Alibi (1955)

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Filmdaten
Originaltitel Alibi
Alibi 1955 Logo 001.svg
Produktionsland Bundesrepublik Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1955
Länge 109[1] Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Alfred Weidenmann
Drehbuch Herbert Reinecker
Produktion Friedrich A. Mainz
Fama-Film
Musik Hans-Martin Majewski
Kamera Helmuth Ashley
Schnitt Carl Otto Bartning
Besetzung

Alibi ist ein deutscher Kriminalfilm des Regisseurs Alfred Weidenmann. Der Schwarzweißfilm nach einem Drehbuch von Herbert Reinecker wurde von Friedrich A. Mainz produziert und im Herbst 1955 in Hamburg und West-Berlin gedreht. In Österreich lief der Film auch unter dem Verleihtitel Kein Alibi. Die Hauptrollen sind mit O. E. Hasse, Martin Held, Hardy Krüger und Eva-Ingeborg Scholz besetzt.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Chefreporter des EXPRESS berichtet Peter Hansen von den Brennpunkten, die die Welt bewegen. Gerade entwickelt er eine Serie zu den sensationellen Atomwaffentests der Amerikaner. Auch der Lokalreporter Roland ist in heller Aufregung. Die Frau des bekannten Wissenschaftlers Dr. Overbeck wurde ermordet. Roland hat die Verhaftung des mutmaßlichen Täters selbst miterlebt. Aber Chefredakteur Hansen, der für lokale Ereignisse wenig übrig hat, gibt ihm dafür nur zehn Zeilen. Schon kurze Zeit später ist Hansen abermals unterwegs, auf der Suche nach neuen Sensationen.

Als Hansen nach Monaten nach Hamburg zurückkehrt, findet er in seiner Post eine gerichtliche Vorladung als Geschworener im Mordprozess Overbeck. Angeklagt ist Harald Meinhardt. Der junge Mann war der Geliebte der wohlhabenden Frau. Als Gelegenheitsarbeiter und elternloser Flüchtling glaubte er wohl, in Frau Overbeck die Liebe seines Lebens gefunden zu haben. Ihr Mann, der Wissenschaftler Dr. Overbeck, hat von dem Verhältnis erfahren. Nach einer Auseinandersetzung mit Meinhardt und einer letzten Unterredung zwischen dem Liebespaar wurde Frau Overbeck ermordet aufgefunden. Der Indizienbeweis gegen Meinhardt scheint eindeutig. Obwohl er die Tat leugnet, wird er zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt.

Hansen, der inzwischen seine Arbeit als Sensationsreporter hinterfragt, hat als einziger Geschworener gegen das Urteil gestimmt. Er glaubt an die Unschuld Meinhardts und beginnt sogar, eigene Untersuchen anzustellen. Als er sich offen für ein Wiederaufnahmeverfahren einsetzt und auch darüber berichtet, gerät er in Konflikt mit seinem Verlag. Als Hansen aber weitere Beweise findet, kann er im EXPRESS eine Pressekampagne starten, die zur Auffindung des tatsächlichen Mörders führt: Dr. Overbeck. Für Harald Meinhardt öffnen sich die Tore des Zuchthauses.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Regisseur Alfred Weidenmann hatte 1954 in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Friedrich A. Mainz und dem Drehbuchautor Herbert Reinecker den erfolgreichen Film Canaris realisiert. Nach diesem im Zweiten Weltkrieg spielenden Spionagefilm hatten Weidenmann und Reinecker nunmehr die Idee, einen Film zu verwirklichen, der sich aktuellen Zeitfragen widmet. Das Drehbuch fand abermals den Gefallen von Friedrich A. Mainz, der schließlich einen bis in kleine Nebenrollen erstklassig besetzten Kriminalfilm plante, der sich mit internationalen Produktionen messen konnte.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowohl bei der Wahl der Hauptdarsteller als auch beim technischen Stab griff man auf ein Team zurück, mit dem der Regisseur bereits erfolgreich zusammengearbeitet hatte. Neben O. E. Hasse und Martin Held aus Canaris war dies insbesondere Hardy Krüger, der 1943 für Weidenmanns NS-Film Junge Adler entdeckt wurde und seitdem in mehreren Filmen des Regisseurs mitgewirkt hatte.

