Kieler Matrosenaufstand

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Denkmal für den Kieler Matrosenaufstand

Der Kieler Matrosenaufstand (auch Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand) begann – nach ausgedehnten Befehlsverweigerungen in der Flotte vor Wilhelmshaven – am 3. November 1918 in Kiel, dabei schloss sich die Kieler Arbeiterschaft dem Aufstand an.

Auslösendes Moment war der kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs gegen den Willen der Regierung erlassene Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918 der Marineführung zu einem Vorstoß auf Streitkräfte und Verkehr in der Themsemündung und an der Küste Flanderns, mit dem die britische Marine zu einer Entscheidungsschlacht herausgelockt werden sollte. Dies führte zu ausgedehnten Befehlsverweigerungen auf verschiedenen Schiffen der vor Wilhelmshaven zusammengezogenen Hochseeflotte. Das III. Geschwader wurde daraufhin nach Kiel zurückbeordert. Die Kieler Arbeiterschaft plante seit einiger Zeit einen größeren Streik für einen schnellen Friedensabschluss. Matrosen und Arbeiter verbündeten sich. Es kam zu einem allgemeinen Aufstand. Von Kiel aus wurde der Impuls zur Ausbreitung der Unruhen gegeben, die dann zur reichsweiten Novemberrevolution, zum Ende der Monarchie in Deutschland und in der Folge zur Errichtung der Weimarer Republik führten.

Vorbedingungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Vorbedingungen des Aufstands gehörten einerseits die sich zuspitzenden politischen, ökonomischen, gesellschaftlichen und militärischen Verhältnisse in Deutschland, sowie andererseits die spezifische Kieler Situation.

Die politischen Verhältnisse waren gekennzeichnet durch die Herrschaft einer Aristokratie, die sich aus ostelbisch geprägten Gutsbesitzern, aus Militär und Beamtenschaft zusammensetzte. Diese blockierten wichtige Reformanstrengungen demokratischer und linker Kräfte, die besonders auf die Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts zum preußischen Abgeordnetenhaus zielten.[1] Bei dieser Abwehr gesellschaftlich überfälliger Anpassungen an die rasante technische und wirtschaftliche Entwicklung des Kaiserreichs spielte die proto- und präfaschistische Deutsche Vaterlandspartei eine wichtige Rolle.[2] Sie wurde geführt von Großadmiral Alfred von Tirpitz und von Wolfgang Kapp. Hinter der Partei standen führende Industrielle sowie als starker Mann der führende Kopf der dritten Obersten Heeresleitung General Erich Ludendorff,[3] dem es gelungen war, sich faktisch im Verlauf des Ersten Weltkriegs als eine Art Militärdiktator zu etablieren.

Das Militär blockierte alle Friedensinitiativen, so auch die von Papst Benedikt XV., durch weitreichende Gebiets- und Hegemonieansprüche sowie durch Forderungen nach hohen Reparationen. Im Bereich der Marine hatte sich im Laufe des Krieges immer deutlicher gezeigt, dass die gigantischen Flottenbauanstrengungen des Deutschen Reichs nicht nur England ins Lager der Gegner getrieben hatten, sondern dass die Flotte letztlich strategisch nutzlos war, weil die Royal Navy nicht wie geplant zur Schlacht gestellt werden konnte.[4][5] Die spät entwickelte und kaum durchdachte Alternative des uneingeschränkten U-Bootkriegs trug dazu bei, den Kriegseintritt der USA zu provozieren.[6] Wohl zum Gutteil als Frustabbau schikanierten und demütigten besonders die jüngeren Seeoffiziere der großen Überwassereinheiten teilweise systematisch die ihnen unterstellten Matrosen und Heizer.[7]

Auch die Seeoffiziere sahen in der Vaterlandspartei ihre ideologische Heimat.[8] Ebenfalls weite Teile der evangelischen Kirche standen dieser Partei nahe und unterstützten den aggressiven Kriegskurs, meist unter Berufung auf Luther.[9]

Die materielle Lage der Bevölkerung war durch eine mangelhafte Versorgung, durch vielfach sinkende Einkommen (die Soldaten erhielten nur einen geringen Sold) und durch das Abschöpfen der Ersparnisse der Unter- und Mittelschichten durch den gesellschaftlichen Druck zum Kauf von (später wertlosen) Kriegsanleihen gekennzeichnet. Die Nahrungsmittelverteilung lag weitgehend in der Verantwortung des Militärs. Deren rückständige Organisation verschärfte die Lage erheblich.[10] Dagegen wurden besonders in der Rüstungsindustrie große Gewinne gemacht. Der Staatssekretär des Inneren Karl Helfferich widersetzte sich beharrlich einer wirkungsvollen Besteuerung dieser Vermögen.[11][12] Dies und ein ausufernder Schwarzmarkt führten dazu, dass die Reichen und die Offiziere, deren Gehälter anwuchsen,[13] nur wenig Einschränkungen erfuhren, während die weniger begüterten Schichten unter Hunger zu leiden hatten.[14][15][16]

Die Kieler Besonderheiten bestanden darin, dass durch die Verlegung der preußischen Marinestation von Danzig nach Kiel, die Aufwertung zum Reichskriegshafen und besonders durch die in der Folge angesiedelten Rüstungsbetriebe und Werften Kiel einen gewaltigen Aufschwung nahm und zu der am schnellsten wachsenden Stadt im Kaiserreich wurde. Entsprechend gab es in Kiel viele Arbeiter, deren gesellschaftliche Bindungen schwächer ausgeprägt waren und die sich der Burgfriedenspolitik der Gewerkschaften weniger verpflichtet fühlten.[17][18]

Lothar Popp wurde während des Januarstreiks 1918 in Kiel zum Vorsitzenden des ersten Arbeiterrats in Deutschland gewählt.

So kam es in Kiel zu großen Aktionen und Streiks, wobei Kiel schon bei den Januarstreiks 1918 eine reichsweite Vorreiterrolle einnahm. Eine große Zahl von Arbeitern zunächst in Österreich-Ungarn und dann auch in Deutschland protestierte dagegen, dass die OHL durch unmäßige Forderungen den Friedensabschluss im Osten gefährdete.[19][20]

Schließlich wurde doch ein Friedensabschluss nach den Vorstellungen der OHL in Brest-Litowsk durchgesetzt. Nach Wilhelm Deist führte Deutschland wegen der überzogenen Forderungen in den Augen breiter Teile der Bevölkerung keinen Verteidigungskrieg mehr.[21] Die freiwerdenden Truppenkontingente wurden nun an die Westfront verlegt. Die OHL sprach angesichts der geplanten Frühjahrsoffensive 1918 vom „letzten Hieb“, um den „nahe bevorstehenden endgültigen Sieg“ zu erringen. Nach anfänglichen Erfolgen verlagerte Ludendorff jedoch mehrfach Schwerpunkt und Richtung des Angriffs und sah sich nach einiger Zeit gezwungen, die Großoffensive abzubrechen. Er ging dann zu verschiedenen unkoordinierten kleineren Offensiven über, bis schließlich alle Reserven verbraucht waren.[22] Die OHL versuchte die ausweglose Lage lange zu verheimlichen, musste dann aber Kaiser und Regierung die Niederlage und die Notwendigkeit eines sofortigen Waffenstillstands eingestehen, ohne dass jedoch die Öffentlichkeit davon erfuhr.[23]

