
  49. Rackwitz, Kiel 1918, S. 54.
  50. Siehe Bericht des Kriminal-Schutzmanns Hager, der als Matrose verkleidet an der Versammlung teilnahm: Bundesarchiv BArch RM 31/2373 Bl. 11-14 (Abschrift); veröffentlicht in Klaus Kuhl: Die Ereignisse am 2. November 1918 in Kiel. Online zugänglich (aufgerufen 12. Juni 2018) unter: [8].
  51. Rackwitz, Kiel 1918, S. 56 f.
  52. Rackwitz, Kiel 1918, S. 57 f.
  53. Dähnhardt, Revolution, S. 58 f.
  54. Rackwitz, Kiel 1918, S. 57 f.
  55. Rackwitz, Kiel 1918, S. 60 f.
  56. BArch (Bundesarchiv) RM 8/1010 Bl. 4-5.
  57. Anonym: Für Friede, für Freiheit! In: Schleswig-Holsteinische Volkszeitung vom 4. November 1918.
  58. Schritte auf dem Kieler Weg zur Demokratie. Kieler Nachrichten, 23. Oktober 2009, abgerufen am 12. Mai 2018.
  59. Rackwitz, Kiel 1918, S. 62–65.
  60. Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand (Nachdruck in Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Sonderveröffentlichung 15), Kiel 1983, S. III 1-30, hier S. III 13.
  61. Anonym: Unruhen in Kiel. In: Kieler Zeitung, 4. November 1918 Abendausgabe.
  62. Dähnhardt, Revolution, S. 64.
  63. Wissenschaftlicher Nachlass Dirk Dähnhardts, StAK Sign. 65496.
  64. Klaus Kuhl: Was geschah in Kiel am Abend des 3. November 1918? Neue Erkenntnisse zum Zusammenstoß zwischen kaisertreuen Patrouillen und aufbegehrenden Demonstranten. Werkstattbericht Kiel 2017. Online zugänglich unter (16. Mai 2018): [9].
  65. Rackwitz, Kiel 1918, S. 65–68.
  66. Rackwitz, Kiel 1918, S. 68 f.
  67. Lübcke, Revolution, S. 43 f.
  68. Klaus Kuhl: Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse. Berlin 2018 (Kieler Werkstücke Bd. 51) S. 48.
  69. Rackwitz, Kiel 1918, S. 70–77.
  70. Rackwitz, Kiel 1918, S. 80 f.
  71. Rackwitz, Kiel 1918, S. 78 ff.
  72. Dähnhardt, Revolution, S. 76 f.
  73. Klaus Kuhl: Das Aufbegehren der Matrosen von Cattaro im Februar 1918 – ein Vorläufer des Kieler Matrosenaufstands? In: Jürgen Jensen (Hrsg.): Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 89, Heft 3, Kiel 2017, S. 127–140, hier S. 132.
  74. Rackwitz, Kiel 1918, S. 80 f.
  75. Klaus Kuhl: Zweite Verhandlungsrunde. Online zugänglich (aufgerufen am 25. Juni 2018) unter: [10].
  76. Rackwitz, Kiel 1918, S. 83 f.
  77. Gustav Noske: Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution. Berlin 1920, S. 11 f.
  78. Rackwitz, Kiel 1918, S. 88 f.
  79. Protokoll und Bericht sind, in kommentierter Form und mit einer Einordnung versehen, veröffentlicht unter: Klaus Kuhl: Verhandlungen im Gouvernement Kiel am 4. November 1918, 21:00 – 0:15 Uhr zwischen dem Gouverneur und weiteren Offizieren, dem Soldatenrat, dem Arbeiterrat, Vertretern der sozialdemokratischen Parteien und den von Berlin entsandten Vertretern der Regierung Haußmann und Noske, sowie weiterer Personen. Online zugänglich (aufgerufen am 25. Juni 2018) unter [11]. Siehe auch: Rackwitz, Kiel 1918, S. 89–92.
  80. Kuhl, Verhandlungen, S. 12–16.
  81. NDR Interview 1978, veröffentlicht in Kuhl, Verhandlungen, S. 12.
  82. Ernst-Heinrich Schmidt: Heimatheer und Revolution 1918. Die militärischen Gewalten im Heimatgebiet zwischen Oktoberreform und Novemberrevolution. Stuttgart 1981. Die Arbeit ist erschienen als Band 23 im Rahmen der Reihe "Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte", herausgegeben vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt.
  83. Kuhl, Kiel und die Revolution, S. 46–50.
  84. Eine Vorstellung und kritische Würdigung der Trowitz-Quelle findet sich in: Klaus Kuhl: Anmerkungen zu Ernst-Heinrich Schmidt: Heimatheer und Revolution 1918. Online zugänglich (aufgerufen 25. Juni 2018) unter: [12].
  85. Dähnhardt, Revolution, S. 77 f.
  86. Wolfram Wette: Gustav Noske und die Revolution in Kiel 1918. Heide 2010, S. 18.
  87. Rackwitz, Kiel 1918, S. 82
  88. Freundliche Mitteilung von Dr. Christian Lübcke.
  89. Kuhl, Revolution, S. 48 f.
  90. Rackwitz, Kiel 1918, S. 96.
  91. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-23.
  92. Kuhl, Revolution, S. 50.
  93. Lübcke, Revolution, S. 65–69.
  94. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-19.
