Breitbart News Network

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Breitbart News Network
Breitbart News.svg
breitbart.com
Sprachen englisch
Eigentümer Breitbart News Network, LLC
Urheber Andrew Breitbart
Erschienen 2007
Status aktiv

Breitbart News Network (auch Breitbart News, Breitbart oder Breitbart.com) ist eine US-amerikanische Nachrichten- und Meinungswebsite, die 2007 vom Kommentator und Unternehmer Andrew Breitbart gegründet wurde. Politisch wird sie rechtskonservativ bis rechtspopulistisch verortet.[1][2][3][4][5][6] Das tägliche Radioprogramm der Sendung heißt Breitbart News Daily.

Breitbart hat seinen Hauptsitz in Los Angeles, mit Büros in Texas, London und Jerusalem. Nach Andrew Breitbarts Tod im März 2012 wurde Stephen Bannon der verantwortliche Angestellte für Veröffentlichung, während Alexander Marlow als Chefredakteur tätig ist.[1] Breitbart News gilt mittlerweile als eines der wichtigsten Sprachrohre der Alt-Right (Alternative Right), die sich in den letzten Jahren rechts der Republikanischen Partei formiert hat, wobei bei Breitbart News auch das politische Establishment der Republikaner kritisiert wird.[7]

Im November 2016 wurden Pläne des Nachrichtennetzwerks bekannt, das Angebot nach Deutschland und Frankreich auszuweiten,[8] um laut eigener Aussage von Breitbart gezielt über die nationalen rechtskonservativen Parteien zu berichten.[9]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andrew Breitbart rief die Website breitbart.com im Jahre 2007 als Nachrichtenportal ins Leben. Die Website stellte direkte Verbindungen zu den Nachrichten von Reuters, Fox News Channel, der New York Post sowie zu einigen anderen Nachrichtenagenturen her, darunter auch Boulevardnachrichtenportale wie TMZ. Das ursprüngliche Wachstum der Website wurde weitgehend durch Verlinkungen mit der politisch konservativen Drudge Report Nachrichtenplattform in Gang gesetzt, wo Andrew Breitbart zuvor Mitarbeiter gewesen war. Im Jahr 2007 startete Breitbart zusätzlich mit Breitbart.tv einen Video-Blog[10]. Während eines Aufenthaltes in Israel kam Breitbart die Idee, Breitbart News Network zu gründen, mit „dem Ziel, eine unapologetische [unorthodoxe] Pro-Freiheits- und Pro-Israel-Initiative zu starten. Wir hatten die Nase voll von der antiisraelischen Voreingenommenheit der Mainstream-Medien und J Street.“[11]

Larry Solov, Mitbegründer und Inhaber von Breitbart News, schildert:

„Eines Abends in Jerusalem, als wir gerade essen gehen wollten, wandte sich Andrew an mich und fragte, ob ich die 800-köpfige Anwaltskanzlei, in der ich arbeitete, verlassen wolle, um sein Geschäftspartner zu werden. Er sagte, er brauche meine Hilfe, um ein Medienunternehmen aufzubauen, um ‚die Welt zu verändern‘ ... Vielleicht war es, weil wir uns an diesem historischen Ort befanden oder weil ich durch den Mut der jüdischen Menschen im Heiligen Land mitgerissen wurde, vielleicht war es auch die Wirkung des Alkohols, aber ich sagte ‚Ja’. […] Andrew konnte wirklich überzeugend sein, um nicht zu sagen inspirierend, und ich beschloss auf der Stelle, eine wirklich gute, erfolgreiche und sichere Karriere wegzuwerfen (so die Worte meiner Mutter), um zusammen mit Andrew Breitbart ein ‚New Media‘ -Unternehmen zu gründen“

[11]

.