Friedensverhandlungsversuche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. September 1918 überredeten Hindenburg und Ludendorff den Kaiser, eine neue Regierung auf parlamentarischer Grundlage zu installieren. Ludendorff forderte dann von dieser neuen Regierung unter Max von Baden ultimativ die sofortige Aufnahme von Friedensverhandlungen. Nach einigem Zögern beugte sich die Regierung dieser Forderung und richtete ein Gesuch an den Präsidenten der USA, Wilson.[24] Dies war ein Schock für die deutsche Öffentlichkeit, doch nach wie vor wurde es ihr verheimlicht, dass die OHL die Aufnahme der Verhandlungen verlangt hatte. Die neue Regierung, die von Demokraten und Linken getragen wurde, befürchtete, andernfalls jeglichen Verhandlungsspielraum gegenüber den Alliierten zu verlieren. Dies gab den Konservativen und der Vaterlandspartei die Gelegenheit, die neue Regierungsmannschaft als die typischen „Flaumacher“ hinzustellen, die, nachdem sie an die Regierung gekommen seien, nichts Eiligeres zu tun hätten, als sich den Feinden zu unterwerfen. So schrieben die Kieler Neuesten Nachrichten am 8. Oktober 1918 von „einem Schritt deutscher Selbsterniedrigung“ jener Herren der deutschen Demokratie, die den Verzichtfrieden schon 1917 zum Programm erhoben hätten.[25]

Befehlsverweigerung vor Wilhelmshaven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fähre RMS Leinster verlässt den irischen Hafen Kingstown (heute Dún Laoghaire).

Nach der Versenkung der Fähre RMS Leinster durch das deutsche U-Boot UB-123 am 10. Oktober 1918 in der Irischen See mit etwa 500 Toten, darunter vielen Zivilisten, fühlte sich Wilson von der deutschen Regierung getäuscht und verschärfte seine Bedingungen.[26][27] Wilhelm Solf, Staatssekretär des Auswärtigen (Außenminister) äußerte den Verdacht, dass es sich um eine von der Marineführung beabsichtigte Provokation gehandelt haben könnte. [28]

Ludendorff und Hindenburg nahmen die verschärften Bedingungen Wilsons zum Anlass, nun öffentlich und ohne das Einverständnis der Regierung einzuholen, zum Kampf mit äußersten Kräften aufzurufen. Am selben Tag (24. Oktober 1918) fertigten die Seekriegsleitung (SKL) und das Kommando der Hochseestreitkräfte (KdH) in Abstimmung mit Ludendorff den Operationsbefehl Nr. 19 aus. Dies geschah in offener Missachtung der vom Reichskanzler an die Marineführung gerichteten Aufforderung, alles zu unterlassen, was den Friedensprozess stören könnte. Die Verantwortlichen Scheer, v. Levetzow und v. Trotha behaupteten später, ihr Vorgehen sei dadurch legitimiert gewesen, dass sie noch aus der Zeit vor der Verfassungsreform Operationsfreiheit gehabt hätten. Der Kaiser hatte jedoch im Zuge der Oktoberreformen am 15. Oktober 1918 eindeutig verordnet: "Der Obermilitärbefehlshaber trifft alle seine Anordnungen und Entscheidungen im Einverständnisse mit dem Reichskanzler oder dem von diesem bestellten Vertreter." [29]

Karte des für den 30. Oktober 1918 geplanten deutschen Vorstoßes gegen die Küste Flanderns und in die Themsemündung sowie die erhoffte Reaktion der Royal Navy

Der geplante Flottenvorstoß ist inzwischen relativ gut untersucht worden insbesondere von Deist, Hill[30] und Groß.[31] Die Forscher nahmen jedoch in ihren Beurteilungen unterschiedliche Gewichtungen vor. Die Palette der möglichen Motive stellte sich als durchaus breit gefächert heraus. Beispielsweise erwog die SKL zunächst eine Zusammenarbeit mit der neuen Regierung, entschied sich später aber dagegen. Welche Motive im Einzelnen tatsächlich den bestimmenden Einfluss auf das Handeln ausübten, dürfte neben individuellen Bedingungen auch von der jeweiligen Position der Offiziere abhängig gewesen sein.[32] So gibt es Hinweise, dass gerade auf der Ebene der Schiffseinheiten die Resignation überwog und damit der „ehrenvolle Untergang“, also der Ehrenkodex bestimmend war. Auf der Ebene von SKL und KdH dürfte dagegen die Hoffnung auf einen überzeugenden Nachweis der Daseinsberechtigung der deutschen Marine bestimmend gewesen sein, mit der daran geknüpften Positionierung für einen Revanchekrieg. Dass der Vorstoß gegenüber der Regierung verheimlicht werden sollte, ist ein starkes Indiz für Hills Ansicht, dass SKL und KdH von einem durch die Aktion provozierten Sturz der von den Seeoffizieren verachteten parlamentarisch legitimierten Regierung[33] ausgingen. Die neue Regierung wäre durch den geplanten „Angriff gegen Streitkräfte und Verkehr an der flandrischen Küste und in der Themsemündung“[34] und die damit verbundenen erneuten zivilen Opfer für Wilson wohl nicht mehr als Verhandlungspartner in Frage gekommen.[35][36] Auf der Rückfahrt hoffte man dann etwa auf der Höhe von Terschelling auf die alarmierte englische Flotte zu stoßen und sich eine Entscheidungsschlacht zu liefern. Dabei hoffte man die Royal Navy schon beim Anmarsch durch ausgelegte Minenfelder und U-Bootlinien deutlich schwächen zu können. Der Erfolg dieser Möglichkeit dürfte allerdings ebenfalls als gering einzustufen sein, da die Engländer seit einigen Jahren die deutschen Funksprüche entschlüsseln konnten.[37] Sowohl im eher unwahrscheinlichen Erfolgsfall als auch bei einer eher wahrscheinlichen heftigen Niederlage wäre die neue Regierung auch im Innern noch mehr als „Flaumacher“ erschienen, die aufgeben wollte, bevor sie alles in die Waagschale geworfen hätte.

Diese für die parlamentarisch legitimierte Regierung kritische Situation erreichte den Höhepunkt, als für die vor Wilhelmshaven versammelte Flotte am 29. Oktober 1918 der Befehl zum Auslaufen am folgenden Tag gegeben wurde. Doch noch am 29. gegen 22 Uhr trafen Meldungen von „Ausschreitungen“ auf den Schiffen des III. Geschwaders KÖNIG, MARKGRAF und KRONPRINZ WILHELM, auf den Kleinen Kreuzern REGENSBURG und STRAßBURG sowie auf dem Linienschiff NASSAU ein. Der Stabschef beim KdH v. Trotha schlug daraufhin dem Flottenchef Ritter von Hipper vor, die geplante Operation aufzugeben. Kurz nach Mitternacht um 2 Uhr (30. Oktober 1918) ging ein entsprechender Befehl hinaus. Stattdessen wurde jetzt am Morgen ein Evolutionieren (Formationsänderungen beim Verbandsfahren) in der Helgoländer Bucht geplant. Doch dies musste wegen Nebels verschoben werde. Um 12 Uhr wurde auch dieser Versuch wegen weiterer Unruhen im I. Geschwader und in der I. Aufklärungsgruppe aufgegeben. Nun plante das KdH einen Torpedobootsvorstoß in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November gegen die englische Ostküste, bei dem es mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls zu zivilen Opfern gekommen wäre, mit den entsprechenden Problemen für die neue Regierung bei den Waffenstillstandsverhandlungen. Das I. Geschwader sollte dabei Deckungsaufgaben übernehmen. Die übrigen Geschwader sollten zum Evolutionieren auslaufen. Bei dem Seeklarbefehl am 30. Oktober um 22 Uhr kam es auf den Schiffen des I. Geschwaders SMS Thüringen und SMS Helgoland zu Befehlsverweigerungen und Sabotageakten. Diese dauerten bis zum 31. Oktober. Dann gelang es mit Torpedobooten und einem U-Boot unter der Drohung, die Schiffe zu beschießen, die Besatzungen zur Aufgabe zu zwingen. [38] Mehrere hundert Mann wurden verhaftet und nach Bremen-Oslebshausen gebracht.[39]

Einzelne Arrestanten wurden vom Marinegerichtsrat Dr. Loesch verhört, und der Reichstagsabgeordnete Wilhelm Dittmann (USPD) zitierte später im Untersuchungsausschuss der Weimarer Republik aus den Verhörprotokollen.[40] Die von Dittmann wiedergegebenen Aussagen von vierzehn Besatzungsmitgliedern beinhalteten keine eigenen Ansichten, sondern führten auf, was in ihrem Umfeld oder im ganzen Schiff diskutiert wurde. Vermutlich wollten die Aussagenden so möglichst geringe Angriffsflächen für eventuelle spätere Anklagen liefern.

