Alpine Skiweltmeisterschaft 1974

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Die 23. Alpine Skiweltmeisterschaft fand vom 3. bis 10. Februar 1974 in St. Moritz in der Schweiz statt.

Wahl des Austragungsortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim 28. FIS-Kongress im Mai 1971 in Opatija (auch als Abbazia bekannt) erfolgte die Nominierung von St. Moritz.[1]

Erwähnenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die WM war durch das Sonntagsfahrverbot bedroht. Die große Sorge der Veranstalter, bei dem Gian-Franco Kasper Pressesprecher war, und der dazu meinte, dass dadurch die Rennen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden würden, was eine finanzielle Katastrophe bedeuten könnte. Vor allem die sonntägigen Herren-Rennen (Slalom, Abfahrt) wären betroffen gewesen, bei denen 30.000 bis 40.000 Zuseher erwartet wurden.[2]
  • Durch starken Nebel zu Beginn der Weltmeisterschaften kam es zu Programmänderungen. Da die Herren dadurch kein Training austragen konnte, wurde deren Abfahrt vom Sonntag, 3. Februar, um sechs Tage auf Samstag, 9. Februar, verschoben - am 3. Februar fand stattdessen der Damen-Riesenslalom statt. Für eine Missstimmung sorgte aber der Umstand, dass der bereits am 1. Februar getroffene Beschluss noch vor der Mannschaftsführersitzung getroffen worden war. Für das DSV-Damenteam kam diese Vorverlegung ungünstig, da Christa Zechmeister eine Halsentzündung auskurierte und Rosi Mittermaier musste mit neuen Schuhen fahren, an die sie sich noch nicht hatte gewöhnen können. Selbst die Schweizer Teamführung musste ihre Läuferinnen telefonisch nach St. Moritz beordern[3]
  • Das Veranstalterland Schweiz erlebte eine herbe Enttäuschung, indem es nur im Damen-Slalom zu einer Bronzemedaille durch die zum damaligen Zeitpunkt unbekannte Lise-Marie Morerod reichte. Vor allem in der Herrenabfahrt waren die Erwartungen hoch gewesen, mit Rang 9 wurde das bislang schlechteste Abfahrtsresultat seit Beginn der Weltmeisterschaften 1931 (bislang Rang 8 von Hanspeter Rohr 1966 in Portillo) „erlitten“.
  • Gustav Thöni und Fabienne Serrat wurden mit je zwei Goldmedaillen die erfolgreichsten Rennläufer, wobei die Französin überhaupt erst in der Saison 1973/74 ihre ersten Siege im Weltcup hatte erringen können. Als „Überraschungen“ müssen Slalom-Gold von Hanni Wenzel, Abfahrts-Gold von David Zwilling (dazu Slalom-Silber) und Kombinations-Gold von Franz Klammer angesehen werden. - Anderseits schieden mit Roland Collombin in der Abfahrt und Christa Zechmeister im Slalom zwei Vierfach-Saisonsieger aus.
  • Von vornherein chancenlos war das französische Herrenteam nach den Eliminierungen seiner Stars im Dezember 1973, jedoch vermochte Gérard Bonnevie im Slalom zu überraschen.

Männer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Zeit
1 AUT David Zwilling 1:56,98 min
2 AUT Franz Klammer 1:58,01 min
3 LIE Willi Frommelt 1:58,16 min
4 AUT Karl Cordin 1:58,25 min
5 ITA Giuliano Besson 1:58,43 min
6 AUS Manfred Grabler 1:58,46 min
7 ITA Stefano Anzi 1:58,48 min
8 CAN Dave Murray 1:58,60 min
9 SUI Walter Vesti 1:58,61 min
- - - -
11 FRG Sepp Ferstl 1:59,49 min
12 SUI Philippe Roux 1:59,56 min
13 SUI Bernhard Russi 1:59,84 min
21 FRG Michael Veith 2:01,16 min
37 LIE Herbert Marxer 2:04,72 min
38 FRG Wolfgang Junginger 2:04,79 min

Weltmeister 1972: Bernhard Russi (SUI)
Datum: 9. Februar, 12:00 Uhr
Piste: „Piz Nair“
Länge: 3210 m, Höhenunterschied: 805 m
Tore: 26

Am Start waren 87 Läufer, 78 von ihnen erreichten das Ziel.