Im August 2010 teilte Breitbart, der 2005 zu den Mitbegründern der Huffington Post gehört hatte, Associated Press mit, dass er „sich verpflichtet fühle, die alte Medienlandschaft zu zerstören“. In Folge dieses „Pflichtgefühls“ gründete er Breitbart.com, eine Website, die zu einer Art Huffington-Post für die rechtsgerichtete Kreise werden sollte.[12]

Kurzzeitig erreichte die Seite nach der Nominierung Bannons als Berater von Donald Trump im November 2016 Platz 34 der Medienseiten der USA.[13][14] Global sprang die Seite dabei von zirka Rang 700 auf Rang 200, um danach wieder Ränge zu verlieren.[15]

Skandale, Kontroversen und Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Breitbart postete in Folge exklusiv den Anthony Weiner-Sex-Skandal und veröffentlichte Videos, deren Inhalte die Direktorin der Abteilung für Rural Development (ländliche Entwicklung) in Georgia im amerikanischen Landwirtschaftsministerium Shirley Sherrod zwangen, im Jahre 2010 von ihrem Posten zurückzutreten.

Des Weiteren veröffentlichte er auf seiner Website die von konservativen Aktivisten bei ACORN (Association of Community Organizations for Reform Now) heimlich aufgenommenen Videos, die diese Organisation durch negative Publicity in öffentlichen Misskredit bringen sollten und auch brachten. Trotz dann folgender Untersuchungen von unabhängiger Seite, nach denen sich die erhobenen Anschuldigungen gegen ACORN als haltlos erwiesen, strich der US-Kongress Fördergelder, private Spenden versiegten, so dass ACORN 2010 die Arbeit einstellen musste.

„Friends of Hamas“-Kampagne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. Januar 2013 nominierte Präsident Obama den vormaligen republikanischen Senator von Nebraska, Chuck Hagel, für den Posten des Verteidigungsministers. Darauf gab es aus rechtsgerichteten Medienkreisen Berichte über Hagels angebliche Verbindungen zu anti-israelischen Interessenorganisationen.

Am 7. Februar 2013 veröffentlichte Ben Shapiro, der damalige Editor-at-Large von Breitbart News, auf Breitbart.com einen Artikel in dem er behauptete, Chuck Hagel würde von einer Gruppe mit dem Namen „Friends of Hamas“ gesponsert.[16] Breitbart.com teilte mit, der Artikel basiere exklusiv auf Quellen des Senats.[17][18] Recherchen von Slate-(und Washington Post)-Reporter David Weigel deckten dann zwar auf, dass diese ominöse Gruppe „Friends of Hamas“ gar nicht existierte. Trotzdem wurde der Fake weiterverbreitet.[19][20][21] Der Artikel wurde in Folge von anderen rechtsgerichteten und konservativen Medien, wie RedState, The Right Scoop[22] National Review, Washington Times und PJ Media sowie pro-israelisch Nachrichten, wie etwa Arutz Scheva[23] und The Algemeiner Journal veröffentlicht.[24][25]

Am 20. Februar 2013 enthüllte der New York Daily News-Reporter Dan Friedman dann, dass die „exklusive Quelle“ der Breitbart-Story vermutlich eine scherzhafte provokative Bemerkung von ihm war, die er gegenüber einem republikanischen Kongress-Mitarbeiter (einem seiner Informanten) in einem Gespräch hatte fallen lassen.[26] Friedman hatte den Kongress-Mitarbeiter/seinen Informanten am 6. Februar 2013 angerufen, um herausfinden, ob irgendetwas Wahres an den von Hagel-Feinden verbreiteten Gerüchten sei. „Friends of Hamas“ war eine von mehreren frei erfundenen Gruppennamen (u.a. nannte er auch „Junior Legue of Hezbollah“), die Friedman in seinem Gespräch mit besagten Kongress-Mitarbeiter eingeworfen hatte, um mit solchen Provokationen herauszubekommen, ob Chuck Hagel denn nun wirklich anti-israelisch gehandelt hatte. Die von Friedman genannten Gruppennamen waren allerdings völlig fiktiv und auch so unglaubwürdig und übertrieben, dass der Kongress-Mitarbeiter eigentlich zweifelsfrei hätte erkennen können, dass sie von Friedman frei erfunden waren. Friedman schickte nachfolgend auch noch eine E-Mail an o.g. Kongress-Mitarbeiter, in der er (wieder provokativ) anfragte, ob Hagel $ 25.000 für seine Rede von „Friends of Hamas“ erhalten hätte. Er bekam keine Antwort.