  • Ein Flottenvorstoß auf die englische Küste wäre geplant worden. Dies wurde aus Reden von Offizieren (Munition in Ehren verschießen, Heldentod) sowie aus verschiedenen Vorbereitungsmaßnahmen geschlossen (u.  a. bereit gelegtes Kartenmaterial).
  • Insgesamt neun Mal wurde berichtet, dass im Schiff die Meinung geherrscht habe, dass die Offiziere den Heldentod sterben wollten, statt ein Leben in Schande zu führen. Als Belege wurden z.  B. von Messeläufern belauschte Reden, Gespräche und Ansprachen höherer Offiziere erwähnt.
  • Acht Mal wurde davon gesprochen, dass die Offiziere keine Erlaubnis von der Regierung für ihren geplanten Flottenvorstoß eingeholt hätten, und zwei von diesen Aussagen gaben außerdem an, dass die Offiziere damit die Regierung (Volksregierung) hätten stürzen wollen.
  • Ebenfalls acht Mal wurde von Diskussionen berichtet, dass mit der Aktion die Friedensverhandlungen verhindert bzw. zum Scheitern gebracht werden sollten.

Ähnlich äußerten sich später Vertrauensleute des III. Geschwaders bei einer Unterredung im Reichsmarineamt (RMA).[41] Damit hatten die Mannschaften die Situation im Wesentlichen richtig eingeschätzt und die Autorität der neuen Regierung bewahrt.

Modell der SMS Markgraf

Das III. Geschwader galt als Hauptunruheherd. Es wurde nun auf Wunsch des Geschwaderchefs Vizeadmiral Hugo Kraft - nach einer erfolgreich absolvierten Übung in der Helgoländer Bucht - in den Heimathafen Kiel zurückgeschickt. Kraft, ein nur wenig erfahrener Geschwaderchef,[42] ließ während der Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal 47 Matrosen der SMS Markgraf als vermutete Haupträdelsführer verhaften.[43]

Revolution in Kiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freitag, 1. November 1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraft ließ den Kieler Gouverneur Admiral Wilhelm Souchon, der erst kurz zuvor, am 30. Oktober 1918 den Vorgänger Gustav Bachmann ersetzt hatte, durch einen seiner Stabsoffiziere von der bevorstehenden Ankunft des Geschwaders und von den Vorkommnissen unterrichten.[44] Deutschland war in Militärbezirke aufgeteilt, deren kommandierende Offiziere nur dem Kaiser verantwortlich waren (immediat gestellt). Einer dieser Bezirke war Kiel mit dem Reichskriegshafen. Der Chef der Marinestation der Ostsee war gleichzeitig der Gouverneur von Kiel und hatte in Kriegszeiten auch die zivile Gewalt inne. Ende 1916 wurde eine die Bezirke koordinierende Instanz geschaffen, die erst im Oktober 1918 die Rolle des "Obermilitärbefehlshabers" erhielt. Mit diesem Amt wurde der preußische Kriegsminister General der Infanterie Heinrich Schëuch betraut.[45]

In der Nacht gegen 1 Uhr erreichten die Schiffe des III. Geschwaders Kiel und fuhren durch die Holtenauer Schleuse. Von dort wurden die Verhafteten in die Arrestanstalt in der Feldstraße und in das Fort Herwarth im Norden Kiels gebracht. Es wurde auch bereits Landurlaub für einige Besatzungsmitglieder erteilt, ohne dass dies mit dem Gouverneur abgestimmt worden wäre.[46]

Um 10 Uhr morgens fand dann eine Besprechung zwischen Gouverneur Souchon und dem Chef des III. Geschwaders Kraft statt. Souchon wies eindringlich darauf hin, dass man in Kiel seit einigen Tagen mit einem Generalstreik der über 100.000 Arbeiter rechnete. Zusätzlich agitierten Vertrauensleute für einen Demonstrationsstreik zur Durchsetzung des Friedens. Es müsse alles getan werden, eine Verbindung der potentiell aufrührerischen Besatzungen mit den kampferprobten Kieler Arbeitern zu verhindern. Kiel sei außerdem überfüllt mit Soldaten, u. a. wegen des Rückzugs von der flandrischen Küste. Kraft solle Kiel sofort wieder verlassen. Doch dieser blieb bei seiner Ansicht, dass sich die Besatzungen durch den Urlaub beruhigen würden, und er schickte außerdem die SMS König ins Dock der Kaiserlichen Werft, so dass dieses Schiff auf längere Zeit in der Förde bleiben musste. Immerhin einigte man sich auf eine intensive Überwachung der Landgänger durch Deckoffiziere und die politische Polizei.[47]

Die Besatzungen nutzten den großzügig erteilten Landgang, um alle Hebel in Bewegung zu setzen, ein erneutes Auslaufen zu verhindern und die Freilassung ihrer Kameraden zu erreichen. Die Erfahrungen aus den Marineunruhen im Sommer 1917 waren noch präsent: Max Reichpietsch und Albin Köbis waren damals erschossen worden und allen war bewusst, dass den Verhafteten ebenfalls die Todesstrafe drohte. Vertrauensleute des III. Geschwaders sagten später, sie hätten erklärt: "Werden die Leute bestraft, gibt es eine große Erregung unter den Mannschaften, weil die Einzelnen bei der Gehorsamsverweigerung herausgegriffen worden sind. Deswegen haben wir gesagt, es darf nicht dazu kommen, dass die Leute bestraft werden, weil wir alle dabei gewesen sind."[48]

Das Kieler Gewerkschaftshaus in der damaligen Fährstraße (heute Legienstraße) ca. 1910

Etwa 250 Matrosen, Heizer und Unteroffiziere trafen sich noch am selben Abend (1. November 1918) im Gewerkschaftshaus. Sie vereinbarten, das erneute Auslaufen der Flotte mit allen Mitteln zu verhindern, und beschlossen, Delegationen zu den Offizieren zu schicken, um die Freilassung ihrer Kameraden zu erreichen. Doch die Kommandanten wiesen die Delegierten ab. Für den nächsten Abend wurde ein weiteres Treffen im Gewerkschaftshaus vereinbart. Die Matrosen suchten verstärkt den Kontakt mit den Gewerkschaften, der USPD und der SPD.