Ausgeschieden u.a.: Roland Collombin (SUI), Werner Grissmann (AUT), Marcello Varallo (ITA), Peter Fischer (BRD)

Franz Vogler wurde nicht berücksichtigt, obwohl er der ersten Startgruppe, also jener der besten der Welt, angehörte (statt ihm wurden Peter Fischer, Sepp Ferstl, Michael Veith und Wolfgang Junginger nominiert). Sportwart Oskar Fischer begründete dies damit, dass die Jüngeren im Training schneller waren und „frühere Verdienste können nicht mit einem Start bei der WM belohnt werden“.[4]

Riesenslalom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Sportler
1 ITA Gustav Thöni 3:07,92 min
2 AUT Hans Hinterseer 3:08,84 min
3 ITA Piero Gros 3:08,91 min
4 ITA Helmuth Schmalzl 3:10,37 min
5 SUI Engelhard Pargätzi 3:11,58 min
6 ITA Erwin Stricker 3:11,59 min
7 AUT Josef Pechtl 3:12,39 min
8 FRG Max Rieger 3:12,51 min
- - - -
10 AUT Franz Klammer 3:13,89 min
11 FRG Sepp Heckelmiller 3:13,91 min
12 FRG Wolfgang Junginger 3:14,79 min
19 SUI Walter Tresch 3:19,32 min
26 LIE Herbert Marxer 3:12,51 min
36 LIE Andreas Wenzel 3:31,36 min

Weltmeister 1972: Gustav Thöni (ITA)
Datum: 5. Februar, 09:30 Uhr (1. Lauf), 13:00 Uhr (2. Lauf)
Piste: „Corvatsch“
Länge: 1290 m, Höhenunterschied: 405 m
Tore: 65 (1. Lauf), 66 (2. Lauf)

Am Start waren 117 Läufer, 68 von ihnen erreichten das Ziel.

Ausgeschieden u.a.: Edmund Bruggmann (SUI), Manfred Grabler (AUS), Willi Frommelt (LIE), Erik Håker (NOR), Bojan Križaj (YUG), Werner Mattle (SUI), Hans-Jörg Schlager (FRG), Stig Strand (SWE), David Zwilling (AUT)

Slalom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Zeit
1 ITA Gustav Thöni 1:49,98 min
2 AUT David Zwilling 1:50,76 min
3 ESP Francisco Fernández Ochoa 1:51,56 min
4 FRA Gérard Bonnevie 1:52,24 min
5 SUI Walter Tresch 1:52,63 min
6 SWE Gudmund Söderin 1:54,88 min
7 POL Andrzej Bachleda-Curuś 1:55,66 min
8 FRG Wolfgang Junginger 1:55,72 min
- - - -
20 AUT Franz Klammer 1:59,31 min

Weltmeister 1972: Francisco Fernández Ochoa (ESP)
Datum: 10. Februar, 09:00 Uhr (1. Lauf), 12:00 Uhr (2. Lauf)
Länge: 615 m, Höhenunterschied: 225 m
Tore: 65 (1. Lauf), 66 (2. Lauf)

Vorerst schien Hans Hinterseer (AUT) auf dem Bronzerang auf, doch wurde er bei einer nachträglichen Feststellung eines Torfehlers disqualifiziert

Am Start waren 114 Läufer, 42 von ihnen erreichten das Ziel.

