Albert Schindehütte

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Albert Schindehütte, genannt Ali, (* 27. Juni 1939 in Kassel) ist ein deutscher Grafiker, Zeichner, Illustrator, Dekorateur und Dekorationskünstler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albert Schindehütte wurde in Kassel geboren und wuchs in Breitenbach in der Gemeinde Schauenburg auf. Die Eltern von Albert Schindehütte betrieben in Breitenbach eine Gaststätte und eine Metzgerei. Albert Schindehütte verließ die Mittelschule um eine Schaufenstergestalterlehre in Kassel zu beginnen, die er jedoch vorzeitig abbrach. Anschließend versuchte er als Matrose in Hamburg anzuheuern, entschloss sich jedoch anderweilig und begann sein Grafikstudium in Kassel. Er studierte von 1956 bis 1959 an der Werkkunstschule Kassel Gebrauchsgrafik. 1959 kuratierte Karl Oskar Blase Albert Schindehüttes erste Ausstellung in seiner Galerie „Archiv“ in Kassel. 1961 gründete er zusammen mit Christian Chruxin, Dieter Lübeck, Arno Waldschmidt und Fridjof Werner die Künstlergruppe „situationen 60“. Die Gruppe eröffnete eine Galerie, die jedoch nach einem Tag wieder geschlossen wurde.

Umzug nach Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1961 zog Albert Schindehütte nach Berlin um und umging somit die allgemeine Wehrpflicht. Mit Gelegenheitsarbeiten schlug er sich in Berlin-Kreuzberg durch. Er gestaltete Buchcover, oder hin und wieder eine Illustration für den "Tagesspiegel".

Gründung der Werkstatt Rixdorfer Drucke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1963 gründete er zunächst in Berlin unter dem Patrinat des Poeten Günter Bruno Fuchs mit Uwe Bremer, Johannes Vennekamp und Arno Waldschmidt die Werkstatt Rixdorfer Drucke. Zum Künstlerzusammenschluss sagte Albert Schindehütte ironisch: Es war Liebe auf den ersten Schluck.[1]

Die Werkstatt Rixdorfer Drucke zog 1974 von Berlin nach Gümse ins Wendland um.

Umzug nach Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schindehütte zog jedoch nicht mit, sondern ging Anfang der 70er Jahre nach Hamburg. Albert Schindehütte heiratete dort die Hamburger Grafikerin Katinka Niederstrasser, mit der er die Liebespaar-"Paarodien" herausbrachte und lebt seit Mitte der 70er Jahre mit der Journalistin Bigs Möller zusammen. Mit Bigs Möller hat Albert Schindehütte zwei Kinder. 1980 illustriere Albert Schindehütte von Peter Rühmkorf den Gedichtsband „Auf Wiedersehen in Kenilworth : ein Märchen in dreizehn Kapiteln“ mit Zeichnungen.

Wiederentdeckung der Heimat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1997 begründete er die Schauenburger Märchenwache in Breitenbach. Die Märchenwache ist den Kinder-und Hausmärchen-Erzählern der Gebrüder Grimm, dem verabschiedeten Dragonerwachtmeister Johann Friedrich Krause, mit dem Albert Schindehütte entfernt verwandt ist, und der Hanauer Demoiselle Marie Hassenpflug, die im nahen Hoof einen von Dalwigk heiratete, gewidmet. Am 29. April 2009 erhielt Albert Schindehütte den Hessischen Verdienstorden. Albert Schindehütte gestaltet für jeden 1. Bundesligaaufstieg des FC St. Pauli einen Holzschnitt. 2010 überreichte er einen Abzug persönlich an Uli Hoeneß. Das Buch "Marie Hassenpflug. Eine Märchenerzählerin der Brüder Grimm" erschien 2013 mit sechs farbigen Zeichnungen von Albert Schindehütte. Albert Schindehütte illustrierte 2014 das von Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz herausgegebene Buch "Ludwig Emil Grimm - Lebenserinnerungen des Malerbruders". Mit dem Fotografen Michael Zapf, der zahlreiche seiner Werke dokumentierte verbindet Albert Schindehütte eine langjährige Freundschaft.

Heute lebt und arbeitet er in dem Hamburger Stadtteil Övelgönne am Ufer der Elbe und in Breitenbach.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Œuvre umfasst Zeichnungen, Radierungen, Holzschnitte und Lithographien. Schindehütte hat zahlreiche Bücher illustriert und sich mehrfach von literarischen und kunsthistorischen romantischen sowie politischen oder groteskem Humor behafteten Themen zugewendet. Zudem entwirft er Etiketten für eine Schaumburger Apfelschaumweinkellerei und arbeitet als Dekorateur.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2014 Radsherrn und Pedaleure. Die Draisinen des Ali Schindehütte, Museum der Arbeit, Hamburg
  • 2014 Der Raben Wunderhorn, Fabrik der Künste, Hamburg
  • 2014 Neue Galerie, Kassel
  • 2013 50 Jahre Werkstatt Rixdorfer Drucke, Haus am Lützowplatz, Berlin
  • 2012 "Kreuz-Burger" international bekannte Berliner Handpressen, Foyer des Wiesbadener Rathauses
  • 1982 Deutsche Radierer der Gegenwart. Kunsthalle Darmstadt
  • 1959 Archiv von Karl Oskar Blase, Kassel

Buchillustrationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Album für Alice. Eine Huldigung an Lewis Carroll. Hoffmann und Campe, Hamburg 1993, ISBN 3-455-06499-X.
  • "Ludwig Emil Grimm - Lebenserinnerungen des Malerbruders", Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz (Herausgeber), 2015

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 Victor Otto Stomps-Preis der Landeshauptstadt Mainz

Werke in Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grimms Welten, Kassel
  • Brüder Grimm Museum, Kassel
  • Neue Galerie, Kassel
  • Kunstsammlung der Veste Coburg

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelmi, 1996
  • J. Kruse: Von Menzel bis Beuys . Aus dem Kpst.-Kabinett der Kunstsammlung der Veste Coburg (K). Coburg, 1992
  • Dorit Marhenke (Redaktion): Deutsche Radierer der Gegenwart. Kunsthalle Darmstadt, 12.9. – 31.10.1982. Athenäum, Königstein/Taunus. 1982, ISBN 3-7610-8121-9, S. 144f.
  • Gesammelte Werk : „Zeichnungen, Holzschnitte, Radierungen und Lithographien von Albert Schindehüttein den Räumen seiner Sammler in Kassel Stadt und Land aufgenommen von Michael Zapf“, Edition Des Raben Wunderhorn c/o Boxan, ISBN 978-3-945042-03-8
  • Hansgeorg Dickmann; Wolf Ponne: Die vier Rixdorfer: „Die Zeit“ vom 11. Dezember 1970
  • Werkstatt Rixdorfer Drucke. Ausstellungsbuch, Herausgegeben von Günter Bruno Fuchs unter Mitarbeit von Uwe Bremer, Albert Schindehütte, Johannes Vennekamp, Arno Waldschmidt. Werkstatt Rixdorfer Drucke, 1965

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hamburger Abendblatt vom 1. Februar 2013 - Artikel bei Nexis, abgerufen am 28. April 2016 aus dem Hamburger Abendblatt