Der Kongress-Mitarbeiter nahm Friedmans Provokationen aber wider Erwarten offenbar für bare Münze, sprach darüber mit einigen seiner Kollegen, wodurch es schließlich an rechtsgerichtete Medien – u.a. Breitbart.com - weitergeleitet wurde.[27] Schon einen Tag später, am 7. Februar 2013, erschien dann auf Breitbart.com ein Artikel mit dem Titel: „Secret Hagel Donor? White House Spox Ducks Question on ‚Friends of Hamas’“ („Heimlicher Geldgeber Hagel? Pressesprecher des Weissen Hauses unterdrückt Frage nach ‚Friends of Hamas‘“), in dem der offensichtliche Scherz eines Journalisten (Ben Friedman) dazu benutzt wurde, um eine smear campaign (Hetzkampagne) gegen Chuck Hagel in Gang zu setzen.

Nachdem von Slate/David Weigel dann aufgedeckt worden war, dass es sich bei „Friends of Hamas“ um ein reines Luftgebilde handelte, ruderte Breitbart.com aber nicht zurück, sondern schrieb, dass die Story der Wahrheit entspräche, und veröffentlichte weitere Artikel, mit denen die Website verteidigt und Slate/David Weigel und Dan Friedman angegriffen wurden. Journalisten der Washington Post, des New York Magazine und des The Daily Beast hingegen kritisierten Breitbart.com für die „Friends of Hamas“-Story und der Nachrichtensender MSNBC fragte: „Wie um alles auf der Welt kamen Konservative auf diese Dämlichkeit? Also, wirklich, ‚Freunde der Hamas‘? Leben wir in einem armseligen republikanischen Comic?[28]

