Addendum (Rechercheplattform)

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Addendum
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Beschreibung Investigativer Journalismus
Sprache deutsch
Erstausgabe 25. September 2017
Erscheinungsweise laufend
Chefredakteur Michael Fleischhacker
Herausgeber Michael Fleischhacker
Geschäftsführer Michael Fleischhacker und Niko Alm
Weblink addendum.org

Addendum (lat. addendum‚ das Hinzuzufügende) ist eine österreichische journalistische Recherche-Plattform. Sie wird über die gemeinnützige Quo Vadis Veritas Privatstiftung von Dietrich Mateschitz finanziert. Die Veröffentlichung erster Recherchen erfolgte am 25. September 2017.[1][2][3] Herausgeber und Chefredakteur ist Michael Fleischhacker.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. April 2017 wurde bekannt, dass Mateschitz die Quo Vadis Veritas Privatstiftung eingerichtet hat, um damit eine Rechercheplattform zu finanzieren. Dazu wurde die Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH (QVV) gegründet. Geschäftsführer von QVV sind Michael Fleischhacker und Niko Alm. Fleischhacker war für den Aufbau der journalistischen Organisation verantwortlich und Alm übernahm die kaufmännische und organisatorische Leitung.[4][5] Zum Gründungsteam zählten zudem Anna Schneider (zuletzt Referentin für Verfassungsrecht im NEOS-Parlamentsklub), Judith Denkmayr (zuvor bei der Vice CEE für die Corporate Development- und Corporate Communications Agenden zuständig) und der Journalist Rainer Fleckl. Während des Aufbaus wurden für QVV weitere Journalisten und Medienfachleute engagiert, darunter Alexander Millecker, Andreas Wetz (zuvor Die Presse), Christine Grabner (zuvor ORF), Georg Renner und Moritz Moser (beide zuvor NZZ.at) sowie Experten für verschiedene Themenbereiche.[6] Bis Mitte Juli war das Team auf etwa 40 Mitarbeiter angewachsen und als Standort für die Büros wurden Räumlichkeiten in Wien-Neubau gewählt.[7]

Anfang August wurde ein „digitaler Briefkasten“ auf der Webseite qvv.at eingerichtet, wo Whistleblower und Informanten anonym vertrauliche Dokumente oder Informationen übermitteln können.[8] Als Ergebnis der Arbeit der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH wurde am 8. September 2017 Addendum vorgestellt. Am 25. September 2017 wurden Teile des ersten Projekts auf der Webseite addendum.org veröffentlicht.

Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel von Addendum sei „mit den Werkzeugen investigativer, journalistischer Recherche und Datenanalyse zu einem vollständigeren Bild der Wirklichkeit beizutragen“ und „mit diesem rekonstruktiven Journalismus einen Beitrag zur Wiederherstellung einer gemeinsamen Faktenbasis für eine qualifizierte politische Debatte zu leisten“.[9] Nach sechs Wochen der Themenfindung, Recherche, Gestaltung und Aufbereitung zu einem Thema von einem Rechercheteam mit bis zu 10 Personen[10] werden Artikel und Videos dazu über einen Zeitraum von mehreren Tagen veröffentlicht. Am 25. September 2017 wurden Teile des ersten Recherche-Projekts zum Themenfeld Asyl und Migration publiziert, wobei jede Woche Recherchen zu einem anderen Thema veröffentlicht werden. Zu den Projekten werden von Addendum auch ca. 45-minütige Reportagen gestaltet, die donnerstags um 21 Uhr 15 auf ServusTV ausgestrahlt werden („Im Kontext“). Die Reportagen sind auch auf „Addendum“ und der Mediathek von ServusTV abrufbar. In unregelmäßigen Abständen werden auch Recherchen zu tagesaktuellen Ereignissen veröffentlicht.

Im November 2017 gab Addendum bekannt, gemeinsam mit Neuwal das Abstimmungsverhalten beziehungsweise die An- oder Abwesenheit der 183 Abgeordneten zum Nationalrat mit Beginn der XXVI. Gesetzgebungsperiode am 9. November 2017 fotografisch und statistisch erfassen zu wollen. Die Ergebnisse sollen auf deren Website („Politometer“[11]) laufend veröffentlicht werden. Das Stimmverhalten der einzelnen Mandatare wird vom Parlament selbst nicht erfasst.[12]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Tag vom Start von „Addendum“ äußerte Peter Münch in der Süddeutschen Zeitung die Befürchtung, ob es sich bei Addendum statt um Faktenberichterstattung nicht eher um das Sprachrohr des „Wut-Milliardärs“ Dietrich Mateschitz drehen könne, und stellte einen Vergleich mit der rechtspopulistischen US-Meinungswebsite Breitbart an.[13] Nach den ersten zwei veröffentlichten Projekten von Addendum konstatierte Ralf Leonhard in der taz, dass sich die Süddeutsche Zeitung damit lächerlich gemacht habe, und beschrieb Addendum als „weder links noch klar rechts, weder Boulevard noch für die Intellektuellen gemacht“.[14] Jens Jessen bezeichnet in der Zeit Addendum als eine „Illusion einer objektiven Berichterstattung“, die benutzt werden würde, „um die Reste bürgerlicher Presse zu denunzieren“ und „in letzter Konsequenz die bürgerliche Öffentlichkeit von rechts zu zersetzen“.[15]

