Adamin

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Adamin
Adamite-122762.jpg
Grünliche, radialstrahlige Adamin-Aggregate auf Matrix aus der Grube Ojuela, Mapimí in Mexiko
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel Zn2[OH|AsO4][1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
8.BB.30 (8. Auflage: VII/B.06)
41.06.06.03
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m 2/m 2/m
Raumgruppe Pnnm (Nr. 58)Vorlage:Raumgruppe/58[1]
Gitterparameter a = 8,30 Å; b = 8,51 Å; c = 6,04 Å[1]
Formeleinheiten Z = 4[1]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3,5[2]
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,32 bis 4,48; berechnet: 4,435 bis 4,444[2]
Spaltbarkeit gut nach {101}; undeutlich nach {010}[2]
Bruch; Tenazität uneben bis schwach muschelig; spröde
Farbe gelbgrün, gelb, grün, rosa, violett, farblos
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,708 bis 1,722[3]
nβ = 1,708 bis 1,722[3]
nγ = 1,763 bis 1,773[3]
Doppelbrechung δ = 0,055[3]
Optischer Charakter zweiachsig, wechselnd
Achsenwinkel 2V = 78 bis 90°[3]
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale zitronengelbe Fluoreszenz und Phosphoreszenz

Adamin ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der chemischen Zusammensetzung Zn2[OH|AsO4][1] und ist damit chemisch gesehen ein Zink-Arsenat mit zusätzlichen Hydroxidionen.

Adamin kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt vorwiegend kurz- bis langprismatische sowie bipyramidale Kristalle. Daneben sind auch nadelige und radialstrahlige Mineral-Aggregate bekannt. In reiner Form, die allerdings nur selten vorkommt, ist Adamin farblos und durchsichtig. Meist nimmt er durch Fremdbeimengungen eine gelbe, gelbgrüne bis grüne oder rosa bis violette Farbe an. Die durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle zeigen auf den Oberflächen einen glasähnlichen Glanz.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entdeckt wurde das Mineral von dem französischen Mineralogen Gilbert Joseph Adam (1795–1881) in Chañarcillo in der chilenischen Región de Atacama.[3] Beschrieben wurde es 1866 vom französischen Chemiker und Mineralogen Charles Friedel (1832–1899)[4], der es nach seinem Entdecker benannte.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Adamin zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung der „Wasserfreie Phosphate, mit fremden Anionen F, Cl, O, OH“, wo er zusammen mit Eveit, Libethenit, Olivenit, Paradamin, Tarbuttit, Zincolibethenit und Zinkolivenit die „Libethenit-Gruppe“ mit der System-Nr. VII/B.06 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Adamin ebenfalls in die Abteilung der „Phosphate, etc., mit weiteren Anionen, ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der weiteren Anionen zum Phosphat-, Arsenat bzw. Vanadat-Komplex, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen, (OH, etc.) : RO4 ≤ 1 : 1“ zu finden ist, wo es zusammen mit Auriacusit, Eveit, Libethenit, Olivenit, Zincolibethenit und Zinkolivenit die „Libethenitgruppe“ mit der System-Nr. 8.BB.30 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Adamin in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserfreien Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“ ein. Hier ist er in der „Olivenitgruppe“ mit der System-Nr. 41.06.06 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (A)2(XO4)Zq“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adamin kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pnnm (Raumgruppen-Nr. 58)Vorlage:Raumgruppe/58 mit den Gitterparametern a = 8,30 Å, b = 8,51 Å und c = 6,04 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grünlichgelbe, nadelig-radialstrahlige Adaminkristalle auf poröser, rötlicher Matrix; unter UV-Licht hellgrün aufleuchtend

Adamin leuchtet unter UV-Licht grün bis gelbgrün auf.

Zusammen mit Olivenit bildet es eine Mischreihe mit nach Olivenit zunehmendem Kupfergehalt. Da Cuproadamin innerhalb der Mischreihe auftritt, wird es verschiedentlich nicht als eigenständige Varietät anerkannt.

Varietäten und Modifikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grüner Kupfer-Adamin
Violetter Mangan-Adamin

Die Verbindung Zn2[OH|AsO4] ist dimorph und kommt in der Natur neben dem orthorhombischen Adamin noch als triklin kristallisierender Paradamin vor.