Ausgeschieden u.a.: Willi Frommelt (LIE), Heini Hemmi (SUI), Piero Gros (ITA), Johann Kniewasser (AUT), Christian Neureuther (FRG), Fausto Radici (ITA), Max Rieger (FRG), Hans-Jörg Schlager (FRG), Ingemar Stenmark (SWE) Disqualifikation: Hans Hinterseer (AUT)

Kombination[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportler Punkte
1 AUT Franz Klammer 67,88
2 POL Andrzej Bachleda-Curuś 78,35
3 FRG Wolfgang Junginger 89,01
4 TCH Miloslav Sochor 127,07
5 FIN Seppo Leppaniemi 151,84
6 POL Maciej Gąsienica 156,38
7 YUG Dušan Gorišek 161,72
8 POL Roman Dereziński 162,42

Weltmeister 1972: Gustav Thöni (ITA)
Am Start waren 117 Läufer, 15 von ihnen klassierten sich. Die Positionen wurden nach einem Punktesystem aus den Ergebnissen der Abfahrt, des Riesenslaloms und des Slaloms ermittelt.

Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportlerin Zeit
1 AUT Annemarie Moser-Pröll 1:50,84 min
2 CAN Betsy Clifford 1:51,78 min
3 AUT Wiltrud Drexel 1:52,15 min
4 AUT Monika Kaserer 1:52,40 min
5 SUI Marie-Theres Nadig 1:52,47 min
6 ITA Christina Tissot 1:52,52 min
7 CAN Kathy Kreiner 1:52,81 min
8 NOR Toril Førland 1:53,07 min
- - - -
11 SUI Bernadette Zurbriggen 1:53,49 min
13 LIE Hanni Wenzel 1:53,80 min
14 FRG Evi Mittermaier 1:53,88 min
19 SUI Marianne Hefti 1:55,95 min
26 SUI Rita Schnider 1:57,26 min
33 LIE Ursula Konzett 1:59,45 min
37 LIE Andrea Riesch 1:59,72 min
38 FRG Traudl Treichl 1:59,86 min

Weltmeisterin 1972: Marie-Theres Nadig (SUI)
Datum: 7. Februar, 12:00 Uhr
Länge: 2400 m, Höhenunterschied: 575 m
Tore: 23

Am Start waren 50 Läuferinnen, 42 von ihnen erreichten das Ziel.

Ausgeschieden u.a.: Claudia Giordani (ITA), Irmgard Lukasser (AUT), Rosi Mittermaier (FRG), Cindy Nelson (USA)

Riesenslalom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportlerin Zeit
1 FRA Fabienne Serrat 1:43,18 min
2 FRG Traudl Treichl 1:43,72 min
3 FRA Jacqueline Rouvier 1:43,81 min
4 AUT Annemarie Moser-Pröll 1:44,24 min
5 AUT Monika Kaserer 1:44,35 min
6 USA Barbara Ann Cochran 1:44,51 min
7 LIE Hanni Wenzel 1:44,55 min
8 USA Marilyn Cochran 1:44,73 min
- - - -
10 AUT Brigitte Schroll 1:45,01 min
14 AUT Irmgard Lukasser 1:46,11 min
15 FRG Christa Zechmeister 1:46,64 min
16 SUI Marianne Jäger 1:47,08 min
18 FRG Elisabeth Mayr 1:47,64 min
25 LIE Ursula Konzett 1:50,21 min
34 LIE Andrea Risch 1:53,21 min

Weltmeisterin 1972: Marie-Theres Nadig (SUI)
Datum: 3. Februar, 12:00 Uhr
Höhenunterschied: 405 m
Tore: 65

Am Start waren 61 Läuferinnen, 48 von ihnen erreichten das Ziel.

