Adolfo Suárez

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Adolfo Suárez (1978)
Firma de Adolfo Suárez.svg

Adolfo Suárez González, 1. Herzog von Suárez (* 25. September 1932 in Cebreros, Provinz Ávila; † 23. März 2014 in Madrid[1]) war ein spanischer Politiker und der erste demokratisch gewählte Ministerpräsident Spaniens nach dem Tod des Diktators Francisco Franco. Er war, eingesetzt und beauftragt von König Juan Carlos I., der Hauptbetreiber der Demokratisierung Spaniens. Im Januar 1981 trat er zurück.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit und frühe Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adolfo Suárez (1979)
Wappen von Adolfo Suárez González, 1. Herzog von Suárez

Suárez, Sohn eines Rechtsanwaltes, stammte aus einer bürgerlichen Familie.[3] Er begann ein Studium an der Universität Salamanca Rechtswissenschaften, studierte nicht ohne Schwierigkeiten[4] und promovierte an der Universität Complutense Madrid. Unter der Protektion von Fernando Herrero Tejedor, dem zivilen Gouverneur von Ávila, diente Suárez 18 Jahre der francistischen Einheitspartei Falange in verschiedensten Verwendungen. Als Mitglied der Katholischen Aktion war er überdies mit dem einflussreichen katholisch-konservativen Opus Dei vernetzt. Seit 1958 stieg er im Generalsekretariat des Movimiento Nacional (Nationale Bewegung) auf, war ab 1961 war er Chef des technischen Kabinetts des Generalvizesekretariats, wurde 1967 Mitglied des franquistischen Cortes für Ávila, von 1968 bis 1969 Zivilgouverneur von Segovia, von 1969 bis 1973 Generaldirektor für Rundfunk und Fernsehen, wo er seit 1964 eine Beschäftigung hatte, und ab 1973 Präsident des Verwaltungsrates der staatlichen Tourismusorganisation. Im April 1975 wurde er von Herrero Tejedor zum Vizegeneralsekretär der Bewegung nominiert. Als dieser am 11. Dezember 1975 bei einem Autounfall starb, wurde Suárez zum Generalsekretär der Bewegung berufen. Bis zum Tode Francos im November 1975 gehörte er dem ersten Kabinett Carlos Arias Navarro als Staatssekretär für die Nationale Bewegung an. Nach dem Tode Francos trat Suárez zurück und gründete die Unión del Pueblo Español (UPE, Union des Spanischen Volkes).[5]

Transición[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1976 nötigte König Juan Carlos I. Carlos Arias Navarro (Ministerpräsident seit der Jahreswende 1973/74) zum Rücktritt. Am 3. Juli wurde Suárez vom König mit der Regierungsbildung beauftragt. Zu dieser Zeit war Suárez den meisten Spaniern unbekannt, und von denen, die Hoffnung auf demokratische Reformen hegten, wegen seiner Karriere im francistischen Apparat abgelehnt. Suárez, erst 43 Jahre alt, bewies einiges Geschick darin, eine Gruppe von Politikern seiner Generation um sich zu scharen, die ihre demokratischen Überzeugungen auf verschiedenen Wegen kundgetan hatten.[6] Gemeinsam mit anderen konvertierten Falangisten, die sich den Sozialdemokraten, Liberalen, Christdemokraten etc. anschlossen, beseitigte er zwischen 1976 und 1979 das franquistische Regime, wobei es ihm gelang, beide Seiten zu überzeugen: Einerseits skeptische Francisten von der Notwendigkeit demokratischer Reformen, andererseits demokratische und linke Kräfte auf den Verzicht zur Abrechnung mit den Gewinnern des Bürgerkrieges. Zu diesen Aufgaben zählte u. a. die Selbstauflösung der franquistischen Cortes und Ersetzung durch ein demokratisch gewähltes Zweikammerparlament, die mit Unterstützung von Torcuato Fernández-Miranda und dem "Gesetz über die politische Reform" im November 1976 bestätigt wurde. Dies, und die Zulassung der politischen Parteien einschließlich der Kommunistischen Partei (PCE)[7] und Gewerkschaften, vorangetrieben und von einem Referendum im Dezember 1976 (Ley para la Reforma Política) mit einer Mehrheit von 95 % der abgegebenen Stimmen bestätigt, brachte ihm den Respekt der demokratischen Kräfte ein. Generalleutnant Manuel Gutiérrez Mellado wurde als Vizepräsident die Rolle zugewiesen, das Offizierskorps, soweit möglich, zu kontrollieren. Dieses war noch zu großen Teilen aus Teilnehmern des Bürgerkrieges zusammengesetzt, die das franquistische Regime befürworteten und unter einer demokratischen Regierung einen Linksruck und den Zerfall Spaniens befürchteten.