Die Dreharbeiten fanden im Herbst 1955 in Hamburg und West-Berlin statt. Die Atelieraufnahmen drehte man in den Ufa-Filmstudios in Berlin-Tempelhof. Für das Szenenbild war der Filmarchitekt Rolf Zehetbauer verantwortlich. Als Chef-Kameramann verpflichtete man Helmuth Ashley und als Schnittmeister Carl Otto Bartning.

Noch vor Fertigstellung des Films wurde ein Ministerialrat namens Sauer auf Reineckers Drehbuch aufmerksam und sah darin eine Verächtlichmachung der Justiz. Der Beamte forderte den damaligen Bundesminister für Justiz Fritz Neumayer sogar dazu auf, die Produktionskredite zu sperren. Der Produzent Friedrich A. Mainz erfuhr erst über Umwege von dem letztlich gescheiterten Bemühungen, die Produktion des Films zu stoppen. Die entsprechende Berichterstattung über den Vorfall, unter anderem in der Zeitschrift Neue Illustrierte, sorgte stattdessen für einen ungewollten Werbeeffekt.[2]

Filmmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Filmmusik wurde von Hans-Martin Majewski komponiert. Ein Auszug des Soundtracks (Titelmusik/Reeperbahnfahrt/Szenenmusik) ist im Jahr 2003 auf CD erschienen.[3]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die FSK gab den Film ab 16 Jahren frei. Am 30. Dezember 1955 erfolgte die Uraufführung im Theater am Aegi in Hannover. Die erste Ausstrahlung im Fernsehen erfolgte am 6. März 1971 im ZDF. Am 4. April 2008 ist der Film bei Kinowelt Home Entertainment auf DVD erschienen.[4]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„[…] Der Regisseur Weidenmann bringt es immer wieder fertig, in dem oft vorgezeichneten Ablauf des Kriminalstücks Schablonen zu meiden und statt des üblichen immer wieder das Unerwartete eintreten zu lassen. […] Halb nervenkitzelnde Kolportage – halb rechtschaffene Betulichkeit: das gibt nichts Vollkommenes, aber immerhin einen der am sorgsamsten und einfallsreichsten gemachten Unterhaltungsfilme, die jährlich von Millionen gesehen werden, ohne nachhaltigen Eindruck zu machen.“

Die Zeit, 5. Januar 1956[5]

„Die zweite Arbeit des ambitionierten „Canaris“-Teams: Drehbuchautor Herbert Reinecker, Regisseur Alfred Weidenmann, Hauptdarsteller O. E. Hasse, Martin Held. Nach dem uniformgesättigten Abwehrstoff jetzt der Griff nach einem „Problem von heute“: der „tödlichen Gleichgültigkeit gegenüber dem Menschen nebenan“, demonstriert an dem Chefreporter eines Sensationsblattes. Die Idee wird vom Drehbuch im zweiten Teil des Films mehr und mehr verschleppt, das „heiße Eisen“ („Darf man auf Grund von Indizien verurteilen?“) durch pflegliche Regiebehandlung abgekühlt. Weidenmann befreite Schauspieler von der Routinepolitur, polierte aber den dramatischen Stoff allzusehr auf „höhere Unterhaltung“.“

Der Spiegel, 18. Januar 1956[6]

„Sorgfältige Gestaltung und hervorragende Darsteller in einem recht spannenden Kriminalfilm mit sozialem Engagement.“

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutscher Filmpreis 1956

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DVD

Soundtrack

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 109 Minuten bei Kinoprojektion (24 Bilder/Sekunde), 105 Minuten bei Fernsehwiedergabe (25 Bilder/Sekunde), Filmlänge: 2979 Meter
  2. Indra Fehse: Keine Unterstützung. Justiz diskutiert über Weidenmann-Film bei filmreporter.de
  3. Hans-Martin Majewski: Deutsche Filmkomponisten Folge 10. Bear Family Records. 2003. Best-Nr. BCD 16490 AR
  4. Alibi bei filmportal.de (DVD)
  5. Erika Müller: Herz im perfekten Reißer. Zur Uraufführung des Films „Alibi“. In: Die Zeit. Nr. 1, 1956, S. 11 (zeit.de).
  6. Film: Neu in Deutschland. In: Der Spiegel. Nr. 3, 1956, S. 39 (online).
  7. Alibi. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 2. März 2017.
  8. Deutsche Filmpreise von 1951 bis heute