Sonnabend, 2. November 1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Eindruck der geheimen Berichte vom Treffen kamen die verantwortlichen Offiziere einschließlich des Militärpolizeimeisters am 2. November um 9:00 Uhr vormittags zusammen, um die nächsten Schritte zu erörtern. Kraft hielt immer noch daran fest, den Besatzungen vom III. Geschwader Landgang zu ermöglichen. Jedoch wurden vermehrt Patrouillen ausgeschickt und eine Einsatzreserve des Seebataillons wurde in der nahe am Gewerkschaftshaus gelegenen Maschinenbauschule bereit gehalten. Das Betreten des Gewerkschaftshauses sowie Versammlungen in Gastwirtschaften wurden Marineangehörigen untersagt. Damit wollte Souchon gemeinsame Aktionen von Arbeitern und Besatzungsmitgliedern unterbinden.[49]

Als sich die Marineangehörigen gegen 18 Uhr wieder im Gewerkschaftshaus treffen wollten, wurden sie von Posten abgewiesen. Nachdem ihnen auch von dem Wirt der „Harmonie“ in der Faulstraße der Einlass verwehrt wurde, gingen sie auf getrennten Wegen in kleineren Gruppen zum abgelegenen Großen Exerzierplatz im Vieburger Gehölz. Dort versammelten sich nach und nach etwa 600 Menschen. Dazu gehörten inzwischen auch Mitglieder an Land stationierter Marineeinheiten, von denen auch einige zur Arbeit auf den Werften abkommandiert waren.[50]

Ein Besatzungsmitglied des III. Geschwaders eröffnete die Versammlung und betonte nochmals, wie wichtig es sei, die Verhafteten zu befreien. Je ein Redner von der Werft-Division und von der Kaiserlichen Werft berichteten, dass ihre Truppenteile die Sache unterstützen würden. Als sechster Redner forderte der Oberheizer Karl Artelt von der Torpedo-Division dazu auf, durch Dienstverweigerung den sofortigen Friedensschluss und die Verhinderung des Flottenvorstoßes durchzusetzen. Außerdem müssten die Militaristen und die herrschende Klasse entmachtet werden – notfalls mit Gewalt. Der nächste Redner berichtete von den Streikvorbereitungen der Werftarbeiter. Ein anderer informierte darüber, dass ein Sicherheitsdienst in der Werft-Division aufgestellt worden sei, der den Streik niederschlagen solle. Es wurden dann verschiedene Fragen aufgeworfen und diskutiert, u. a. wie man sich verhalten solle, wenn befohlen würde, auf Kameraden zu schießen. Man solle stattdessen in die Luft schießen und den kommandierenden Offizier durch Kolbenschläge unschädlich machen. Das schütze vor Entdeckung und mache die Kameraden nicht nervös. Auf die Frage nach dem Verhalten bei einer Urlaubssperre wurde geantwortet, man solle diese einfach ignorieren. Die Teilnehmer waren sich einig, dass keine Zeit zu versäumen sei und dass am nächsten Tag eine große Protestversammlung stattfinden solle. Es waren noch drei zivile USPD Angehörige, darunter Lothar Popp, dazugestoßen. Diese erklärten, sie würden die Bewegung mit allen Kräften unterstützen.[51][52]

Als die Teilnehmer sich in der Dunkelheit bereits zerstreuten, traf eine Kompanie Seesoldaten ein, denen es gelang, etwa 70 Personen festzunehmen, obwohl es Warnrufe aus ihren Reihen gab. Doch die Soldaten ließen sie anschließend wieder entkommen und zeigten so deutlich ihre Solidarität mit der Bewegung.

Popp und Artelt trafen sich anschließend im Parteibüro der USPD in der Preußerstraße und erstellten tausende kleiner Handzettel mit der Aufschrift: „Kameraden schießt nicht auf eure Brüder! Arbeiter demonstriert in Massen, lasst die Soldaten nicht im Stich!“[53]

Noch am späten Abend trafen sich wichtige Offiziere in der Wohnung des Stabchefs Konteradmiral Hans Küsel, analysierten die Polizeiberichte und berieten über notwendige Maßnahmen. Die Information, in welchem Umfang sich die Seesoldaten und auch eine Kompanie der I. Matrosen-Division mit der Bewegung solidarisch gezeigt hatten, gelangte jedoch nicht in diese Runde. Die kommandierenden Offiziere versuchten das Versagen ihrer Einheiten zu vertuschen. Dies war offenbar ein wichtiger Grund, dass Küsel und Souchon sich dagegen entschieden, Infanterie von außerhalb heranzuziehen.[54][55]

Sonntag, 3. November 1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reichsadler und ein Sextant in ca. sechs Metern Höhe auf einer 150 bis 200 Jahre alten Rotbuche in der Nähe zum Großen Exerzierplatz im Vieburger Gehölz. Es wird vermutet, dass diese während des Matrosenaufstandes eingeritzt worden sind.[56]

Mehrere tausend Menschen versammelten sich am Nachmittag des folgenden Tages (Sonntag, 3. November). Neben den Matrosen beteiligten sich auch Frauen und Männer der Kieler Arbeiterschaft. Sie verlangten die Freilassung der Meuterer und auch die Beendigung des Weltkrieges sowie die Verbesserung der Versorgungslage mit Lebensmitteln (Frieden und Brot). Es wurden Rufe laut, endlich die Kameraden zu befreien. Unmittelbar darauf setzte sich die Menschenmenge in Bewegung. Im Lokal „Waldwiese“, das als Soldatenunterkunft diente, wurden eingesperrte Kameraden befreit und die Waffenkammern geplündert. Die Menge zog durch die Innenstadt zur Arrestanstalt in der Feldstraße. Kurz davor ließ Leutnant Steinhäuser, der beauftragt war, die Demonstranten am weiteren Vordringen zu hindern und rücksichtslos von der Waffe Gebrauch zu machen, seine Patrouille in die Menge schießen. Dabei wurden 7 Menschen getötet und 29 schwer verletzt. Die jungen Rekruten der Patrouille flohen. Auch die Demonstranten waren zurückgewichen, doch einzelne Gruppen drangen wieder vor und wandten ebenfalls Gewalt an. Steinhäuser, der ihm zur Seite stehende Polizeiwachtmeister Gittel und der ihnen zu Hilfe eilende Leutnant Weiß wurden durch Kolbenhiebe und teilweise Pistolenschüsse schwer verletzt (entgegen verbreiteten anderslautenden Aussagen wurde Steinhäuser nicht getötet, sondern später geheilt aus dem Lazarett entlassen). Nachdem Feuerwehrwagen in hohem Tempo durch die Brunswiker Straße fuhren und nachrückende Patrouillen erschienen, zerstreuten sich auch die Demonstranten.[57] Dieser bewaffnete Zusammenstoß gilt als der eigentliche Beginn der deutschen Novemberrevolution.

Gouverneur Souchon, der erst einige Tage vorher, am 30. Oktober, nach Kiel versetzt worden war, setzte sich mit General Adalbert von Falk, dem Chef des IX. Stellvertretenden Armeekorps, in Verbindung und bat um Truppen. In der Nacht besprach er mit seinem Stab und den für die Sicherheit im Festungsbereich Zuständigen die zu ergreifenden Maßnahmen. Diese konnten sich aber nicht zu der dringend erforderlichen Offenheit durchringen und meldeten Souchon, Herr der Lage zu sein. Daraufhin zog Souchon sein Gesuch an General Falk wieder zurück.