Ausgeschieden u.a.: Claudia Giordani (ITA), Michèle Jacot (FRA), Kathy Kreiner (CAN), Rosi Mittermaier (FRG), Lise-Marie Morerod (SUI), Marie-Theres Nadig (SUI), Cindy Nelson (USA), Bernadette Zurbriggen (SUI)

Slalom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportlerin Zeit
1 LIE Hanni Wenzel 1:34,63 min
2 FRA Michèle Jacot 1:35,15 min
3 SUI Lise-Marie Morerod 1:35,29 min
4 FRA Fabienne Serrat 1:35,61 min
5 ITA Claudia Giordani 1:36,19 min
6 FRG Rosi Mittermaier 1:36,39 min
7 AUT Monika Kaserer 1:36,61 min
8 NOR Toril Førland 1:36,72 min
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10 FRG Pamela Behr 1:38,23 min
13 AUT Irmgard Lukasser 1:38,93 min
29 LIE Ursula Konzett 1:45,37 min

Weltmeisterin 1972: Barbara Ann Cochran (USA)
Datum: 8. Februar, 10:00 Uhr (1. Lauf), 13:00 Uhr (2. Lauf)
Länge: 420 m, Höhenunterschied: 135 m
Tore: 52 (1. Lauf), 52 (2. Lauf)

Am Start waren 62 Läuferinnen, 42 von ihnen erreichten das Ziel.

Ausgeschieden u.a.: Betsy Clifford (USA), Barbara Ann Cochran (USA), Marilyn Cochran (USA), Danièle Debernard (FRA), Brigitte Hauser (AUT), Annemarie Moser-Pröll (AUT), Marie-Theres Nadig (SUI), Traudl Treichl (FRG), Christa Zechmeister (FRG), Bernadette Zurbriggen (SUI)

Mit Start-Nr. 13 ins Rennen gegangen, kam Zechmeister gleich im ersten Tor nach der Zwischenzeit, bei der sie mit 22,06 sec. die beste Marke auswies, zu Sturz. Diese Passage war schon bei Rennbeginn als «Schlüsselstelle» erkannt und vor ihr gewarnt worden. Rosi Mittermaier war nach dem ersten Lauf auf Rang 3 gelegen, fiel aber noch auf den 6. Platz zurück. Hanni Wenzels Start war kurzfristig in Frage gestanden, nachdem sie sich drei Wochen zuvor beim Abfahrtstraining in Bad Gastein verletzt hatte und nun mit Knieschützern am rechten Bein fuhr..[5]

Kombination[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Sportlerin Punkte
1 FRA Fabienne Serrat 20,14
2 LIE Hanni Wenzel 25,31
3 AUT Monika Kaserer 27,44
4 CAN Judy Crawford 45,83
5 NOR Toril Førland 54,52
6 NOR Anette Schaumburg 102,26
7 NOR Siri Møling 112,33
8 GBR Valentina Iliffe 120,33

Weltmeisterin 1972: Annemarie Pröll (AUT)
Am Start waren 61 Läufer, 15 von ihnen klassierten sich. Die Positionen wurden nach einem Punktesystem aus den Ergebnissen der Abfahrt, des Riesenslaloms und des Slaloms ermittelt.

Medaillenspiegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz Land Gold Silber Bronze Gesamt
1 OsterreichÖsterreich Österreich 3 3 2 8
2 FrankreichFrankreich Frankreich 2 1 1 4
3 ItalienItalien Italien 2 1 3
4 Liechtenstein 1937Liechtenstein Liechtenstein 1 1 1 3
5 Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland 1 1 2
6 KanadaKanada Kanada 1 1
Polen 1944Polen Polen 1 1
8 SchweizSchweiz Schweiz 1 1
Spanien 1945Spanien Spanien 1 1

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. «WM in St. Moritz, Falun». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 30. Mai 1971, S. 12.
  2. «Alpine Ski-WM in St. Moritz gefährdet?». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 6. Dezember 1973, S. 15.
  3. Ski-WM beginnt mit Frauen-Riesenslalom und Spalte 5 oben: Ein schlechter Start In: Süddeutsche Zeitung Nr. 28, 2. Februar 1974
  4. «Abfahrt ohne Franz Vogler»; letzter Absatz; «Süddeutsche Zeitung» Nr. 34 vom 9. Februar 1974, Seite 30
  5. «Deutsche Slalomläuferinnen rutschen aus» und «Christa Zechmeisters schwarzer Freitag»; «Süddeutsche Zeitung» Nr. 34 vom 9./10. Februar 1974, Seite 30