Demokratie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. Juni 1977 wählte Spanien zum ersten Mal seit 1936 in freien allgemeinen Wahlen. Suárez gewann sie an der Spitze eines Wahlbündnisses konservativ-liberaler Ausrichtung, das sich Unión de Centro Democrático (UCD, Union des Demokratischen Zentrums) nannte und um seine Person scharte. Im Juli 1977 bildete Suárez bereits eine Regierung aus Fachleuten seiner Partei und Parteilosen. Die Cortes, die aus dieser Wahl hervorging, wurde zu einer Verfassunggebenden Versammlung. Die dort beschlossene Verfassung nahm das Volk in einem Referendum am 6. Dezember 1978 an. Gleichzeitig begann er mit der Regionalisierung des durch Franco zentralisierten spanischen Staates, beginnend mit den Autonomiestatuten für Katalonien und das Baskenland, und legte ein Programm zur Sanierung der Wirtschaft und Steigerung der Steuergerechtigkeit vor. 1978 wurde Suárez auch Vorsitzender der UCD, gewann die nationalen Parlamentswahlen am 3. März 1979 zum zweiten Mal und blieb Regierungschef bis zum 29. Januar 1981. An diesem Tag trat er wegen wachsender Spannungen in seiner eigenen Partei und angesichts der großen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Probleme (die ihren Höhepunkt im Putschversuch vom 23. Februar 1981 fanden) zurück; Leopoldo Calvo-Sotelo Bustelo wurde zu seinem Nachfolger bestimmt und sollte am 23. Februar vom Parlament gewählt werden. In seiner Botschaft an sein Land sagte er: „Ich möchte nicht, dass das demokratische System des Zusammenlebens noch einmal zu einem Bruch in der Geschichte Spaniens führt“, was eine Anspielung auf den spanischen Bürgerkrieg war.

Als die Putschisten im Parlament Schüsse abfeuerten und den Abgeordneten befahlen, sich auf den Boden zu legen, bewies er, noch geschäftsführender Regierungschef, beispielhaft Haltung für die Demokratie, indem er, als einer von drei Abgeordneten, sich den Putschisten widersetzte, an seinem Pult sitzen blieb und versuchte, Vizepräsident Manuel Gutiérrez Mellado zu beruhigen, der sich den Putschisten in den Weg gestellt hatte.

Rückzug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Woche nach seinem Rücktritt als Regierungschef trat Suárez auch als Parteichef zurück und wurde als Wirtschaftsanwalt tätig. Im Juli 1982 trat er aus der UCD aus und legte sein Parlamentsmandat nieder. Er gründete eine neue Gruppierung namens Centro Democrático y Social (CDS), die ihn am 5. Oktober 1982 zu ihrem Vorsitzenden wählte und in der Mitte links der UCD angesiedelt war. Doch der dreiwöchige Wahlkampf bis zur Parlamentswahl, bei dem die Auseinandersetzung um den Verbleib in der NATO dominierte, für den sich Suárez einsetzte, reichte nicht, denn die CDS erlangte landesweit nur 2,8 % und damit zwei Sitze in der Cortes. Seitdem arbeitete er weiterhin an einem Comeback in der Politik, das ihm jedoch nicht mehr gelang.