Am nächsten Tag (Montag, 4. November) flackerten die Unruhen an verschiedenen Stellen wieder auf und eskalierten am Mittag in der großen Kasernenanlage in der Wik. In kurzer Zeit rebellierten die Matrosen gegen ihre Offiziere; die mittlere Führungsebene verhielt sich neutral oder beteiligte sich am Aufstand. Auf Vorschlag Karl Artelts wurden Soldatenräte gewählt. Die von Souchon erneut erbetenen Truppen trafen um etwa 14 Uhr in Kiel ein. Doch zu dieser Zeit begann die Bewegung sich in ganz Kiel zu verbreiten und die Arbeiter fingen an zu streiken. Die herbeigeholten Verstärkungen (u. a. eine Kompagnie aus Rendsburg) hätten die Aufständischen nur mit starkem Blutvergießen niederkämpfen können, doch es trafen immer mehr Meldungen ein, dass die Truppen selbst nicht mehr zuverlässig seien. Souchon entschloss sich, mit den Aufständischen zu verhandeln.

Souchon wurde insbesondere Anfang der 1930er Jahre vorgeworfen, er hätte den Aufstand durch entschiedeneres Handeln unterdrücken können. Der Aufstand war jedoch von der Seekriegsleitung provoziert worden, die dann dem Druck der Besatzungen hatte nachgeben müssen und vom Auslaufen zur Seeschlacht abgerückt war. Nach Dähnhardt hatten die Schüsse in der Karlstraße gezeigt, dass sich die lange angestaute, tiefsitzende Unzufriedenheit nicht mehr mit Gewalt unterdrücken ließ und dass diese Gewalt vielmehr den Solidarisierungsprozess der Matrosen untereinander und auch mit den Kieler Arbeitern verstärkte. Damit hätte Souchon in Kiel vor kaum lösbaren Aufgaben gestanden. Er musste sich auf seine Untergebenen verlassen, die die Lage viel zu optimistisch einschätzten oder nicht den Mut hatten, eigene Versäumnisse einzugestehen. Zum anderen breitete sich der Aufstand so schnell aus, dass die Offiziere resignierten. Souchon bewies jedoch Verantwortungsbewußtsein, denn rücksichtslose Gewaltanwendung hätte den Aufstand nicht mehr unterdrücken können, hätte aber ein Chaos mit unabsehbaren Folgen heraufbeschworen. Dähnhardt misst der Frage, ob die nach Kiel entsandten Heerestruppen in der Lage gewesen wären, den Aufstand niederzuschlagen, insofern nur sekundäre Bedeutung bei.

Soldatenrat an Bord des Linienschiffs Prinzregent Luitpold

Am Abend des 4. November war Kiel fest in der Hand der Aufständischen. Überall wurden Soldatenräte gebildet. Nur wenig später gründete sich auch ein Arbeiterrat, der im Wesentlichen aus Vertretern beider sozialdemokratischer Parteien, aus Gewerkschaftsfunktionären und Vertrauensleuten bestand. Vorsitzender des Arbeiterrats wurde Gustav Garbe. Die Soldatenräte bildeten in den nächsten Tagen auf Initiative Popps den Obersten Soldatenrat auf der Basis von Vertrauensmänner-Abstimmungen in allen Einheiten. Am 5. November morgens wurden die 14 Kieler Punkte in Kraft gesetzt:

  1. Freilassung sämtlicher Inhaftierten und politischen Gefangenen.
  2. Vollständige Rede- und Pressefreiheit.
  3. Aufhebung der Briefzensur.
  4. Sachgemäße Behandlung der Mannschaften durch Vorgesetzte.
  5. Straffreie Rückkehr sämtlicher Kameraden an Bord und in die Kasernen.
  6. Die Ausfahrt der Flotte hat unter allen Umständen zu unterbleiben.
  7. Jegliche Schutzmaßnahmen mit Blutvergießen haben zu unterbleiben.
  8. Zurückziehung sämtlicher nicht zur Garnison gehöriger Truppen.
  9. Alle Maßnahmen zum Schutze des Privateigentums werden sofort vom Soldatenrat festgesetzt.
  10. Es gibt außer Dienst keine Vorgesetzten mehr.
  11. Unbeschränkte persönliche Freiheit jedes Mannes von Beendigung des Dienstes bis zum Beginn des nächsten Dienstes.
  12. Offiziere, die sich mit den Maßnahmen des jetzt bestehenden Soldatenrates einverstanden erklären, begrüßen wir in unserer Mitte. Alles Übrige hat ohne Anspruch auf Versorgung den Dienst zu quittieren.
  13. Jeder Angehörige des Soldatenrates ist von jeglichem Dienste zu befreien.
  14. Sämtliche in Zukunft zu treffenden Maßnahmen sind nur mit Zustimmung des Soldatenrates zu treffen.

Dirk Dähnhardt bemerkt dazu: „Bei den 14 Kieler Punkten handelte es sich … im Wesentlichen um einen Angriff auf das militärische System, eine politische Zielsetzung ging ihnen dagegen weitgehend ab.“ Er führt dies zum einen auf die heterogene Zusammensetzung der Gremien zurück, zum anderen darauf, dass zunächst nur ein Katalog von Sofortmaßnahmen verabschiedet werden sollte. An diesen 14 Punkten sollten sich dann im Verlauf der Novemberrevolution viele weitere Räte in ganz Deutschland orientieren. In der politischen Kurzsichtigkeit sieht Dähnhardt jedoch eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder aufgelöst wurden.

Der Regierungsbeauftragte, Reichstagsabgeordneter Gustav Noske (SPD), der zusammen mit Staatssekretär Conrad Haußmann von der Fortschrittlichen Volkspartei eigens aus Berlin nach Kiel eilte und von den Arbeitern und Soldaten begeistert begrüßt wurde (4. November), ließ sich am folgenden Tag zum Vorsitzenden des Soldatenrats wählen.

Am 5. November morgens bei Sonnenaufgang hissten die Kriegsschiffe im Hafen nicht die Kriegs-, sondern rote Flaggen. Nur auf dem im Dock liegenden Schlachtschiff König hatte der Kommandant vorher die Kriegsflagge setzen lassen. Er beorderte zwei Offiziere zur Verteidigung der Fahne an den Mast. In einem längeren Schusswechsel wurden diese und der Kommandant selbst schwer verwundet; danach wurde auch auf der König die rote Fahne gesetzt. Ein Matrose und die Offiziere (Bruno Heinemann, Wolfgang Zenker) starben, der Kommandant (Carl Wilhelm Weniger) überlebte.[58] Insgesamt war bei den Marineoffizieren, die durch viele Ungerechtigkeiten gegenüber den Mannschaften und ihren überholten Ehrenkodex den Anlass für den Aufstand geliefert hatten, keine selbstkritische Haltung feststellbar. Obwohl sie keine Kommandogewalt mehr besaßen, ließ das Gerücht, der Kaiser würde sie bald von ihrem Eid entbinden, die große Mehrheit auf ihren Posten bleiben, in der Hoffnung, sie könnten das Rad bald wieder zurückdrehen.[59]
Das NS-Regime benannte 1936 zwei Zerstörer nach Bruno Heinemann und Wolfgang Zenker.

Am 7. November erklärte der Arbeiter- und Soldatenrat in einem Aufruf: „Die politische Macht ist in unserer Hand.“ Später übernahm Popp den Vorsitz des Obersten Soldatenrats und Noske übernahm von Souchon den Posten des Gouverneurs. Noske, ein außerordentlich begabter Politiker, setzte damit auf die Fortführung der alten Strukturen. Wolfram Wette vom militärgeschichtlichen Forschungsamt schrieb 1988, Noske habe die beispielhafte Erprobung eines zukunftsorientierten republikanischen Reformprogramms, dessen Test in Kiel durchaus möglich gewesen wäre, im Keim erstickt.[60]

Die Opfer wurden am 10. November unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Parkfriedhof Eichhof bestattet. Garbe und Popp hielten die Grabreden. Die Militärangehörigen wurden einen Tag später auf dem Nordfriedhof bestattet. Hier hielt Noske die Grabrede.

Novemberrevolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Novemberrevolution
„Roter Matrose“ von Hans Kies in Strausberg

Ihren Ausgang hatte die Revolution mit der Gehorsamsverweigerung der Matrosen in Kiel genommen. Soldatenräte sollten ihren Forderungen Ausdruck verleihen. Eine spontane Bewegung erfasste weitere Hafenstädte und auch Mittel- und Süddeutschland. Beauftragte der Arbeiterparteien und Gewerkschaften übernahmen als Arbeiterräte vor Ort die politischen Funktionen.

Die Beendigung der Aufstandsbewegung in Kiel gelang nicht zuletzt deshalb, weil die meisten Matrosen ohnehin die Stadt verließen. Sie marschierten, da die Bahnlinie außer Betrieb war, nach Neumünster und schwärmten von dort in alle größeren Städte des Deutschen Reichs aus, um auch dort Arbeiter- und Soldatenräte nach Kieler Vorbild zu gründen. Damit erfasste die Novemberrevolution ganz Deutschland.

Bereits am 6. November war Nordwestdeutschland unter Kontrolle der Räte. Am 7. November wurde von Kurt Eisner in Bayern die Republik proklamiert. Am 8. November erreichte die Revolution Sachsen, Hessen, Franken und Württemberg. Die dortigen Fürsten dankten ab. Am 9. November gab Reichskanzler Max von Baden unter dem Druck der Ereignisse die Abdankung Kaiser Wilhelms II. bekannt, dessen Thronverzicht die SPD-Führung gefordert hatte.

Anschließend übergab er die Regierungsgeschäfte an den SPD-Vorsitzenden Friedrich Ebert. Philipp Scheidemann rief daraufhin vom Balkon des Reichstags die erste Deutsche Republik aus, während Karl Liebknecht am Stadtschloss die „Freie Sozialistische Republik“ proklamierte.

Gedenken in Kiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute erinnert in Kiel ein 1982 errichtetes Denkmal im Ratsdienergarten an den Matrosenaufstand. An der DGB-Zentrale in der Legienstraße weist eine Tafel auf den Arbeiter- und Soldatenrat hin, der in jenem Gebäude seinen Sitz hatte. In der Feldstraße markiert eine Gedenktafel den Ort, an dem die ersten Toten zu beklagen waren. Die Gefallenen des Matrosenaufstands sind auf dem Parkfriedhof Eichhof und dem Nordfriedhof beigesetzt. Dokumentiert sind die Ereignisse auch im Kieler Schifffahrtsmuseum.[61]

Am 7. November 2009 fand zum ersten Mal ein Gedenkmarsch statt, der von der Stadt Kiel selbst organisiert wurde.[62] Es wurde geplant, dem Bahnhofsvorplatz einen Namen zu geben, der an die Geschehnisse von damals erinnert.[63] Am 17. Juni 2011 wurde der Bahnhofsvorplatz offiziell durch Oberbürgermeister Torsten Albig in „Platz der Kieler Matrosen“ umbenannt.[64] Im Jahre 2018 wurde ein so genannter 0-Euro-Schein mit einem Motiv von damals herausgegeben.

Umstrittene Fotografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Irrtümlich Kiel zugeordnet, tatsächlich Beisetzung getöteter Arbeiter und Soldaten in Berlin am 20. November 1918; Matrosen im Trauerzug am Halleschen Tor.

Das nebenstehende Foto galt lange Zeit als wichtiges Dokument der Kieler Ereignisse im Revolutionsjahr 1918. Im Jahr 2009 gab es eine intensive Diskussion in der Tageszeitung Kieler Nachrichten. Im Ergebnis wurde davon ausgegangen, dass das Bild mit großer Wahrscheinlichkeit im Rahmen der Beerdigungsfeierlichkeiten in Kiel an der Ecke Brunswiker-/Karlstraße aufgenommen wurde.[65]

Im Februar 2015 gelang es dem Kieler Stadtarchiv mit Hilfe eines Archivnutzers, den Namen des Fotografen Robert Sennecke festzustellen und seine Fotoserien im Bundesarchiv ausfindig zu machen.[66] Demnach zeigt das Foto die Beisetzung getöteter Arbeiter und Soldaten in Berlin am 20. November 1918, mit Matrosen im Trauerzug am Halleschen Tor.[67]

Geschichtswissenschaftliche Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dirk Dähnhardt: Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19. Karl Wachholtz Verlag, Neumünster, 1978, ISBN 3-529-02636-0, (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte 64), (Zugleich: Kiel, Univ., Diss., 1977).
  • Wilhelm Deist: Die Politik der Seekriegsleitung und die Rebellion der Flotte Ende Oktober 1918. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 14, 1966, 4, ISSN 0042-5702, S. 341–369, online (PDF; 6,2 MB).
  • Rolf Fischer (Hrsg.): Revolution und Revolutionsforschung – Beiträge aus dem Kieler Initiativkreis 1918/19. Reihe: Sonderveröffentlichungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte (Band 67), Ludwig Verlag, Kiel 2011, ISBN 978-3-86935-059-2.
  • Sonja Kinzler, Doris Tillmann (Hgg.): Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918. Darmstadt 2018, ISBN 978-3-8062-3698-9.
  • Christian Lübcke: Revolution in Kiel! Das geschah im November 1918. Eltville 2017, ISBN 978-3-944988-10-8.
  • Martin Rackwitz: Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik. Kiel 2018 (Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte Band 87). ISBN 978-3-529-05174-6.
  • Werner Rahn: Von Gehorsamsverweigerungen zur Revolution. Der Zusammenbruch der Kaiserlichen Marine 1918. In: Militärgeschichte Heft 3/2008, ISSN 0940-4163, S. 8–13, online (PDF; 8,54 MB).
  • Wolfram Wette: Gustav Noske – eine politische Biographie. Droste Verlag, Düsseldorf 1987, ISBN 3-7700-0728-X.
  • Wolfram Wette: Gustav Noske und die Revolution in Kiel 1918. Boyens Buchverlag, Heide 2010, ISBN 978-3-8042-1322-7; erschienen als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, herausgegeben von Jürgen Jensen, Band 64