  95. Bernhard Rausch: Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung. Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. II-15.
  96. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-19.
  97. Rackwitz, Kiel 1918, S. 114.
  98. Knut-Hinrik Kollex: Blaupause für die Revolution. Die „Kieler 14 Punkte“. In: Sonja Kinzler/Doris Tillmann (Hrsg.): Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918. Darmstadt 2018, S. 122–127, hier S. 127.
  99. Kuhl, Seeoffiziere, S. 33-39.
  100. Dähnhardt, Revolution, S. 91.
  101. Rackwitz, Kiel 1918, S. 105–108.
  102. Noske, Kiel bis Kapp, S. 15 ff.
  103. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-23 f.
  104. Eine Präsentation und Analyse aller bisher vorliegenden Berichte findet sich in: Klaus Kuhl: Die Ereignisse ab Mittag am 5. November 1918 in Kiel. Online zugänglich (aufgerufen 2. Juli 2018) unter: [13].
  105. Dähnhardt, Revolution, S. 100.
  106. Kuhl, Ereignisse am 5. November, S. 3, 15.
  107. Rackwitz, Kiel 1918, S. 124 f.
  108. Dähnhardt, Revolution, S. 104–108.
  109. Rackwitz, Kiel 1918, S. 120 ff.
  110. Rackwitz, Kiel 1918, S. 98.
  111. Noske, Kiel bis Kapp, S. 24 f.
  112. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-25.
  113. Rausch, Springquell, S. II-25.
  114. Anonym (vermutlich Bernhard Rausch): Die Lawine im Rollen. Die Matrosenbewegung in Kiel. In: SHVZ, 7. November 1918, S. 1.
  115. Kuhl, Verhandlung, S. 7.
  116. Klaus Kuhl: Die Rolle der deutschen Seeoffiziere während der Ereignisse im Oktober/November 1918. Kiel 2018, S. 12–13. Online zugänglich (aufgerufen am 30. Mai 2018): [14].
  117. Kuhl, Revolution, S. 55 f.
  118. Noske, Kiel bis Kapp, S. 24.
  119. Rausch, Springquell, S. II-25.
  120. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-25.
  121. Siehe Noske, Kiel bis Kapp, S. 25, der schreibt: "Regelrechte Wahlen hatten im Laufe des Tages bei einer ganzen Anzahl von Formationen stattgefunden."
  122. Klaus Kuhl: Die Ereignisse am 6. November 1918 in Kiel. Online zugänglich (aufgerufen am 5. Juli 2018) unter: [15].
  123. Kuhl, Revolution, S. 232 f.
  124. Noske, Kiel bis Kapp, S. 25.
  125. Popp zitiert aus dem Stenogramm der Versammlung; siehe Popp/Artelt, Ursprung, S. III-26.
  126. Rackwitz, Kiel 1918, S. 139 f.
  127. Noske, Kiel bis Kapp, S. 26.
  128. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-27 ff.
  129. Wette, Noske in Kiel, S. 41 f.
  130. Dähnhardt, Revolution, S. 123.
  131. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-27.
  132. Kuhl, Revolution, S. 59.
  133. Kuhl, Revolution, S. 59 f.
  134. Rackwitz, Kiel 1918, S. 135.
  135. Sonja Kinzler/Jens Buttgereit: "Sturmvögel der Revolution". Zur Verbreitung der Revolution durch (Kieler) Matrosen. In: Sonja Kinzler/Doris Tillmann (Hrsg.): Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918. Darmstadt 2018, S. 140–149.
  136. Rackwitz, Kiel 1918, S. 140.
  137. Kuhl, Revolution, S. 57, 62 f.
  138. Kuhl, Cattaro, S. 130 ff.
  139. BArch (Bundesarchiv) RM 31/2394 Bl. 5.
  140. Dähnhardt, Revolution, S. 127–130.
  141. Rackwitz, Kiel 1918, S. 144 f.
  142. Peter Hillbrecht: Ein Jahr Revolution. In SHVZ vom 5. November 1919.
  143. Florian Altenhöner: Zwischen Triumph und Katzenjammer. Der 9. November 1918 in Berlin. In: Sonja Kinzler, Doris Tillmann (Hgg.): Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918. Darmstadt 2018, S. 152-159.
  144. Kieler Schiffahrtsmuseum
  145. Gedenkmarsch startet an der Waldwiese; Kieler Nachrichten online, 23. Oktober 2009 (Memento vom 12. April 2010 im Internet Archive)
  146. Quelle: Cathy Kietzer, Stadtpräsidentin, am 7. November 2009 in ihrer Rede auf dem Bahnhofsvorplatz
  147. „Platz der Kieler Matrosen“ wird eingeweiht
  148. K. Kuhl: Informationen zum Foto „Kieler Matrosenaufstand“ pdf
  149. Bundesarchiv Bilddatenbank (2015). Aufgerufen 18. Februar 2015, unter http://www.bild.bundesarchiv.de/cross-search/search/_1424287453/
  150. vgl. auch Historisches Foto zeigt etwas völlig anderes, Artikel des TV-Nachrichtenportals N24 vom 18. Februar 2015 (n24.de, abgerufen am 19. Februar 2015)
  151. Eine Transkription des Tagebuchs findet sich auf http://www.kurkuhl.de/docs/tagebuch_werft-konstrukteur_1917-1919.pdf