Falsche Berichterstattung über Vorfälle in der Silvesternacht in Dortmund 2016/2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 3. Januar 2017 schrieb Virginia Hale für Breitbart, dass an der Neujahrsfeier in Dortmund ein Mob von mehr als 1000 Männern ‘Allahu Akbar’ gesungen, Feuerwerk gegen die Polizei abgefeuert und eine historische Kirche in Brand gesetzt hätte.[29] Mehrere andere Medien recherchierten, dass der Bericht Faktenfehler enthielt:[30] Die Kirche stand nicht in Flammen, die 1000 Menschen waren mehrheitlich nichtmuslimische Einwohner, die Polizei wurde nicht attackiert.[31] Dem Bericht wurde die Intention zugeschrieben, zu suggerieren, dass in Deutschland chaotische, bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten, die durch Islamisten verursacht worden seien.[32]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b James Rainey: Breitbart.com sets sights on ruling the conservative conversation. In: Los Angeles Times. 1. August 2012, ISSN 0458-3035 (latimes.com [abgerufen am 8. Oktober 2015]).
  2. David Freedlander: Chuck Hagel, Friend of Hamas? How the Right-Wing Press Got It Way Wrong. In: thedailybeast.com. The Daily Beast, 20. Februar 2013, abgerufen am 1. Mai 2016.
  3. This Man Is the Most Dangerous Political Operative in America. In: bloomberg.com. Bloomberg.com, abgerufen am 8. Oktober 2015.
  4. Breitbart.com: Donald Trumps wichtiger medialer Rückhalt |. In: stern.de. 11. November 2016 (stern.de [abgerufen am 26. November 2016]).
  5. Donald Trump: "Breitbart News" will expandieren. In: Die Zeit. 10. November 2016, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 26. November 2016]).
  6. STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H.: "Breitbart": Rechtes Portal mit Draht zu Trump. In: derStandard.at. (derstandard.at [abgerufen am 26. November 2016]).
  7. afp: Establishment gegen Populismus. In: FAZ.net. 14. November 2016, abgerufen am 14. November 2016.
  8. Emily Flitter: Exclusive: Riding Trump wave, Breitbart News plans U.S., European expansion. In: reuters.com, 9. November 2016.
  9. Clara Ott: „Breitbart News“: Expansionspläne in Deutschland und Frankreich. In: welt.de. 10. November 2016, abgerufen am 6. Januar 2017.
  10. Conor Friedersdorf: Breitbart.com Struggles With the Contradictions of Its Namesake. In: theatlantic.com. 1. November 2012, abgerufen am 6. Januar 2017 (englisch).
  11. a b Breitbart News Network: Born In The USA, Conceived In Israel. In: breitbart.com. 17. November 2015, abgerufen am 6. Januar 2017 (englisch).
  12. James Rainey: Breitbart.com sets sights on ruling the conservative conversation. In: articles.latimes.com. 1. Juni 2012, abgerufen am 6. Januar 2017 (englisch).
  13. Fabian Leber: „Breitbart News“ und die AfD: Trumps Haus- und Hofmedium will die AfD unterstützen. In: tagesspiegel.de. 11. November 2016, abgerufen am 27. Dezember 2016.
  14. Johannes Schmitt-Tegge: Im US-Wahlkampf geben mächtige Blogger den Ton an. In: Rheinische Post. 14. Oktober 2014, abgerufen am 2. Juni 2016.
  15. breitbart.com Traffic Statistics. Alexa.com, 27. Dezember 2016, abgerufen am 27. Dezember 2016.
  16. Breitbart.com 7. Februar 2013: Secret Hagel Donor? White House Spox Ducks Question on ‚Friends of Hamas’
  17. The Daily Beast 20. Februar 2013: Chuck Hagel, Friend of Hamas? How the Right-Wing Press Got It Way Wrong
  18. Rawstory 20. Februar 2016: How Breitbart.com turned ‘Friends of Hamas’ joke into a right-wing firestorm
  19. Slate 24. Januar 2013: "Friends of Hamas": The Scary-Sounding Pro-Hagel Group That Doesn't Actually Exist
  20. Slate 20. Februar 2013: "Friends of Hamas" Revisited
  21. The Daily Beast 20. Februar 2013: Oops! Chuck Hagel, Friend of Hamas? How the Right-Wing Press Got It Way Wrong
  22. The Right Scoop 7. Februar 2013: Hagel receive funding from group called “Friends of Hamas”?
  23. Arutz Sheva/Israel National News 10. Februar 2013: Report: Hagel Receiving Donations From 'Friends of Hamas'
  24. Hugh Hewitt 8. Februar 2013: Rand Paul on Chuck Hagel & John Brennan nominations
  25. New York Magazine 20. Februar 2013: How the Made-up ‘Friends of Hamas’ Became a Right-Wing Boogeyman
  26. New York Daily News 20. Februar 2013: 'Friends of Hamas': My role in the birth of a rumor
  27. The Wire 20. Februar 2013: 'Friends of Hamas' Rumor Debunked by Reporter Who Accidentally Started It
  28. MSNBC 20. Februar 2013: Friends of Hamas – The Origin Story
  29. Virginia Hale: NYE in Dortmund: 1000-Man Mob Attack Police, Set Church Alight (en-US). In: Breitbart, 3. Januar 2017. 
  30. No Breitbart, a Muslim mob didn't set fire to Germany's oldest church. 5. Januar 2017. 
  31. Fake News - Wie "Breitbart" Fakten verdreht und einen Mob marodieren lässt (de-DE). In: Deutschlandfunk. 
  32. German police quash Breitbart story of mob setting fire to Dortmund church (en-GB). In: The Guardian, 7. Januar 2017.