Romane und Essays[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volker Griese: Meuterei, Revolte, Revolution. Der Aufstand der Matrosen, Kiel November 1918. In: Schleswig-Holstein. Denkwürdigkeiten der Geschichte. Historische Miniaturen, Norderstedt 2012, ISBN 978-3-8448-1283-1.
  • Sebastian Haffner: Die deutsche Revolution 1918/1919. Rowohlt, Reinbek 2004, ISBN 3-499-61622-X, (früher mit dem Titel „Der Verrat“ veröffentlicht).
  • Klaus Kordon: Die roten Matrosen oder ein vergessener Winter. Süddeutsche Zeitung, München 2005, ISBN 3-86615-110-1, (Junge Bibliothek 9).
  • Theodor Plievier: Des Kaisers Kulis. Roman der deutschen Kriegsflotte. Dtv, München 1984, ISBN 3-423-10237-3.
  • Joachim Ringelnatz: Als Mariner im Krieg. Diogenes Verlag, Zürich 2004, ISBN 3-257-23441-4.
  • Ernst Toller: Feuer aus den Kesseln. In: Herbert A. Frenzel, Elisabeth Frenzel: Daten deutscher Dichtung - Chronologischer Abriss der deutschen Literaturgeschichte. Band 2: Vom Biedermeier bis zur Gegenwart. 6. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag 1970, ISBN 3-423-03102-6, (dtv 3102).
  • Adrian Vogt: Das Signal veränderte Deutschland. In: Kieler Nachrichten vom 8. November 2003.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • WDR (gesendet 5. Januar 1975): „War Opa revolutionär?“ von Stefan Bartmann und Karl Mertes, wiss. Beratung Imanuel Geiss. Sendung zum Schülerwettbewerb im Rahmen des Gustav-Heinemann Preises. Enthält u. a. Interviews mit Lothar Popp und Gertrud Völcker.
  • WDR (gesendet 1986): Augenzeugen berichten über die Marineunruhen 1917/18 von Wolfgang Semmelroth und Claus-Ferdinand Siegfried (Regie), ca. 44 Min. Enthält viele interessante Interviews mit wichtigen Zeitzeugen
  • NDR (gesendet 1. November 1978): Matrosen, Räte, Republiken von Hartmut Idzko und Jörg Knickrehm, ca. 23 Minuten. Enthält mehrere Schilderungen u. a. von Lothar Popp
  • DEFA (1958): Das Lied der Matrosen, Regie Kurt Maetzig, 126 Min., sw. In der DDR produzierter Film Übersicht (Memento vom 26. Dezember 2007 im Internet Archive)
  • 1968: November-Verbrecher, 85 Min., Lichtton, sw, D; dieser Film kann in der Regel über Stadtbildstellen ausgeliehen werden. In einer reportagehaften, fiktiven Befragung historischer Personen will der Film die Vorgänge jener Novembertage erhellen. Ihre Diskussionen und Verhandlungen werden meist in Form von Interviews mit Vertretern der Regierung, des Reichstags, der obersten Heeresleitung, mit Soldaten und Journalisten nachvollzogen. Deren Aussagen stützen sich auf historische Akten, Protokolle, Reden, Tagebücher und anderes Material.
  • Kai Zimmer (Nov. 2012): "Revolution 18", 25 Min., 16:9, Farbe und s/w. Ein eher künstlerisch ausgerichteter experimenteller Dokumentarfilm, der die Zeit vom August 1917 bis zum November 1918 aus der Perspektive der Tagebuchaufzeichnungen des Ingenieurs Nicolaus Andersen[68] schildert. Andersen arbeitete auf der Kieler Germaniawerft. Der Film wurde am 22. November 2012 in der Kieler Stadtgalerie uraufgeführt.
  • Kay Gerdes und Klaus Kuhl (2018): "In Kiel ist Revolution!" Herausgegeben von der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte e.V. als "Historische Filmdokumente Nr. 9". Spieldauer 53 Minuten, DVD. Text, Quellen und Hinweise für Lehrkräfte: [7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kieler Matrosenaufstand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Brandt: Der historische Ort der deutschen Revolution von 1918/19. In: Rolf Fischer (Hrsg.): Revolution und Revolutionsforschung – Beiträge aus dem Kieler Initiativkreis 1918/19 (Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte Band 67). Kiel 2011, S. 11 f. ISBN 978-3-86935-059-2.
  2. Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1866–1918. Bd. 2: Machtstaat vor der Demokratie. München 2. Aufl. 1993, S. 843 f.
  3. Gottfried Mehnert: Evangelische Kirche und Politik 1917-19. Die politischen Strömungen im deutschen Protestantismus von der Julikrise 1917 bis zum Herbst 1919 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 16). Düsseldorf 1959, S. 57.
  4. Michael Salewski: Die Wilhelminischen Flottengesetzte. Realität und Illusion. In: Salewski, Michael: Die Deutschen und die See. Studien zur deutschen Marinegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Stuttgart 1998, S. 119–125, hier S. 120, 125.
  5. Werner Rahn: Strategische Optionen und Erfahrungen der deutschen Marineführung 1914 bis 1944: Zu den Chancen und Grenzen einer mitteleuropäischen Kontinentalmacht gegen Seemächte. In: Werner Rahn (Hrsg.): Deutsche Marinen im Wandel. München 2005, S. 197–233, hier S. 200–202.
  6. Rahn, Strategische Optionen, S. 203 f.
  7. Daniel Horn (Ed.): War, Mutiny and Revolution in the German Navy – The World War I Diary of Seaman Richard Stumpf. New Brunswick, New Jersey (USA) 1967, pp. 9-12. (Rutgers University Press, DNB 578170930.)
  8. Gerhard Granier: Magnus von Levetzow: Seeoffizier, Monarchist und Wegbereiter Hitlers – Lebensweg und ausgewählte Dokumente (Schriften des Bundesarchivs 31). Boppard am Rhein 1982, S. 117–120.
  9. Mehnert: Evangelische Kirche, S. 33, 47, 57.
  10. Jean-Jacques Becker/Gerd Krumeich: Der große Krieg. Deutschland und Frankreich im Ersten Weltkrieg 1914–1918. Essen 2010, S. 92 und 118.
  11. Nipperdey: Deutsche Geschichte, S. 788 f.
  12. Wolfram Wette: Gustav Noske. Eine politische Biographie. Düsseldorf 2. Aufl. 1988, S. 158, 179 ff.
  13. Horn, Diary Stumpf, S. 148 f., 175 f., 346.
  14. Martin Rackwitz: Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik. Kiel 2018 (Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte Bd. 87), S. 17 f.
  15. Volker Ullrich, Der Januarstreik in Hamburg, Kiel und Bremen: Eine vergleichende Studie zur Geschichte der Streikbewegungen im Ersten Weltkrieg. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 71 (1985), S. 45–74, hier S. 51 f. Online zugänglich unter (aufgerufen 36. Mai 2018): [1].
  16. Ursula Büttner: Weimar – die überforderte Republik 1918–1933. In: Gebhardt (Hrsg.): Handbuch der deutschen Geschichte, Stuttgart 10. Aufl. 2001 (Band 18), S. 173–714, hier S. 259.
  17. Martin Rackwitz: Kriegszeiten in Kiel. Alltag und Politik an der Heimatfront 1914/18. Kiel 2013 (Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte Band 72), S. 18–22.
  18. Ullrich, Januarstreik, S. 53.
  19. Ullrich, Januarstreik, S. 55 f., 61.
  20. Rackwitz, Kiel 1918, S. 19–22.
  21. Wilhelm Deist: Die Ursachen der Revolution von 1918/19 unter militärgeschichtlicher Perspektive. In: Wilhelmshavener Museumsgespräche, Texte zur Geschichte der Stadt, Band 2, Die Revolution 1918/19 – 70 Jahre danach, Vortragsveranstaltung der Stadt Wilhelmshaven am 28. und 29. Oktober 1988, bearbeitet und herausgegeben von Norbert Credé im Auftrag der Stadt Wilhelmshaven. Wilhelmshaven 1991, S. 7–22, hier S. 13.