Rainer Stadler lobte Addendum in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). In ihrem ersten Dossier habe Addendum auf die „paradoxe Praxis“ in Europa hingewiesen, Flüchtlingen ein Recht auf Asyl zuzuerkennen, aber gleichzeitig alles zu unternehmen, damit dieses Recht nicht in Anspruch genommen werden kann. Addendum stelle die Frage, ob Europa hier an „einem überholten Konzept“ festhalte. Addendum betreibe dabei keinen „Kampfjournalismus“, sondern würde abwägen und dabei „zahlreiche Hintergrundinformationen“ sammeln: „So funktioniert aufklärerischer Journalismus, der dem Publikum bei der Meinungsbildung behilflich sein will“.[16] Die Österreich-Korrespondentin der NZZ, Meret Baumann, beschreibt Addendum als Nachschlagewerk. Es erinnert sie weniger an ein journalistisches Produkt, was von Addendum auch gewollt sei. Die Kritik beim Start der Plattform würde sich nicht rechtfertigen lassen: „Es werden jeweils Argumente für unterschiedliche Standpunkte aufgeführt und nüchtern abgewogen, während sich die Journalisten in Bewertungen zurückhalten.“[10]

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medieninhaber von Addendum ist die Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH, deren Gesellschafter zu 100 Prozent die mit einer Million Euro dotierte gemeinnützige Quo Vadis Veritas Privatstiftung ist. Die Stifter sind zu 99 Prozent Dietrich Mateschitz und zu einem Prozent die Servus Medien GmbH, ein Unternehmen der Red Bull Media House GmbH. Begünstigter der Stiftung ist laut Satzung die Allgemeinheit.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Website von QVV-Projekt addendum ist online. In: Horizont. 25. September 2017, abgerufen am 25. September 2017.
  2. Judith Denkmayr: QVV launcht erstes Projekt auf addendum.org und ServusTV. In: Quo Vadis Veritas. 25. September 2017, abgerufen am 25. September 2017.
  3. "Addendum": Mateschitz' Medienprojekt hat einen Namen. In: Die Presse. 8. September 2017, abgerufen am 25. September 2017.
  4. Das neue Medienprojekt von Dietrich Mateschitz. In: Kleine Zeitung. 8. April 2017, abgerufen am 25. September 2017.
  5. Über uns, auf qvv.at Abgerufen am 25. September 2017
  6. Siehe hierzu:
  7. Quartier für Mateschitz' Rechercheprojekt gefunden. In: Salzburger Nachrichten. 21. Juli 2017, abgerufen am 25. September 2017.
  8. Mateschitz' "Quo Vadis Veritas" öffnet digitales Postfach für Informanten. In: Kleine Zeitung. 3. August 2017, abgerufen am 25. September 2017.
  9. addendum.org: Über Addendum (abgerufen am 25. September 2017)
  10. a b Meret Baumann: Red-Bull-Chef Mateschitz will die Wahrheit retten. In: Neue Zürcher Zeitung. 16. Dezember 2017, S. 11 (Online [abgerufen am 3. Februar 2018]).
  11. Politometer. Abgerufen am 13. November 2017.
  12. Nationalrat: Wer stimmt wie ab?. Artikel vom 13. November 2017, abgerufen am 13. Jänner 2017.
  13. Peter Münch: Neues Onlinemagazin "Addendum" – "Breitbart" aus den Alpen? Süddeutsche Zeitung, 26. September 2017, abgerufen am 7. Dezember 2017.
  14. Ralf Leonhard: Nichts als die Wahrheit. In: Die Tageszeitung. 11. Oktober 2017, abgerufen am 7. Dezember 2017.
  15. Jens Jessen: Die Alternative zur "Lügenpresse". Zeit Online, 16. Oktober 2017, abgerufen am 7. Dezember 2017.
  16. Rainer Stadler: Kolumne: Noch ein Samariter in der Medienbranche. In: NZZ. 5. Oktober 2017, abgerufen am 5. Oktober 2017.
  17. Jürgen Hofer: Die Köpfe hinter „Quo Vadis Veritas“. In: Horizont. 14. April 2017, abgerufen am 26. September 2017.