Letzte Jahre und Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kathedrale von Ávila, Grab von Adolfo Suárez

1991 zog er sich aus politischen und familiären Gründen aus der Politik zurück. Im Jahre 2005 gab sein Sohn bekannt, dass Adolfo Suárez seit zwei Jahren an Demenz leide und die Krankheit bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht habe. Am 17. März 2014 wurde Suárez wegen einer Infektion der Atemwege in ein Madrider Krankenhaus gebracht. Am 23. März 2014 erlag er schließlich dieser Krankheit. Suárez erhielt ein Staatsbegräbnis und wurde nach dreitätiger Staatstrauer im Kreuzgang der Kathedrale von Ávila bestattet.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1996 erhielt er für seinen wichtigen Beitrag zur Transición, zum spanischen Übergang zur Demokratie, den Premio Príncipe de Asturias de la Concordia, den Prinz-von-Asturien-Preis für Eintracht des spanischen Kronprinzen. Der spanische König erhob ihn zum Herzog und ernannte ihn 2007 zum Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies, wobei er den schwer an Demenz Erkrankten auch persönlich besuchte. Adolfo Suárez erhielt auch eine Reihe von Ehrendoktorwürden, unter anderem im Jahre 1998 durch die Polytechnische Universität Valencia.

Im Februar 2009 gab es Überlegungen, den Flughafen Madrid-Barajas zu Ehren von Adolfo Suárez in Aeropuerto Adolfo Suárez umzubenennen,[8] was am Tag nach Suárez’ Tod umgesetzt wurde.[9]

Postum erhielt Suárez am 24. März 2014 den Karl III.-Orden in seiner höchsten Stufe (die höchste zivile Auszeichnung, die in Spanien vergeben wird).

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Ehefrau Amparo Illana Elórtegui und seine ältere Tochter Marian Suárez Illana starben 2001 bzw. 2004 an Krebs. Seine zweite Tochter Sonsoles Suárez Illana wurde Fernsehnachrichten-Anchor der Antena 3. Sein Sohn Adolfo Suárez Illana wurde von José María Aznar zum Kandidaten des Partido Popular (PP) für das Amt des Präsidenten der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-La Mancha vorgeschlagen, doch unterlag er dem Amtsinhaber José Bono des Partido Socialista Obrero Español (PSOE). Suárez hatte eine Schwester namens Laura und einen Bruder namens Javier.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Adolfo Suárez – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Adolfo Suarez dies, steered Spain out of post-Franco turmoil
  2. [1] welt.de, 23. März 2014, abgerufen am 16. Mai 2018
  3. Raphael Minder: A. Suarez Dies at 81; Led Spain Back to Democracy. nytimes.com, 23. März 2014, abgerufen am 23. März 2014
  4. Javier Cercas: Anatomie eines Augenblicks: Die Nacht, in der Spaniens Demokratie gerettet wurde, 2011
  5. Walther L. Bernecker : Geschichte Spaniens im 20. Jahrhundert, 2010
  6. Welch ein Irrtum; Der Spiegel 3/1977, S. 80–81
  7. Ex-Regierungschef Adolfo Suárez gestorben. spiegel.de, 23. März 2014, abgerufen am 23. März 2013
  8. ABC.es: Bericht über Umbenennungs-Diskussion in Aeropuerto Suárez, Nachricht vom 10. Februar 2009
  9. El aeropuerto de Madrid-Barajas pasará a denominarse Adolfo Suárez, Madrid-Barajas (Memento des Originals vom 24. März 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.fomento.gob.es. Ministerio de Formento, 24. März 2014, abgerufen am 25. März 2014
VorgängerAmtNachfolger
Fernando de Santiago y Díaz de MendívilMinisterpräsident Spaniens
1976–1981
Leopoldo Calvo-Sotelo