  22. Becker/Krumeich, Der große Krieg, S. 278–281.
  23. Becker/Krumeich, Der große Krieg, S. 290 ff.
  24. Becker/Krumeich, Der große Krieg, S. 291 f.
  25. Anonym: Das neue Friedensangebot. In: Kieler Neueste Nachrichten, 8. Oktober 1918 (24 Jg., Nr. 236), S. 1.
  26. Sides, Ann B.: When submarine UB-123 attacked the ferry Leinster, it torpedoed Germany's last hope for a 'soft peace' in 1918. In: Military History. Herndon, Oct., Vol. 15, Issue 4, 1998, pp. 24–28. Der Artikel ist auch online zugänglich (Stand 30. Mai 2018): [2].
  27. Rackwitz, Kiel 1918, S. 25 f.
  28. Er notierte am 17. Oktober 1918: "Ich habe aus guter Quelle gehört, dass ungefähr vor 14 Tagen ein Befehl zur Verschärfung des U-Boot-Krieges an die Marine ergangen sei!" Siehe: Auswärtiges Amt und Reichsministerium des Inneren (Hrsg.): Amtliche Urkunden zur Vorgeschichte des Waffenstillstandes 1918. Berlin 1927, S. 180.
  29. Wolfdieter Bihl (Hrsg.): Deutsche Quellen zur Geschichte des Ersten Weltkrieges. Darmstadt 1991, S. 478 f.
  30. Leonidas Hill: Signal zur Konterrevolution? – Der Plan zum letzten Vorstoß der deutschen Hochseeflotte am 30. Oktober 1918. Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 1. Heft, 1988, S. 113–130. Online zugänglich unter: [3].
  31. Gerhard P. Groß: Eine Frage der Ehre? Die Marineführung und der letzte Flottenvorstoß 1918. In: Groß, Gerhard P. (Hrsg.): Kriegsende 1918. München, 1999. Derselbe Aufsatz wurde außerdem 2005 veröffentlicht in: Groß, Gerhard P.: Eine Frage der Ehre? Die Marineführung und der letzte Flottenvorstoß 1918. In: Rahn, Wolfgang (Hrsg.): Deutsche Marinen im Wandel. München, 2005.
  32. Afflerbach schreibt dazu: "Die unterschiedlichen Deutungen können natürlich schwer auf einen Nenner gebracht werden, da letztlich jeder der an den Planungen beteiligten Marineoffiziere andere Prioritäten setzte." (Holger Afflerbach: „Mit wehender Fahne untergehen“. Kapitulationsverweigerungen in der deutschen Marine. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Jahrgang 49, Heft 4, 2001, S. 595–612, hier S. 606. Online zugänglich unter (aufgerufen 20. Februar 2018): [4].)
  33. Siehe Granier: Levetzow, S. 57.
  34. Der Plan ist dokumentiert bei Gerhard Granier (Hrsg.): Die deutsche Seekriegsleitung im Ersten Weltkrieg. Dokumentation. (Materialien aus dem Bundesarchiv, Heft 9) Koblenz 2000, S. 193 ff.
  35. Hill, Signal, S. 113, 128 f.
  36. Mark Jones: Der Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918. Untergang oder Startschuss für den Endkampf. In: Sonja Kinzler/Doris Tillmann (Hrsg.): Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918. Darmstadt 2018, S. 92.
  37. Wie die Planungen zum Flottenvorstoß auf englischer Seite wahrgenommen wurden, dazu siehe: Patrick Beesly: Room 40. British naval intelligence, 1914-1918. San Diego 1982, S. 294–297.
  38. Rolf Güth: Marineführung und Meuterei 1918. In: Schiff und Zeit Nr. 7, 1978, S. 1–8.
  39. Dähnhardt, Revolution, S. 109.
  40. Albrecht Philipp (Hrsg.) unter Mitwirkung von Eugen Fischer/Walter Bloch im Auftrage des Vierten Unterausschusses: Das Werk des Untersuchungsausschusses [WUA] der Verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung und des Deutschen Reichstags 1919-1930. Hier: Vierte Reihe (umfasst die Bände 1–12), 1925–29; davon 2. Abteilung: Der innere Zusammenbruch (Bände 4–12), hier Band 9, Teilband 1: Entschließung und Verhandlungsbericht: Marine und Zusammenbruch. 1928, S. 110–125.
  41. Bericht über die Verhandlungen des Reichsmarineamts mit den Vertrauensleuten des III. Geschwaders, am Donnerstag, den 7. November [1918] nachm. 3 Uhr. BArch (Bundesarchiv) 3/2612 Bl. 194-245. In Auszügen wiedergegeben in: Klaus Kuhl: Die Rolle der deutschen Seeoffiziere während der Ereignisse im Oktober/November 1918. Kiel 2018, S. 29–38. Online zugänglich (aufgerufen am 30. Mai 2018): [5].
  42. Christian Lübcke: Revolution in Kiel! Das geschah im November 1918. Eltville 2017, S. 15 f.
  43. Dähnhardt, Revolution, S. 54.
  44. Rackwitz, Kiel 1918, S. 33 f.
  45. Becker/Krumeich, Der große Krieg, S. 92.
  46. Rackwitz, Kiel 1918, S. 33 f.
  47. Rackwitz, Kiel 1918, S. 46–50.
  48. Bericht über die Verhandlungen des Reichsmarineamts mit den Vertrauensleuten des III. Geschwaders, S. 35.
  49. Rackwitz, Kiel 1918, S. 53 f.
  50. Rackwitz, Kiel 1918, S. 54.
  51. Siehe Bericht des Kriminal-Schutzmanns Hager, der als Matrose verkleidet an der Versammlung teilnahm: Bundesarchiv BArch RM 31/2373 Bl. 11-14 (Abschrift); veröffentlicht in Klaus Kuhl: Die Ereignisse am 2. November 1918 in Kiel. Online zugänglich (aufgerufen 12. Juni 2018) unter: http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_2-11-1918.pdf.
  52. Über die Versammlung wird außerdem kurz berichtet in: Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand. Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. III 1–30, hier S. III 11.
  53. Rackwitz, Kiel 1918, S. 56 f.
  54. Rackwitz, Kiel 1918, S. 57 f.
  55. Dähnhardt, Revolution, S. 58 f.
  56. Schritte auf dem Kieler Weg zur Demokratie. Kieler Nachrichten, 23. Oktober 2009, abgerufen am 12. Mai 2018.
  57. Klaus Kuhl: Was geschah in Kiel am Abend des 3. November 1918? Neue Erkenntnisse zum Zusammenstoß zwischen kaisertreuen Patrouillen und aufbegehrenden Demonstranten. Werkstattbericht. [6]
  58. er veröffentlichte später ein Schriftstück über Ereignisse auf Großlinienschiff SMS König und in Kiel
  59. Karl von Kunowski: Erinnerungen an: Die letzten Tage der Kaiserlichen Marine 1918 beim III. Geschwader auf SMS Markgraf als wachhabender Offizier, unveröffentlichtes Manuskript, undatiert. pdf.
  60. Wolfram Wette: Als bei der Torpedo-Division der erste Soldatenrat gebildet wurde. In: Frankfurter Rundschau vom 12. Dezember 1988.
  61. Kieler Schiffahrtsmuseum
  62. Gedenkmarsch startet an der Waldwiese; Kieler Nachrichten online, 23. Oktober 2009 (Memento vom 12. April 2010 im Internet Archive)
  63. Quelle: Cathy Kietzer, Stadtpräsidentin, am 7. November 2009 in ihrer Rede auf dem Bahnhofsvorplatz
  64. „Platz der Kieler Matrosen“ wird eingeweiht
  65. K. Kuhl: Informationen zum Foto „Kieler Matrosenaufstand“ pdf
  66. Bundesarchiv Bilddatenbank (2015). Aufgerufen 18. Februar 2015, unter http://www.bild.bundesarchiv.de/cross-search/search/_1424287453/
  67. vgl. auch Historisches Foto zeigt etwas völlig anderes, Artikel des TV-Nachrichtenportals N24 vom 18. Februar 2015 (n24.de, abgerufen am 19. Februar 2015)
  68. Eine Transkription des Tagebuchs findet sich auf www.kurkuhl.de