Bei den Varietäten Aluminium-Adamin, Cuproadamin, Cobaltadamin, Manganadamin und Nickeladamin ist das im Adamin enthaltene Zink teilweise durch die genannten Elemente in den Varietätnamen ersetzt. Kupferhaltige Varietäten fallen durch ihre kräftige grüne Farbe auf, während manganhaltige Varietäten einen violetten Farbton annehmen.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seltener farbloser Adamin aus der Ojuela Mine, Mapimí, Mexiko (Größe 3,7 cm × 3,0 cm × 2,9 cm)

Adamin bildet sich meist vergesellschaftet mit Aurichalcit, Hemimorphit, Konichalcit und Smithsonit in der Oxidationszone arsenreicher Lösungen oder in Zinklagerstätten.

Als eher seltene Mineralbildung kann Adamin an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Bisher sind rund 400 Fundorte für Adamin bekannt (stand April 2017).[3] Neben seiner Typlokalität Chañarcillo fand man das Mineral in Chile bisher nur noch in der nahe gelegenen Grube Veta Negra im Bezirk Pampa Larga in der Región de Atacama.

In Deutschland trat Adamin vor allem in Baden-Württemberg an vielen Stellen im Schwarzwald wie unter anderem bei Freudenstadt, Lahr/Schwarzwald, Wittichen und der Grube Clara bei Oberwolfach; im niedersächsischen Harzgebirge wie z. B. in der Grube Glücksrad bei Oberschulenberg und Sankt Andreasberg sowie in Nordrhein-Westfalen am Maubacher Bleiberg, in der Grube Leibnitz und der Grube Schöne Aussicht bei Burbach (Siegerland). Daneben sind noch einige Fundorte in Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Sachen bekannt.

In Österreich konnte das Mineral bisher auf der Feistritz Alp nahe Feistritz an der Gail, der Unterbuchach Alp bei Kirchbach, auf dem Elferspitz im Gebiet des Plöckenpasses und in der Grube „Judengras“ bei Podlanig (Lesachtal) in den Gailtaler und Karnischer Alpen sowie in einer Kupferlagerstätte im Rijavitzagraben (auch Jeravitzagraben oder Remscheniggraben) und im Bezirk Neufinkenstein-Grabanz in Kärnten; in den Gruben St. Anna und St. Joachim bei Annaberg in Niederösterreich; im Windbachtal in den Hohen Tauern, im Gebiet von Korein und Frommerkogel nahe Radstadt und in einer prähistorischen Abraumhalde im Schwarzleograben bei Hütten (Gemeinde Leogang) im Salzburger Land sowie an vielen Stellen im Revier BrixleggRattenberg wie unter anderm am Silberberg, an der Gratlspitz, dem Bergwerk Hofer Tratte bei Hof, am Groß- und Kleinkogel bei St. Gertraudi und im Revier Ringenwechsel bei Schwaz in Tirol entdeckt werden.

In der Schweiz kennt man Adamin bisher nur von der Mürtschenalp im Kanton Glarus und der Grube Gosan bei Saint-Luc VS im Kanton Wallis. ein weiterer Fundort am Reckibach im Binntal wurde bisher nicht bestätigt.

Weitere Fundorte liegen unter anderem Algerien, Argentinien, Australien, China, Frankreich, Bulgarien, Griechenland, Iran, Irland, Italien, Japan, Kasachstan, der Demokratischen Republik Kongo, Marokko, Mexiko, Namibia, Polen, Russland, Serbien, Simbabwe, Spanien, Südafrika, Tschechienim Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten von Amerika.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C. Friedel, G. A. Daubrée: Sur l‘adamine, nouvelle espèce minérale. In: Comptes Rendus Hebdomadaires des Séances de l'Académie des Sciences. Band 62, 1866, S. 692–695 (französisch, rruff.info [PDF; 277 kB; abgerufen am 23. Dezember 2017]).
  • Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 646.
  • Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 629 (Erstausgabe: 1891).
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Dörfler Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 161.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Adamin (Adamite) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Adamin – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 444.
  2. a b c Adamite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 64 kB; abgerufen am 23. Dezember 2017]).
  3. a b c d e f g Mindat – Adamite (englisch)
  4. Lloyd W. Staples: Adamite from Gold Hill, Tooele Co., Utah. In: The American Mineralogist. Band 20, Nr. 5, 1935, S. 371 (minsocam.org [PDF; 312 kB]).
  5. Fundortliste für Adamin beim Mineralienatlas und bei Mindat